Skip to content

Anzeige

Bau-Innung Remscheid Innung für elektrotechnische Handwerke Remscheid Fachinnung für Metall- und Graviertechnik Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Remscheid
Dachdecker-Innung Remscheid Friseur-Innung Remscheid Maler- und Lackierer-Innung Remscheid Kraftfahrzeughandwerk Remscheid

Zur Geschichte einer der ältesten Hofschaften Remscheids

Uralte Ansichtskarte der Ortschaft Morsbach, gestempelt 1898, aus der Sammlung Paul Bulang

Kaum einer weiß soviel über die Hämmer und Kotten in den Tälern rings um Remscheid wie Günther Schmidt. Geboren 1944 in Wolfsburg, kam er 1952 nach Remscheid, besuchte zunächst die Kremenholler Schule, wechselte 1954 zur Morsbacher Schule und verlebte im Morsbachtal seine Jugendzeit. „Diese „ausgesprochen naturverbundenen Jugendzeit“, so Schmidt, war ausschlaggebend für die Zusammenstellung des ersten von mittlerweile sechs Bildbänden zur historischen Industrieforschung. Den Anfang machte 1999 „Die Morsbach“ mit vielen historischen Fotos, das Ergebnis von „mehr als zehn Jahren Sammeln und Suchen". Es folgten die Bände „Von Müngsten bis Gerstau“, „Von Gerstau bis Haddenbach“, „Leyerbach, Diepmannsbach, Mückenbach“, „Von Blombach bis Eschbach“ und schließlich „Lobachtal (Hammertal), Bergbau in Remscheid“ – allesamt erhältlich im Buchhandel und in der Druckerei Hartgen, Wupperstraße 40, in Lennep.

Den ersten Bildband zum Morsbachtal prägen die „teilweise lyrischen Fotografien“ des damaligen Stadtfotograf Paul Reifenrath, ergänzt viele Privatfotos und Ansichtskarten, teils aus den Anfängen der Fotografie und deshalb vergilbt, verblasst und verkratzt, aber deshalb nicht weniger anschaulich. Im Rahmen seiner jahrelangen Forschungen über Hämmer, Kotten und Mühlen und der damit verbundenen Sammlung von Fotos, Bildern und Dokumenten war Günther Schmidt durch Zufall darauf gestoßen, dass die Ortschaft Morsbach im Jahre 1999 genau 630 Jahre existierte. Der Autor: „ Es wird wohl nicht mehr möglich sein, den wahren Ursprung der Ortschaft Morsbach datenmäßig festzulegen, da geeignete Daten und Urkunden weder im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf noch in den Kirchenbüchern und Rechnungsbüchern der verschiedenen "eintreibenden Steuerstädte" vorhanden sind. Man kann nur anhand der Geschichtsschreibung vergangener Zeiten Rückschlüsse ziehen auf das Leben und Arbeiten im Hof sowie die gesellschaftliche Entwicklung bis dato 1999.“

Der Fürberg, fotografiert von Paul Reifenrath. Sammlung im Historischen Zentrum Remscheid

Einleitend heißt es in dem Bildband: „Der Hof Morsbach gehört mit zu den ältesten Hofschaften der Stadt Remscheid. (…)Die Hofschaft Morsbach mit der umliegenden Werktätigkeit vom Gockelshammer bis Fürberg, vom Biedebachskotten bis Alte Wendung hat als … Urzelle der Remscheider Industrie einen wesentlichen Beitrag zur Entwicklung der modernen Industriestadt geleistet. (…) Der Gewerbefleiß ist aus damaliger Zeit bis heute bekannt, und man kann annehmen, dass zum Zeitpunkt der ersten Namensnennung (1369 n. Chr.) bereits am Gockelshammer Eisen geschmolzen und verarbeitet wurde. Schon zu dieser Zeit galten die Werker als "Meister in allerlei Erz und Eisen" und waren in allen Landen wohlbekannt. Die urkundlich erste Nennung ist im Hauptstaatsarchiv Düsseldorf mit dem Jahr 1369 nachzulesen, wobei unsere Morsbach noch Maersbech genannt wurde. Nun gab es zu dieser Zeit noch keine einheitliche Rechtschreibung, und so entstanden die verschiedensten Schreibweisen, die nachstehend aufgeführt sind: Bereits 1487 ist vielfach der Name Marsbech, Morsbech und Morsbeck in allen möglichen Schriften nachzulesen. 1501 kommt man der Sache schon näher mit Morßbach, und dieser Name hat sich bis auf das kleine "ß" bis heute nicht geändert. (…)Die Herkunft seines Namens ist allerdings unbekannt.“

