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Oberbürgermeisterin reagiert auf Kritik von Unternehmern

Oberbürgermeisterin Beate Wilding. Foto: Lothar Kaiser„Träumen wir gemeinsam“, stand in der Wirtschaftsbeilage des RGA vom vergangenen Montag über einem Artikel, in dem Friedhelm Sträter, der Präsident der bergischen Industrie- und Handelskammer, sich eine Vision für das Jahr 2018 hatte einfallen lassen. Zitat: „Basis der positiven Entwicklung (Anm.: gemeint ist die Zeit zwischen 2008 und 2018) war der Aufschwung der regionalen Wirtschaft, (…) der Verdienst unserer ideenreichen und kreativen Unternehmer.“ Gemeint war wohl „das Verdienst“. - Ein Beispiel dafür, w i e  ideenreich einzelne Unternehmer sein können, lieferte heute auf einer Pressekonferenz die Remscheider Oberbürgermeisterin Beate Wilding: „Da kam jemand zu mir und forderte mich auf, dafür zu sorgen, dass aus seinem Gewerbegrundstück Bauland wird – damit er es dann teurer verkaufen und so seine Betriebsverlagerung ins Umland leichter finanzieren könne.“ Wilding auf Nachfrage: „Ja, es gibt Unternehmer, die fordern Rechte ein, die ihnen nicht zustehen!“

Anlass der heutigen Pressekonferenz waren „Medienberichte der vergangenen Tage“. Den Namen „RGA“ nahm die Oberbürgermeisterin nicht in den Mund. Nur so viel: „Es hat persönliche Angriffe und Beleidigungen gegen mich gegeben. Ob berechtigt oder unberechtigt, will ich gar nicht bewerten. Aber sie schaden dem Ruf der Stadt und bringen meine Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in Misskredit, die hervorragende Arbeit leisten!“

Wer die RGA-Beilage aufmerksam gelesen hat, findet einiges, was Beate Wilding auf die Palme gebracht haben könnte. Da wird Frithjof Grande, der Vorstandsvorsitzende der Volksbank, mit den Worten zitiert: „ Es herrscht ein heilloses Durcheinander. (…) Hier übernehmen Politik und Verwaltung keine Verantwortung. (…) Wir brauchen jemand an der Spitze dieser Stadt, der eine Strategie hat, der verantwortlich ist und die Fäden in der Hand hält.“ Oder IHK-Geschäftsführer Michael Wenge: „In Wermelskirchen, Hückeswagen oder Radevormwald ist die Wirtschaftsförderung Chefsache.“ In Remscheid nicht? Nein, in Remscheid sei die Situation unbefriedigend: „Da sagt Mann A das Eine und Frau B etwas anderes, weil sie aus unterschiedlichen politischen Lagern stammen. Es werden Zusagen gemacht, dann verschoben, und zwei Monate später kann sich keiner mehr daran erinnern.“ Und Unternehmer Klaus Kühn wird noch persönlicher: „Im Remscheider Rathaus mangelt es gravierend an Personen mit Führungserfahrung und Führungskompetenz. Das nehme ich Frau Wilding gar nicht übel: Sie ist gelernte Schuhverkäuferin …“

Mag sein, dass zu Zeiten eines Baudezernenten Helmut Kennepohl Remscheider Unternehmer den Eindruck haben konnten, als würden ihnen lieber heute als morgen Extrawürste gebraten. Die Normalität sieht jedenfalls anders aus. Und muss es auch. Beate Wilding heute: „Es darf keine Bürger erster und zweiter Klasse geben. Gesetze und Verfügungen sind für alle Bürger gleich; die Verwaltung muss für a l l e Bürger verlässlich sein. Und die Ziele legen Verwaltung und Politik gemeinsam fest – in Verantwortung für a l l e Bürger!“

