Skip to content

Anzeige

Bau-Innung Remscheid Innung für elektrotechnische Handwerke Remscheid Fachinnung für Metall- und Graviertechnik Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Remscheid
Dachdecker-Innung Remscheid Friseur-Innung Remscheid Maler- und Lackierer-Innung Remscheid Kraftfahrzeughandwerk Remscheid

DGB-Sprecher kritisiert Austritte aus Arbeitgeberverband

Er hat schon Tradition, der Arbeitnehmerempfang im Großen Sitzungssaal des Remscheider Rathauses am Vorabend der Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB).  Diesmal hatte Oberbürgermeisterin Beate Wilding als Redner Hans Peters eingeladen, den Regionsvorsitzenden des DGB im Bergischen Land. Er bekannte eingangs, von Wilding „aus dem Konzept worden zu sein durch die Vorstellung ihren Plans einer Neuorganisdation der Stadtverwaltung in der vergangenen Woche. Peters: „Mit diesem Coup d‘ Etat, mit diesem Wiedererlangen der Handlungsfreiheit haben Sie, vielleicht etwas zu spät, auf den Dauerbeschuss aus der Hecke oder Ecke reagiert.“ Und Peters ließ seine Zuhörerinnen und Zuhörer nicht lange im Unklaren, wen er damit meinte: „Hier - und auch anderswo im Bergischen -  gebärden sich die Vertreter der Wirtschaft,  namentlich der IHK als diejenigen, die als Einzige die Weisheit gefressen haben. Allerdings, schauen wir einmal hinter die Fassade stellen wir auf einmal fest, sie kochen auch nur mit Wasser und oftmals versuchen sie ihr 60-Grad heißes Wasser als 100 Grad heiß zu verkaufen.“ Nachfolgend dokumentiert der Waterbölles den weiteren Verkauf der Rede von Hans Peters.

„Die IHK, als Zwangsorganisation der in der Wirtschaft tätigen Unternehmen beansprucht, für alle zu reden und macht dadurch Druck auf die Politik. In Wahrheit haben sich bei der Kammerwahl, die als Briefwahl durchgeführt und für die ein massives Trommelfeuer aus Werbung und Information betrieben wurde, nur 13 Prozent der betroffenen Unternehmen beteiligt. Mit anderen Worten, eine Organisation, die von ihren eigenen Mitgliedern nicht wahr-  oder ernst genommen wird, agiert insgesamt als Riese und, wenn man sieht, wenn man weiss, dass selbstverständlich auch die Verleger Boll in Solingen, Pütz in Remscheid,  um einmal zwei zu nennen, auch in den Spitzen der Kammergremien vertreten sind, wird man sich nicht wundern, dass die IHK in jedem Fall Erwähnung findet und die Äußerungen ihrer lokalen Ableger veröffentlicht werden.

Oder hat hier in diesem Saal jemals einer eine kritische Abhandlung zur IHK gelesen oder gesehen? Ich jedenfalls noch nie. Herr Kempkes, der Remscheider Sprecher der IHK, stellt dauernd Forderungen an die Stadt. Manchmal überflüssige. Manchmal uralte.  Sehr oft  unverschämte, zumindest dann, wenn er personelle Reduzierungen fordert.

Aber Herr Kempkes hat noch nie nachweisen müssen, was er denn eigentlich für die Stadt, für dieses Gemeinwesen, für diese Gesellschaft geleistet hat. Herr Kempkes spricht nur für sich und die paar Hansels, die hinter ihm stehen. Herr Kempkes, bzw. seine Firma ist aus dem Arbeitgeberverband ausgetreten. Was das bedeutet, weiß hier im Saal jeder.

Na, klar, bei dieser Konstellation des Arbeitgeberverbandes in Remscheid würde ich das vielleicht auch. Denn die Funktion nach außen, die  ein  Arbeitgeberverband ja auch hat, wird direkt von der IHK mit übernommen.

Kann mir heute einer im Raum einmal erklären, welche positive Rolle der Arbeitgeberverband in Remscheid spielt? Wie viele abwanderungswillige Unternehmer hat er umgedreht und zum Bleiben überreden können?

