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Stadt RS: "Der Baumbestand ist schleichend gefährdet!"

Antwort der Verwaltung auf eine Anfrage der CDU-Fraktion vom 18. August Maßnahmen zur Sicherung des Baumbestands in Lennep, vorgelegt zur Sitzung der Bezirksvertretung Lennep am 28. September

Frage: Wie sieht es um den Baumbestand im Bereich der Lenneper Park- und Grünanlagen, an Straßen, Spielflächen etc. aus? Sind hier zum Beispiel aufgrund der Trockenheit ähnliche Auffälligkeiten wie an der Blutbuche festgestellt worden, die zu einer Gefahr für die Verkehrssicherheit von Anwohnern, Passanten und Fahrzeugen führen könnten?

Antwort: Nicht nur in Lennep, im gesamten Stadtgebiet leidet der Baumbestand unter der diesjährigen anhaltenden Dürre. Aber auch die insgesamt gegenüber früheren Jahren zunehmende Trockenheit und Temperaturen führen zu kurz-, mittel- und langfristigen Folgeschäden an Bäumen. Das Thema ‚Trockenstress ‚bei Bäumen ist vielschichtig, unabhängig vom Standort der jeweiligen Bäume, ob im Wald oder innerstädtisch. Bei innerstädtischen Bäumen kommt erschwerend hinzu, dass es sich überwiegend um für Bäume unnatürliche Standorte handelt, verbunden mit gravierenden Nachteilen für die Baumvitalität. Hierzu zählen eingeengter Wurzelraum, hohe Strahlungsintensität durch versiegelte Flächen, mangelnde Bodenluftzufuhr sowie Wasser- und Nährstoffmangel, um nur die Bedeutsamsten zu nennen. Bedingt durch diese Nachteile und damit einhergehenden Vitalitätseinbußen ergeben sich leider dann auch erhöhte Anfälligkeiten gegenüber Schadorganismen.

Aufgrund der beschriebenen Umstände haben es Stadtbäume besonders schwer, mit Hitze und Trockenstress zurecht zu kommen. Dies zeigt sich an der steigenden Zahl an Bäumen gegenüber früheren Jahren, die mittlerweile deutlich mehr Totholzanteile in den Kronen aufweisen. Dürreperioden führen dazu, dass bei ohnehin geschwächten Bäumen nun vermehrt Kronenteile nicht mehr versorgt werden und absterben. Hier ist ein schleichender Prozess zu beobachten, der in den kommenden Jahren den Baumbestand weiter gefährden wird. (…) Wirksame Gegenmaßnahmen, die insbesondere bei vorgeschädigten Altbäumen sinnvoll erscheinen sowie praktikabel und umsetzbar wären, sind nicht wirklich vorhanden.

Der am 8. August bei der Blutbuche an der Straße Thüringsberg erfolgte sogenannte Grünastbruch war im Vorfeld, bei z.B. einer gezielten Baumkontrolle, nicht feststellbar noch zu verhindern. (…) Ein ausgewachsener Baum, von der Größe dieser Buche, benötigt an heißen Tagen etwa 300 bis 400 Liter Wasser. Dieses Wasser muss im Wurzelraum zur Verfügung stehen. Mit kurzzeitigen Defiziten kommen Bäume dieser Größe durchaus zurecht. Bei lang andauernden Hitzeperioden mit extremen Verdunstungsraten infolge sehr hoher Temperaturen sind zumeist ältere Bäume von einem Grünastbruch betroffen. (…) Wissenschaftlich erwiesen ist dabei, dass der Trockenstress bei denjenigen Bäumen wesentlich beteiligt ist, die nicht mehr ausreichend Wasser von den Wurzeln in die Baumkrone zu den Blättern transportieren können. (…) Aufgrund des Vorfalls am Thüringsberg wurden am 16. August die Buchen im Hardtpark einer zusätzlichen Prüfung unterzogen. Insbesondere wurde hierbei die Kronenentwicklung der Bäume begutachtet. Dabei wurden zwei Buchen identifiziert, die jeweils einen Ast aufweisen, welcher vorsorglich mittels einer Gurtsicherung gegen ein Abbrechen gesichert werden soll. Um einem katastrophalen Astbruch wie am Thüringsberg nicht nur aus Gründen der Verkehrssicherheit vorzubeugen, sondern auch im Sinne einer Baumerhaltung.

