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Run auf dicke Winterpullover mitten im Hochsommer

Von Hans Gerd Göbert

Früher waren es Kaimane in Baggerseen, Braunbären in Bayern, unübersehbare  Besucherscharen auf der Remscheider Kirmes oder die fünfte Heirat irgendeines  C-Promis, die dem gefräßigen Sommerloch Nahrung boten. In diesem Jahr sind  es jedoch der bevorstehende Herbst und Winter sowie die Energie, die das Loch stopfen. Jedermann klagt zu Recht über die exorbitant steigenden Heiz- u. Stromkosten, die hohen Benzinpreise und natürlich auch über die Preise für Nahrungsmittel. Und seit gestern bleibt die Sommerware wie Blei in den Bekleidungsgeschäften liegen. Stattdessen hat ein vorzeitiger Run auf dicke Winterpullover eingesetzt, dem klugen Rat eines Berliner Senators folgend.

Was machen die Gewerkschaften angesichts dieser gewaltigen Inflationswelle? Sie streiken. Was machen die stark betroffenen, hilflosen  Hartz 4- (bei Nennung dieses Herrn würgt es mich immer) -Empfänger? Nichts! Sie müssen auch nicht ihre Heizung im Winter drosseln. Das machen die Versorgungsunternehmen schon für sie. Drehen Gas und Strom bei Hunderttausenden ab, die ihre Rechnungen nicht mehr bezahlen können. Was machen die ebenso von der hohen Inflationsrate betroffenen Rentner mit einer Durchschnittsrente von € 860 (m+f/West+Ost)? Sie üben sich in Kaufzurückhaltung. Kaufen keine neuen Autos oder neuen  Möbel mehr und auch deutlich weniger Kleidung. Fahren nur noch in Urlaub, wenn sie es sich eben leisten können.

Was macht die Politik? Eigentlich nichts. Was machen die Verkäufer in den Autohäusern und anderen Einzelhandelsgeschäften?  Sie drehen Däumchen und bangen wieder einmal um ihre Jobs. Was macht die Industrie? Nein, nein, nicht etwa die Preise senken und damit von ihren hohen Gewinnen etwas abgeben. Sie macht das, was eigentlich alles ist, worauf sie sich in solchen Situationen besinnt – sie entlässt massenhaft Mitarbeiter.

Was macht danach die ausgeplünderte Bevölkerung? Sie spart und kauft irgendwann nur noch das Allernotwendigste. Sie reduziert vielleicht auch im Herbst und Winter etwas die Heizkosten, indem sie zwei Pullover übereinander zieht, wie Herr Sarrazin empfiehlt. Was machen dann die erstaunten Versorgungsunternehmen, um ihre deutlichen Umsatzeinbussen zu kompensieren?  Nein, nein, entlassen geht dort nicht so einfach. Sie erhöhen kräftig ihre Preise. Was machen die Verbraucher?  Sie sparen, usw., usw., usw.  Wenn sie dann von ihrem Autohändler gefragt werden, ob sie nicht mal wieder ein neues Auto kaufen möchten, antworten sie: „Das Geld investieren wir jetzt permanent in Gas, Öl und Strom.“

Und wer das nicht glauben mag, der wartet einfach ab und sagt sich: „Et es doch noch emmer joot jejangen.“ Oder so. Was würde ich mich freuen, wenn im nächsten Sommer wieder Kaimane, Bären und Ufos das Sommerthema wären!

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Kommentare

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Michael Dickel am :

Es freut mich zu lesen, dass endlich jemand schreibt, was uns dieses Energiesparen als Verbraucher bringt. Nämlich höhere Preise. Je weniger Benzin unsere Autos verbrauchen, je weniger Energie unsere Häuser verschwenden, je weniger Strom die Sparlampen verbrauchen, desto teurer werden diese doch heute zu den grundlegenden Bedürfnissen der Menschen gehörenden Dinge werden. Trotzdem kann nicht der Umkehrschluss wieder steigende Verbräuche sein. Im Gegenteil - Energie sparen muß auch mit Geld sparen verbunden sein, wenn es sich durchsetzen soll. Dies kann nur duch preiswerte Energiegewinnung gelingen.

David Schichel am :

Im Grunde stimmt das natürlich, was man auch an der Entwicklung in anderen Bereichen der öffentlichen Versorgung (z.B. Wasser oder Müllentsorgung) ablesen kann. Allerdings sind die Kosten der Stromgewinnung wesentlich niedriger, als uns der Strompreis glauben macht! Künstliche Verknappung, Spekulation und die Marktmacht des Strom-Oligopols scheinen mir das eigentliche Problem zu sein. Eine Antwort könnte sein, die Wertschöpfungskette im Strommarkt zu entzerren bzw. sogar zu verkürzen. D.h. mehr (nicht nur!) dezentrale Erzeugung mit kürzeren Wegen zu den Verteilern und damit zum Verbraucher. Hierin läge v.a. eine Chance für die vielen Stadtwerke, die ja meist am Rockzipfel der vier "Großen" hängen. Das funktioniert natürlich nicht so leicht, wenn man (wie in RS unter Fred Schulz geschehen) eben diese Stadtwerke an eben diese "Großen" verhökert.

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