Anstatt diese wichtige Aufgabe zu übernehmen, streitet er sich in der Öffentlichkeit  mit der Oberbürgermeisterin herum, wie viel Steuern gezahlt, bzw. durch Weggang von Betrieben nicht gezahlt werden. Das wären Aufgaben, die der Arbeitgeberverband eigentlich auch betreiben müsste.   Meine Kolleginnen und Kollegen von der IG Metall haben doch mit ihrer flexiblen Haltung und teilweiser großer Kompromissbereitschaft mehr für den Erhalt der Arbeitsplätze in Remscheid getan als der Arbeitgeberverband oder die IHK Und das war auch nicht immer unter Hochhaltung der „wahren  Lehre“ möglich,  sondern da wurde auch manche Faust unter dem Tisch geballt. Aber es ist passiert.

Müsste eigentlich Herr Kempkes, um auch ein positives Zeichen zu setzen,  nicht wieder in den Arbeitgeberverband, in den  Bereich der Tarifverträge der IG Metall zurück?  Müssten das nicht eigentlich die so genannten Spitzen der Wirtschaft automatisch beibehalten? Das sind dann diejenigen, die lauthals Forderungen an die Gesellschaft stellen,  ohne selbst Verpflichtungen gegenüber der Gesellschaft – und dazu gehören nun einmal auch die Arbeitnehmer – wahrzunehmen. Von daher, Frau Oberbürgermeisterin, finde ich Ihre Reaktion gut und angemessen, sage Ihnen aber voraus, für einen Moment werden die selbsternannten Kritiker verstummen, aber nicht stumm bleiben.

In der „Bauernoper“ von Yaak Karsunke (…) heißt ein Satz: „Der Rat dieser Stadt weiß sich selber keinen Rat!“ Dieser Satz könnte auch für Remscheid gelten, wenn ich mir manche Ratsentscheidung ansehe. Vor einem Jahr endeten meine Bemerkungen mit dem Sana-Klinikum  und meiner Kritik, wie die dort agierenden Ratsmitglieder wirken. Die Kritik ist offensichtlich aufgenommen worden, denn um kritischen Bemerkungen zu entgehen, hat man die Beteiligung, bis auf einen Minirest abgebaut. Begründet wird das mit einer möglichen Nachschusspflicht, weil SANA  (angeblich) rote Zahlen schreibt. So kann man leichter sagen, wir haben ja dort keine Einflussmöglichkeit mehr. Und am liebsten wollen wir damit auch nichts zu tun haben. So geht man natürlich auch den Problemen aus dem Weg – vergessen ist das allerdings noch lange nicht. 

Am vergangenen Donnerstag hat zeitgleich dieser, wie auch der Solinger und der Velberter Rat grünes Licht für den Zusammenschluss der jeweiligen Stadtwerke gegeben. Ich finde es bedauerlich, dass man nicht das Ergebnis der Verhandlungen zwischen den Beteiligten, Betriebsrat und Gewerkschaft Verdi, abgewartet hat, sondern die Arbeitnehmer halb im Regen stehen lässt.

Ich kenne, das gebe ich gerne zu, nicht alle Argumente, die hier gesagt wurden, um den Verkauf, bzw. die Fusion oder das Zusammengehen, wie man das auch nennen will, schmackhaft zu machen. Ich kenne nur die Argumente, die in Solingen Verwendung fanden, und denke so bei mir, hallo, woher kennst du die Meinungen der Befürworter. Und siehe da, ich habe in meinem Gedächtnis und in meinen Unterlagen, in meinem Archiv gesucht und geblättert und finde die gleichen Beweisgründe, auch die der gleichen Wichtigtuer von damals,  die gleichen Entgegnungen und Folgerungen für einen Zusammenschluss für eine vollständige oder teilweise Aufgabe des Versorgungsbereichs bei den Stadtwerken.

Auch damals sollte von Solingen aus Hilden und andere, kleinere Werke „heim“ geholt werden, Gesellschaften in Solingen mit vielen Arbeitsplätzen an-, bzw. nach Solingen umgesiedelt, enorme Einspareffekte und Synergien erzielt werden, usw., usw. 19 Millionen sollen durch diesen Zusammenschluss angeblich eingespart werden. Wieso nicht 20, oder 25, oder nur 18? Hat diese Summe eigentlich jemand mal ernsthaft überprüft?

