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Wenn Sie das verstehen, sind Sie gewiss gelernter Banker

Remscheid stöhnt auf: Schulden steigen um 12,7 Millionen €, schrieb der Waterbölles am 18. Februar, nachdem Oberbürgermeisterin Beate Wilding, Stadtdirektor/Stadtkämmerer Jürgen Müller und Bernd Imig, dem Leiter der Stadtkasse- und Steueramtes über schief gelaufene „Zocker-Geschäfte“ mit Derivaten zur Absicherung von Kreditzinsen berichtet hatten. Dass es bei diesem Verlustgeschäft von 12,7 Millionen Euro nicht bleiben würde, deutete Stadtdirektor Müller schon damals an. Es gebe noch weitere Geschäfte mit Zins-Derivaten. Wie sich jetzt aus Verwaltungsvorlagen für den nichtöffentlichen Teil der morgigen Finanzausschuss-Sitzung ergibt, handelt es sich um drei sogenannte SWAP-Geschäfte im Umfang von insgesamt 150 Millionen Euro. Ein weiterer SWAP über 50 Millionen Euro spekuliert auf einen günstigen Wechselkurs des Schweizer Franken gegenüber dem Euro. Dieses Geschäft und einer der drei SWAPs wird von der Verwaltung als weniger problematisch angesehen. Bei den anderen beiden errechnet sich allerdings gegenwärtig im ungünstigsten Fall für die Stadt ein Verlust von 6,82 Millionen Euro. Weshalb die Verwaltung dem Finanzausschuss auch vorschlägt, eines dieser beiden Geschäfte nun vorzeitig aufzulösen. Der aktuelle Rückkaufwert (gleich Verlust) ist in der Vorlage mit 2,21 Millionen Euro angegeben. Macht zusammen 14,91 Millionen miese. Der Waterbölles zitiert aus der Verwaltungsvorlage jene Passage, die sich mit dem Geschäft beschäftigt, das nun beendet werden soll. Auch wenn anzunehmen ist, dass die meisten Leserinnen und Leser nicht viel mehr als „Bahnhof“ verstehen. Aber so kompliziert sind derartige Spekulationsgeschäfte nun mal:

„Swap Ref. Nr. 1698279 D WestLB, Laufzeit: 26.3.2007-26.3.2010. Dieser Swap beinhaltet die Konditionen, dass der 10 Jahreszinssatz mindestens 24,5 Basispunkte über dem 3 Monats Euribor-Zins liegt.

Beispiel:10 Jahreszins 4,6 Prozent, 3 Monats- Euribor 4,34 Prozent, Differenz 0,26 Prozent gleich 26 Basispunkte. Ist die Differenz kleiner als die vereinbarten 24,5 Basispunkte, zahlt die Stadt Remscheid einen Zins von 7,8 Prozent; im Gegenzug erhält die Stadt einen Zins von 2,8 Prozent; die Mehrbelastung beträgt also fünf Prozent pro Berechnungsperiode ( eine Periode = drei Monate ). Resultierende Maximalbelastung pro Jahr: EUR 2.500.000.

Aktuell liegt die Differenz bei minus fünf Basispunkten ( sprich der 10 Jahreszins ist niedriger im Wert als der kurzfristige 3 Monats-Euribor), im Verlaufe diesen Jahres belief sich der Differenzhöchstwert auf maximal zwölf Basispunkte.

Das Geschäft läuft noch bis März 2010 (= 2,25 Jahre), dies würde bis dahin daher im Extremfall zu Gesamtzahlungen in Höhe von EUR 5.625.000 führen.

Bei diesem Geschäft steht mit Datum zum 26.03.2008 eine bereits gefixte und valutierte Zah­lung zu Lasten der Stadt Remscheid in Höhe von 625.000,00 fest. Der hierzu aktuelle Rückkaufswert ( Stand 7.3.2008, 9.23 Uhr) beläuft sich auf 2.210.000,00 . Wenn der Rückkauf beschlossen wird, entfällt hierdurch die Zahlungsverpflichtung zum 26.3.2008 in Höhe von 625.000 zu Lasten der Stadt Remscheid. Sprich: Bei rechtzeiti­gem Rückkauf ist der dann aktuelle Rückkaufswert zu entrichten und der Valutatermin 26.3.2008 entfällt dann.

Unter Berücksichtigung der Laufzeit bis zum 26.3.2010 (Worstcase von 5.625.000 ) emp­fiehlt sich ein Ausstieg aus diesem Geschäft zum entsprechenden Rückkaufswert.“

Soweit das Zitat aus der Verwaltungsvorlage. Alles verstanden? – Ja? Dann haben Sie bestimmt eine Banklehre hinter sich …

PS: Diejenigen Ratsmitglieder, die es verstanden haben, mögen sich bitte melden!

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Kommentare

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Harald Fetsch am :

Als Außenstehender hat man ziemlich Probleme, das Handeln zu verstehen. Bei Einführung des „Zinsmangements“ habe ich das in der örtlichen Presse so verstanden, dass aktiv nach günstigen Zinskonditionen gesucht wird. Eventuell war auch von Zinsabsicherung die Rede. Bei dem diskutierten Sachverhalt kann davon keine Rede sein. Seit Anfang des Milleniums ist das Zinsniveau schon Jahre durchgehend niedrig gewesen. Mit nur geringen Änderungen. Auch gab es immer wieder umgekehrte Zinsstrukturen, also das längere Laufzeiten zinsgünstiger sind als kürzere. Auch wurde in Wechselkursen spekuliert. Das war alles bekanntes Risiko dieser Swap-Geschäfte. Allgemein bekannt ist auch der Grundsatz, dass man immer nur mit Geld spekulieren soll, was man verschmerzen kann. Für mich stellt sich die Frage, warum und wer hat sich auf diese Spekulationsgeschäfte eingelassen? Sinnvoller wäre wohl die Umwandlung eines Teil der Kassenkredite in mittelfristige Kredite gewesen, um sich Zinssätze zu sichern. Ganz ohne Risiko.

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