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Die Erziehungskompetenz der Eltern stärken und fördern

Im Jugendhilfeausschuss stellte Gabriele Koch, die Leiterin der Psychologischen Beratungsstelle der Stadt Remscheid, am vergangenen Donnerstag deren vielfältige Aufgaben und Angebote vor. Der Fachdienst besteht seit 1992. Damals wurde die Erziehungsberatung und der Schulpsychologische Dienst zusammengelegt. Gabriele Koch: „Heute sind wir eine Erziehungs-, Familien- und Schulberatungsstelle mit einem niedrigschwelligen, kostenfreien Hilfsangebot für alle Bürgerinnen und Bürger der Stadt.“ Ein wichtiges Ziel der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle ist es, die Erziehungskompetenz der Eltern stärken und fördern. Gabriele Koch:„Wir in der Beratungsstelle erleben, dass Eltern gerade bezogen auf das Thema Grenzsetzung, Aufzeigen von Konsequenzen und Durchsetzen von Sanktionen, wenn Grenzen überschritten werden, stark verunsichert sind. Diese Unsicherheiten führen oftmals zu widersprüchlichen, halbherzigen und unklaren Verhaltensweisen  der Eltern, die keinerlei Orientierung für ihre  Kinder darstellen. Kinder jedoch brauchen Grenzen als Orientierung, als Stütze zur Sicherheit.“ Der Waterbölles dokumentiert nachfolgend den Vortrag von Gabriele Koch:

„Erziehungsberatungsstellen bilden eine wesentliche Säule in der psychosozialen Versorgung von Kindern, Jugendlichen und ihren Familien. Erziehungsberatung gehört zu den zentralen Beratungsangeboten der Jugendhilfe. Der § 28 des Kinder- und Jugendhilfegesetzes (KJHG) beschreibt die Erziehungsberatung als eine  besondere Form der Hilfe zur Erziehung.

Die Aufgaben von Erziehungsberatungsstellen lassen sich unterteilen in einzelfallbezogene, individuelle Hilfen sowie präventive und auf die regionale, psychosoziale Infrastruktur bezogene Angebote und Vernetzungsaktivitäten.

  • Die einzelfallbezogenen, individuellen Hilfen sind:
  • Psychische Probleme wie Ängste, depressive Verstimmungen von Kindern und Jugendlichen
  • Verhaltensauffälligkeiten wie Aggressivität, sozialer Rückzug, selbstverletzendes Verhalten etc.
  • Leistungsprobleme wie Konzentrationsstörungen, Schulleistungsversagen, Teilleistungsstörungen
  • Schuleingangsdiagnostik, Schullaufbahnberatung
  • Aggressionen und Gewalt in Schule, Kdg oder Familie
  • Körperliche Auffälligkeiten wie z. B. ungeklärte Kopfschmerzen, Einnässen, Einkoten
  • Familiale Krisen wie z. B. Trennung und Scheidung der Eltern, der Tod eines Familienmitgliedes.

Erziehungsberatung kann von Informationen über Sachverhalte, Prozesse und Handlungsmöglichkeiten über Unterstützung in familialen Krisensituationen bis hin zu psychosozialer Beratung und therapeutischer Unterstützung reichen. Der Ansatz der Erziehungs- und Familienberatung ist ein beziehungsdynamischer und systemisch familientherapeutischer.

Zu den präventiven Angeboten:

 Erziehungsberatungsstellen sind über die Einzelfallarbeit hinaus auch an den allgemeinen Auftrag des Kinder- und Jugendhilfegesetzes ( KJHG) gebunden; sie sollen dazu beitragen, dass Kinder und Jugendliche positivere  Lebensbedingungen erhalten und dass sie einer kinder- und jugendfreundlicheren Umwelt begegnen.

Präventive Angebote können sein:

  • Gruppenangebote  und Vorträge
  • Elternabende in Kindergärten und Schulen
  • Projekte und Seminare (Coolnesstraining oder die Brain-Gym–Gruppen).

