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Der Weg zur rauchfreien Schule ist lang und steinig

Bernd Liebetrau  und Karin Fischbach. Foto: Lothar KaiserDer Weg zur rauchfreien Schule ist lang und steinig: Auf einer rauchfreien Pressekonferenz in den Räumen des Ev. Kirchenkreises Lennep („Haus der Kirche“) berichteten heute Sozialpädagoge Bernd Liebetrau von der Suchthilfe des Diakonischen Werks und Karin Fischbach, Beratungslehrerin an der Sophie-Scholl-Gesamtschule, über ihre Bemühungen, weiterführende Schulen in Remscheid für das Interventionsprogramm „Rauchfrei“ zu gewinnen, das vor zwei Jahren startete und an dem sich bislang lediglich drei Remscheider Schulen beteiligen – die Sophie-Scholl-Gesamtschule, das Gertrud-Bäumer-Gymnasium und die Hauptschule Hackenberg. Mit 15 ist  die Zahl der Schülerinnen und Schüler entsprechend gering, die an den beiden Anti-Rauchkursen teilgenommen haben, die im Mittelpunkt des Konzeptes stehen. Zum letzten Kursus (insgesamt acht Treffen zu je 70 Minuten), der in diesem Monat zu Ende ging, kamen nur zwei Schüler freiwillig. Acht war das Anti-Rauch-Training von der Schule auferlegt worden, nachdem sie zum vierten Mal auf dem Schulgelände beim Rauchen erwischt worden waren.

Seit Sommer 2005 ist in NRW durch das neue Schulgesetz (§ 54 Schulgesundheit) festgelegt, dass alle Schulen u.a. auch rauchfrei sein sollen.  Hinzu kam am 1. Oktober 2006 die „Dienstvereinbarung über den Nichtraucherschutz am Arbeitsplatz“ sprich zum Schutz von Nichtraucherinnen und Nichtraucher, die Oberbürgermeisterin Beate Wilding als Chefin der Stadtverwaltung mit dem Personalrat abgeschlossen hatte. Seitdem sind alle städtischen Gebäude rauchfrei, die Schulen quasi doppelt. Auf dem Papier. Es gibt keine „Rauckerecke“ mehr für die älteren Schüler (Sekundarstuife II) und auch kein „Raucherzimmer“ für die Lehrer. Aber geraucht wird dennoch – heimlich. Wie also die Verbote durchsetzen??

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hat den Handlungsleitfaden „Rauchfrei! - Auf dem Weg zur rauchfreien Schule" veröffentlicht, der als wichtiges Element unter anderem einen Anti-Rauchkurs für bereits rauchende Schüler und Schülerinnen beinhaltet. Dieser Kursus ist eingebettet in eine bestehende Sanktionskette, die Schülerinnen erreichen will, die als Raucher in der Schule auffallen. „Rauchfrei!" ist ein anerkanntes Angebot im Rahmen der Landesinitiative „Leben ohne Qualm - LoQ" in NRW. Sie will Schulen bei der Umsetzung konzeptionell unterstützen. Ziel ist es, in den Schulen verbindliche Umgangsregeln und Grenzen durchzusetzen und gleichzeitig Schülerinnen zu motivieren, nicht mit dem Rauchen anzufangen, Rauchgewohnheiten zu minimieren bzw. wenigstens in der Schule nicht zu rauchen.

Die Arbeitsgemeinschaft Suchprävention der „Gesundheitskonferenz Remscheid“, der Bernd Liebetrau und die Beratungslehrerin Karin Fischbach angehören, entschloss sich 2005 dazu, auf der Grundlage dieses Handlungsleitfadens auch in Remscheid Anti-Rauchkurse anzubieten, und beauftragte damit die Suchthilfe des Diakonischen Werkes des Evangelischen Kirchenkreises Lennep. Und die weiterführenden Schulen wurden aufgefordert, mehrfach beim Rauchen ertappte Schülern und Schülerinnen diesen Kursus aufzuerlegen. Bei den Beratungslehrerinnen Elke Dahm (Hauptschule Hackenberg) und Gaby Rümmel (GBG) fiel die Idee auf fruchtbaren Boden. Seitdem ist leider keine weitere Schule hinzu gekommen. Bernd Liebetrau: „Dabei soll der Kursus die Arbeit der Schule unterstützen, die Jungen und Mädchen anzuleiten, Verantwortung zu übernehmen und teamfähig zu sein!“