Stadtplaner Hans Gerd Sonnenschein. Foto: Lothar KaiserAufgegriffen wird in der RGA-Beilage auch die Abwanderung der Firma Bornemann nach Wermelskirchen. Das zeige, befand Klaus Koralowski, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, „dass in Rat und Verwaltung eine Laienspielgruppe am Werk ist. (…) Remscheid sagt nicht, was geht, sondern was nicht geht.“ Und Klaus Kühn ergänzte: „Auch bei Bornemann hätte nur jemand sagen müssen: Die volkswirtschaftliche Gewichtung wiegt schwerer als der Landschaftsschutz“. Wieder eine Extrawurst??!! Stadtplaner Hans Gerd Sonnenschein betonte heute, dass die Stadt Remscheid die Bauvoranfrage habe ablehnen müssen: „Auch die Bezirksregierung stellte bei einem Ortstermin fest: Keine Baugenehmigung in einem Landschaftsschutzgebiet; das wäre rechtswidrig!“ Ein alternatives Grundstück in Remscheid habe die Firma sodann ausgeschlagen und sich für ein preiswerteres Gelände in Wermelskirchen entschieden. Sonnenschein: „Mit den dortigen Grundstückspreisen können die bergischen Großstädte nicht konkurrieren“.

Auf der Pressekonferenz merkt man Beate Wilding ihre Betroffenheit an. Sie bemühe sich nun seit drei Jahren um die Wirtschaftsförderung. Aber sie sei nun einmal kein Showgirl, keine Selbstdarstellerin. Das stelle sich als schwierig heraus in einem ohnehin schwierigen Arbeitsfeld. Aber das Erreichte könne sich sehen lassen und rechtfertigte es, die Stadt ins rechte Licht zu rücken. Remscheid habe kein schlechtes Image verdient. Und dann wird die Oberbürgermeisterin konkret, nennt Zahlen: „29 Firmen sind in den vergangenen drei Jahren in Remscheid neu angesiedelt worden, davon 15 im gewerblich-industriellen Bereich. Das hat 700 neue Arbeitsplätze gebracht!“ Und zusätzlicher Gewerbesteuereinnahmen. Von 46,8 Millionen Euro in 2005 seien die städtischen Einnahmen aus der Gewerbesteuer bis 2007 auf 68,9 Millionen gestiegen. Natürlich auch im Zuge des allgemeinen wirtschaftlichen Aufschwungs.

Schützenhilfe kommt von Stadtplaner Hans Gerd Sonnenschein. Am Bahnhof Lennep, in Mixsiepen, Ueberfeld und Bergisch Born gebe es noch freie Gewerbeflächen, und in den nächsten Wochen werde die Stadt auch an anderer Stelle Gelände verkaufen, damit heimische Betriebe expandieren könnten. Vermarktet würden ferner leerstehende Hallen von Edscha, Barmag und Alexanderwerk. Und es fallen die Namen anderer Remscheider Firmen, die ihre Erweiterungspläne realisieren konnten oder demnächst können: Grimm, Gommann, Dirostahl, Klingelnberg (nächste Woche soll eine neue Halle eingeweiht werden), Vaillant und Diehl. Insgesamt habe es in den vergangenen drei Jahren im Stadtgebiet 45 Betriebsverlagerungen bzw. -erweitungen gegeben, fährt Sonnenschein fort. Diese Maßnahmen zur Standortsicherung heimischer Betriebe hätten auch zu neuen Arbeitsplätzen geführt. Beate Wilding: „Regelmäßige Firmenkontrakte sind für mich selbstverständlich!“ In diesem Zusammenhang weist sie darauf hin, dass es ihr gelungen sei, die Firma HBB als Bahnhofsinvestor zurückzuholen, nachdem ihm die Politik „aus einem Bauchgefühl heraus“ ein Jahr zuvor eine Absage erteilt hatte.

Auch durch neue Discounter wurden in Remscheid zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen, zwischen 200 und 250. Beate Wilding hat zwar Verständnis für jene Grundstücksbesitzer, die ihr Gelände wegen des höheren Erlöses gerne ebenfalls an eine Supermarktkette verkaufen würden. Aber: "Wenn wir alle Discounter zuließen, würden wir den heimischen Einzelhandel ernsthaft gefährden!“ Und noch einmal die Klarstellung: „Politik und Verwaltung sind allen Bürgern verantwortlich, nicht einzelnen!“

Manchmal gelte es abzuwägen, greift Hans Gerd Sonnenschein den Ball auf und nennt als Beispiel ein Industriegelände am Jägerwald: „Dafür interessierten sich zwei Firmen, Schein und Clouth. Der Rat der Stadt hat sich für die Firma Schein entschieden; sie hatte 200 Arbeitsplätze mehr zu bieten als de Firma Clouth. Die ist dann abgewandert; Flächen in Bergisch Born waren ihr zu teuer!“ Das sei auch der Grund dafür gewesen, dass die Firma Padre nach einem Brand vom Morsbachtal in eine Nachbarstadt gezogen sei.

