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Aufklärung im Ausschuss über muslimische Beerdigungsrituale

Trauerfeier auf dem Parkplatz irritierte Anwohner und Passanten. Archivfoto: Lothar Kaiser

„Es ist eine kleine Trauerfeier im Industriegebiet. Der braune Sarg steht im Hof der … Moschee, die Männer, die gerade ihr Mittagsgebet beendet haben, sammeln sich in Reihen, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen. Der Sarg ist nach Mekka ausgerichtet, die Gesichter der Männer sind es auch. (…) Der … Imam und die Männer sprechen die Gebete, dann löst sich die Versammlung schnell wieder auf. Der Verstorbene wird zum … Flughafen gebracht und von dort noch am selben Tag nach Bosnien überführt.“ So ähnlich wie in der Stuttgarter Zeitung vom 3. April hätte es auch im RGA, in der Bergischen Morgenpost oder im Waterbölles stehen können, wenn ein Reporter vor einigen Wochen an der Trauerfeier auf dem Parkplatz vor dem Muslimischen Kulturzentrum des „Verbandes der Islamischen Kulturzentren“ (VIKZ),  Kremenholler Straße 24 und 26, teilgenommen hätte. Damals beobachteten Anwohner und Passanten (vor der Eisenbahnbrücke Kippdorfstraße aus) die ihnen fremde Trauerfeier – und waren irritiert.

Von „Hinweisen, Nachfragen und Beschwerden der deutschen Bevölkerung über das ungewohnte Erscheinungsbild von muslimischen Trauerfeiern“ sprach später die CDU-Fraktion und regte für eine gemeinsame Sitzung des Migrationsausschusses und des Kulturausschusses einen Fachvortrag an “über den Kultus islamischer Begräbnisrituale, deren Bedingungen und Auswirkungen auf das deutsche Alltagsleben und über Einflüsse und Veränderungen in der traditionellen Beerdigungskultur“.

Gestern fand die Sitzung statt. Referent war Dr. Thomas Lemmen (46) vom Erzbistum Köln, katholischer Theologe und Islamwissenschaftler. Er ist ehrenamtlicher Geschäftsführer der Christlich-Islamischen Gesellschaft, der ältesten und grössten christlich-islamischen Organisation in Deutschland. Er warb für Toleranz und klärte die Aussschussmitglieder darüber auf, dass Muslimen in der Regel ohne Sarg beerdigt werden, eingehüllt in Tücher. Auch gehöre es zum Beerdigungsrutual, dass die Männer den Leichnam zum Grab tragen, nachdem vor der Moschee die Totengebete gesprochen worden sind, dass sie das Grab selbst ausheben und auch wieder zuschütten.  (Mehr über muslimische Bestattungsrituale unter http://religion-online.info. Diese Informationsplattform wird vom Religionswissenschaftlichen Medien- und Informationsdienst e. V. REMID verantwortet. Der Verein wird gefördert im Rahmen des Aktionsprogramms "Jugend für Toleranz und Demokratie - gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus".)

In Deutschland leben rund 3,4 Millionen Muslime. Damit ist der Islam nach dem Christentum die zweitgrößte Religion in diesem Land. Auf dem städtischen Friedhof Bliedinghausen ist seit sieben Jahren ein Gräberfeld reserviert für Verstorbene muslimischen Glaubens. Doch in Anspruch genommen wird es nur selten. Insgesamt haben dort erst sechs Muslime ihre letzte Ruhestätte gefunden, wie die Verwaltung im Februar dem Migrationsausschuss berichtete.  Die meisten Muslime, auch wenn sie Jahrzehnte in Remscheid gelebt haben, möchten in ihrer alten Heimat begraben werden.  Und die Moschee-Gemeinden unterstützen die Rückführungen über Bestattungshilfevereine. Deren Mitglieder zahlen dafür 50 bis 60 Euro im Jahr. Allein 180.000 Mitglieder bundesweit hat der Bestattungsfonds der Türkisch-islamischen Union (Ditib), die dem türkischen Staat nahesteht. Die Überführung und die Beerdigung in der Heimat sind meist preisgünstiger als eine Beerdigung in Deutschland.

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Kommentare

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Heike Fischer am :

Mich würde mal interessieren,ob die Gräber, in denen Muslime in Deutschland bestattet werden, auch mit Blumen geschmückt werden,wenn nicht,wie wird es gemacht, oder kommt gar nichts darauf? Vielleicht erzählt mir das mal jemand.

Isa Kara am :

Islamisch ist es wichtig und richtig, den Toten innerhalb von drei Tagen zu beerdigen und den Körper nicht mehrere Tage lang irgendwo weilen zu lassen. Die Leiche wird am ganzen Körper gewaschen, während man bestimmte Bittgebete oder Suren aufsagt, und anschließend wird das Kinn am Kopf festgebunden (so dass der Mund zubleibt) und die Körperöffnungen werden mit einem Stück Watte verschlossen. Anschließend wird der Tote in ein Leinentuch gewickelt. Dann findet das Totengebet statt - ähnlich wie das rituelle Gebet, aber es findet nur im Stehen statt - ohne Beugungen. Die Anwesenden werden drei Mal befragt, ob sie auf ihr Hakk (Recht/Anspruch) auf den Menschen verzichten. (Ansonsten wird es am Tag des Jüngsten Gerichts geklärt werden müssen - da die Verletzung des Hakk nur der Verletzte dem Menschen vergeben kann) Die Toten werden im Islam normalerweise ohne Sarg begraben. Sie werden in einem Tuch gehüllt mit der rechten Seite Richtung Mekka liegend in ihr Grab gelegt. Wichtig ist, dass man auf der Beerdigung nicht laut weint oder gar schreit, weil es dem Toten Unbehagen bereitet. Blumen sind zwar nicht die Regel, aber der Prophet Muhammed hat einen feuchten Zweig auf ein Grab gelegt und sagte, dass das die Grabespein mildere. So ist es Sunna (freiwillige Handlung nach den Handlungen des Propheten), dass man einen Baum pflanzt oder eben feuchte Zweige auf das Grab legt. Auch nach der Beerdigung kann man um Vergebung für den Toten oder um Milderung der Grabespein bitten. Auch kann man Koransuren rezitieren und diese der Seele des Toten schenken. Solange man dies tut, trägt das zum Wohlbefinden des Toten bei. Man muss dabei nicht am Grab stehen. Auch von zu Hause aus wird diese "Energie" ankommen. Üblicherweise wird im Grab (durch ein schräg eingelassenes Brett oder ähnliches) eine kleine Kammer eingerichtet, so dass die Erde nicht direkt auf den Leichnam geschüttet wird. Wird man in Deutschland beerdigt, wird die Leiche mit einem Sarg begraben werden müssen. Wegen des Bundesseuchengesetzes. Es gibt aber inzwischen sehr viele Orte, an denen man im Einvernehmen mit den Behörden die Toten nach der islamischen Art (also ohne Sarg) begraben darf. Es gibt für Muslime so eine Art Fonds, in die sie einzahlen können. Dieses Geld steht dann zur Verfügung, wenn man verstorben ist, und das Bestattungsinstitut organisiert alles von Flug der Leiche in das Wunschland über Totenwaschung bis hin zu Totengebet, Beerdigung etc.

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