Frage: Maßnahmen ergreift die Verwaltung – auch vor dem Hintergrund der extremen Trockenheit in diesem Sommer -, um unseren Baumbestand in Lennep zu schützen und die Verkehrssicherheit zu wahren?

Antwort: Wie seit dem Jahr 2020 im gesamten Stadtgebiet praktiziert, werden aktuell insgesamt 475 Bäume regelmäßig gewässert. Es handelt sich hierbei um Jungbäume und Bäume mit einem Alter von bis zu 30, teilweise auch 40 Jahren. Von den 475 Bäumen befinden sich 139 Bäume in Lennep. Die zu bewässernden Bäume haben die unterschiedlichsten Standorte (z.B. an Straßen, auf Spielplätzen etc.). Jeder der 475 Bäume erhält im Zeitraum April bis Oktober wöchentlich 120 Liter Wasser, in Ausnahmefällen auch zweimal wöchentlich. Bei längeren Regenperioden wird allerdings auf eine Wässerung verzichtet. Dies war im letzten Jahr kurzzeitig der Fall. Zudem wird auch in den Wintermonaten, bei längeren Trockenperioden und gleichzeitig frostfreiem Wetter, bedarfsorientiert gewässert. Dies deshalb, um den Bäumen zu Beginn der Vegetationsperiode möglichst eine ausreichende Bodenfeuchte zur Verfügung zu stellen.

Entscheidend bei der Baumauswahl war bzw. ist das Alter der Bäume und die Möglichkeit, überhaupt Wasser an die betreffenden Bäume zu bringen. (…) Alte Bäume verfügen in der Regel aufgrund ihres weiter verzweigten Wurzelwerkes über bessere Möglichkeiten Wasser aufzunehmen. Aber auch bei diesen … entstehen Defizite, die sich auf Dauer zu Schäden aufsummieren, die durch (zumindest theoretisch denkbare) Bewässerungen nicht kompensiert werden können.

Die seit zwei Jahren stattfindende Wässerung führt zu optisch verbesserten Ergebnissen. So hat sich bei der überwiegenden Zahl der bewässerten Bäume das Ausmaß des ansonsten schon im August stellenweise einsetzenden Laubfalls verringert. Allerdings darf dieser optische Effekt, der baumphysiologisch durchaus positiv zu bewerten ist, nicht über die dennoch weiterhin vorhandenen andauernden Defizite und die sich hieraus entwickelnden Schäden hinwegtäuschen. So wird durch das Wässern der Trockenstress zwar gemindert, kompensiert werden kann er jedoch nicht vollständig. So sind z.B. Trieblängenwachstum, Holzzuwachs, Knospenbildung/-größe gemindert, verbunden mit langfristigen negativen Folgen für die Baumvitalität. Eine fortwährende Wässerung der Jungbäume stellt auch in Anbetracht des erforderlichen Ressourcenverbrauchs grundsätzlich keine nachhaltige Lösung dar, um das bestehende Problem zu lösen. Das Wässern kann daher nur vorübergehend eine unterstützende Maßnahme sein.

Die Verkehrssicherheit des Baumbestandes wird durch die gesetzlich geforderte und nach anerkannten Standards durchgeführte regelmäßige Kontrolle sichergestellt. Die innerstädtischen Bäume werden in einem etwa neunmonatigen Turnus kontrolliert. Der Schwerpunkt richtet sich dabei auf mögliche von den Bäumen ausgehende Gefahren für die Umgebung. Die Kontrollen werden durch versierte und entsprechend den Anforderungen qualifizierte Fachleute ausgeführt.

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