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Hans Peters: "In welch einem Land leben wir eigentlich?"

Die Rede auf der Maikundgebung des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) vor dem Remscheider Rathaus hält zur Stunde Hans Peters, der Regionsvorsitzende des DGB im Bergischen Land. Der Waterbölles dokumentiert den Text nachfolgend:

Für eine gerechte Zukunft wollen wir gute Arbeit mitgestalten. Aber wir haben auch Anlass, ja, die historische Verpflichtung und Verantwortung in die Vergangenheit zurück zu blicken. Vor 75 Jahren, am 2. Mai 1933, haben SA- und SS-Kommandos der Nazis Gewerkschaftshäuser gestürmt und besetzt. Viele Gewerkschaftsfunktionäre wurden inhaftiert, gefoltert und in KZs ermordet. Nur drei Monate, nachdem die Macht in Deutschland von den interessierten Kapitalisten, Großagrariern und maßgeblichen Vertretern des Bürgertums von dem damaligen Reichspräsidenten von Hindenburg an die Nationalsozialisten ausgeliefert worden war, gehörten Kommunisten und Sozialdemokraten, Gewerkschaften und ihre Repräsentanten ebenso wie demokratische Parteien zu den ersten Opfern des Naziterrors.

Der 2. Mai 1933 ist ein erschütternder Anlaß für das Gedenken an die Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter, die dem Naziterror zum Opfer fielen. Und er ist ein Tag der Besinnung über die Konsequenzen dieser schmerzlichen Erfahrung. Im Angesicht und Gedenken dieses Terrors können die Gewerkschaften es nicht hinnehmen, dass alte und neue Nazis vielerorts den 1. Mai erneut als Vorwand nutzen, um Gewerkschaften und die ganze demokratische Öffentlichkeit mit eigenen Auf-märschen und Kundgebungen zu provozieren und die Opfer des NS-Regimes zu verhöhnen. Wir fordern alle Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft auf, den Nazis von heute Einhalt zu gebieten, und endlich ein Verbot durchzusetzen.

In welch‘ einem Land leben wir eigentlich?

Eine ganz neue Variante, vernünftigen Lohnerhöhungen und Arbeitsbedingungen zu entgehen, praktizieren die Arbeitgeber im Kfz-Gewerbe. Anstatt dass man weiter mit der IG Metall verhandelt, ändert man kurzerhand die Satzung und ist dann für Tarife nicht mehr zuständig - schließt aber mit dem sogenannten Christlichen Gewerk-schaftsbund, vor 12 Tagen  einen Tarifvertrag ab, der perverser weise am 1.Mai, also heute, in Kraft tritt,  minimale Lohnerhöhungen, gestuft für mehrere Jahre und eine Erhöhung der  Arbeitszeit  um 1,5 Stunden vorsieht, insbesondere für die älteren Mitarbeiter, gerade die, die den „Laden“ aufgebaut und für das Wohlergehen der Firma gearbeitet haben.

Wir erleben ja z.Z. manches, aber das ist kaum noch zu überbieten. Ich bin mal gespannt, welche Großunternehmen und Unternehmerverbände diese gewerkschaftliche Mißgeburt finanzieren, das, was hier passiert, ist weder christlich, noch gewerkschaftlich das ist etwas aus dem vorvergangenen Jahrhundert. Und welches Autohaus mit denen einen Tarifvertrag abschließt, der ist für mich als Verbraucher, für mich als Kunde mehr als fragwürdig. Mit solchen Maßnahmen festigen die Autohäuser für mich erneut ihren Ruf als moderne Pferdehändler. Und was man über Pferdehändler dachte, brauche ich keinem zu erzählen. Unserem Kollegen Marko Röhrig, der diesen Bereich betreut,  und jetzt Betrieb für Betrieb mit den dort arbeitenden Kolleginnen und Kollegen Tarifverhandlungen durchführt und diese notfalls streiken müssen, sagen wir von dieser Stelle unsere uneingeschränkte Solidarität zu.

in welch‘ einem Land leben wir eigentlich?

