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Krieg in der Ukraine schadet bergischen Unternehmen

Pressemitteilung der Universität Wuppertal

Mit Auslaufen der Corona-Schutzmaßnahmen schien ein nachhaltiger Aufschwung der Bergischen Wirtschaft in 2022 als sehr wahrscheinlich. Tatsächlich stieg die Nachfrage nach Waren und Dienstleistungen – mit Ausnahme vom stationären Einzelhandel - im ersten Quartal 2022 sogar weiter an und lag auf einem hohen Niveau. In der Industrie sind die Auftragsbücher demzufolge noch gut gefüllt. Anhaltende Lieferengpässe verhindern jedoch häufig, dass die bestehenden Aufträge im dafür angesetzten Zeitrahmen abgearbeitet werden können. Gleichzeitig belasten stark gestiegene Preise von Vorprodukten, die Gewinnmargen der Industrie, da diese die Preissteigerung nicht immer an ihre Kunden weitergeben können. Mit Beginn des Angriffskriegs der russischen Armee in der Ukraine, hat sich diese Situation verschärft. Zusätzlich belasten stark gestiegene Energiepreise die Profitabilität der Unternehmen im Bergischen Städtedreieck.

„In einem normalen Marktumfeld würden die aktuellen Aufträge den Unternehmen ausreichen, um ein Rekordergebnis zu erzielen. Aktuell müssen aber Aufträge wegen Lieferengpässen und Preissteigerungen aufgekündigt oder verschoben werden.“ so Prof. Dr. André Betzer, Vorsitzender des Wuppertaler Institut für Unternehmensforschung und Organisationspsychologie (WIFOP). Zudem haben viele exportorientierte Unternehmen beschlossen, ihr Russlandgeschäft einzustellen, was wiederum zu weiteren Umsatzrückgängen führt.

Während die Nachfrage nach industriellen Gütern und Dienstleistungen im ersten Quartal 2022 noch auf einem hohen Niveau liegt, ist der private Konsum eingebrochen. Der stationäre Nicht-Lebensmittelhandel ist hiervon besonders betroffen. Die saisonbereinigte Nachfrage nach entsprechenden Konsumgütern liegt deutlich unter dem Niveau des Vorquartals. „Egal ob an der Zapfsäule oder im Supermarkt, Verbraucher spüren aktuell die deutlich gestiegenen Preise. Damit stehen ihnen weniger finanzielle Mittel für nicht lebensnotwendige Anschaffungen zur Verfügung. Zudem besteht durch den Krieg in der Ukraine eine hohe Verunsicherung bzgl. der weiteren Energiepreisentwicklung “, erläutert Jun.-Prof. Dr. Markus Doumet die aktuelle Entwicklung im Handel.

Ebenfalls unter den stark gestiegenen Energiepreisen leidet die Transport- und Logistikbranche im Bergischen Städtedreieck. Nach einem deutlichen Anstieg der Preise für Diesel, liegt der Anteil der Krafstoffkosten an den Gesamtkosten im Fernverkehr – basierend auf verschiedenen Schätzungen - aktuell bei rund 30 Prozent. Vor dem Hintergrund eines möglichen Energieembargos ist vor allem die Erwartungskomponente, die als Indikator für die Geschäftsentwicklung im zweiten und dritten Quartal gilt, eingebrochen.

Zunächst positiv in das Jahr gestartet, ist die Bergische Bauwirtschaft. Die Sanktionen gegen Russland und ausbleibende Importe aus der Ukraine haben jedoch erneut zu Lieferengpässen und Preissteigerungen von Baustoffen geführt. Neben der Verteuerung von erdölbasierten Produkten, belastet vor allem ein deutlicher Preisanstieg von Baustahl die Baukonjunktur. In den letzten Wochen ist der Stahlpreis zwar wieder gesunken, liegt aber immer noch deutlich über dem Niveau zu Jahresbeginn. Neben höheren Baustoffpreisen wirken sich auch die seit Mitte Januar kontinuierlich gestiegen Zinsen für Baufinanzierungen negativ auf die Rahmenbedingungen für Bauherren aus. „Steigende Baupreise, in Kombination mit steigenden Finanzierungskosten, werden im Jahresverlauf zu einem Rückgang der Nachfrage nach Bauleistungen führen“, prognosiziert Prof. Dr. André Betzer die Entwicklung der Baukonjunktur. Mit einem Saldowert von rund -70 Prozent fallen die Erwartungen der vom WIFOP befragten Unternehmen aus der Bauwirtschaft ebenfalls pessimistisch aus.

Weniger stark von der Ukrainekrise betroffen, ist der Dienstleistungssektor im Bergischen Städtedreieck. Neben einer signifikant positiven Beurteilung der aktuellen Geschäftslage, fallen die Geschäftserwartungen besser als in allen anderen Sektoren aus. Mit +2,9 Prozent liegt der Saldowert für die Geschäftserwartungen knapp im positiven Bereich. Demnach wird mehrheitlich davon ausgegangen, dass sich im Dienstleistungssektor die wirtschaftliche Lage im kommenden Halbjahr nicht wesentlich verändert. Inwieweit die Robustheit des Dienstleistungssektors anhält, wird maßgeblich vom weiteren Verlauf des Kriegs in der Ukraine und den damit verbunden Sanktionsmaßnahmen abhängen. An der Umfrage zum Regionalen Konjunkturbarometer haben 214 Unternehmen (mit rund 19.000 Beschäftig-ten) teilgenommen. Die Umfrage für das 2. Quartal 2022 beginnt am 15. Juni 2022. Interessierte Unternehmen können sich hierzu kostenlos über die Webseite https://www.regionales-konjunkturbarometer.de registrieren.

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