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Geld macht gierig oder Abzocke in der Arztpraxis

Geld macht bekanntlich gierig. „IGeL“ womöglich auch. So kürzen Ärzte und Krankenkassen die 1998 eingeführten „Individuellen Gesundheitsleistungen“ ab, die Patienten selbst bezahlen müssen, weil sie nicht zum Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenkassen gehören. Manche dieser Leistungen sind durchaus nützlich, viele jedoch, wie die AOK Rheinland betont, „schlicht überflüssig und lediglich eine lukrative zusätzliche Einnahmequelle für den Leistungsanbieter“. Sprich, sie fallen eher in die Kategorie „Abzocke“. Ein Beispiel aus Remscheid und was die AOK Rheinland davon hält.

Nehmen wir zum Beispiel die Leistungen, die Augenärzte ihren Patienten gerne "dringend ans Herz legen" - und für die sie dann zwischen 40 und neunzig Euro kassieren. Zu Ohren gekommen ist mir kürzlich folgender Fall: Ein Diabetes-Patient mit einer Sehkraft von unter fünf Prozent (also fast blind) lässt bei seinem Augenarzt wieder mal den Augeninnendruck prüfen. Der Arzt warnt: Bei einem Viertel dieser Untersuchungen zeige das Messinstrument ein falsches Ergebnis an, so dass „unter Umständen“ die Dosierung der Medikamente nicht stimmen könne. Er empfehle daher zur Sicherheit eine zweite Untersuchung an einem anderen Messgerät; die koste aber vierzig Euro. Welcher Patient sagt in dieser Situation schon Nein? Es geht schließlich um seine Sehkraft. Also zahlt er und setzt sich vor das zweite Gerät. Ergebnis der Messung: Die Werte des ersten Gerätes werden bestätigt. „Na prima“, sagt der Arzt, „da können Sie ja jetzt beruhigt sein!“ Alles klar?

Der „Waterbölles“ wollte es genauer wissen und bat die AOK Rheinland, Regionaldirektion Remscheid, um eine Stellungnahme. Und hier ist sie, unterschrieben von Fachserviceleiterin Mareike Brzoska: „Zu der … beispielhaft aufgezeigten Augeninnendruckmessung hat der gemeinsame Bundesausschuss zuletzt am 21.12.2004 bestätigt, dass aufgrund des gegenwärtigen Standes der wissenschaftlichen Erkenntnisse ein Screening auf Glaukom nach wie vor nicht zur Früherkennung der Erkrankung empfohlen werden kann. Vor diesem Hintergrund ist die medizinische Notwendigkeit der … geschilderten Augeninnendruckmessung zur Früherkennung von Krankheiten nicht nachzuvollziehen, dies gilt insbesondere für die … dargelegte Zweituntersuchung.“ Aus der Fallschilderung schließt die AOK Rheinland des weiteren darauf, „dass der Leistungserbringer (Anm.: der Augenarzt) die Augeninnendruckmessung pauschaliert abgerechnet hat, er damit seiner Verpflichtung zu einer spezifizierten Rechnungslegung nach der Gebührenordnung für Ärzte nicht nachgekommen ist.“

Nach Angaben der AOK Rheinland sind Vertragsärzte der gesetzlichen Krankenversicherung „verpflichtet, den Patienten mit allem zu versorgen, was medizinisch notwendig ist. Diese Pflicht dürfen sie nicht zugunsten eines wirtschaftlichen Eigeninteresses vernachlässigen. Patienten sollen fragen, warum die angebotene Leistung nicht über Chipkarte abgerechnet werden kann.“

Für den Fall, dass einem Patienten individuelle Gesundheitsleistungen angeboten werden, rät die AOK Rheinland rät ihren Versicherten:

  • „Lassen Sie sich vom Arzt persönlich (und nicht von Praxismitarbeitern) den konkreten Nutzen und die möglichen Risiken der angebotenen Leistung erklären.“
  • „Lassen Sie sich Zeit für Ihre Entscheidung. Beratungsgespräch und Behandlung sollten zu verschiedenen Terminen stattfinden. Lassen Sie sich zur Sicherheit einen Kostenvoranschlag machen.“
  • „Fragen Sie bei „IGeL“-Leistungen in Zweifelsfällen in einer AOK-Geschäftsstelle nach.“

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Kommentare

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Karl Heinz Christians am :

Meine Augenärztin war bisher bei mir ziemlich genervt bei diesem Vorgang, da ich den nötigen Protest immer los lasse. Meine Krankenkasse (oder deren Sachbearbeiterin) schiebt bei Anfragen in diesem Fall immer alles von sich, gibt keine Auskunft über gesetzliche Regelungen und weist immer darauf hin, dass die Ärzte das entscheiden müssen. Bei Hautärzten sind die Zusatzkosten noch vielseitiger. Dort liegen ganze Listen für Bezahlbehandlungen aus. Man sollte da nicht den Körper pauschal und ganz untersuchen lassen, sondern alle Muttermale einzeln, dann zahlt die Kasse!

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