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Stadt rechnet 2024 mit "Durchstich Intzestraße"

Grablichter für schützenswerte Bäume“ überschrieb der Waterbölles am 22. Dezember 2021 seinen Bericht über eine „Mahnwache“, zu der Hubert Benzheim vom BUND Naturfreunde an die Intzebrücke eingeladen hatte. Die Demonstration galt den Bäumen, die im sogenannten Intzeforst für den geplanten Durchstich der Intzestraße zur Lenneper Straße " gefällt werden sollten, fürchtete damals auch der Remscheider Naturschutzbeirat. Doch inzwischen ist der Zankapfel aus der Welt geschafft. Der Beirat habe Einsicht in die Fakten der Stadt gezeigt, hieß es in der Sitzung der Bezirksvertretung Süd am vergangenen Mittwoch im Rathaus. Mit einem guten Schuss Erleichterung! Die Frage „Neue Brücke oder Durchstich“ steht nun nicht mehr zur Diskussion.  Den Start des Projektes erwartet die Stadt 2024. Konkret bedeutet das:

  • An der neuen Einmündung der Intzestraße in die Lenneper Straße wird es einen Kreisverkehr geben,
  • der der Intzeplatz (siehe Luftbild rechts) kann einen Teil seiner Straßenfläche verlieren, um neue Bäume pflanzen und die Aufenthaltsqualität für die Anwohner verbessern zu können, und
  • die Jan-Wellem-Straße kann (aus dem gleichen Grunde) zur Sackgasse werden. In der BV-Sitzung fürchtete Waltraud Bodenstedt zwar um den Berufsverkehr von und zu Vaillant, doch der bleibt über den Zentralpunkt bzw. die Engelbertstraße (Richtung neuem Kreisverkehr) sichergestellt.

Um die Bedenken der Naturschützer gegen die Verlängerung der Intzestraße zu entkräften, hatte sich Jonas Rösner, in der Stadtverwaltung Abteilungsleiter Verkehrsplanung, ÖPNV und Koordinierung TBR, viel Arbeit gemacht, wie auch die Mitglieder der BV Süd nach seinem Vortrag lobend anerkannten. Darin hatte er die Schwachstellen mehrerer Alternativentwürfe aufgezeigt:

  • Architektenskizze: Kein Abbiegestreifen, verkehrstechnisch nicht leistungsfähig, Schleppkurven in Kreuzung nicht eingehalten, Rechtsabbiegen aus Baisieper Str. heraus nicht möglich ohne Gegenfahrbahn zu benutzen.
  • Brückenneubau: Planabstimmung mit DB Netz und Versorgern (kostspielige Verlegung der Ruhrgasleitung aufgrund von Brückenfundamenten notwendig), Böschungssicherung / Sicherung der alten Brücke; große Baustelleneinrichtungsflächen notwendig; schwierige Logistik Anlieferung großer Brückenteile ; Lärmschutz vermutlich kritischer als bei Durchstich, Flächennutzungs- und Bebauungsplanverfahren erneut notwendig.
  • Entwurf mit rechtwinkliger Brücke bei teilweise Verwendung der Fundamente der alten Brücke: Nicht umsetzbar, weil Abbiegeverhalten in Kreuzung nicht darstellbar; Ampelanlage (LZA) nicht möglich, da Räumwege (Wege auf Kreuzung) zu lang.
  • Vorfahrtsgeregelte Kreuzung: Keine Entlastung der jetzt bestehenden LSA Intzestraße/Lenneper Str.; Rückstau führt dazu, dass aus Jan-Wellem-Str. nicht links abgebogen werden kann; Rückstau für Abbiegeverkehr in Richtung Jan-Wellem-Straße (u.a. Vaillant) leistungsmindernd;
  • Lichtsignalanlagengesteuerte Kreuzung : Nachteilige Topografie führt vermutlich zu langsamer anfahrenden Fahrzeugen; noch keine Busbeschleunigung eingerechnet, daher Leistungsfähigkeit nu bedingt gegeben.

Fazit: Für den Verkehrsplaner ist der „ Durchstich Intzestraße“ alternativlos: Entlastung der spitzwinkligen Kreuzung Intzestraße / Lenneper Str.(eventuell sogar Entfall der dortigen LSA möglich); Aufwertung der übrigen, jetzt schon vorhandenen Grünflächen auf dem Grundstück Lenneper Str. 62, Entfall der baufälligen Villa Lenneper Str. 62; besserer Verkehrsfluss zur Anbindung eines Stadtteils und Verbindung nach Wermelskirchen; geringere Baukosten (Förderantrag schon gestellt und voraussichtlich genehmigungsfähig). Zugleich betonte Jonas Rösner die neuen Gestaltungsmöglichkeiten auf dem Intzeplatzes: großflächige Entsiegelung (kleinere Verkehrsflächen); mehr Aufenthaltsqualität durch weitere Grünanlagen.

Auch finanziell sei ein Durchstich im Vergleich zu einen Brückenneubau die bessere Lösung, betonte der Verkehrsplaner: Kosten Durchstich: ca. 4,3 Mio. € (Anteil Stadt: 1,5 Mio. €), Kosten Alternativbrücke ca. 6 bis7 Mio. € zuzüglich zusätzlicher Gutachterkosten von ca. 40.000 € für Flächennutzungsplan und Bebauungsplan. Diese würden im Übrigen zeitliche Verzögerungen von mehreren Jahren, und „viele Unwägbarkeiten“ mit sich bringen. Auch sei ein Brückenbau mit höheren Unterhaltungskosten (ggfls. LSA) verbunden.

Über einen Durchstich der Intzestraße zur Lenneper Straße wird in Remscheid mittlerweile seit 22 Jahren diskutiert; 1990: Erste Ideen; 1993: Aufnahme des Durchstich Intzestraße in den Flächennutzungsplan; 2003: Erwerb des Grundstücks Lenneper Str. 62; 2007: Erstmalig Planungsmittel im Haushalt; 2010: Bestätigung des Durchstich mit Aufstellung des neuen Flächennutzungsplanes; 2015: Aufnahme des Durchstich Intzestraße in den Investitionsplan; 2017: Einplanungsantrag bei Fördergeber und Aufnahme des Bebauungsplanverfahrens; 2019: Aufstellungsbeschluss Bebauungsplan und Erwerb des Grundstücks Baisieper Str. 9; 2021: Abgabe Förderantrag beim Fördergeber und erneutes Votum des Stadtrates für den Durchstich (Haushaltsbeschluss).

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