Remscheids größtes Problem in puncto Wirtschaftsförderung ist – neben zahlreichen Landschafts- und Wasserschutzgebieten – vor allem die topografische Lage. Sie macht die Erschließung von Gewerbegebieten teurer. Umso wichtiger für die Stadt, geeignetes Gelände möglichst günstig zu erwerben. Beate Wilding: „Wenn Zwischenergebnisse aus Vertragsverhandlungen indiskret nach draußen getragen werden, schadet das nur!“ Und einen Atemzug weiter: „Eine zweite ‚Blume’ darf uns nicht passieren! Wir haben einen als Satzung beschlossenen Bebauungsplan, aber nur fünf Prozent der Flächen sind bislang in städtischem Besitz. Bislang konnte noch kein einziges Grundstück erworben werden. Und Druck von außen macht die Verhandlungen auch nicht leichter!“ Zumal der Rat der Stadt erklärt habe, auf Enteignungen verzichten zu wollen. Deshalb sehe sich die Bauverwaltung inzwischen schon nach anderen Gewerbegrundstücken um. Ein schwieriges Unterfangen, gibt Wilding zu. „Es ist ja nicht damit getan, aus einer Wiese ein Gewerbegebiet zu machen. Das erfordert teure Infrastrukturmaßnahmen; der Verkehr muss fließend dorthin kommen und auch wieder zurück. Eine Industrieansiedlung auf Zuruf ist nicht machbar." Auch wenn sich das mancher Unternehmer offenbar anders vorstelle.

Oberbürgermeisterin Beate Wilding hat es so in der Pressekonferenz nicht gesagt, aber zwischen den Zeilen klang es wiederholt durch: Es gibt für Rat und Verwaltung, Industrie, Gewerbe und Handwerk viel zu tun. Gemeinsam, nicht gegeneinander. Im Interesse der Stadt und aller Bürger. Packen wir`s an. Und hören wir auf zu nölen!

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Kommentare

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Roland Kirchner am :

Die Aussagen von Herrn Sonnschein haben mich gewundert: "Stadtplaner Hans Gerd Sonnenschein betonte heute, dass die Stadt Remscheid die Bauvoranfrage habe ablehnen müssen." Also, ich würde den Schriftsatz gerne mal sehen. Bisher hat die Verwaltung, so meine Erkenntnisse, nur auf Zeit gespielt und das Verfahren künstlich in die Länge gezogen. Diese Haltung hat die Fa. Bornemann nach Wermelskirchen getrieben, keine abgelehnte Bauvoranfrage. Zweite Aussage: "Keine Baugenehmigung in einem Landschaftsschutzgebiet; das wäre rechtswidrig!“ Sicherlich darf man das mal wieder nicht pauschal betrachten, denn im Sonnenhof hätten die Anwohner es gerne so gehabt. Nun gibt es aber einen Bebauungsplan, der das Landschaftsschutzgebiet in Bauland wandelt. Geht doch, wenn die Verwaltung will!!! Wie war das noch mit den Extrawürsten? Die einen bekommen sie gebraten, die anderen ersticken dran!!!

Chronist am :

In den regionalen Hörfunknachrichten des WDR war Beate Wilding heute im O(riginal)-Ton zu hören: "Ich habe mal unter anderem Verkäuferin gelernt. Aber wenn man mir dann vorwirft, dass ich mich dann 30 Jahre lang nicht weiter entwickelt hätte, dann ist das eine Unverschämtheit schlechthin. Soll ich Mediziner sein, soll ich Betriebswirt oder soll ich Jurist sein? Fachleute sind bei mir die Dezernenten, sind die Amtsleiter, sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dieser Stadt, und ich bin Fachfrau genug in vielen Bereichen, so dass ich mich durchaus durchsetzen kann."