Hat mal jemand gefragt, nachgefragt? Na klar, die Vertreter von Salomon Oppenheimer, deren Honorar in Solingen nie bekannt wurde,,Vertreter der Bank Salomon Oppenheimer  haben das errechnet und tolle Power-Point-Präsentationen erstellt und alles plausibel gemacht - hatten nicht auch die Vertreter der West LB gesagt, wenn Remscheid im Derivat-Geschäft tätig wird, könnt ihr dickes, leicht erwirtschaftetes Geld machen?

Und erzählt jetzt nicht die Rechtsanwalt-Praxis, in der der frühere FDP-Innenminister Baum tätig ist, bei einer Klage bekommt man einiges oder alles zurück? Ja, wer glaubt das denn? Die Stadt Hagen wird ihre 50 Millionen nicht zurückbekommen, Solingen wird ihr Geld  aus dem Derivat-Geschäft nicht zurückbekommen und Remscheid auch nicht.

Warum auch? Wer zockt, und das Derivat-Geschäft war zocken, muss damit rechnen, zu verlieren. Es käme auch niemand auf die Idee zu sagen, liebe Bank, du hast uns besser beraten, als wir das gedacht haben, deswegen verzichten auf eigentlich uns zustehende Gelder, und den Profit kannst du behalten. Auf eine solche Idee käme doch nicht wirklich einer, oder? Und so ist es auch andersherum. Die Deutsche Bank hat bereits in zwei Verfahren erste Erfolge erzielt.

Zins-Derivat-Geschäfte, die nach § 89, Abs. 2  der NRW-Gemeindeordnung nur in einem eng begrenzten Rahmen zulässig sind, nämlich nur dann, wenn sie zur Zinsabsicherung genutzt werden, sind offensichtlich die Fortsetzung  der Cross-Border-Geschäfte, die vor einigen Jahren überall, erst unter der Hand und dann in Fachkreisen angepriesen, von vielen Städten genutzt wurden. Man hatte damals, wie bei den heutigen Derivat-Geschäften, die Dollar-Zeichen in den Augen. Die Einzigen, die jetzt etwas von diesen Geschäften haben, sind die Rechtsanwälte. So kann man die Haushaltslücken nicht schließen, und es wäre eigentlich an der Zeit,  auch bei besseren Steuereinnahmen - die begonnenen Aktivitäten zur Finanzausstattung der Kommunen in Berlin wieder anzumahnen.

Seit dem vergangenen Jahr ist das Rödl-Gutachten in der Welt,  und Frau Wilding hat bei Vorstellung der neuen Organisationsstruktur auch darauf Bezug genommen und den Abbau von 60 Arbeitsplätzen avisiert. Gutachten, liebe Kolleginnen und Kollegen, Gutachten werden aus verschiedenen Gründen gemacht, wenn die Politik nicht mehr weiter weiß, wird ein Gutachten mit einem bestimmten Auftrag bestellt, um anschließend sich bei Entscheidungen, sehr oft sind diese umstritten oder unpopulär, um sich dann anschließend bei den Entscheidungen auf das Gutachten beziehen zu können

Gutachten oder Gutachter sind neutral, geben sich als Nichtbetroffene und Unbeteiligte  nur einem bestimmten Auftrag folgend, ihrem Sachverstand oder logischen Erkenntnissen, Erfahrungen und über den Dingen schwebende und handelnde Personen aus, die nur das Beste wollen, aus. Und wer das glaubt, der glaubt auch an den Nikolaus.