Während die Postler  sich am gestrigen Tag auf tarifvertragliche Bedingungen einigten, für moderate Lohnerhöhungen und gegen Arbeitszeitverlängerungen kämpften, kämpft ihr (ehemaliger) Vorstandsvorsitzender Zumwinkel um seine genügsame und vom Mund abgesparte Rentenrücklage, die er auf einem Konto in Lichtenstein parkt und weiter erfährt man jetzt, das, egal wie die Situation sich einmal beim RWE entwickelt, egal, was da passiert, der jetzige Vorstandsvorsitzende in jedem Fall finanziell abgesichert ist. Es wird auch die Summe gleich mit genannt. Da hat man keine Scham mehr, ja, man ist offensichtlich stolz, die Zahl von 40 Millionen anzugeben. Und wenn der Stadtdirektor dieser Stadt, aus welchen Gründen auch immer, in Kürze abgewählt wird, geht er mit 75 Prozent seiner Bezüge demnächst um die Talsperre oder läßt sich die Sonne auf den Bauch scheinen.

Und wenn ein Arbeitnehmer oder eine Arbeitnehmerin unverschuldet, weil der Betrieb verlagert wird oder in Konkurs geht unverschuldet arbeitslos wird, und dafür vielleicht noch eine minimale Abfindung erhält, wird diese Abfindung angerechnet und, wenn wir,  die DGB-Gewerkschaften im vergangenen Jahr nicht soviel Druck auf die Politik gemacht hätten, würde die Arbeitnehmerin oder der Arbeitnehmer nach 12 Monaten zur Arge überwechseln und könnte von 352 Euro im Monat leben. Und wie die ARGE manchmal in alte Sozialamtsmentalitäten  des Drohens zurückfällt, konnten wir aktuell am 29.April in der Remscheider Lokalpresse lesen. Die Drohung mit Sanktionen ist in der Zwischenzeit zurückgenommen worden, die ARGE-Geschäftsführung hat den Fehler eingestanden und wird versuchen, zukünftig Fehler zu vermeiden und so etwas auszuschließen. Dennoch bleibt: Das Prinzip nach der Hartz-Gesetzgebung, von der ich nie etwas gehalten habe, und die ja auch zu großen Teilen wie ein U-Boot im Meer verschwindet, und nur sporadisch noch auftaucht, dieses Prinzip heißt aber „fördern und fordern“, auch wenn einige meinen, es würde anders herum heißen. Deshalb laßt mich das einmal wiederholen, weil es immer als Selbstverständlichkeit, als etwas Normales angesehen wird. Die Verlängerung, wenn auch noch gesplittet, die Verlängerung des Arbeitslosengeldes ist ein Erfolg der DGB-Gewerkschaften gegen den harten Widerstand breiter Teile dieser regierenden Koalition und gegen die Arbeitgeberverbände.

In welch‘ einem Land leben wir eigentlich? Personen aus der Führungsspitze der Firma Siemens, die lange Zeit als eine Bank mit angeschlossener Firma angesehen und bezeichnet wurde, eine der Topp-Adressen der deutschen Wirtschaft entpuppt sich als Spitzenadresse für Korruption und Steuerhinterziehung. Herr von Pierer, bis vor wenigen Tagen Spitzenberater der Bundeskanzlerin wird Stückchen um Stückchen von seinem hohen Roß heruntergeholt, wird entblättert als jemand, der sich bisher feige hinter seinen Direktoren versteckte und angeblich von nichts wußte, als ob in einem Konzern viele Millionen ohne Kenntnis verteilt werden kann, dieser Herr von Pierer, macht aus diesem Land eine Bananenrepublik, verlangt aber von den Arbeitnehmern Verständnis für notwendige wirtschaftliche Entscheidungen, die sie letztendlich um Arbeit und Brot bringen oder gebracht haben. Herr von Pierer und die anderen, bereits bekannten Siemens-Manager haben durch ihr Verhalten anderen Menschen und unserem Land geschadet.

In welch‘ einem Land leben wir eigentlich? Da lamentieren Arbeitgeber scheinheilig über einen vermeintlichen Fachkräftemangel. Das ist nicht mehr zu ertragen. Noch immer haben wir 3,5 Mio. Arbeitslose plus einer stillen Reserve, die immer verschwiegen wird. Noch immer finden hunderttausende Jugendliche keinen betrieblichen Ausbildungsplatz. Und die gleichen Unternehmen, die jungen Menschen den Einstieg verweigern, flennen woanders lauthals über einen vermeintlichen Fachkräftemangel. Statt die Arbeitslosenversicherung abzusenken, oder viele Millionen an den Bundeshaushalt abzuführen muss, damit wir unsere Spitzenposition einhalten zu können in der Arbeitsförderung in der Qualifizierung ein Schwerpunkt gesetzt werden. Und nicht wie bisher bei teilweise unsinnigen Ein-Euro-Jobs, die zu nichts führen, sondern allenfalls disziplinieren und abschrecken sollen. Außerdem geht es in diesem Jahr um eine Anschlussregelung zur Altersteilzeit. Wir wissen, dass viele Kolleginnen und Kollegen es einfach nicht schaffen, bis 65 geschweige denn bis 67 im Betrieb zu arbeiten. Das richtige Prinzip eines gleitenden Übergangs in den Ruhestand muss auch nach 2010 möglich sein. Dafür setzen wir uns ein!

