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Stele als Mahnmal für verfolgte Sinti und Roma

Es ist schon eine kleine Tradition geworden: Mit einer feierlichen Gedenkminute in der Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall Remscheid zelebriert der gleichnamige Trägerverein den  „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ – in diesem und dem vergangenen Jahr angesichts der pandemischen Lage allerdings nur in kleinem Kreis. As weiterer Ort des Gedenkens wird sich künftig das Mahnmal für verfolgte Sinti und Roma anbieten, dass der Verein am Blaffertsberg in Lüttringhausen plant. Der Verein will dort eine Stele nebst Mahntafeln mit erklärenden Hinweisen errichten. "In eigener Verantwortung“, wie es in einer städtischen Vorlage für den Naturschutzbeirat und die Bezirksvertretung Lüttringhausen heißt. „Die Stadt unterstützt ihn  bei den notwendigen Vorbereitungsmaßnahmen.“ Der Verein bemühe sich um, die Erinnerungskultur für die Opfer des Nationalsozialismus. „Neben vielen   Menschen jüdischen Glaubens, Mitgliedern der Gewerkschaften, der sozialdemokratischen und der kommunistischen Partei wurden auch Sinti und Roma, die in Remscheid lebten, nach Ausschwitz verschleppt und ermordet“.

Lager von Sinti und Roma gab es 1943 am Gründerhammer und am Blaffertsberg. Letzteres befand sich in einem Felsenhalbrund, das später beim Bau des Industriegebietes zugeschüttet wurde. In Remscheid lebten damals mehr als 90 Sinti und Roma. Sie wurden am 2. März 1943 aufgrund des sog. „Ausschwitz-Erlasses“ festgenommen und am 3. März mit der Eisenbahn ins  Konzentrationslager Ausschwitz transportiert. Darunter waren auch Maria Meinhardt und Johann Diesenberger mit ihren acht Kindern. Auf dem Weg zur Gaskammer gelang es der Mutter noch, ihren ältesten Sohn Friedel in ein Gebüsch zu stoßen.

Vater Johann Diesenberger und Sohn Friedel sowie Siegmund Freund, der bis 1936 Schüler der EMA war, gehörten zu den halbverhungerten Menschen eines „Todesmarsch“ der Nazis, die am 3./4. Mai1945 von amerikanischen Truppen befreitet wurden. Auf dem Marsch hatte Johann Diesenberger seinen Sohn Friedel mehr als 20 Kilometer getragen. „Wenn du ihn fallen lässt, erschieße ich euch beide!“, hatte ein SS-Mann gedroht.. Friedel Meinhardt hat diese Szene nicht vergessen und sie später seiner Tochter Bluma erzählt, mit der die Gedenk- und Bildungsstätte in Kontakt steht – wie auch seit vielen Jahren mit Siegmund Freund.

Im Lager am Blaffertsberg lebten nach heutigem Kenntnisstand in den 1940-er Jahren neben der Familie Meinhardt auch die Familien Diesenberger, Mettbach, Bamberger und Reinhardt in Wohnwagen und Behelfsunterkünften. Sie verdienten ihren Lebensunterhalt durch den Verkauf selbstgefertigter Waren, durch Dienstleistungen sowie durch Arbeit in umliegenden Betrieben. Besonders beliebt bei den Menschen der Umgebung waren die Auftritte von Musikern in Gaststätten in Wuppertal-Ronsdorf und Lüttringhausen.  

Etwa 30 Meter entfernt von der damaligen Wohnstätte, einem Felsenhalbrund, das später im Zuge der Entwicklung des Industriegebietes Am Blaffertsberg zugeschüttet wurde, soll nun die Erinnerungs-Stele der Künstlerin Ayla Corstanje-uncu errichtet werden, die mit Bluma Meinhardt befreundet ist. „Die Konzeption des Denkmals nimmt stellvertretend … das Schicksal der Familie Meinhardt/Diesenberger in den Fokus“, heißt es in der Verwaltungsvorlage. Am Blaffertsberg hatte ein Zeitzeuge, der mit Blumas Vater Friedel Meinhardt (genannt Schmito) seit Kindertagen befreundet war, von wichtigen Details aus dem Leben der Familie Meinhardt und der anderen dort lebenden Familien berichtet. Unterstützt von Bluma Meinhardt konnte der Verein so Informationen über das damalige Geschehen gewinnen. Aufgrund eigener Recherchen liegen dem Verein auch zahlreiche Urkunden vor, die die Existenz des „Lagers“ am Blaffertsberg bzw.an der Klausener Straße bescheinigen.

Zitat aus der Mitteilungsvorlage der Stadt: „Es ist unsere Verantwortung gegenüber den Opfern von Faschismus und Krieg, aber auch mit Blick auf für die Bewahrung von Menschenrechten und die Würde eines/r jeden/r einzelnen, die Erinnerung daran, wozu Rassenwahn und mörderische Energie in der Lage waren, nicht nur zu bewahren. Es ist unser aller Auftrag, die Gräueltaten des Faschismus als ständige Mahnung für heutiges verantwortliches Handeln und das klare Einstehen für unsere Verfassung, unsere Demokratie zu verstehen.“

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Chronist am :

Am 2. März um 12 Uhr wird der Verein „Gedenk- und Bildungsstätte Pferdestall Remscheid e.V.“ an der Klausener Straße am Blaffertsberg in unmittelbarer Nähe der Wohn- und Lagerstätte der von dort am 2. bzw. 3. März 1943 ins Konzentrationslager Auschwitz deportierten Remscheider Roma- und Sinti-Familien eine Gedenkfeier abhalten. Dabei wird Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz zu den Versammelten sprechen. Teilnehmen wird auch Bluma Meinhardt, die Tochter von Friedel Meinhardt, der gemeinsam mit seinem Vater als einer der wenigen die Deportation, die anschließenden KZ-Aufenthalte sowie die anschließenden Todesmärsche überleben konnte. Seine Mutter und die sieben Geschwister wurden in Auschwitz vergast. Die freie Journalistin und Autorin Bluma Meinhardt wird von ihrer Band Romeny Jag begleitet.

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