Mit anderen Worten gesagt: Gutachter sind ebenso wenig neutral, wie ich es bin. Ich bin gewerkschaftlicher Interessenvertreter, und von daher bin ich nicht neutral. Kann es nicht sein und will es auch nicht. Von daher mache ich auch darauf aufmerksam,  dass alles, was ich heute sage, interessengeleitet ist. Und zwar aus Arbeitnehmer- und manchmal auch aus Bürgersicht. Und Gutachter, auch wenn sie sich den Anstrich geben, auch wenn sie so tun, als wenn sie Verständnis für die mit ihren Fragen Belästigten oder Gequälten hätten, sie sind nicht neutral. Sie sind ebenso ideologisch, wie ich es bin. Nur ich gebe es zu, die Gutachter sagen von sich, sie wären vernunftgeleitet. Das ist auch ein Merkmal, um Kritik abzuwürgen. Die Gegner sind immer ideologisch, die eigene Position ist nachvollziehbar, neutral und vernunftgeleitet.

Gutachter geben in bestimmten Feldern, wo sie meinen, auf Zustimmung oder keine besondere Abwehr zu stoßen, Empfehlungen, sie geben auch Empfehlungen mit Warncharakter. Aber mir ist nicht bekannt, dass in unserem Land Gutachten mit Empfehlungen, die man umgesetzt hat, auch zur Rettung, zur Gesundung, zur Verbesserung geführt haben. Mit Ausnahmen: meist war das Personal weniger. Das kennen wir aus den vielen Gutachten der so genannten Wirtschaftsweisen,  die erstellt und teuer bezahlt werden, aber noch nie gestimmt haben –das kennen wir aus dem Gutachten und der Empfehlungen der Hartz-Kommission, die inzwischen eins nach dem anderen still und heimlich von der Bildfläche verschwinden um nur einmal zwei bekannte Bereiche zu nennen.

Deswegen sind Ableitungen aus Gutachten immer mit Schutzfunktionen und Formulierungen für die Ersteller der Gutachten, heißen sie wie sie wollen, versehen.

Und, das ist das Entscheidende und wichtige. Es werden – und das ist auch in dem Rödl-Gutachten nachzulesen – immer noch weitergehende Untersuchungen in dem einen anderen Bereich angedacht oder gefordert, um die letztendliche Entwicklung beurteilen zu können. Hier hofft man natürlich auf Folgeaufträge ebenso wie zu hören ist, dass man das Remscheider Gutachten auch als Referenzgutachten für Wuppertal ansieht. Und vielleicht auch zu einem späteren Zeitpunkt für Solingen und dann ist sicherlich eines für das gesamte Städtedreieck notwendig, um bestimmte Aussagen für das Bergische Land zu treffen.

Und vor Remscheid war man auch in Wülfrath. So kann man eine Stadt nach der anderen abgrasen, und sicherlich stehen in dem Wülfrather Gutachten, was ich allerdings nicht gelesen habe, viele gleichlautende Empfehlungen, wie sie für Remscheid formuliert wurden. Und, wenn wir ehrlich sind, viele, die heute hier sind, kennen auch bestimmte Schwachstellen, sehen auch, wie manches nicht so rund läuft, wie es vielleicht laufen könnte. Wissen, oder merken auch, das dieses Wissen nicht abgefragt oder erwünscht ist. Aber dass es dann noch lange keinen Grund dafür gibt, solche massiven personellen Veränderungen ins Gutachten zu schreiben, deren Ergebnis fast eine bürgerfeindliche und unregierbare Stadt hinterlassen hätte. Die Gutachter ziehen wie die Karawane weiter, dorthin, wo der nächste Rat Hilfestellung bei Gutachtern sucht.

Wir haben in diesem Land in der Zwischenzeit eine Inflation von Gutachten und Organisationsgutachten. Damit werden Umsätze gemacht, von denen man in der Industrie träumen würde. Und, egal was drin steht, Idiotisches oder Brauchbares,  das Gutachten wird bezahlt, gut bezahlt. Während man selbst keine Probleme hat,  exorbitante Honorare zu nehmen, hatte man keine Probleme blinden Mitbürgern 150 € zu streichen, die für die Herstellung der „Blindenzeitung“ benötigt werden. Wie perfide müssen diese Leute gestrickt sein?