In welch‘ einem Land leben wir eigentlich? Was am Arbeitsmarkt z.Z. geschieht, der Boom bei der prekären Beschäftigung, zu niedrige Löhne – das sind Faktoren, die auch die Alterssicherung bestimmen. Wie soll sich denn jemand, der fünf Euro pro Stunde verdient, eine auskömmliche Rente aufbauen? Wovon soll jemand, der in die Selbständigkeit gezwungen  das kennen wir aus vielen Branchen – und damit aus der gesetzlichen Rentenver-sicherung gedrängt wird, wie soll denn ein solcher Personenkreis im Alter leben? Was ist mit den Ein-Euro- was ist mit den Mini-Jobbern? Was mit den Langzeit-arbeitslosen, deren Rentenansprüche nochmal gekürzt worden sind und die jetzt noch für jedes Jahr Hartz-IV-Bezug ganze 2,19 Euro bei der Rente oben drauf bekommen? Und das bei einem ständig weiter sinkenden Rentenniveau? Bei aktuell 1,25 Millionen Langzeitarbeitslosen, 2,5 Millionen Geringverdienern mit Armutslöhnen und zwei Millionen Solo-Selbständigen kann sich jeder ausrechnen, was das bedeutet. Dafür brauchen wir Lösungen. Lösungen in der Rente: So sollten niedrige Einkommen bei der Rente aufgewertet werden. Und auch Arbeitslosigkeit muss künftig wieder besser berücksichtigt werden.

Der Weg, weiter Risiken zu privatisieren und Leistungen auszugrenzen, ist falsch, auch wenn uns die großen Versicherungskonzerne, die damit ihren Reibach machen, etwas anderes erzählen wollen. Die Riester-Rente dient neben den privaten Versicherungen nur Herrn Riester selbst, der, einem Bericht der Nürnberger Nachrichten vom 22. April zufolge Zusatzeinkünfte von 274.000 Euro neben seinem Gehalt als Bundestagsabgeordneter der SPD hat. Ich nenne das einen Judaslohn, den er für die Zerstörung der paritätisch finanzierten Rentenversicherung sich jetzt bei zahlreichen Versicherungen, Banken und Sparkassen abholt. Wir brauchen keine privaten Versicherungen, die bei einem Börsencrash, wie jetzt aktuell festzustellen ist, die Altersversorgung mit verzocken. Wir brauchen eine solidarische Reform der gesetzlichen Rentenversicherung, ein Renten­versicherungssystem, in das alle Erwerbstätigen einbezogen werden, auch die Selbständigen, Beamten und Politiker. Kurz: Wir brauchen eine Erwerbstätigenversicherung! Wir wollen, das die Arbeitgeber sich ihrer sozialen Verantwortung stellen! Keine Schlupflöcher mehr, über die sich Besserverdienende aus der Verantwortung stehlen können! Die Sozialversicherung darf nicht zur Armenkasse werden, sondern die starken Schultern müssen ihren Teil der Last auch übernehmen.

Zur Alterssicherung gehört auch die Frage, bis wann man arbeitet – wie lange man arbeiten kann und wie lange man arbeiten muss. Hier hat die große Koalition aus CDU und SPD im letzten Jahr eine Entscheidung getroffen, die der Gipfel des Realitätsverlustes ist, nämlich die Rente mit 67. Man hat den Eindruck, daß der Altersstarrsinn und der Versuch, in jedem Fall Recht  behalten zu wollen, bei Herrn Müntefering Einzug gehalten hat, als er mit Brachialgewalt die Rente mit 67 durch die parlamentarischen Gremien gezogen hat. Der demografische Wandel, der für Vieles herhalten muß, ist der Popanz, den man aufgebaut hat, um dem Sozialabbau dieser und der Vorgängerregierung einen Grund zu geben. Auf meine Frage, wieso der demografische Wandel in der privaten Versicherungswirtschaft nicht gilt, habe ich bisher noch keine schlüssige Antwort erhalten.