Ziel präventiver Angebote ist es, die Erziehungskompetenz der Eltern sowie die Eigenständigkeit und Eigenverantwortung von Kindern und Jugendlichen zu stärken und den Zugang zur Psychologischen Beratungsstelle  zu erleichtern, also den Kontakt herzuzustellen zu den Eltern, Kindern und Jugendlichen, die aus eigenem Antrieb den Weg in die Beratungsstelle nicht finden würden.

Je nach Problemlage müssen Netzwerke geknüpft werden zu Kindergärten, Schulen, zur Jugendhilfe, zum Gesundheitswesen - und dies gerade bei immer knapper werdenden personellen und finanziellen Ressourcen. Diese Vernetzung soll zu einer  Erhöhung  der Fachkompetenz im Helfersystem führen und zu einer Weiterentwicklung eines bedarfsgerechten, passgenauen, regionalen Hilfesystems. Erreichen wollen wir das durch eine intensive Mitwirkung in Gremien, Arbeitskreisen auf lokaler, aber auch auf regionaler Ebene, durch Fachberatung, Supervision, Fortbildung in Kindergärten und Schulen und durch  eine starke Vernetzung mit Jugendhilfe und Gesundheitswesen.

Das multiprofessionelle Team der Psychologischen Beratungsstelle besteht aus Dipl.-Psychologen, Dipl.-Sozialarbeiterinnen/ Pädagoginnen und Dipl.-Heilpädagoginnen. Die vielfältigen Problemlagen, mit denen sich die Klienten an uns wenden, machen es erforderlich, dass die Mitarbeiterinnen  über unterschiedliche Kernausbildungen sowie besondere Zusatzqualifikationen verfügen, z. B. system. Familientherapie, Lerntherapie, Entspannungstherapie, system. Kinder und Jugendlichentherapie.

Die Zusammenarbeit erfolgt in unterschiedlichen Arbeitsformen:

  • Einzelarbeit mit dem Kind oder dem Jugendlichen
  • Arbeit mit den Eltern
  • Arbeit mit der gesamten Familie
  • Arbeit mit einem anderen System, z.B.  Kindergartenteam
  • Arbeit mit Kindergruppen
  • Arbeit mit Gruppen Erwachsener

Im Jahr 2007 bearbeitete die Psychologische Beratungsstelle insgesamt 789 Beratungsfälle, davon 659 Neuaufnahmen. In den Beratungsprozess waren insgesamt 1701 Menschen eingebunden. Die Problemlagen, mit denen sich Familien an die Beratungsstelle wenden, werden zunehmend umfassender und schwieriger. Die Psychosoziale Diagnostik, die Ressourcenanalyse und die daran anschließende Beratung und Begleitung einer Familie oder einzelner Familienmitglieder erfordern häufig mehrere Termine und lassen sich nicht in ein bis zwei Terminen bearbeiten. Seit 2002 ist ein  kontinuierlicher Anstieg der Fallzahlen und somit auch eine kontinuierliche Erhöhung der Fallzahlen pro Mitarbeiter.( 2002: 520 Fälle, pro Mitarbeiter 98; 2006: 781 Fälle, pro Mitarbeiter 124; 2007: 789 Fälle, = Fallzahl pro Mitarbeiter 129) zu verzeichnen. Damit lag die Fallzahl pro Mitarbeiter pro Jahr in Remscheid 2007 um 37,96 Prozent und in 2006 um 32 Prozent über dem Landesdurchschnitt. Und auch 2008 werden wir auf hohem Niveau bleiben.

Was sind die häufigsten Anlässe für eine Beratung? Es sind zu

  • 26,34 Prozent Beziehungsprobleme
  • 26,88 Prozent Entwicklungsstörungen  und
  • 29,93 Prozent Schul- und Ausbildungsprobleme.

Der Bereich LRS und Dyskalkulie-Diagnostik ist in der Gruppe der Entwicklungsstörungen erfasst und nicht in der Gruppe der Schul- und Ausbildungsprobleme. Hier wird deutlich, dass die Schul- und Ausbildungsprobleme und die LRS und Dyskalkuliediagnostik insgesamt 39.09 Prozent der Einzelfall-Arbeitsleistung der Beratungsstelle ausmachen.