Peter Maar am :

Wenn man beispielsweise den Unternehmer Klaus Kühn hört, muss man annehmen, dass Remscheid an einem wirtschaftlichen Abgrund steht. So sieht der "Abgrund" - an einigen Beispielen dargestellt - aus (Quelle: Aktuelle Remscheider Wirtschaftsdaten, Statistikstelle der Stadt Remscheid, Dezember 2007): - Der Umsatz des verarbeitenden Gewerbes (Betriebe mit 20 und mehr Beschäftigten) stieg in einer schwierigen Zeit von 2.579.798.000 € in 2002 um ca. 427 Mio. € auf 3.006.382.000 € in 2006. Zahlen für 2007 lagen noch nicht vor, sie werden aber einen weiteren beachtlichen Anstieg ausweisen. Der Auslandsumsatz machte davon 51,4 % (2006) aus. - Die Arbeitslosenquote sank von 11,9 % im Jahre 2005 auf 8,6 % im Oktober 2007. - Die Zahl der Unternehmensinsolvenzen ging von 90 im Jahre 2004 auf 15 im Jahre 2006 zurück. - Das verfügbare Einkommen je Einwohner betrug in 2005 in Remscheid je Einwohner 21.046 Euro und lag damit 12,4 % über dem NRW-Landesdurchschnitt. Im Vergleich der kreisfreien Städte in NRW nimmt Remscheid beim verfügbaren Einkommen je Einwohner seit Jahren einen Spitzenplatz ein (immer unter den ersten drei Städten). Armes Remscheid? Zum Reizthema Gewerbeflächen: Durch die Firma Planquadrat ist im Jahre 2002 festgestellt worden, dass die Remscheider Betriebe über firmeneigene Erweiterungsflächen von mehreren hunderttausend Quadratmetern verfügen. In den letzten Jahren hat die Bauverwaltung diese Zahlen bewusst verschwiegen. Im Rahmen unternehmerischer Solidarität könnte man doch sicher in dem einen oder anderen Fall mal weiterhelfen?!

Michael Dickel am :

Traue nur einer Statistik, die du selbst gefälscht hast. Gehen Sie von einer jährlichen Preiserhöhung von ca. fünf Prozent aus, bedeutet der gesteigerte Umsatz von 2002-2006 gar nichts. Und ob davon 51 Prozent ins Ausland verkauft wurden oder nicht, hat erst dann Aussagekraft, wenn das Ausland aufgrund der zu hohen Preise oder eines woanders günstigeren Angebots nicht mehr in Deutschland, ergo in Remscheid kauft. Die Arbeitslosenquote ist überall gesunken - das ist kein Verdienst Remscheider Wirtschaftspolitik. 2004 war die Kreditvergabe der Banken restriktiver als 2006, auch diese Zahl sagt mir nichts über den wirklichen Zustand der Remscheider Wirtschaft aus. Am schönsten ist die Statistik über das verfügbare Einkommen je Einwohner. Herr Maar, Ihr Einkommen um 12 Prozent höher, weil Sie in Remscheid wohnen? Meines nicht. Kann es sein, dass es daran liegt, dass in Remscheid nur besonders viele reiche Menschen wohnen, die den Schnitt anheben? Zum Thema Gewerbeflächen. Hat Planquadrat in Ihrem Gutachten festgestellt, dass Blume nicht gebraucht wird? Meines Wissens - Nein.

Julian Kleuser am :

Herr Dickel, ich stimme Ihnen voll und ganz zu. Die Neuansiedlungen, die Erweiterungen und die geschaffenen Arbeitsplätze sind leider keine Erfolge, die von der Stadt ausgingen, sondern Erfolge, die auf Grund der weltweiten Konjunktur zu verzeichnen sind. Man sollte sich nicht mit etwas schmücken, was einem nicht steht. Die Philosophie der Stadt muss sich endlich ändern, d.h. gerade im Bereich Bauen etc. sollte die Stadt ein Dienstleister sein, der gewissen Kriterien unterliegt. Der wirkliche Wille scheint ab und an zu fehlen!

Christoph Humpert am :

