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Kann nicht sein: Schulmüde nur an einer Hauptschule?!

Harald Sellner, Sachkundiger Bürger der Grünen im Sozialausschuss. Foto: Lothar Kaiser

Probleme mit den Eltern und Lehrern, Versagensängste im Unterricht, Angst vor Arbeitslosigkeit, Unkenntnis der deutschen Sprache – es gibt viele Ursachen für Schulverweigerung. Die passive Schulverweigerung hat ein Pädagoge mal als „physische Abwesenheit trotz körperlicher Anwesenheit“ beschrieben. Ihr folgt nicht selten die aktive Schulverweigerung. Das beginnt bei gelegentlichem Schwänzen und endet mit andauerndem Fernbleiben. Eine vom städtischen Jugendamt im November / Dezember 1999 in allen Remscheider Schulen der Sekundarstufe I durchgeführte Befragung  ergab für Remscheid eine Zahl von ca. 100 Schulverweigerern (alle Erscheinungsformen zusammen genommen). Grund genug für das Jugend- und Schulamt,  ein „Schulmüdenprojekt“ ins Leben zu rufen. Als Kooperationspartner wurde ein Träger der Jugendhilfe gesucht. Der Verein „Leben Lernen e.V.“, der von Lehrpersonen städtischen Schule für Erziehungshilfe („Heinrich-Neumann-Schule“)  kurz nach deren Einrichtung für ergänzende Jugendhilfemaßnahmen gegründet worden war, hatte bei gemeinsamen Projekten, darunter Langzeitpraktika für Schulmüde, mit der Natur-Schule Grund gute Erfahrungen gemacht. Das veranlasste den Vorstand, sich um die Trägerschaft des Schulmüdenprojektes bewerben. Befürwortet wurde das Projekt vom "Interdisziplinären Arbeitskreis" (IDAK), einer Ordnungspartnerschaft mit Vertretern der Stadt,  Justiz, Polizei, Jugendhilfe, und der Schulen.

Mitglied im IDAK waren damals noch Kriminaloberkommissarin Magdalena Skopnick und Amtsgerichtdirektor Rolf Söhnchen, heute beide in Pension. Sie berieten den Verein „Leben lernen“, der zu Beginn des Schuljahres 1001/2002 in direkter Nachbarschaft  der Natur-Schule Grund die „Umweltwerkstatt“ für notorische Schulverweigerer einrichtete. Söhnchen äußerte damals die Hoffnung, in dem neuen Lern- und Lebensraum im Ortsteil Grund werde es innerhalb von zwei Jahren gelingen, die Persönlichkeit der Schülerinnen und Schüler der 8. Klasse zu stärken, ihnen Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Fleiß beizubringen und so ihre Chance auf einen Arbeitsplatz zu erhöhen. Die „Umweltwerkstatt“ - eine echte, aber auch die einzige Chance für Schulverweigerer, doch noch „die Kurve zu kriegen“!  

Das Konzept der „Umweltwerkstatt“ geht davon aus, dass Schulverweigerer durchaus bildungsfähig sind, also  mit Hilfe eines individuellen Förderprogramms den Hauptschulabschluss erreichen können – nur eben nicht im regulären Schulunterricht. Den empfinden Schulverweigerer meist als bedrohlich.  Deshalb haben die von der GHS Wilhelmstraße abgeordnete Hauptschullehrerin und die beim Verein „Leben lernen“ angestellte Sozialpädagogin, die in der „Umweltwerkstatt“ die Jungen und Mädchen betreuen, auch nicht die Re-Integration in die Schule als Ziel, sondern die soziale Integration. 

Harald Sellner, stellvertretender Leiter der Heinrich-Neumann Schule für Erziehungshilfe und seit zwei Jahren Sprecher des "Interdisziplinärer Arbeitskreises",  war damals zuversichtlich, dass alle Remscheider Hauptschulen ihre „schwierigsten Fälle“ in die „Umweltwerkstatt“ schicken würden. Tatsächlich kommen jedoch die 14 Hauptschüler, in der Mehrzahl Mädchen, deren sozialer Abstieg zurzeit in der Natur-Schule gestoppt werden soll,  überwiegend aus der Gemeinschaftshauptschule (GHS) Wilhelmstraße. Dabei ist den Schulleitern der übrigen Hauptschulen dieses Angebot keineswegs unbekannt.  Den Ursachen für diese erstaunliche „Abstinenz“ der Rektoren sollte der Arbeitskreis einmal nachgehen … Der grüne Sachkundige Bürger Harald Sellner: „Das ist ein Thema für den Schulausschuss. Es muss sich doch anhand der Zeugnisse herausfinden lassen, wer ein Schulverweigerer ist. Dabei geht man von 100 geschwänzten Unterrichtsstunden im Halbjahr aus.“

+++

Gelegentlich lohnt es sich übrigens, über den eigenen Tellerrand zu schauen. So ist Harald Sellner ein Verfahren aufgefallen, dass das Schulamt der Stadt Halle praktiziert - als verbindliche Richtschnur auf Ämterebene.

Phase 1:

  • Nach zwei Tagen unentschuldigtes Fehlen erfolgt eine telefonische Kontaktaufnahme zu den Eltern
  • Nach dem dritten Tag erfolgt eine schriftli­che Information (Brief 1)

Phase 2:

  • Spätestens nach einer Woche unentschul­digten Fehlens: Aufnahme eines persönli­chen Kontakts Klassenlehrer ­ Eltern (Hausbesuch)
  • Zweite schriftliche Mitteilung mit der Bitte um Kontaktaufnahme (Brief 2)
  • Einschaltung des Allgemeiner Sozialen Dienstes (ASD) (Kopie des Briefes)

Phase 3:

  • Nach Ablauf der angekündigten Frist ­ Prü­fung durch den Klassenlehrer, ob eine Kon­taktaufnahme erfolgte Rückinfo an ASD durch Klassenlehrer.
  • Erfolgt keine Reaktion ­ Förmliche Meldung an das Ordnungsamt (Brief 3; Meldung Schulpflichtverletzung)

Phase 4:

  • Hinweisschreiben an die Sorgeberechtigten (Brief 4) mit der Ankündigung, dass ein Ord­nungswidrigkeitsverfahren eingeleitet wird, wenn keine sachklärende Reaktion erfolgt.

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