 Der Arbeitsablauf, der  Zugang zur Psychologischen Beratungsstelle erfolgt in der Regel mit einer telefonischen Anmeldung oder einer  persönlichen Anmeldung in der offenen Sprechstunde, jeden Montag von 8 bis 11Uhr. Die Einzelfallarbeit beginnt mit dem Anmeldegespräch, dass in der Regel mit den Müttern alleine geführt wird, gelegentlich mit beiden Elternteilen. Jugendliche werden grundsätzlich zum Erstgespräch miteingeladen.

Das Erstgespräch ist das erste Beratungsgespräch, und in 2007 blieb es bei 16,28  Prozent aller Einzelfallberatungen zunächst bei einer Einmalberatung (Landesdurchschnitt 2006: bei 24 Prozent).

Die hohe Zahl der Wiederanmeldungen (150 Fälle in 2007), die dann nicht als neuer Fall gezählt werden, macht deutlich, dass die Problemlagen, mit denen sich Familien an die Beratungsstelle wenden, zunehmend umfassender und schwieriger werden. Und dass Einmalgespräche offensichtlich nicht ausreichen, um die Problemlage langfristig zu verändern.

Im Anmeldegespräch geht es um einen ersten Eindruck der von den Eltern beschriebenen Schwierigkeiten. Es geht um die Erhebung der Vorgeschichte, die Klärung und Abstimmung der Erwartungen an die Beratung und einer Auftragsklärung. In dem anschließenden Clearingprozess erarbeiten wir eine Psychosoziale- oder eine Leistungsdiagnostik immer mit Blick auf das Kind/den Jugendlichen und  seine persönliche Psychodynamik, seine Lebenswelt und seine  systemischen Bezüge mit ihren speziellen Gesetzmäßigkeiten. Dies geschieht durch Gespräche, Spielbeobachtungen, psychologische Testuntersuchungen mit den Kindern und Jugendlichen und durch Informationen aus der Familie, dem Kindergarten, der Schule und anderen Betreuungen. Die Bezugspersonen erhalten dann eine diagnostische Einschätzung und ein Beratungsangebot.

Der größte Teil der Beratungen verläuft über bis zu fünf Kontakte (insgesamt 43  Prozent),  bis zu 15 Kontakten (35 Prozent) und  zwischen 15 und 30 Kontakten (knapp 5 Prozent) Dann sind da noch die erwähnten 16 Prozent Einmalkontakte und knapp ein Prozent, die über 30 und mehr Sitzungen verlaufen.

Die Stärkung der Erziehungskompetenz von Eltern ist wesentlicher Bestandteil von Beratungsarbeit. Dadurch, dass sich die Einstellung und Haltung Erwachsener Kindern und Jugendlichen gegenüber in den letzen Jahrzehnten stark verändert hat und durch die Fragen danach, was Kinder an Erziehung und Förderung brauchen, um lebenstüchtige und zufriedene Menschen zu werden, hat sich eine tiefe Verunsicherung bei vielen Eltern eingestellt. Früher waren die Erziehungsstile eindeutig, das Modell, welches Eltern von ihren Eltern vorgelebt bekamen, hatte Gültigkeit, die Rollen waren  klar verteilt, die Aufgaben von Müttern und Vätern getrennt und geregelt, die bestehenden Werte und Normen und Regeln galten für alle. Heute ist es anders, es gibt eine Vielzahl von unterschiedlichen Möglichkeiten, freiheitliche, partnerschaftliche, gewaltfreie, antiautoritäre Erziehung. Durch diese Vielzahl der Möglichkeiten sind Eltern oftmals orientierungslos.