Ich bin 26 Jahre jung. Ich bin in Remscheid zur Schule gegangen. Ich habe in Remscheid eine Ausbildung absolviert, und momentan bin ich Student. Ich bin der einzige von meinen Freunden, der nach seiner Ausbildung noch in der Stadt geblieben ist! Der einzige!!! Alle anderen sind nach Düsseldorf, Köln, Wuppertal oder weiter weggezogen. Meine Freunde sind nicht weggezogen, weil die Stadt so hässlich ist (im Gegenteil), sondern weil die Stadt ihnen wenig bietet! Wirtschaftlich ging es für Remscheid in den letzten Jahrzehnten nur bergab, das Haushaltsdefizit wird faktisch gar nicht bekämpft, und Familienfreundlichkeit ist in Remscheid ein Fremdwort. Wenn die Politiik und Verwaltung so weitermachen, ziehen sogar die jungen Menschen weg, die Sozialhilfe beziehen usw. Darüber könnte sich die Stadt ja fast freuen, wenn dann nicht alle jungen Menschen weggezogen wären! Möchte die Stadtverwaltung etwa Remscheid zur Deutschen Seniorenresidenz machen? Falls das so ist, wäre das wenigstens mal eine Vision. Die Stadt der Altenheime. Die Politik sollte ENDLICH aufwachen und das riesige Potenzial der Stadt nutzen und nicht nur nach Ausreden suchen! Am meisten sollten sich die Grundstücksbesitzer der Blume schämen! Hier sollte die Politik eine Enteignung so schnell es geht voranbringen. Diese Eigentümer verhindern NEUE Arbeitsplätze für junge Remscheider! Zur Erinnerung: Die Blume befindet sich direkt an der Filetautobahn A1!!! Wäre die Blume Wermelskirchener Stadtgebiet, dann würden dort SCHON LANGE florierende Unternehmen stehen. Also baut endlich dieses Gewerbegebiet! Und jetzt mal ein Denkanstoss für Lüttrinhauser Bürger: Schaut euch mal ein Satelittenbild von Remscheid an. Dabei müsste euch klar werden, dass Remscheid von unendlich viel Wald umgeben ist. Es sollte also machbar sein, auf die Blume zum Spazierengehen zu verzichten. Das Haushaltsdefizit muss endlich angegangen werden. Durch den Tarifvertrag im öffentlichen Dienst wird natürlich alles nochmal komplizierter, aber wieso wird in der Politik nicht über einen Nottarifvertrag diskutiert? Solche Nottarifverträge gibt es auch in anderen Kommunen. Der Vorschlag von Burkhard Mast Weisz, immer mehr Schulden auf Kosten der jungen Generation zu machen, ist ein schlechter Witz. Ebenso sind Gebührenerhöhungen der Stadt und Familienfreundlichkeit negativ korreliert und somit auch eine schlechte Lösung. Wenn es auch nur einen einzigen Betriebswirt unter den 1600!!! (ohne Stadtwerke usw.!!!!!!) Stadtmitarbeitern geben würde, dann sollte es schnell zu begreifen sein, dass die Kosten gesenkt werden müssen. Da man sich gegen die Blume mit Ihren Gewerbesteuer-Millionen verschließt, wird man sich auch nur über Kostensenkungen an einen ausgeglichenende Haushalt annähern. Da scheinbar niemand der 1.600 Leute Betriebswirt ist, wird diese Erkenntnis wohl LEIDER niemals in Rathaus und Rat ankommen. Es gibt noch unendlich viele weitere liegengebliebene Probleme in dieser Stadt. Frau Wilding hat auf ihrer Pressekonferenz leider keinen einzigen Lösungsansatz für diese Probleme gegeben.

Chronist am :

„In der Remscheider Politik, in der Verwaltung und bei manchen Bürgern fehlt es leider am notwendigen Verständnis für die Belange der Wirtschaft. Ohne erfolgreiche Unternehmen aber gibt es keine Arbeitsplätze.“ Das betonte Heinz-Helmut Kempkes, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Wuppertal-Solingen-Remscheid, in der gestrigen (3. April) Sitzung des IHK-Bezirksausschusses Remscheid. An Problemanalysen – auf der Basis von Gutachten oder persönlicher Einschätzung – fehle es nicht. „Remscheid hat vielmehr ein Umsetzungsproblem und dringend verbesserungsbedürftige Organisationsstrukturen innerhalb der Verwaltung“, so der IHK-Vizepräsident. Auch die mangelhafte Zusammenarbeit zwischen Politik und Verwaltung sei ein großes Problem. Dringend notwendig sei es, den von der Politik schon oft zugesagten Wirtschaftsausschuss einzurichten. Zudem müsse die Wirtschaftsförderung eine der ersten Prioritäten Remscheider Politik werden, verbunden mit einem schlagkräftigem Serviceinstrument. „Wir brauchen einen Ansprechpartner für die Abwicklung von Verfahren und Formalitäten und nur eine Hotline. Dieser Ansprechpartner muss innerhalb der Verwaltung weisungsbefugt sein und Fristen vorgeben können“, unterstrich Kempkes. Die zurzeit verbesserte wirtschaftliche Basis in Remscheid sei nicht wegen, sondern trotz einer in vielen Fällen schlechten städtischen Wirtschaftspolitik von den Unternehmen und deren Beschäftigten erarbeitet worden. Kempkes abschließend: „Das Klima für den Erhalt von Arbeitsplätzen und die Ansiedlung weiterer Unternehmen kann für die Zukunft nur dann gestärkt werden, wenn alle an einem Strang und in die gleiche Richtung ziehen! Gefordert sind optimistische und führungsstarke Personen, solche, die in Lösungen und nicht in Problemen denken.“ (IHK-Pressetext)