Einen großen Vorteil hatte das Rödl-Gutachten, das will ich auch nicht verschweigen. Es zeigt in hervorragender Weise auf, für was eine Stadt, eine Verwaltung, die in der Verwaltung beschäftigten Kolleginnen und Kollegen alles leisten oder wofür sie zuständig sind. Jeder, der mühselig und beladen ist, kommt doch zur Stadt und sagt HILF. Das ist auch im Sinne unseres Grundgesetzes, im Sinne des Sozialstaatsgebotes nach Artikel 20 und 28 unseres Grundgesetzes so gewollt und ist auch richtig. Trotz aller Versuche und Überlegungen ständig am Sozialstaat herumzufummeln.

Von daher,  auch wenn das bisher noch keiner getan hat, ich möchte mich an dieser Stelle bei den Beschäftigten der Stadtverwaltung, bei den Beschäftigten des Öffentlichen Dienstes, bei Euch bedanken, dass Verwaltung die vielfältigsten,  unterschiedlichsten und für das Gemeinwohl wichtigen Aufgaben erledigt. Gut erledigt. Auch deshalb, weil die Stadt als letztem Glied in der Kette alle Aufgaben aufgehalst bekommt, die Bund und Land planen, beschließen und dann nicht finanzieren.

Hier in Remscheid können die Gutachter sich die Klinke in die Hand geben, solange nicht ein Wort der finanziellen Veränderung durch Umverteilung des Steueraufkommens gesagt wird, ist doch alles Stückwerk. Die Menschen wohnen nicht im Bund. Sie wohnen in der Kommune, in Remscheid Hier sind gute Straßen, Beleuchtung, Kindergärten und Schulen notwendig. Hier muss kontrolliert werden,  ob es bei Lebensmitteln Gesundheitsgefahren gibt – das kann kein Privater hier wollen die Menschen nicht nur arbeiten, also müssen bezahlbare Infrastrukturen geschaffen werden, hier müssen die Blumen und Bäume am Straßenrand in Parks oder Friedhöfen gepflegt werden hier will man sich erholen, Kultur erleben.

Da fragt Herr Wenge, Hauptgeschäftsführer der IHK, allen Ernstes, braucht Remscheid ein öffentlich finanziertes H2O, das zu allem Überfluss noch in Konkurrenz zum privaten Spaßbad „Bergische Sonne“ steht? Wer die Preise in der Bergischen Sonne kennt, weiß die Antwort und die lautet:  Natürlich braucht man so etwas, denn das gehört auch zu den Standortfaktoren einer Stadt, und nicht nur die mit dickem Portemonnaie wollen ein vernünftiges, ansprechbares und vor allen Dingen bezahlbares Badevergnügen haben

Ist es denn pervers, wenn eine Stadt über ein Theater oder ein halbes Orchester verfügt? Ich meine nein! Es wird immer deutlicher, dass wir, um als Nation weiter bestehen zu können, eine gute Bildung, nein, die beste Bildung notwendig haben. Aber Bildung ist nicht nur immer der Deutsch-, Mathe-, oder Englischkurs. Bildung ist ein umfangreicherer Begriff, als nur eine Verengung auf Grundkenntnisse. Eine Stadt braucht eine VHS und - wenn die nicht alles leistet oder anbieten kann, eventuell Kooperationspartner, wie es auch hier praktiziert wird.

Wieso muss die Kommune den Unternehmen eigentlich mundgerecht Industrieflächen zur Verfügung stellen? Die Antwort liegt eigentlich auf der Hand. Hier werden Vorleistungen für die Gegenwarts- oder auch Zukunftsbestimmung gegeben. Die Wirtschaftsjunioren, in Remscheid 56 an der Zahl – die Wirtschaftsjunioren, die Jugend- bzw. Kinderabteilung der IHK, die ja seit Jahren am Haushalt herumkrittelt  und zu viel Personal bei der Stadtverwaltung bemängelt, sollte sich einmal die Frage beantworten, wie viele Millionenbeträge den Unternehmern und Unternehmen  direkt oder indirekt zufließen, wie viele Hilfen und Wege an Fördermitteln, wie viele Lösungen bei Immissionsproblemen, wie viele Vorleistungen für Unternehmer  durch städtische oder staatliche Maßnahmen geleistet wird.

