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Dem Aufruf zum "Klimastreik“ folgten heute viele

Die gestrige Klima-Demo auf dem Rathausplatz.Das kleinere Foto zeigt den Initiator Daniel Pilz. :  Fotos: Lothar Kaiuser

Für eine gerechte und konsequente Klimapolitik demonstrierten heute Mittag zahlreiche Schülerinnen und Schüler und auch einige Erwachsene nach dem Beispiel früherer Aktionen von „Fridays for Future“ (FFF) auf dem Rathausplatz. Eingeladen hatte zu diesem friedlichen Protest „das „Bündnis Remscheid“, das der ehemalige Kopf der Remscheider FFF-Bewegung, Daniel Pilz, aus der Taufe gehoben hatte. Seine Mitstreiter:innen gestern, die am Mikrofon ebenfalls das Wort ergriffen, waren Sofia Rodriguez Eckwert, Belinda Tillmanns und Julian Ring. Das „Klimacamp“ gleich nebenan hatten sie am vergangenen Samstag eröffnet. Dabei hatte es zwar eine Reihe guter (klimapolitischer) Gespräche gegeben, der große Zulauf war aber ausgeblieben. Dafür entschädigte gestern der Remscheider Beitrag zum weltweit ausgerufenen „Globalen Klimastreik“. (Bericht wird morgen fortgesetzt)

 Belinda Tillmanns und Sofia Rodriguez Eckwert. Foto: Lothar KaiserBelinda Tillmanns und Sofia Rodriguez Eckwert:

Sofia: „Einige von euch denken bestimmt, man könne in Remscheid nichts bewegen, und dass diese Demo unnötig sei. Bullshit! Die Bundestagswahl ist am Sonntag, und mit diesen Demos, die heute in ganz Deutschland stattfinden, machen wir den Kandidat*innen ordentlich Feuer unterm Hintern.“

Belinda: „Schau dir doch mal die Parteiprogramme an.  Da wird einem klar, dass man als Wähler nicht viel erreicht, wir müssen selbst aktiv werden. Von Klimaneutralität und Klimaschutz wird viel geredet. Aber sogar die Ziele, die gesetzt sind, weder nicht eingehalten geschweige denn durchgesetzt. Manche von euch mögen fragen, warum soll sich in Deutschland was tun, wenn zum Beispiel China viel schlimmer ist als wir. Aber dabei muss man beachten, dass die Bevölkerung von China 17-mal so groß ist wie unsere, ihr C02 Ausstoß jedoch nicht. Pro Kopf stoßen wir in Deutschland circa 9,2 Tonnen C02 Emissionen im Jahr aus, in China jeder pro Kopf nur circa acht Tonnen. Also im Klartext für alle: Deutschland ist ein riesen Problem! Denn sicher ist, dass wir spätestens 2032 aus der Kohleindustrie aussteigen müssen, damit wir uns an das Pariser Abkommen halten können, so dass die Erderwärmung nicht über 1,5 Grad steigt.“

Sofia: „Heißt Deutschland muss sich ändern, aber auch jeder einzelne: Weniger Fast Fashion kaufen und mehr in Second Hand Läden! Und beim Einkaufen daran denkst, dies saisonal, regional und unverpackt zu tun. Ich weiß, dass es manchmal schwer ist auf Sachen zu verzichten die man gerne haben möchte, aber alle Textilgeschäfte Allee-Center sind Fast Fashion Brands. Wovon nicht ein Unternehmen ihre Arbeiter*innen gut behandelt und gerecht bezahlt. Außerdem wird 60 Prozent der Fast Fashion aus Polyester hergestellt, das aus klimafeindlichem Erdöl gewonnen wird.“

Belinda: „Jede noch so kleine Sache, die du für das Klima machst, trägt nicht nur dazu bei, dass du deinen Co2 Fußabdruck verringerst, sondern auch, dass du dein Bewusstsein stärkst. Also lebe bewusst, nachhaltig und gehe wählen, wenn du kannst!“ (gekürzte Fassung)

Fotos: Lothar KaiserJulian Ring:

Wir müssen uns den Klimaschutz leisten, weil wir uns die Klimakrise definitiv nicht leisten können! Die 100 größten Unternehmen emittieren 71 Prozent der globalen CO2 Emissionen.  Es werden jährlich 122.000 Quadratkilometer Regenwald gerodet. Es sterben täglich 150 Arten aus, bzw. werden durch die umweltschädliche Agrarpolitik der EU ausgerottet. Und dagegen können und müssen wir was machen. Also lasst uns gemeinsam für eine klimagerechte Welt kämpfen.