Hans Gerd Göbert am :

Mein Vater sagte oft zu mir: "Jong, wenn du hie en Remsched Ongernehmer weeren wulst, dann motts du es irsch dreei Joor op die Klageakademie jonn!" Das ist heute noch hoch aktuell. Mir hängt die Jammerei von breiten Kreisen der Remscheider Unternehmerschaft langsam auch zum Hals raus. Es gibt aber auch Ausnahmen. Die Beschimpfungen der OB passen jedoch in keine Schublade mehr und sind einfach nur asozial. Da freut es mich, dass Heinz-Helmut Kempkes zwar auch deutliche, aber doch wesentlich moderatere Worte gefunden hat. Niemand zweifelt daran, dass die OB Defizite im Aufgabenbereich als Verwaltungschefin hat. Ihr wohl größter Fehler war es jedoch bisher, sich betont zurück zu halten. Traurig ist es aber, dass sie in ihrem direkten Umfeld wenig Unterstützung fand. Ihre Tätigkeit als Repräsentantin dieser Stadt möchte doch sicher niemand in Frage stellen? Natürlich macht es Sinn, einen speziellen Ansprechpartner mit betriebs-u. volkswirtschaftlichem Hintergrund im Rathaus zu installieren. Dem jedoch gleich Vollmachten über alle Verwaltungsbereiche zu erteilen, würde doch bedeuten, dass der gesamte Verwaltungsvorstand nach Hause geschickt werden könnte. Und dass eine Stelle neu geschaffen werden muss. Nämlich die eines Pförtners im Livrée, der mit tiefer Verbeugung den Unternehmern die Tür zum Rathaus öffnen würde. Mich ärgert auch mächtig, dass viele Unternehmer ständig von neuen Gewerbegebieten faseln. Ohne zu wissen, dass es dafür in RS nur noch ein paar winzige geeignete Flächen gibt, und zwar für alle Ewigkeit. Auch in Wermelskirchen oder Hückeswagen zaubert man auf Dauer nicht fortwährend neue Gewerbe-Kaninchen aus dem Hut. Eine Zeitlang dachte ich, die wollten das nicht kapieren. Inzwischen denke ich da noch ganz anders. Ich staune auch, dass es um die Auswanderungen nach Tschechien, Polen, in die Ukraine oder gar die Mongolei so mächtig ruhig gworden ist. Ihre Meisterleistung haben die üblichen Verdächtigen jedoch mit ihrem stümperhaften Vorgehen und dem jämmerlichen Scheitern ihres Schaufensters abgeliefert. Dennoch sollte man sich freuen, wenn aus ihren Reihen bald eine Person präsentiert wird, die jung, dynamisch, durchsetzungsstark, innovativ, freundlich, mehrsprachig, optimistisch und kreativ ist. Die Betriebs-u. Volkswirtschaft, Jura, Bauwesen und Sozialwissenschaft studiert hat. Außerdem bereit ist, für die Präsenz der Stadt auf allen möglichen Veranstaltungen fast jedes freie Wochenende zu opfern. Und deshalb 2009 als parteilose Kandidatin/Kandidat zur Wahl des Oberbürgermeisters antritt. Nein, nicht etwa im Sinne der Lobby, sondern im Interesse aller Bürger dieser Stadt.