(…) Das pulsierendste Leben in der Remscheider Historik fand zweifellos an dem Wasserlauf des Morsbaches statt, der ab dem Zusammenfluss mit dem Leyerbach, Diepmannsbach und Mückenbach in der Haddenbach Morsbach genannt wird und zahlreiche Hämmer, Kotten und Mühlen im bergischen Land mit der Kraft seines Wassers bediente. (…) Kein Bach in Deutschland hatte jemals eine solche Betriebsdichte. Trotz des beträchtlichen wirtschaftlichen Wandels zwischen 1750 und 1819 hatten die Wasserläufe ihre Bedeutung als standortbildender Faktor behalten. 1773/74 zählte der Düsseldorfer Hofkammerrat Jacobi an dem zwischen Remscheid und Cronenberg gelegenen Morsbach 74 Wasserhämmer, 27 Schleifkotten und sechs Wassermühlen (einschließlich der Nebenbäche).

Die Ortschaft Remscheid wurde 1217 mit "hoddinbegge" bezeichnet und bestand nachweislich in Kirchenbüchern schon 1180 n.Chr. Sie war schon damals den Ordensbrüdern der Johanniter zum Lebensunterhalt abgabepflichtig. Diese Lehnherrschaft wurde von Napoleon 1808 abgeschafft. Mitte des 13. Jahrhunderts wird auch erstmalig der Fürberg benannt, wobei die alte Schreibweise über Vurberch (1369), Voerberg (1479) und Fürberch (1606) zur heutigen Fassung gelangte. Fürberg kann man mit der Morsbach in der Entstehung etwa gleich datieren, denn er gehörte 1369 zu den 13 Lehnhöfen der "Haster Höfe". Ein Lehnhof ist eine dem Herrscher abgabepflichtige Hofschaft.

Am Walburgistage (1. Mai) des Jahres 1369 wurde die Zehntherrschaft von Graf Wilhelm ausgestellt und besagt, dass er "seinen guten Kirchspielsleuten zu Remscheid zu ewigen Zeiten" auf seinen und seiner Erben Nachkommen Nutzen und Vorteil den Grund verpachet: Der Zehnte daselbst in dem Umfange, wie seine Vorfahren denselben an ihn gebracht haben und wie er ihn selbst innegehabt hat - es sei aufstehender Zehnt oder schmaler Zehnt, nichts davon ausgeschieden - für eine erbliche und ewige Jahrespacht. Diese setzt sich zusammen aus: 80 Maltern Hafer, davon die Hälfte gemälzt, fällig zu St. Martin oder St. Andreas, 20 Mark in gangbarer Kölner Münze für Hämmel und Schweine, je zur Hälfte fällig zu St. Martin und zu des Herrn Himmelfahrt, 3 Säcke oder 4 kölnische Malter Salz, fällig zu St. Martin, 1 Eimer oder 28 Pfund guten Öls, fällig zum Fastabend, 300 Eier, fällig zu Ostern, und 40 Hühner, fällig zu St. Martin.--- Gegen diese Zahlungen sollen die Kirchspielsleute den vorgenannten Zehnten erblich und ewiglich büren und heven. Ferner sollen sie den Wald "genant dat Reymscheit" und das Gericht zu Remscheid weiterhin in der gleichen Weise gebrauchen, wie von altersher, doch sollen sie dem Grafen und seinen Erben und Nachkommen "nicht mehr davon schuldig seyn zu geben".

Die angegebenen Pachtzinsen und Gülten sollen alle Jahre an den Verfalltagen zur Burg (Schloss Burg) geliefert werden. Die Haferpacht wird auf 40 benannte Güter nach ihrer Leistungsfähigkeit umgelegt. Hinsichtlich des Geldes, Salzes und Öles sowie der Eier und Hühner wird bestimmt, dass die Kirchspielsleute die ratierlichen Anteile selbst "under sich setzen na iren besten sinen". Für die Ortschaft Morsbach bedeutete das in dieser Zeit, dass lediglich Burghafer in Anteilen geliefert werden musste." (Buchauszüge mit freundlicher Genehmigung des Autors Günther Schmidt. Er stark am 30. September im Alter von 70 Jahren))

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Die Kommentarfunktion wurde vom Besitzer dieses Blogs in diesem Eintrag deaktiviert.

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.