Habt Ihr schon mal an einer Braunkohlegrube gestanden? Einerseits ist es faszinierend, diese bis zu 100 Meter großen Bagger zu sehen. Im selben Moment fühlt man sich aber auch sehr bedrückt. Dass riesige Landstriche zerstört werden. Dass Erinnerungen mit den Dörfern in den Abgrund gezogen werden und nichts mehr davon bleibt. Und das alles nur wegen der Profitgier einiger Unternehmen und einigen Politiker:innen.  Aber egal , ob Finanzkrise, Flüchtlingskrise, Coronakrise oder Klimakrise. Am Ende landet man, ob man es will oder nicht, beim Kapitalismus. Durch die ungebremste Profitgier, die der Kapitalismus mit sich bringt, ist es kein Wunder, dass wir Massentierhaltung, Rodung der Regenwälder, Artensterben, Überfischung aber auch Vermüllung der Meere und Ozeane, multiresistente Bakterien und sich pandemisch ausbreitende Zoonosen erleben und uns so jegliche Lebensgrundlage nehmen.

Der Kapitalismus kann nicht anders, als die Gewinnmaximierung auf Kosten der Umwelt, aber auch der Arbeiter:innen auf die Spitze zu treiben. Dabei ist er sehr effizient dabei, möglichst viel Kapital mit möglichst wenig Einsatz zu erzielen. Dass dabei versucht wird, „teuren“ Umweltschutz auszutricksen, sieht man immer wieder. An den Modeunternehmen, die die Arbeitsplätze in Länder outsourcen, in denen Menschenrechte mit Füßen getreten werden, die Arbeiter:innen ohne Schutzausrüstung mit Chemikalien arbeiten müssen und diese schlussendlich in die Umwelt gekippt werden. Daran wird auch ein grün angepinselter Kapitalismus nichts ändern.

Aber der Kapitalismus ist kein Naturgesetz! Er ist von Menschen erdacht. Die Geschichte hat gezeigt: Die Gesellschaft kann sich ändern, auch die Politik und die Wirtschaft. Seien es die Rechte der Schwarzen und der Frauen, bessere Arbeitsbedingungen, für die die Gewerkschaften streiken, sei es eben ‚Fridays for future‘. Es gibt viele Möglichkeiten sich einzusetzen.“ (gekürzte Fassung)

Fotos: Lothar KaiserDaniel Pilz:

„Ich finde es klasse, dass wir heute gemeinsam hier sind, dass ihr hier auf dem Rathausplatz seid und das wir nach unserer letzten Klima-Demo 2019 endlich wieder Flagge zeigen für eine moderne und vor allem klimafreundlichere Stadt. Wir haben damals gemeinsam mit vielen Schülersprecherinnen und Schülersprechern im FFF Organisations-Team und mit fast 1000 von euch Schülerinnen und Schülern hier auf dem Rathausplatz demonstriert. Das war eine Zeit, in der auf der ganzen Welt Millionen von jungen Menschen für eine gerechtere und sinnvollere, aber auch sozial verträgliche Klimapolitik auf die Straße gegangen sind. Danach ist unsere FFF-Bewegung leider nicht mehr so aktiv gewesen. Deshalb habe ich im April dieses Jahres das ‚Bündnis Remscheid‘ ins Leben gerufen. Mir ist dabei wichtig, dass Klimaschutz in einer Industriestadt wie Remscheid sozial abgefedert abläuft. Mit Augenmaß!

Die Klimakrise rollt an, ist in Teilen sogar schon zu spüren. Sie ist das größte Problem unserer Zeit . Und die Politik macht weiter so gut wie nichts. So kann und so darf es nicht bleiben, wir fühlen uns weiterhin nicht ernst genommen und deshalb senden wir heute als Jugend der Stadt ein klares Signal an die Politik: Schafft endlich eine Basis für ein soziales, modernes, klimafreundliches und zukunftsorientiertes Remscheid!

Vor zwei Jahren haben wir gemeinsam mit den Schülervertretungen und Umweltexperten der Politik zwölf Forderungen gestellt. Dazu gehörte jährlich eine autofreie Ratssitzung des Stadtrates. Bedeutet, dass die Ratsmitglieder nicht mit dem Auto kommen dürfen und dass lokale Klimaschutzthemen zentrale Themen der Sitzung sind.  Diese Forderung wurde von konservativen Kräften blockiert und nie umgesetzt. Und das, obwohl sich alle aktuell im Wahlkampf mit Werbesprüchen rund ums Klima schmücken und kräftig damit Werbung machen.