Carsten Heiermann am :

Interessant ist doch auch, wie deutlich und persönlich die Angriffe werden mussten, damit überhaupt mal irgendetwas Relevantes von Fachfrau Wilding zu hören ist. Ich kann mich kaum erinnern, wann man zuletzt in der Presse mal so deutliche Worte der OB gelesen hat. Aber genützt hat es immer noch nichts, denn ehrlich gestanden finde ich es sehr schwach, den Appell, den Versuch des Wachrüttelns der Unternehmer nun mit "Gegenangriffen" zu beantworten und damit letztendlich schlicht zu ignorieren. Und den Unternehmen vorzuwerfen, Sie würden Ungebührliches und ohnehin viel zu viel einfordern. Die Unternehmen seien ja nun auch nicht wichtiger als die Bürger. Hm, das hatte auch keiner für sich in Anspruch genommen?! Bürger gibt es aber nur mit Arbeitsplätzen und in wohnlichen Quartieren.... Auch die schnell hervorgekramten Zahlen und Anekdoten, die beweisen sollen, dass nun so schlimm doch alles gar nicht sei - das ist ja wohl ein Scherz! Man muss sich mal in die Bahn setzen und nach Remscheid fahren und mal hören, was die Remscheider so zu sagen haben, was sie bewegt. Und was die Leute sagen, wenn sie am Hauptbahnhof aussteigen. Man muss sich mal mit offenen Augen umsehen, wie es an vielen Stellen in der Stadt aussieht! Eindeutig ist da der Geruch von Niedergang festzustellen. Man hat den Eindruck, dass eine Stimmung von "Ist mir egal, bin eh bald in Wermelskirchen oder Hückeswagen" durch Remscheid geht. Schlimm genug, dass es so weit kam. Aber kein Grund, dem tatenlos zuzusehen! Aber statt den Appell nun endlich aufzugreifen und das Ruder herumzureissen, fühlt man sich auf den Schlips getreten und sagt: "Meine Leute und ich machen alles richtig, was wollt Ihr von mir." Und, statt an den Misständen zu arbeiten sagt man seitens der Verwaltung - wider besseren Wissens und wider der allgemeinen Stimmung - ungeschränkt: "Remscheid ist schön". Schönen Dank auch.

Felix Staratschek am :

IHK-Präsident Friedhelm Sträter sieht für den Schienenverkehr folgende Zukunft: "Übertroffen wird alles vom ‚Bergischen Trassenverbund’. An den Wochenenden und in den Ferien überschwemmen uns geradezu die Inliner und Fahrradfahrer. Die zu Fuß- und Radwegen umgestalteten ehemaligen Bahnlinien haben sich als Besuchermagneten entwickelt. Der Rad- und Skater- Tourismus hat viele Arbeitsplätze in Gastronomie, Hotellerie und technischen Service geschaffen."(RGA-Sonderbeilage vom 31.3.2008) Wo sollen denn beim bergischen Wetter die Umsätze für Hotels oder Servicebetriebe herkommen? Es wundert einen schon, wenn man so was aus den Reihen der IHK liest! Sollte die IHK nicht die langfristigen Interessen der Industrie und des Handels vertreten? Was braucht die Industrie auf Bahntrassen dringender, Rad- und Wanderwege oder eine leistungsfähige Infrastruktur für den Transport von Waren und Personen. Wenn man auf der Seite der heimischen IHK nach dem Begriff Gleisanschlussförderung sucht, sucht man vergebens. Ganz anders z.B. die IHK München, die dies als einen Chance begrüßt, die Schiene wieder für die Wirtschaft nutzbar zu machen. Schaut man mal in die topographischen Landkarten oder auf die Luftbilder von Google Earth, dann fallen einen im Wuppertaler und Remscheider Raum die großen Industrieanlagen auf, die nicht weit von den zurzeit stillgelegten Gleisanlagen entfernt sind. Ist es nicht angesichts der Ölpreisentwicklung und neuer technischer Logistikkonzepte angebracht, die noch vorhandenen Bahntrassen als Eisenbahn zu erhalten und Schritt für Schritt zu reaktivieren? Wie wäre es mit einer Verlängerung der Regiobahn, die von Düsseldorf über Mettmann nicht nur bis Vohwinkel fährt, sondern weiter bis Wichlinghausen oder gar Gevelsberg. Wie wäre es mit einer Stadtbahn, die vom Friedrich-Ebert-Platz in Remscheid zum Hauptbahnhof und von dort über die DB-Gleise durch Wermelskirchen und über die Trasse der Balkanstrecke nach Köln fährt? Während bei den Bahnstrecken nur der Rest, der heute noch in Betrieb ist, optimiert werden soll, führt die IHK mehrere Straßenbauprojekte auf, darunter die B 229n in Lennep, für die die Agenda 21 Remscheid Alternativpläne entworfen hat. Auch die Umgehungsstraße Bergisch Born beansprucht Bahnflächen. Dabei könnte diese Umgehung durch eine Umleitung der B 237 von Kammerforster Höhe/ Hückeswagen bis Dreibäumen und von als Straßenaus- und Neubau bis Belten/ B51 überflüssig werden. Wenn es dort einen Kreisverkehr B 51/ B 237 gäbe, könnten dort, am Westrand von Bergisch Born, die Lkw zum Industriegebiet Bergisch Born wenden, für die die Spitzkehre zu eng ist.

