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Hilfe kam vom Betreuer, der Krankenkasse und dem Gericht

„Im Netz der Pflegemafia“ heißt ein Buch von Claus Fussek, zu dem Waterbölles-Leser Manfred Dörpfeld ein weiteres Kapitel beisteuern könnte. Mögliche Überschrift: "Auf der Krankenstation ruhig gestellt“. Aber lesen Sie selbst.

Von Manfred Dörpfeld

Eine 72 jährige Frau serbischer Nationalität lebte über 35 Jahre in Remscheid. Sie hatte sich einen kleinen Immobilienbesitz geschaffen, bekommt eine kleine Rente. Im Mai 2007 fasste sie den Entschluss, zurück zu ihrer  Schwester und Nichte nach Novi Sad in Serbien zu gehen, um dort den Rest ihres Lebens zu verbringen. Doch kurz vor ihrer Ausreise bekam sie einen Schlaganfall. Es folgten zwei weitere  leichte Schlaganfälle, und nach einigen Wochen Aufenthalts  in einem Remscheider Klinikum wurde sie nach Köln in eine REHA-Einrichtung verlegt. Für den Fall, dass ihr Schlimmeres zustoße, erhielt ich von ihr eine ehrenamtliche Betreuervollmacht.

Als ich sie zu der  REHA-Einrichtung begleitete, war die Rentnerin zwar rechtsseitig gelähmt, jedoch geistig  in  ganz normaler Verfassung, In den ersten Tage der Unterbringung  verlief alles problemlos; man befragte sie nach Einkommen und Vermögen,  ihren Vorstellungen vom weiteren Lebensablauf. Dann wendete sich das Blatt. Bei meinen Besuchen in Köln, bis zu dreimal wöchentlich, stellte ich fest, dass es ihr körperlich, besonders aber geistig schlechter ging. Zeitweise konnte  sie keine zusammenhängenden Sätze mehr sprechen. Nach Einnahme von Medikamenten klagte sie über Kopfschmerzen, Schwindel, Durchfall, Übelkeit, Mundtrockenheit, zeitweise hatte Sehstörungen.

Für den behandelnden Stationsarzt in der REHA schien das alles kein Problem zu sein. Gegen Kopfschmerzen gab es Schmerzmittel, gegen Durchfall gab es Pampers, und da der Durchfall von einem Virus kommen sollte, gab es  Schutzkleidung und Handschuhe, um nicht andere Patienten anzustecken. Gegen Schwindel gab es Schutzgitter ans Bett, damit sie nicht aufstehen und fallen konnte; außerdem gab es  Beruhigungs- und  Schlafmittel.

Bei Nachfragen sagte mir der Stationsarzt, man werde die Patientin in Köln in ein Betreutes  Wohnen verlegen. Ich verwies auf meine Vollmacht, nach der ich über eine Unterbringung in andere Einrichtungen notfalls alleine entscheiden sollte. Um zu versuchen, die an mich ausgestellte Vollmacht zu umgehen, beantragte der Stationsarzt einen amtlichen Betreuer bei Gericht. Der Rentnerin ging es nun von Tag zu Tag schlechter, sie lag im Bett, die Schutzgitter waren hoch, ihre Notdurft hatte sie unter sich gehen lassen, auf das Klingeln nach einem Pfleger wurde nur selten reagiert.

Auf meine Beschwerde bei der zuständigen Krankenkasse reagierte der Stationsarzt sehr ungehalten und pochte darauf, die Frau in eine andere Einrichtung zu verlegen; sie sei nicht reisefähig. Ich setzte mich in Absprache mit der Krankenkasse durch. Am Freitag, den 18. Januar 2008 wurde entschieden, die Frau kommt nach Remscheid, zunächst  in ein Alten- und Pflegeheim. Die REHA-Einrichtung benötigte für die Entlassung und Enduntersuchung wegen des bevorstehenden Wochenende vier Tage. Am Dienstag, 22. Januar 2008, begleitete ich die Frau von Köln nach Remscheid. Sie war plötzlich geistig wieder in besserer Verfassung  (Medikamentenumstellung, oder war es Zufall?).

In dem Alten- und Pflegeheim in Remscheid ging es der Frau durch vorsorgliche Betreuung und vertrauensvolle Behandlung gleich wesentlich besser. Bereits sechs Tage später konnte sie im Rollstuhl wieder die frische Luft und die umliegende ländliche Idylle Lüttringhausens genießen. Die von dem Stationsarzt in Köln beantragte Betreuung durch einen amtlichen Betreuer wurde vom Amtsgericht Remscheid am 5. Februar 2008  für nicht erforderlich erklärt. Begründung: Es sei keine Geschäftsunfähigkeit feststellbar, und meine Vollmacht sei ausreichend. Nach 19 Tagen im Alten- und Pflegheim in Lüttringhausen erklärte der behandelnde Arzt die Frau für reisefähig. Ich begleitete sie am 11. Februar 2008 per Flugzeug nach Novi Sad zu ihrer Schwester und Nichte; dort fühlt sie sich wohl.

Da stellt sich für mich die Frage: Was geschieht mit Patienten, die niemanden haben, der sich um ihre Angelegenheiten kümmert.  Jeder sollte einer Vertrauensperson rechtzeitig eine Vollmacht erteilen. Sollte Ihnen einmal in einem ähnlichen Fall etwas seltsam vorkommen, sprechen mit einem Berater der zuständigen Krankenkasse, auch wenn Sie nicht im Besitz einer Vollmacht sind. Die Krankenkassen dürfen ihnen dann zwar keine Auskunft geben, werden der Sache jedoch zum Wohle des Patienten nachgehen.

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