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Kein Obstwiesenfest auf dem Gelände der Stiftung Tannenhof

von Gabriele Lipka

Die kurzfristige Absage des Obstwiesenfestes am 25. September auf dem Gelände der Stiftung Tannenhof hat nicht nur bei den Remscheider RBN-Mitgliedern großes Unverständnis und Betroffenheit ausgelöst. Erfreulicherweise sind Beratungen der Geschäftsführung der Stiftung , der Biologischen Station Mittlere Wupper und der Unteren Landschaftsbehörde zur Neupflanzung von Apfelbäumen geplant. Der RBN steht auch weiterhin beratend im Rahmen seiner Möglichkeiten zur Stärkung der Artenvielfalt, der CO2-Minderung und der Reduzierung der Klimaerwärmung auf dem des Geländes zur Verfügung. Der Remscheider Naturschutzbeirat hat dieses Vorhaben in seiner gestrigen Sitzung ausdrücklich unterstützt.

Die vielfältigen baulichen Aktivitäten auf dem Gelände der Stiftung Tannenhof habe ich begrüßt. Aus meiner jahrelangen beruflichen Tätigkeit in der psychiatrischen Klinik weiß ich, was die Menschen erleiden, die psychisch erkrankt sind. Die Belastungen des Alltags, naturferne Techniken, Drogenkonsum lassen die Zahlen der Patienten stetig ansteigen. Moderne medizinische und therapeutische Behandlung braucht Raum.  

Während der 1990er Jahren gab es einen Austausch der Geschäftsführung und interessierten Mitarbeitern der Stiftung Tannenhof mit dem RBN (Bergischer Naturschutz Verein). An geeigneten Freiflächen des Geländes der Klinik entstanden Biotope, die die Artenvielfalt fördern sollten. Beobachtungen von Tieren wie Mauerseglern, Fledermäusen und Insekten sowie auch die Farbe von Blühpflanzen, kann auch das Leben  der Menschen bereichern, denen es nicht möglich ist, das Gelände zu verlassen. Das Kunstwerk „Baumscheiben“ der Künstlerin Angela Clement im früheren Eingangsbereich gründete sich auf das Baumkataster der Stiftung Tannenhof. Die wohltuende und somit  heilsame Wirkung von Bäumen auf Menschen ist heute auch wissenschaftlich nachgewiesen.

Bäume mussten durch die Baumaßnahmen im Rahmen der Baugesetze entfernt werden. Eine zeitgemäße Planung, in der vorhandene Bäume in den Bebauungsplaneingefügt worden wäre, ist nicht erkennbar. Der versiegelte, besonnte Parkplatz mit Zufahrt von der August-Erbschlöh-Straße verfehlt alle Erfordernisse, der Klimaerwärmung entgegenzuwirken, CO2 durch Baumerhalt  zu mindern.  Kulturell, historisch, medizinisch, naturwissenschaftlich waren die ca. 70 Jahre alten entfernten Gingkobäume eine Bereicherung. Nicht nachvollziehbar ist die Entfernung aller Obstbäume, obwohl das Obstwiesenfest zum wiederholten Mal hier stattfinden sollte. Zusammen mit der AG Arbeitsgemeinschaft Streuobstwiesen im Städtedreieck war es lange geplant worden.

In den 1950er Jahren wurden die Bäume vom damaligen Gärtner des Krankenhauses Herrn Weber gepflanzt. Er  war verpflichtet, an der Versorgung der der Patienten mitzuwirken. Beerensträucher und Gemüsepflanzen zwischen den Baumreihen erfüllten diesen Zweck. Die später scheinbar vergessene Obstwiesenkultur belebte in Remscheid um 1990 Herr Eisert, damaliger Leiter des Landschaftsamtes. Mit dem 2. Obstwiesenfest (das 1. fand in der Naturschule Grund statt) auf Remscheider Boden etablierte sich das über die Stadtgrenze hinaus bekannte Ereignis auf dem das Gelände der Stiftung Tannenhof.  Fachlich qualifizierte Pomologen regten durch Schnittkurse im Rahmen des Festes die vernachlässigten Bäume zu neuen Wachstum an.  Teilnehmer berichteten  von gelungener Inklusion, durch die Freude der psychisch beeinträchtigten Menschen an diesem Tag.

Obstbäume haben auch, wenn sie nicht mehr tragen, einen hohen ökologischen Wert. Die Beratung durch die Biologische Station Mittlere Wupper und der Remscheider Naturschutzbehörde hätte die Entfernung der Bäume vor dem Fest sicher verhindert. Die Gartenbaufirma des Hauses musste mit der Beratung überfordert sein, dass hätte die Geschäftsführung wissen können.

Auch Obstbäume haben eine begrenzte Lebenszeit.  Schön, dass nun die Pflanzung junger Obstbäume geplant wird. Für den Lebensraum „Obstwiese“ wäre es besser gewesen, einzelne Altbäume zu entfernen und junge Bäume zu ergänzen. Somit hätten Insekten, Pilze, Bewohner kleiner Baumhöhlen, Vögel die Möglichkeit sich der neuen Lebenssituation anzupassen. Welches Ziel hätte hier ein Projekt „Baumpatenschaften“?  Die Remscheider Bürger haben einen emotionalen Bezug zu „ihren Bäumen“, „ihrem Wald“, das weiter gestärkt werden muss.

Ein Patenbaumprojekt in Klausen, das Herr Eisert derzeit mit viel Energie vorbereitet hatte,  scheiterte daran, dass die beauftragte Pflegefirma ihren Verpflichtungen nicht  nachkommen konnte. Die Sponsoren haben nie ihre versprochenen Äpfel bekommen.  Lange kümmerten die ungepflegten Bäume vor sich hin. Zwischenzeitlich gibt es glücklicherweise offenbar andere Pflegemöglichkeiten. Für den Park der Stiftung Tannenhof wird angeregt – dem alten Obstgarten entsprechend – einen essbaren Garten/Naschgarten anzulegen. Hier wären Ausgleichsgelder für die im Gelände zerstörte Natur gut angelegt.

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Kommentare

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Lothar Kaiser am :

Hätte ja auch irgendwie keinen Sinn - ein Obstwiesenfest ohne Obstbäume! Merke: Kommunikation ist alles!!

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