Wir in der Beratungsstelle erleben, dass Eltern gerade bezogen auf das Thema Grenzsetzung, Aufzeigen von Konsequenzen und Durchsetzen von Sanktionen, wenn Grenzen überschritten werden, stark verunsichert sind. Diese Unsicherheiten führen oftmals zu widersprüchlichen, halbherzigen und unklaren Verhaltensweisen  der Eltern, die keinerlei Orientierung für ihre  Kinder darstellen. Kinder jedoch brauchen Grenzen als Orientierung, als Stütze zur Sicherheit. Grenzen sollen nicht Korsett sein, aber Gerüst, um einen geeigneten Weg zu finden zwischen Freiheit und Anpassung. Ein ausgewogenes Verhältnis  zwischen Liebe – Freiheit – und Grenzsetzung zu erreichen, ist wohl eine der  schwierigsten Aufgaben in der Erziehung von Kindern.

Häufig benötigen Eltern Unterstützung im Umgang mit ihren pubertären Jugendlichen. Die Pubertät ist eine Entwicklungsphase, eine Zeit der Ablösung des Erwachsenwerdens. Die körperlichen und seelischen Veränderungen, die mit der Pubertät einhergehen, bringen die Jugendlichen, aber auch die Beziehung zwischen Eltern und Kindern, aus dem Gleichgewicht. Jugendliche schwanken zwischen kindlicher Abhängigkeit und dem Bedürfnis nach Freiheit, Selbstständigkeit und Unabhängigkeit. Oftmals versuchen sie durch Provokationen, ihre Grenzen auszuloten, brauchen jedoch dann wieder den uneingeschränkten Rückhalt und die volle Aufmerksamkeit ihrer Eltern.

Beratung hilft Eltern zu erkennen, wann und wo klare Grenzen gefragt sind und wann und wo Freiräume erweitert werden müssen.

Eltern brauchen Unterstützung in Krisen. Krisen sind Ausnahmesituationen, beim Tod eines Elternteils, nach traumatischen Erfahrungen wie z. B. schweren Unglücken, aber auch bei Trennung und Scheidung hilft professionelle Unterstützung, diese kritischen Lebensphasen zu überwinden.

Trennungs- und Scheidungsberatung ist ein weiterer Schwerpunkt der Beratungsarbeit. Die wichtigste Aufgabe ist es hier, Eltern zu unterstützen, ihre Paarkonflikte von den Aufgaben, die sie als Eltern gemeinsam zu leisten haben, zu  trennen. Eltern werden sensibilisiert, ihre Kinder nicht in Loyalitätskonflikte zu stürzen und ihre Kinder davor zu bewahren, dass sie den Platz der Mutter/ des Vaters, der nicht mehr in der Familie lebt, einnehmen müssen.

All diese Aufgaben einer Erziehungs-, Familien- und Schulberatungsstelle nehmen meine Mitarbeiterinnen und ich sehr ernsthaft wahr. Auch die alten „Häsinnen“ und „Hasen“ unter ihnen machen ihre Arbeit engagiert und mit Freude obwohl, wie die statistischen Zahlen zeigen, die Belastungen der Einzelnen immer stärker gestiegen sind. Das Ende der Möglichkeit, den zunehmenden Arbeitsanfall durch das Engagement der Mitarbeiter/innen aufzufangen, ist erreicht. Daher bin ich sehr froh, dass die nichtbesetzte Schulpsychologenstelle wiederbesetzt wird und zudem eine zweite Landesschulpsychologenstelle eingerichtet wird. Denn es geht nicht nur um die Entlastung der Mitarbeiter/innen, sondern es geht in erster Linie um das Erfüllen von Aufgaben, wie z.B. Gewaltprävention an Schulen, Krisenintervention oder Notfallpsychologie.“

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Waterbölles am : "Psychologische Beratungsstelle sollte eigenständig bleiben!"

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„Die Erziehungskompetenz der Eltern stärken und fördern“, überschrieb der Waterbölles am 15. August 2008 den Bericht über eine Sitzung des Jugendhilfeausschusses, in der Gabriele Koch, die Leiterin der Psychologischen Beratungsstelle der Stadt Remsch

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