Bödler, Klaus am :

Ich kann langsam das Gemeckere und die Beschuldigungen der sogenannten Oberen 10.000 nicht mehr hören. Nicht nur in der Stadt Remscheid, sondern im ganzen Bundesgebiet werden Politiker und Parteien für die Mißwirtschaft verantwortlich gemacht, die Unternehmen und Unternehmer zu verantworten haben. Für die Unternehmer war immer das Steuerparadies Deutschland da, ihre Produktionen verlegten sie ins Ausland, um dann die Verluste in Deutschland abschreiben zu können. Auch die Remscheider Wirtschaft ist keinen Deut besser. Mit welcher Aroganz über unsere Frau Wilding gesprochen wird, ist kaum noch zu ertragen.

Chronist am :

In der jüngsten Mitgliederversammlung der Remscheider LINKEN nahm Fritz Beinersdorf zu der gegenwärtigen Diskussion über die Arbeit der Oberbürgermeisterin Stellung: „Kritik ist die Triebfeder allen Fortschritts; was jedoch hier von Remscheider Unternehmern vorgetragen wurde, ist der Form nach mindestens unverschämt und im Inhalt demokratiefeindlich, wenn nicht sogar im Ansatz totalitär. Es geht um Macht, um Druck auf Politik und Verwaltung zugunsten des Unternehmertums. Man mag in Unternehmen das Management und die Leitung des Unternehmens von oben einsetzen können, der Rat unserer Stadt und die Oberbürgermeisterin aber sind demokratisch gewählt, und das wird auch so bleiben. „ Zu Recht habe der Bundesrechnungshof die derzeit geübte Praxis der Lobbyisten aus dem Unternehmerlager gerügt, in den Ministerien der Bundesregierung Gesetze und Verordnungen zu erarbeiten, die ihre eigenen Unternehmen betreffen. Beinersdorf: „Folgt man den Ausführungen der Remscheider Unternehmer, wird ersichtlich, dass sie eine ähnliche Praxis auch für unsere Stadt anstreben und am liebsten an den Schaltstellen von Politik und Verwaltung Personen installieren möchten, die allfällige Entscheidungen in erster Linie nach Unternehmergusto fällen würden.“

Chronist am :

Auf dem gestrigen Unterbezirksparteitag hat Beate Wilding nachgelegt: „Ich stamme aus einer Arbeiterfamilie. Meine Eltern haben Zeit ihres Lebens ehrlich und hart gearbeitet - um nicht zu sagen: geschuftet. Will man mir vorwerfen, nicht Tochter aus reichem Hause zu sein? Will man mir vorwerfen, in einer Zeit fehlender Bildungschancen keine höhere Schule besucht zu haben? Will man mir vorwerfen, meine Ausbildung zur Einzelhandelskauffrau erfolgreich abgeschlossen zu haben? Oder will man mir vorwerfen, mich gewerkschaftlich, gesellschaftlich und politisch engagiert zu haben? Egal was der Vorwurf sein mag. Eines ist klar. Er richtet sich nicht gegen mich. Oder den ganz überwiegenden Anteil von Remscheiderinnen und Remscheidern, die einen ähnlichen Lebensweg haben wie ich. Dieser Vorwurf richtet sich schlussendlich gegen diejenigen, die ihn als Vorurteil verbreiten wollen. Der unvergessene Gustav Heinemann hat einmal sinngemäß gesagt: ‚Wer mit dem Zeigefinger allgemeiner Vorwürfe auf einen Menschen zeigt, sollte bedenken, dass in der Hand mit dem ausgestreckten Zeigefinger zugleich drei andere Finger auf ihn selbst zurückweisen’!“

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