Mit Hilfe von Sanktionen sollen Umgangsregeln zum Rauchen durchgesetzt werden, die von der Schulleitung, dem Kollegium, den Eltern und Schülervertretern beschlossen und mitgetragen werden. Rauchen wird somit nicht mehr toleriert, Rauchen soll Konsequenzen haben. Dabei geht es nicht um Strafen, sondern im Sinne der Suchtprävention und Gesundheitsförderung um den Umgang mit Grenzen. Die Auseinandersetzung mit den Grenzen soll auch ein anderes „Selbstbewusstsein" im Umgang mit Zigaretten befördern und zum Ausstieg motivieren.

Der Anti-Rauchkursus unterstützt diesen Prozess. Doch viele Lehrerinnen und Lehrer scheinen sich überfordert zu fühlen, sich intensiver mit den Suchtproblemen der jungen Menschen zu befassen. Die umfassen, wie Liebetrau bei den 15 Teilnehmern der Anti-Rauchkurse festgestellt hat, in der Regel weit mehr als nur die Sucht nach Nikotin. Grund genug also, um auch künftig in jedem Halbjahr einen Kursus anzubieten. Karin Fischbach: „Wir könnten die Unterstützung von weiteren Schulen sehr gut gebrauchen!“ Denn ob jedes Mal zehn Teilnehmer zusammen kommen (für diesen Fall hat die AOK zugesagt, sich um die Finanzierung (730 Euro kostet ein Kursus) zu kümmern, hängt von den Lehrerkollegien ab. Karin Fischbach: „An der Sophie-Scholl-Schule steht das Rauchverbot auch in der Schulordnung. Ein Schüler, der das erste Mal beim Rauchen erwischt wird, muss seine 'Rauchergeschichte' aufschreiben, beim zweiten Mal werden die Eltern zum Gespräch eingeladen, beim dritten Mal muss der Schüler einen Fragebogen ausfüllen, und beim vierten Mal wird er in den Kursus geschickt.“ „Blau machen“ gilt da nicht. Die Beratungslehrerin: „Wer den Kursus schwänzt, muss die Zeit in der Schule nachholen. Und in besonders hartnäckigen Fällen ist ‚Klassenkonferenz’ eine weitere Sanktionsmöglichkeit.“ Dabei besprechen dann Lehrer, Eltern und Schüler das Problem gemeinsam. Fischbach: „Eine ‚Klassenkonferenz’ erleben von hundert Schülern etwa fünf im Laufe ihrer Schulzeit.“

Weitere Infos: Diakonisches Werk des Evangelischen Kirchenkreises Lennep, Suchthilfe, Bernd Liebetrau, b.liebetrau@diakonie-kklennep.de">b.liebetrau@diakonie-kklennep.de

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Kommentare

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Christoph Humpert am :

Zigaretten sind ungesund. Deshalb sollte man nicht rauchen! Aber wieso verbietet man es den Schülern? Wieso dürfen viele Erwachsene am Arbeitsplatz qualmen? Die Hälfte der Deutschen ist fettleibig, und die Schul-Hausmeister verkaufen weiter fleißig Cola und Chips. Was ist besser: Raucherlunge oder Diabetes? Die Regierung müsste die Tabaksteuer drastisch erhöhen. Zehn Euro pro Schachtel, und der Absatz würde einbrechen! Damit würde man den Süchtigen wirklich helfen, besonders den finanzschwachen jugendlichen Rauchern. Stattdessen erhöht die Regierung schrittweise die Tabaksteuer und verpulvert Geld mit "Rauchfrei". Möchte die Regierung, dass die Erwachsenen aus finanzpolitischen Gründen weiter qualmen? Alkopops wollte man der Jugend auch verbieten. Die Alkopopsteuer hat es ermöglicht. Aber was trinkt die Jugend jetzt? Bier, die steuerbegünstigte Erwachsenen-Droge und das teuflische (Wodka-)Red Bull.

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