Skip to content

Anzeige

Bau-Innung Remscheid Innung für elektrotechnische Handwerke Remscheid Fachinnung für Metall- und Graviertechnik Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Remscheid
Dachdecker-Innung Remscheid Friseur-Innung Remscheid Maler- und Lackierer-Innung Remscheid Kraftfahrzeughandwerk Remscheid

Sparvorschlag des Dezernenten: Schullandheim verkaufen

Erinnern Sie sich noch, dass Sie einmal als Kind für mehrere Wochen zur Erholung in den Schwarzwald geschickt wurden, um viel Natur und noch mehr „frische Luft“ zu genießen – und um möglichst fünf Pfund zuzunehmen? Dann gehören Sie  zu den Jungen und Mädchen aus Remscheid, die zwischen 1967 und 1982 das damalige Kindererholungsheim der Stadt Remscheid in Bernau besuchten. 1966 war dort mit den Mitteln der „Edelhoff-Stiftung“ und nach deren Grundsatz „Zum Wohle der Kinder und Jugend“ ein neues Heim gebaut und 1967 eingeweiht worden. Zu den Einsparvorschlägen, die die Kommunalpolitik im vorigen Jahr den städtischen Dezernenten auferlegt hatte und die inzwischen komplett vorliegen, gehört auch der Verkauf des Schullandheims, das den Etat der Stadt jährlich mit 120.000 Euro belastet. Zum Vergleich: Der dreitägige Messestand auf der Münchner  Gewerbeimmobilienmesse Expo Real kostet 80.650 Euro.

Nachdem der Schullandheimverein Remscheid e.V. sein Haus im sauerländischen Serkenrode aufgeben musste, weil es nicht mehr modernen Standards entsprach,  und nachdem in Bernau das Personal die „Erholungskinder“ auch zahlenmäßig überragte, wurde 1983 aus dem Kindererholungsheim in Bernau das neue Schullandheim der Stadt, weiterhin gefördert durch die „Edelhoff-Stiftung“. Und es kam es zu einem Bündnis der Stadt mit dem Verein, das da lautete: „Stadt gleich Träger, Verein gleich Beschicker“. Folglich übernahm der Schullandheimverein Remscheid e.V. die Aufgabe, das Haus in den Schulen bekannt zu machen und bei den Lehrerinnen und Lehrerin für Klassenaufenthalte zu werben.

Es ist schon einige Monate her, da dachte Stadtkämmerer Jürgen Müller über das Schullandheim laut nach: Es sei nicht mehr zeitgemäß, und die Stadt müsse sich von dem Haus auf jeden Fall trennen. In der Sparvorlage von Kulturdezernent Dr. Christian Henkelmann findet sich das in folgender Fassung wieder: „Die Verwaltung wird mit der Prüfung des Verkaufs des Schullandheimes in Bernau unter Berücksichtigung stiftungsrechtlicher Belange beauftragt. Das Ergebnis ist dem zuständigen Fachausschuss zur Beratung vorzulegen. Einsparpotenzial: 120.000 €.“ Weite heißt es da, das Angebot für Klassenfahrten Remscheider Schulklassen werde seit Jahren in immer geringerem Maße in Anspruch genommen.

Vereinsvorsitzender Paul Lauer, früher Rektor der Mannesmann-Schule, sieht das völlig anders: „Die Stadt hat heute eines der modernsten und zugleich bestausgestatteten Schullandheime. Für die Schulen ist das Haus eine Bereicherung und wichtige Ergänzung der schulischen Arbeit. Seit 1983 zählte es knapp 60.000 Besucher. Und der Verein wird alles in seiner Kraft stehende tun, um die Belegungszahlen weiter zu steigern.“ Auch und gerade in wirtschaftlich schwieriger Zeit müssten Schülerinnen und Schüler durch Teilnahme an einem Schullandheimaufenthalt die Möglichkeit haben, Gemeinschaft zu erfahren.

Dafür wirbt der Schullandheimverein sogar auf einer eigenen Internetseite:

*       „Beste modernste Ausstattung in gemütlicher Atmosphäre! 80 Schülerbetten in geräumigen Fünfbettzimmern, verteilt auf vier Gruppentrakte, jeder mit eigenem Waschraum sowie Dusche und WC mit Spielflur und Gruppenraum. Vier Begleiterzimmer mit Dusche und WC. Außerdem stehen acht Einzelzimmer mit fl. Kalt-/Warmwasser und Balkon, sowie weitere Doppelzimmer und ein kleines Appartement zur Verfügung. Erleben Sie einen Aufenthalt in einem Schullandheim mit eigener Diskothek, mit winterfestem Grillhaus, modernem Allwettersportplatz (Fußball/ Handball/ Basketball/ Volleyball/ Tennis), Bocciabahnen, Tischtennis innen und außen, Außenschach, großer Bücherei, Werkraum, großzügigem Außengelände nebst Bach. 

*       Genießen Sie mit Ihrer Gruppe im Sommer bei der totalen Südhanglage des Hauses die Sonne. Lassen Sie sich und alle, die mit Ihnen im Hause sind, durch unser freundliches Hauspersonal verwöhnen. Genießen Sie die vorzügliche Küche mit ihrer reichlichen und abwechslungsreichen Verpflegung. Der wunderschöne Speisesaal macht das Essen noch schmackhafter. Falls Sie mit Ihrer Gruppe einmal über Mittag außer Haus bleiben wollen, kein Problem. Sie bekommen auf Wunsch das Mittagessen mit dem hauseigenen VW-Bus zum vereinbarten Platz gebracht. Die Küche berücksichtigt auch die Wünsche der Gäste islamischen Glaubens.

