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Gemeinschaftliches Fastenbrechen gestern Abend im Rathaus

Das Fasten im Ramadan gehört zu den wichtigsten Geboten des Islam. In dieser Zeit stehen innere Besinnung und Enthaltsamkeit im Vordergrund, und das Fastenbrechen ist für viele islamische Familien einer der Höhepunkte des Jahres. Wegen Corona hatte die Stadt Remscheid in den vergangenen zwei Jahren nicht zum gemeinschaftlichen Fastenbrechen in den großen Sitzungssaal des Rathauses einladen können. Umso mehr freute sich Oberbürgermeister Burkhard Mast-Weisz, dazu gestern wieder Vertreter der muslimischen und der christlichen Gemeinden sowie Kommunalpolitikerinnen und Kommunalpolitiker begrüßen zu können: „Endlich können wir wieder aus Anlass des heiligen Monats Ramadan gemeinsam hier im Rathaus gemeinsam das Fastenbrechen begehen. Zwei Jahre war dies auf Grund der Corona-Pandemie nicht möglich.“ Das gemeinsame Fastenbrechen im Rathaus habe mittlerweile eine langjährige Tradition (ab 2014). „Hier gemeinsam das Brot zu brechen und miteinander das Fasten zu brechen, steht als Symbol dafür, dass der Islam zu unserer Stadt gehört. Es steht dafür, dass wir gemeinsam Verantwortung für unsere Stadt tragen. Es steht dafür, dass wir uns gemeinsam für ein gutes Miteinander, für Respekt und gegenseitige Wertschätzung einsetzen. Es steht dafür, dass wir uns für unsere Demokratie einsetzen, uns gegen jede Form von Diskriminierung stellen. Es steht dafür, dass wir unseren Beitrag dafür liefern wollen, dass die Welt friedlicher, gerechter wird, dass wir unsere Verantwortung für den Erhalt der Schöpfung wahrnehmen werden und unseren Kindern und Kindeskindern eine Erde überlassen, die weiterhin lebenswert ist. Klimaschutz und Bewahrung der Schöpfung ist gleichermaßen eine gemeinsame Verantwortung von uns allen. Denn unser Nichthandeln oder Wegsehen heute würde später auf uns zurückfallen.“

Es seien herausfordernde Zeiten, betonte der OB. „Seit über zwei Jahren leben wir quasi in einem Krisenmodus. Die Corona-Pandemie war und ist für viele Menschen in unserer Stadt eine erhebliche Belastung. Lockdown und Beschränkungen im täglichen Leben wirkten sich auf alle Lebenslagen aus. Unsere Kinder erlebten monatelang Schule nur noch digital, manche Remscheiderinnen und Remscheider mussten im Beruf mit massiven Einschnitten zurechtkommen.“  Feste seien ausgefallen, Begegnungen kaum noch möglich gewesen. „Dann erlebte unsere Stadtgesellschaft die Nacht vom 14. auf den 15. Juli, als ein schreckliches Unwetter Morsbach und Eschbach über die Ufer treten ließ und Firmen wie Privathäuser unter Wasser setzte. Viele haben ihr Haus, ihr Auto, ihren Garten, ihr Hab und Gut verloren. Wir sind glimpflicher davongekommen als die Menschen an Ahr und Erft. Und dennoch, der materielle und vor allem der seelische Schaden waren immens.“ Burkhard Mast-Weisz dankte „all denen, die in der Zeit danach und bis heute mit angepackt haben, um beim Aufräumen zu helfen, gespendet haben, diese Spenden verteilt haben, den Betroffenen mit Rat und Tat zur Seite standen und bis heute stehen.“

Und nun seit acht Wochen der Krieg in der Ukraine! „Wieder kommen Geflüchtete zu uns, die von der Stadtgesellschaft herzlich aufgenommen werden“, so der Oberbürgermeister. „Ich möchte mich bei allen bedanken, die dies mit großem ehrenamtlichen Engagement unterstützen. Das gilt für viele, zum Beispiel für die Kirchengemeinden, die Anlaufadressen für die hierhin Geflüchteten geschaffen haben. Mittlerweile leben mehr als 700 Menschen aus der Ukraine bei uns – zumeist Frauen und Kinder. Ihnen nicht nur Sicherheit und Schutz zu bieten, sondern auch Beratung und Betreuung ist eine große und herausfordernde Aufgabe, bei der viele mit anpacken.“