Auch das finde ich bemerkenswert! Ich kann mich nicht erinnern, dass die Wirtschaftsjunioren mit der gleichen Aggressivität in Solingen und Wuppertal die dortigen Oberbürgermeister kritisieren. Das liegt doch wohl nicht daran, das beide Herren, von denen ich persönlich, trotz gelegentlicher gegensätzlicher Meinung, sehr viel halte, das beide Herren ein anderes Parteibuch als die anwesende Oberbürgermeisterin haben?

Da werden auf einmal die fehlenden Fachkräfte bemängelt. Jahrelang, nein, Jahrzehntelang beklagen wir die Ausbildungsverweigerung der Unternehmer. Wir haben ständig Vorschläge gemacht - sie warten immer solange, bis es zu spät ist, und der Staat, also wir, diejenigen, die nicht ihr Konto in Lichtenstein, der Schweiz oder auf der Insel Jersey liegen haben, massiv mit Geld nachhelfen müssen.

Wir finanzieren seit langem Ausbildungsplätze über die Bundesagentur für Arbeit,  die man nach und nach aushöhlt, für Jugendliche ebenso wie für  ältere Arbeitnehmer,  damit sie halbwegs eine Chance auf dem Arbeitsmarkt bekommen. Es gibt in der Zwischenzeit so viele Programme, dass man nicht alles mehr überschaut, was da eigentlich passiert, wer hier wen oder was finanziert wird.

Trotzdem ist es gut, ist es im Grundsatz notwendig, das wir das machen, um solche Zustände, die vor 75 Jahren waren - und die Arbeitslosigkeit war mit ein Grund, das Deutschland in einer Diktatur versank, um solche Zustände, die vor 75 Jahren waren, nicht mehr zu bekommen.

Vor 75 Jahren, am 2. Mai 1933, haben SA- und SS-Kommandos der Nazis Gewerkschaftshäuser gestürmt und besetzt. Damit begann die brutale Zerschlagung  der deutschen Gewerkschaftsbewegung. Das war auch die Folge der komplett falschen Gewerkschaftspolitik der damaligen ADGB-Führung. Viele Gewerkschaftsfunktionäre  und viele Gewerkschaftshäuser wurden bereits vor dem 2.Mai überfallen, bzw. verwüstet. U.a. auch hier in Remscheid, wie aus einem Schreiben mit einer Aufstellung von zerstörten Gewerkschaftshäusern und -Büros an den Reichspräsident von Hindenburg hervorgeht, auf das nie der ADGB-Führung geantwortet wurde. So bezahlte auch der Betriebsobmann im Gas- und Wasserwerk, Josef Mang aus Remscheid-Lennep mit seinem Leben für seine gewerkschaftliche Überzeugung.

Michael Mahlke weist in seinem Buch: „100 Jahre IG Metall Remscheid[2]  auf die Dokumentation von Armin Breidenbach: „Widerstand und Verfolgung in Remscheid“ hin, in der der persönliche Widerstand gegen das Nazi-System aufgelistet ist. Nur drei Monate, nachdem die Macht in Deutschland von den interessierten Kapitalisten, Großagrariern und maßgeblichen Vertretern des Bürgertums  von dem damaligen Reichspräsidenten von Hindenburg an die Nationalsozialisten ausgeliefert worden war, gehörten Kommunisten und Sozialdemokraten,  Gewerkschaften und ihre Repräsentanten zu den ersten Opfern des Naziterrors.

Der 1. Mai 1933 wurde als „Tag der nationalen Arbeit“ gemeinsam mit den Nazis begangen. Am 2. Mai kam für alle endgültig das böse Erwachen. Zielstrebig und gründlich zerschlugen die Nazis die Arbeiterbewegung und Hitler erfüllte  damit sein Versprechen gegenüber den Arbeitgebern. Für freie, unabhängige, der Demokratie verpflichtete Gewerkschaften war im NS-Staat kein Platz. Der 2. Mai 1933 ist ein mahnender, ein erschütternder Anlass für das Gedenken an die Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, die dem Naziterror zum Opfer fielen. Und er ist ein Tag der Besinnung über die Konsequenzen dieser schmerzlichen Erfahrung. Die Erstürmung der Gewerkschaftshäuser war eine der ersten Etappen auf dem Weg, der mit 60 Millionen Toten endete. Im Angesicht und Gedenken  dieses Terrors können die Gewerkschaften es nicht hinnehmen, daß alte und neue Nazis  vielerorts den 1. Mai erneut als Vorwand nutzen, um Gewerkschaften und die ganze demokratische Öffentlichkeit mit eigenen Aufmärschen und Kundgebungen zu provozieren und die Opfer des NS-Regimes zu verhöhnen.