*       Nutzen Sie im Sommer die Wanderkarten, Kompasse, Prospekte für Ihre Wanderungen in die nähere und weitere Umgebung mit vielen interessanten Zielen. Nutzen Sie im Winter die Möglichkeit, Alpinski mit Schuhen, Langlaufski mit Schuhen oder Rodelschlitten im Hause auszuleihen. Im Bernautal finden Sie Lifte, Loipen und Rodelbahnen.“

Paul Lauer weiß noch mehr zu berichten: “Wir haben 120 Paar Alpin-Ski mit Stöcken und Schuhen, 60 Paar Langlauf-Ski und 25 Rodelschlitten im Angebot!“. Und das geht auch sonst mit der Zeit: Eine "Indoor-Kletterwand“ gehört ebenso dazu wie ein fest installierten Beamer. Er ermöglicht Fernsehen im Großformat, ein Pluspunkt angesichts der laufenden Fußball-Weltmeisterschaft. Auch ein DVD - Spieler ist an die Anlage angeschlossen.

Investiert wurde aber auch in das Gebäude selbst ( allein von 1983 bis 1997 waren es 1,1 Millionen Mark). Das Haus erhielt eine neue Außendämmung, wurde komplett neu verschiefert (Energieeinsparung), und im Speisesaal wurde eine geräuschdämmende Decke eingebaut. Erneuert wurden auch Betten, Schränke, Tische, Stühle und Bestecke. Eine Kühlzelle aus dem Kinderheim „Waldhof“ war in Bernau sehr willkommen, dadurch können jetzt größere Mengen Lebensmittel fachgerecht gelagert werden (preisgünstigerer Einkauf). Paul Lauer: „Der alte Grundsatz ‚Zum Wohle der Kinder und Jugend’ gilt nach wie vor!“

Trackbacks

waterboelles.de am : Bis 2010 will die Stadt mindestens 952.000 Euro einsparen

Vorschau anzeigen
Mitte des Jahres hatte der Rat der Stadt die Verwaltung beauftragt, alle Etatansätze linear um fünf Prozent zu kürzen (Haushaltsbegleitbeschluss). Gleichzeitig erhielt Oberbürgermeisterin Beate Wilding den Auftrag, sich gemeinsam mit den vier Beigeordnete

waterboelles.de am : Verwaltung will Schullandheim zum 1.1.2009 dicht machen

Vorschau anzeigen
Die Stadtverwaltung hat der Politik vorgeschlagen, das Schullandheim Bernau zum 1.Januar 2009 zu schließen. Der Verwaltungsvorschlag folgte damit einem Vorschlag von Stadtkämmerer Jürgen Müller, und der wieder folgte damit einer Empfehlung der Wirtschafts

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Karl Heinz Christians am :

Wie gewohnt, Kurzsichtigkeit ohne Querdenkertum. Unter guter Leitung mit richtiger Kalkulation kann dieses Schullandheim immer in den schwarzen Zahlen sein. Die Leidtragenden sind wie immer die armen Schüler. Wer einmal die Planung einer Klassenreise mit kompletter Finanzierung durchgeführt oder miterlebt hat, kann das bestätigen. Die Lehrer durften zum Beispiel zeitweilig trotz 24 –Stunden-Tag keine Vergütung bekommen. Den Ministerien fällt da immer etwas Neues ein.( Ulla Schmidt, unsere Gesundheitsministerin, ist auch einmal Lehrerin gewesen, die erste Dame im NRW-Kultusministerium ebenfalls). Gelder der Eltern, der Klassenkassen, Pflegschaften, Lehrer, eventueller Spender und die Zuschüsse des Sozialamtes für arme Kinder müssen da gerecht eingesetzt werden. Moslemische Mädchen dürfen lt. ihrer Eltern meistens nicht mit. Dafür wird ein extra Unterricht benötigt. Da ist es nur angenehm, wenn ein preiswertes Schullandheim zu Verfügung steht. Das Schullandheim muss erhalten bleiben.

Frank Schneider am :

Sehe ich nicht so. Wenn Schüler freie Wahl beim Ziel einer Klassenfahrt haben, dann würde das Schullandheim in Bernau vermutlich nie genannt. Das ist bedauerlich. Wenn ich an meine Klassenfahrt in der achten Klasse denke, dann wäre ich 1000 mal lieber dorthin gefahren. Schülern und Klassenverbänden den Besuch in Bernau vorzuschreiben ist jedoch erst recht nicht richtig. Die 60000 Besucher in den vergangenen 23 Jahren glaube ich nicht. Das wäre die Hälfte der Remscheider Bevölkerung und rund 2000 Besucher pro Jahr. Wenn die Zahl stimmt, dann handelt es sich bei einem erheblichen Teil der Gäste um Nicht-Remscheider. Und dafür muss die Stadtkasse nicht herhalten. Generell bin ich der Meinung, dass sich eine Kommune solche Einrichtungen - vor allem bei kritischer Finanzlage - sparen und auf ihre eigentlichen Aufgaben konzentrieren sollte. Das Schullandheim sollte man nur dann nicht antatsten, wenn nachweislich viele Remscheider Schüler und Schulklassen dem Heim in Bernau jedes Jahr Besuch abstatten. Und das ist bestimmt nicht der Fall. Also: Weg damit! Eigentlich schade, denn die Gegend ist eine Reise wert!!!

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!