Die Ausdehnung der Arbeitszeit auf 67 Jahre hat mit der Realität im Arbeitsleben  nichts, aber auch gar nichts zu tun. Rente mit 67 ist ein Rentenkürzungsprogramm ungeahnten Ausmaßes. In mehr als der Hälfte der Betriebe sucht man heute vergeblich nach Kollegen über 50 Jahre. Gerade einmal jeder Fünfte schafft es, überhaupt bis 65 zu arbeiten, am Bau ist es nur jeder Zehnte. Die anderen sind schon lange vorher ausgeschieden, weil sie entweder keinen Arbeitsplatz mehr haben oder es gesundheitlich nicht mehr schaffen. Wie soll es da bis 67 gehen? Einige werden es schaffen, sicher – besonders die mit der höheren Bildung, die Herren Professoren, die uns im Fernsehen immer totquatschen, aber selbst gut finanzierte Nebenjobs haben, die aber auch gleichzeitig auf den Beamtenstatus nicht verzichten wollen für diese älteren Akademiker sieht es schon jetzt auf dem Arbeitsmarkt gut aus.

Aber viele, die hart körperlich gearbeitet haben, haben überhaupt keine Chance. Für sie wird die Kluft zwischen dem Ende ihres Arbeitslebens und dem Beginn der Rente immer größer. Sie drohen noch in Hartz IV abzurutschen, wo sie gezwungen sind, ihre Rück­lagen fürs Alter vor der Zeit aufzubrauchen und aus der Sozialhilfe kaum noch herauskommen. Wir sind froh, daß sich auf den letzten Metern des Jahres 2007 wenigstens bei der 58er-Regelung (Zwangsverrentung älterer Arbeitsloser) die Politik noch bewegt hat. Dafür haben die Gewerkschaften gemeinsam mit anderen gekämpft. Auch wenn das nur ein Teilerfolg ist, weil ab 63 Jahre Langzeitarbeitslose doch zwangsweise in Rente geschickt werden können, ist für viele die Gefahr erst einmal abgewendet, aber noch nicht beendet

In welch‘ einem Land leben wir eigentlich? Nicht nur, das man sich schon daran gewöhnt hat, in vielen Geschäften in die Kamera zu schauen, Taschenkontrollen am Ausgang zu erleben, Zeiterfassungssysteme gang und gebe sind, viele sich Sozialschnüffler wünschen und vorstellen können, erfahren wir jetzt eine Steigerung bei den großen Discountern, angefangen von Lidl und Aldi, Norma, Rewe und wie sie alle heißen. Aldi finanziert noch die Kreatur AUB, die als unternehmeische Hilfstruppe bei Betriebsratswahlen auftritt, deren Gründer und Vorsitzender Schelsky im Knast sitzt, der BND, ein überflüssiges und viele Kosten verursachendes Relikt aus dem Kalten Krieg mit Gründungszelle in der Nazizeit, bespitzelt Journalisten und ausländische Politiker Wendelin Wiedeking (Porsche) wird mit einem Babyphon abgehört, der Bundesinnenminister Schäuble möchte unter dem Gummivorwand der Terroristenbekämpfung stasiähnliche Zustände der allgemeinen und unkontrollierten Überwachung in diesem Land einführen und die amtierende Justizministerin merkt noch nicht einmal etwas. Und dann wundert man sich, dass das Volk nicht mehr wählen geht?

In welch‘ einem Land leben wir eigentlich? Da wird gute Arbeit verlangt. Das ist auch hervorragend und richtig. Gute Arbeit ist ein Konzept für die Gestaltung der Arbeitswelt.Gute Arbeit, das heißt: einen sicheren Arbeitsplatz, ein Einkommen, das den Lebensunterhalt existentiell sichert, eine Arbeit ohne Risiko für die eigene Gesundheit. Leiharbeit untergräbt die Standards guter Arbeit und bedroht die gesamte Belegschaft eines Betriebes. Statt guter Arbeit ist prekäre Beschäftigung für Leiharbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer vorherrschend: Besonders skandalös: Häufig sind Leiharbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer trotz Vollbeschäftigung zusätzlich auf Arbeitslosengeld II angewiesen, weil ihr Arbeitseinkommen zum Leben nicht ausreicht. Ihr Arbeitsplatz ist weniger sicher, da meist befristet. Das Beschäftigungsverhältnis übersteht die ersten drei Monate in mehr als 60 Prozent aller Fälle nicht. Bei der Weiterbildung gehen sie leer aus, werden öfter bei gefährlichen und schmutzigen Arbeiten eingesetzt und erleiden häufiger Arbeitsunfälle. Leiharbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer bekommen weniger Urlaub, geringere Zuschläge und keine Zusatzversorgung. Wofür? Die Chancen eine Festanstellung zu erreichen sind gering. Zusätzlich wird Druck auf die Stammbelegschaften der Betriebe ausgeübt. In rund einem Viertel aller Betriebe, die Leiharbeit nutzen, findet ein Rückgang der regulären Beschäftigung statt.