Wir müssten heute Nicht wiederum alle Verantwortlichen zu einem Verbot der Nazi-Nachfolgeorganisationen auffordern, wenn der damalige Verbotsantrag von Bundesregierung, Bundestag und Bundesrat vor dem Verfassungsgericht nicht so dilettantisch vorbereitet und in der Folgezeit so unprofessionell gehandhabt worden wäre. Am 1. Mai gehören die Straßen und Plätze der organisierten Arbeitnehmerschaft. Die 75. Wiederkehr des Tages, an dem die Nazis die Arbeit der Gewerkschaften  für immer zerschlagen wollten, ist für uns ein Anlass mehr, ein Verbot aller Organisationen und Parteien zu fordern, die Nazi-Greueltaten auch heute noch verherrlichen, deren Opfer verhöhnen sowie Demokratie, Freiheit und Menschenrechte beseitigen wollen.

Morgen „feiern“ wir den diesjährigen 1.Mai. Er steht unter dem Motto:  „Gute Arbeit muss drin sein!“ Damit wir ihn in Remscheid so feiern können, sind viele Organisationen,  Parteien und Gruppen, insbesondere aus den Reihen unserer ausländischen Mitbürger beteiligt. Das macht den 1.Mai, das macht die Arbeiterbewegung aus. Ich kenne das aus keiner anderen Stadt, ich wüsste im Moment auch keine andere Stadt, wo der 1.Mai so wie in Remscheid gefeiert wird. Deshalb lade ich alle ein, morgen dabei zu sein! In diesem Sinne bedanke ich mich für die Aufmerksamkeit und wünsche uns noch angeregte Gespräche in einem lockeren Rahmen in diesem schönen Rathaus.“

In ihrer schriftlichen Einladung zum Arbeitnehmerempfang 2008 ging Oberbürgermeisterin Beate Wilding auf den Gründungskongress der Zweiten Internationalen im Jahre 1889 ein. Damals war der 1. Mai als „Kampftag der Arbeiterbewegung" zum Gedenken der Opfer des Haymarket Riot ausgerufen worden. Am 1. Mai 1890 wurde der  „Protest- und Gedenktag" zum ersten Mal mit Massenstreiks und Massendemonstrationen in der ganzen Welt begangen. Wildings Rückblende: Zu Jahresbeginn 1886 rief die nordamerikanische Arbeiterbewegung zur Durchsetzung des Achtstundentags zum Generalstreik am 1. Ma iauf — in Anlehnung an die Massendemonstration am 1. Mai 1856 in Australien, welche ebenfalls den Achtstundentag  gefordert hatte. Es kam darauf zu Massenstreiks und Demonstrationen in den Industrieregionen. In Chicago kam es zu einem mehrtägigen Streik, dabei aAm 3. Mai zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung zwischen Demonstranten und der Polizei, wobei zwei Demonstranten getötet wurden. Bei einer Protestkundgebung am darauf folgenden 4. Mai eskalierte die Gewalt. In die Reihen der Polizei wurde von einem Unbekannten eine Bombe geworfen, die einen Polizisten tötete und zahlreiche Polizisten wie auch Demonstranten verletzte. Bei dem anschließenden Aufruhr, der in die US-Geschichte als Haymarket Riot eingegangen ist, wurden mehr als 200 Arbeiter verletzt, die Zahl der Toten wurde niemals offiziell bestätigt. Acht Organisatoren der Kundgebung wurden festgenommen und der Verschwörung angeklagt. Vier von ihnen wurden am Strang hingerichtet, einer beging in seiner Zelle Selbstmord. Die noch lebenden drei wurden sechs Jahre später begnadigt.

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!