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Interkulturelle Liste regt „Pfad der Neuen Heimat“ an

Zur Sitzung des Integrationsrates am 11. August hat die Interkulturelle Liste der Remscheider SPD die Einrichtung eines „Pfad der neuen Heimat“ beantragt, um „die Spuren der ersten Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten in unserer Stadt sichtbar zu machen“. Und dies in einer Form, die zu Remscheid als der Stadt, in der Multikulturalität „selbstverständlich gelebt“ wird, passe. Konkret: Orte im Stadtgebiet, an denen sich einst Unterkünfte, Treffpunkte, Beratungsstellen oder Arbeitsstellen von Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten befanden, sollen nach den Vorstellungen der Antragsteller mit Hilfe von Gedenktafeln und Stelen in Form eines „Migrationsparcours“ oder „Pfad der Neuen Heimat“ (wieder) sichtbarer gemacht werden. Hierfür biete sich der Remscheider Stadtteil Rosenhügel an, an dessen nördlichem Ende sich der Hauptbahnhof befand, an dem die sogenannten „Gastarbeiter“ nach zum Teil tagelanger Zugfahrt ankamen und von Vertreterinnen und Vertreter der Kirche mit Essenspaketen in Empfang genommen wurden.

Vom Hauptbahnhof ging es zu den Unterkünften, die sich oftmals in der Nähe oder sogar auf dem Gelände der großen Stahlwerke befanden, von denen die „Gastarbeiter“ angeworben worden waren. Das ehemalige „Volkshaus“ an der Bismarckstraße war ein weiterer Ort, der für die „Gastarbeiter“ von Bedeutung war, weil hier neben der Arbeit Kontakte geknüpft wurden. Zitat aus dem Antrag: „Durch Stelen, Tafeln oder durch das Anpflanzen von Bäumen, Anlegen von Grünflächen, das Stiften von Parkbänken und vielem mehr wollen wir die ersten Orte der Migration in Remscheid wieder ins öffentliche Bewusstsein holen und für die Angehörigen der ersten und zweiten Zuwanderergeneration und deren Nachfahren Orte der Identifikation und Erinnerung schaffen. An der Erarbeitung dieses ‚Pfad der Neuen Heimat‘ sollen so viele Zeitzeuginnen und Zeitzeugen wie möglich teilnehmen:“ Dafür könne die Stadtverwaltung gezielt die Vertreterinnen und Vertreter jener Generation einladen, die zwischen 1955 und 1965 nach Deutschland kamen, ihre Geschichte in Form eines „Erzählcafés“ mitzuteilen. Ziel soll es sein, Geschichten und Zeugnisse wie Fotografien, Arbeitsverträge und vieles mehr zu sammeln und aufzubereiten. An der Vorbereitung des Erzählcafés sowie der Umsetzung ihrer Ergebnisse sollten auch das Stadtarchiv, das Kommunale Integrationszentrum, die weiterführenden Schulen Remscheids und die Migrantenselbstorganisationen beteiligt werden.

„Am 20. Dezember 1955 wurde das erste sogenannte „Anwerbeabkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Italienischen Republik geschlossen, in deren Folge die ersten sogenannten ‚Gastarbeiter‘ nach Deutschland kamen. Anwerbeabkommen mit anderen Staaten folgten: Spanien und Griechenland (1960), Türkei (1961), Marokko (1963), Portugal (1964), Tunesien (1965) und dem damaligen Jugoslawien (1968). Migration ist in der Geschichte der Menschheit nichts Außergewöhnliches. Das Besondere der Anwerbeabkommen war, dass es erstmals ein geregeltes Verfahren gab, wie Menschen zum Zwecke der Arbeitssuche auswandern konnten. Sie ließen oftmals ihre Familien zurück mit dem Ziel, diese mit dem in der Ferne verdienten Geld zu unterstützen oder sich in ihren Herkunftsländern eine Existenz aufzubauen. Vielfach ließen Menschen jedoch nicht nur 2022  ihre Familien, sondern ihre Heimat zurück und fanden eine neue – und zwar in den Städten und Regionen, in denen sie als sogenannte ‚Gastarbeiter‘ lediglich ein Übergangsdasein vorgesehen hatten,“ heißt es im Antrag weiter.

Die Bedeutung der „Gastarbeiter“ oder Arbeitsmigrantinnen und Arbeitsmigranten der ersten und zweiten Generation für den wirtschaftlichen Aufschwung der Bundesrepublik Deutschland nach dem verheerenden Zweiten Weltkrieg sei unbestritten. Städte wie Wolfsburg und Fürth hätten ihren „Neubürgerinnen und Neubürgern“ an prominenter Stelle, beispielsweise vor dem Hauptbahnhof, im wahrsten Sinne des Wortes ein Denkmal gesetzt, um sich bei Ihnen zu bedanken. Remscheid gehöre zu den von Migration am stärksten geprägten Städte in der Bundesrepublik Deutschland. Das zeige sich u.a. in einem der höchsten Anteile von Zugewanderten an der Bevölkerung. In Remscheid mit seinen 114 Nationen werde Multikulturalität nicht beschworen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes „selbstverständlich gelebt“. Hierauf sei die Stadtgesellschaft mit Recht stolz.

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Auf der Tagesordnung des Integrationsrates steht ferner der Antrag v on Antonio Espinosa Segovia, 1. Vorsitzender des Bundesverbandes spanischer und kultureller Vereine e.V., zur „Errichtung eines Denkmals zur Geschichte der Zuwanderung in Remscheid, die unsere Stadt im Laufe der letzten 60 Jahre entscheidend geprägt hat“.

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