Die Sorge davor, dass der Krieg weitere Auswirkungen auf unser Leben haben könne, werde nicht geringer, fuhr das Stadtoberhaupt fort. „Manche Lebensmittelregale sind leergekauft, die Sorge vor Lieferengpässen bei Öl und Gas beschäftigt viele. Wir müssen schmerzhaft lernen, dass wir in einer globalen Welt leben und von dieser globalen Welt abhängig sind. Mikrochips aus Japan, Sonnenblumenöl aus der Ukraine, Öl und Gas aus Russland, viele Dinge des täglichen Lebens aus China: Wenn die Welt hustet, merken wir es hier. Daher bedeutet dies im Umkehrschluss, dass wir uns nicht abschotten können, nicht nur auf unser lokales Glück schauen dürfen. In einer globalen Welt müssen wir Mitverantwortung tragen für viele Dinge, die weltweit passieren.“

Der herbeigesehnte Frieden in der Ukraine sei auch ein Frieden für uns, eine weitere Eskalation wäre auch eine Eskalation bei uns, betonte Mast-Weisz. Gemeinsame Verantwortung gelte nicht nur weltweit, sondern auch für unsere Stadt: „Wir sind gemeinsam dafür verantwortlich, wie es den Menschen in unserer Stadt geht. Die Bildung unserer Kinder, ein würdevolles Leben im Alter, die soziale Gerechtigkeit für alle, der Schutz unserer Demokratie, unserer Freiheit.“ Dankbar sei er dafür, „dass die Vertreterinnen und Vertreter der Religionsgemeinschaften sich engagiert für das Wohl unserer Stadt einsetzen.“ Mit der Einladung zum Fastenbrechen zeigten die muslimischen Gemeinden alljährlich im Ramadan, dass sie sich selbst als integrierten Bestandteil unserer Stadtgesellschaft verstehen. Dafür und für wichtiges Engagement gerade in den vergangenen Monaten, als es um die Bekämpfung der Corona-Pandemie und die Sicherstellung einer hohen Impfquote ging, bedanke er sich sehr.

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Kommentare

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Lothar Kaiser am :

Das Fasten habe der Islam mit anderen Religionen gemeinsam; es sei eine seiner fünf Säulen, sagte gestern Erden Nachtwein, die Vorsitzende des Remscheider Integrationsrates – „ein Fasten, um Ruhe und Entspannung zu finden, ein Fasten zur Reinigung von Körper und Seele“! Moral und Menschenwürde seien Grundwerte der menschlichen Existenz, betonte sie in ihrem kurzen Grußwort, in dem sie auch auf Besonderheiten des muslemischen Fastens im Ramadan einging. „Juden, Christen und Muslime halten Abraham für den Stammvater ihrer Religion“, so Erden Ankay-Nachtwein abschließend. „Auch das eint diese drei Religionen“. (Wobei die Existenz Abrahams in der Fachwelt nicht unumstritten ist.) Das Gebet zum Fastenbrechen sprach gestern Halil Üstünyer, der Hodscha des muslimischen Gemeinde an der Freiheitstraße. An die Adresse der Gemeinde: Da mich einige Passagen irritiert haben, würde ich den Text gerne noch einmal nachlesen können. Für die evangelischen und katholischen Gemeinden ergriff gestern Pastor André Carouge (Friedenskirche) das Wort. Er zitierte aus der Lutherbibel: „Gott gebe euch viel Barmherzigkeit und Frieden und Liebe!“ (Lukas 14). Gerade den Frieden habe die Welt in diesen Tagen sehr nötig. Neben dem katholischen Stadtdechant Thomas Kaster und der evangelischen Superintendentin Antje Menn nahm auch deren Vorgänger Hartmut Demski am Fastenbrechen teil.

Jürgen Koball am :

Welche Passagen, des Textes, sorgten denn für Irritationen?

Lothar Kaiser am :

Hallo Herr Koball, aus der Erinnerung heraus kann ich sie nicht wiederholen. Deshalb meine Nachfrage.

Jürgen Koball am :

Der sunnitische Islam kennt vier Rechtsschulen. Der Knackpunkt ist, wie geht der Islam mit anderen Religionen um. Findet eine Akzeptanz statt oder werden diese Menschen als Unglaeubige oder sogar als Gottesleugner eingestuft.

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