Die Branche wächst durch Niedriglöhne! Mit dieser Entwicklung gerät ein gesell-schaftliches Grundprinzip aus den Fugen, für das Gewerkschaften immer eingetreten sind: „Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“. Wer sich gegen diesen Grundsatz stellt, der stellt sich ins gesellschaftliche Abseits. Beschäftigte erster und zweiter Klasse, dafür kann es keinen gesellschaftlichen Konsens geben. Darum machen die DGB-Gewerkschaften gegen die Ungleichbehandlung der Leiharbeitnehmerinnen und -arbeitnehmer und die Mißstände in der Leiharbeit mobil! Leiharbeit muss sowohl zum Schutz der Stammbeschäftigten als auch der Leiharbeitnehmer sozial flankiert werden! Zunächst durch die Einführung eines Existenz sichernden Mindestlohns in der Leiharbeit. Mit der Aufnahme der Zeitarbeitsbranche ins Arbeitnehmerentsendegesetz könnten bereits ausgehandelte Regelungen über Mindestarbeitsbedingungen in der Leiharbeit für allgemeinverbindlich erklärt werden. Damit wäre gegenüber in- und ausländischen „Dumping-Anbietern“ eine „unterste Haltelinie“ eingezogen.

In welch‘ einem Land leben wir eigentlich? In diesem Land, in NRW hat man keine 4,5 Millionen Euro, um eine flächendeckende Beratung für arbeitslos gewordenen Menschen zu finanzieren, hat man kein Geld für Arbeitslosenzentren, die darauf hin zum Jahresende schließen werden. Wenn aber unfähige Manager der WestLB einen „möglichen Ausfall“, wie der Verlust vornehm umschrieben wird, einen möglichen Ausfall von 5 Mrd. Euro produzieren, weil sie das Geld durch zweifelhafte Geschäfte und Spekulationen vernichten, dann ist es kein Problem, schnell mehrere Milliarden Euro zur Rettung zur Verfügung zu stellen. Und wenn der Vorsitzende der IKB, die einen möglichen Ausfall von 7,3 Mrd. Euro produziert, wenn der Vorsitzende dann in den Ruhestand verabschiedet wird, dann bekommt er eine monatliche Rente von 37.000 Euro.Und ich möchte nicht wissen, was die Flaschen, die an der Spitze der Sachsen LB, die mit einem möglichen Ausfall von 4,3 Mrd Euro rechnet und was diejenigen, die bei der Bayern LB einen tatsächlichen Ausfall von 1,9 Mrd. Euro produziert haben, an Abfindungsregelungen, wie Dienstwagen mit Fahrer oder an Rentenleistung usw. bekommen.

Und, wenn wie in unserer Nachbarschaft, in Solingen (wahrscheinlich 5 Millionen Verlust) und in Remscheid  (wahrscheinlich 24 Millionen Verlust) die Kämmerer mit sogenannten Derivatgeschäften kommunales Geld vernichtet haben, weil sich ebenfalls auf  spekulative Geschäfte, die nach der Gemeindeordnung verboten sind, eingelassen haben, jetzt einen Eiertanz aufführen, um nachzuweisen, sie hätten ja gar keine Schuld, wenn ich dann lese und höre, für Rentner und Arbeitnehmer ist kein Geld da für Pendler, die fahren müssen, weil vor Ort nicht genügend Arbeit vorhanden istkann man zur Wahrung des eigenen Gesichts eine falsche Entscheidung nicht zurücknehmen wenn ich das alles höre, dann kann man gar nicht so viel essen, wie man kotzen möchte, um ein Zitat von Tucholsky zu verwenden. Im Moment ist es ja nicht so, dass die Unternehmen nicht verdienen. Wenn es ihnen schlecht ginge, könnte man, wenn man Mitleid hat, sie noch verstehen. Aber im Moment entlassen die Unternehmen, trotz exorbitanter Gewinne und die Abfindungen werden dann steuermindernd eingesetzt. Nokia in Bochum hat verdient, trotzdem entlassen sie die Leute. BMW steht vor dem größten Gewinn in der Firmengeschichte und trotzdem schmeißen sie 8100 Menschen, Zeitarbeitnehmer,  auf die Straße. Persil-Henkel, ein Konzern, der nicht weiß, wie er sein Geld noch anlegen soll, vernichtet weitere 3000 Arbeitsplätze, nachdem  seit 2001 bereits  4500 Arbeitsplätze vernichtet wurden. Die Firma Siemens, deren Manager meinen, sie könnten aus Deutschland eine Bananenrepublik machen, bauen mal eben 6800 Stellen ohne Not ab. Und zu Herrn Ackermann, der von der Deutschen Bank, der sich nicht zu schade ist, nach dem Staat zu rufen, wenn die Bank ihre Profitrate in Gefahr sieht, zu all‘ diesen Vorgängen will ich nur folgendes sagen:

Wenn man das alles zusammenzählt, wenn man sieht, wie bescheiden und zurückhaltend wir sind, ist es doch kein Wunder, das man uns nicht ernst nimmt. Wir sind so bescheiden, dass das für die Politiker in Berlin unvorstellbar ist Offensichtlich wird in diesem Land nur jemand ernst genommen, der Steuern hinterzieht, Arbeitsplätze in Ausland verlagert, um dort noch größeren Gewinn zu bekommen, der Potentaten und Diktatoren sowie korrupte Politiker schmiert oder mit sonstigen Dienstleistungen aufwartet, jemand, der an der Börse spekuliert und sich am Elend von anderen ergötzt, die verloren haben, oder Betriebe kauft, wie andere für die Familie am Wochenende einkauft, die werden offensichtlich ernst genommen.

Wir leben in einem Land, das  dringend  der Ausweitung der Mitbestimmung in Wirtschaft und Gesellschaft bedarf. Wir wollen Betriebsschließungen wie bei Nokia, die offenbar ohne ökonomische Zwänge alleine der Gewinnmaximierung dienen, durch einen Ausbau der Unternehmensmitbestimmung künftig verhindern. Wir fordern daher mehr Mitbestimmung der Belegschaften, wenn Betriebe verlagert oder geschlossen werden sollen. Außerdem müssen wir sicherstellen, dass z. B. über den Verkauf von Unternehmensteilen an Finanzinvestoren immer und ausschließlich im mitbestimmten Aufsichtsrat entschieden wird. Nur durch die Mitbestimmung ist es möglich, die berechtigten Interessen der Beschäftigten zu wahren. Manager sollen genug verdienen, wenn sie gut arbeiten, das ist keine Frage. Aber diesen exorbitanten Gehälter und Ruhestandsbezüge, egal, wie es dem Laden geht, müssen in einer vernünftigen Relation zum Einkommen der jeweils in diesem Betrieb beschäftigten Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen stehen Ich werde oft gefragt: was wollt ihr denn eigentlich? Die Antwort, liebe Kolleginnen und Kollegen, die Antwort ist so simpel, wie sie wahr ist. Die Antwort lautet:

Wir wollen „Gute Arbeit“ für alle Beschäftigten, ob jung oder alt, weiblich oder männlich. Und das bedeutet für uns Ausbildungsplätze für alle, Jobs statt Schein-Praktika, unbefristete Verträge statt Projektarbeit, soziale Sicherung statt Schein-Selbständigkeit, angemessene Einkommen statt Armut trotz Arbeit, Mitbestimmung statt Angst und Erpressbarkeit. Heute, am 1.Mai hier und morgen, am 2.Mai in den Betrieben und Verwaltungen, in Remscheid und überall.                    

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Kommentare

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Harald Neumann am :

Diese Rede hat mir ausnahmslos gefallen. Wie heißt es doch: Schöne Worte sind nicht wahr, und wahre Worte sind nicht schön!

Chronist am :

Zum 1. Mai 2008 hat der Kreisverband DIE LINKE Remscheid zum dritten Mal einen Newsletter herausgegeben. Dem Vorstand liegt ein Antrag vor, in Zukunft, mindestens alle drei Monate diesen Newsletter herauszugeben. Die Auflage: 1000 Exemplare,. Ein großer Teil davon wurde auf der Maifeier des DGB auf dem Rathausplatz verteilt.

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