Die  wahrscheinlich wichtigste lokale Forderung war der Wunsch nach einem Sofortprogramm für grünere Schulhöfe. Die jetzigen Asphaltwüsten müssen einfach weg!Jeder Schüler und jede Schülerin soll kostenlos eine hochwertige Mehrwegtrinkflasche zur Verfügung gestellt bekommen, um Plastikflaschen endlich aus den Schulen zu verbannen und überflüssig zu machen. Und jede Schule sollte funktionierende Wasserspendern bekommen, um die Flaschen auffüllen zu können. Außerdem forderten wir, dass sich die Politik endlich mit dem Problem der Elterntaxis beschäftigt. Aber da müssen wir uns selber an die Nase fassen. Morgens auf anderen Wegen zur Schule zu kommen als mit dem Auto, kann dein erster Beitrag zu einer umweltfreundlicheren Stadt sein! Wenn viele kleine Leute viele kleine Schritte tun, dann werden sie das Gesicht der Welt verändern. Und genau das wollen wir doch!

Ich kann euch wirklich nicht so genau sagen, warum so wenig passiert ist. Liegt es an Corona, dass in den letzten zwei Jahren alles überschattet hat? Ich weiß es nicht aber ich glaube eher dass es an dem liegt, was wir immer und immer wieder zu hören bekommen: Ihr seid zu jung, ihr habt doch keine Ahnung. Wir haben ein Recht darauf ernst genommen zu werden. Deshalb werden wir die zwölf Forderungen von 2919 der Politik nochmals übergeben.

Das ‚Bündnis Remscheid‘ setzt sich aber nicht nur für mehr sozialen Klimaschutz in Remscheid ein. Ich möchte, dass klar ist, dass wir uns Hass, Hetze und Spaltung in den Weg stellen und Rassismus und Ausgrenzung keinen Platz in Remscheid haben. Froh bin ich darüber, dass die AFD in Remscheid keine Basis hat. Wir müssen dafür sorgen, dass das auch so bleibt!“ (gekürzte Fassung)

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Kommentare

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Harald Sellner am :

Es wird höchste Zeit, dass dem Klimawandel etwas entgegen gesetzt wird. Deshalb finde ich es toll, wenn sich die jungen Leute dafür stark machen. Ich unterstütze sie in diesem Vorhaben gern und hoffe, dass die Bundestagswahl dafür eine gute Lösung ergibt. Deshalb nicht konservativ wählen, dass gefährdet die Zukunft unser Jugend.

Stefan Holzhauer am :

ich war ebenfalls vor Ort und finde es in hohem Maße bedauerlich, dass Oberbürgermeister Mast-Weisz es nicht für nötig befunden hat, dort zu erscheinen. Was erneut beweist, dass die SPD es mit Klimaschutz nicht so hat. Wenn man nicht "konservativ" wählen soll, was ich unterstütze, schließt das die SPD mit ein.

Lothar Kaiser am :

Erst Recherche, dann Kritik. Der OB ist in Quimper.

Norbert Landen am :

Ja, Herr Holzhauer, wo bleibt die Entschuldigung?

Klaus Robert Schmidt am :

Aus der Abwesenheit des OB zu schliessen, dass es die SPD mit dem Klimaschutz nicht ernst nimmt, grenzt schon an Kleinkariertheit hoch Drei.

Burkhard Mast-Weisz am :

50 Jahre Partnerschaft Remscheids mit Quimper: das sind 50 Jahre Freundschaft und der unbändige Willen, in einem geeinten und friedvollen Europa zu leben. Unsere Partnerschaftsvereine sind tolle Motoren des regelmäßigen Austausches. Bürgermeisterin Isabelle Assih und ich haben eine Deklaration unterzeichnet, in der wir uns vereinbart haben, bei allen bedeutenden Zukunfstthemen der Nachhaltigkeit, der künftigen Energieversorgung, der Mobilität und der Kreislaufwirtschaft zusammen zu arbeiten. Wir stehen gemeinsam in der Verantwortung, die Schöpfung zu bewahren und den nachfolgenden Generationen eine wirkliche Zukunft zu garantieren. Danke an unsere wunderbaren Freunde in Quimper.

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