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Bohmte beweist: Es geht auch ohne Verkehrsschilder

Fotos: privatOhne Verkehrsschilder geht’s auch. Davon konnten sich am vergangenen Samstag Mitglieder der CDU-Fraktion bei einem Rundgang durch die niedersächsische Gemeinde Bohmte (13.600 Einwohner, im östlichen Teil des Landkreises Osnabrück gelegen) überzeugen. Denn dort gilt auf einer stark befahrenen, quer durch den Ort verlaufende Landstraße auf 500 Meter Länge außer der Rechts-vor-Links-Regelung und dem Paragrafen 1 der Straßenverkehrsordnung („Rücksichtnahme!“) keine weitere Verkehrsregel. Sowohl Schwerlastverkehr, der immerhin rund 70 Prozent des Durchgangsverkehrs der Gemeinde ausmacht, als auch einheimische Fahrer kommen in der seit Ende Mai 2008 fertiggestellten Zone klar. Selbst im Kreisverkehr gilt Rechts vor Links. In dieses Projekt Shared-Space („gemeinsam genutzten Raum“) wurden 2,1 Millionen Euro investiert, davon 600.000 Euro von der Europäischen Union. CDU-Fraktionsvorsitzender Karl-Heinz Humpert (rechts im Bild) heute auf einer Pressekonferenz in der CDU-Geschäftsstelle am Ebert-Platz: „Im gesamten Bereich gilt Tempo 50. Es gibt keine Bürgersteige, nur einen schmalen Streifen für Blinde (Foto links). Und dennoch sind auf der Strecke seit Mai noch keine Unfälle passiert. Nach der bisherigen Statistik hätten es sechs sein müssen!“

Der städtische Beigeordnete Dr. Christian Henkelmann, der mit nach Bohmte gefahren war,  habe sich von dem Projekt so beeindruckt gezeigt, dass er es auch seinen Verkehrsplanern vorführen wolle. Und die CDU-Fraktion beabsichtigt, einen Verkehrsexperten des „Keuning-Instituts“ aus Groningen in den Niederlanden demnächst nach Remscheid einzuladen, um gemeinsam mit ihm zu beraten, ob und, wenn ja, welche Straßen in Remscheid womöglich ebenfalls für „Shared Space“ infrage kommen, berichtete Humpert. „Wir wissen seit unserem Besuch in Bohmte: ‚Das funktioniert nicht’ ist ein Totschlagargument. Es funktioniert doch!“ Aber, schränkt der CDU-Fraktionsvorsitzende ein, „nur wenn die Bürger in die Entscheidung einbezogen werden". Ein, zwei Politprojekte in Remscheid könne er sich sehr gut vorstellen.

Das eigentliche Geheimnis, warum das Miteinander von Autoverkehr und Fußgängern so gut funktioniert, sieht Sabine de Buhr-Deichsel, erste Gemeinderätin in Bohmte, darin, dass „die Kommunikation unter den Verkehrsteilnehmern viel mehr gefordert ist". Wo es zu Unklarheiten komme, bleiben die Autofahrer stehen und verständigen sich mit Augenkontakt und Gesten, wer nun wann am besten fährt. Das konnten die Besucher aus Remscheid am Samstag selbst beobachten. Schon die einheitliche Pflasterung von Gehwegen und Straßenverkehrsflächen führe zu einer langsameren Fahrweise, berichtete Humpert. „Es war faszinierend zu sehen, wie ruhig und offensichtlich stressfreier der rege Verkehr lief, Sattelschlepper und Busse eingeschlossen“. Allerdings: Ein älterer Bürger von Bohmte habe ihm erzählt, er habe sich erst daran gewöhnen müssen, ohne Fußgängerampel oder Zebrastreifen die Straße zu überqueren. Humpert: „In der einen Stunde, in der wir den Verkehr beobachteten, habe wir keine einzige Autohupe gehört!“

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Kommentare

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Harald Fetsch am :

In dem Artikel kommt an einigen Stellen die übliche „Autofahrerdenke“ heraus. Zur Klarstellung, in Bohmte wurde die Aufteilung der Straße in Gehwege für die Fußgänger und Fahrbahn für den Autoverkehr aufgehoben. Es gibt jetzt eine gemeinsame Straßenfläche. Für Blinde gibt es Orientierungsstreifen. Es handelt es sich um ein Verkehrskonzept, dass das natürliche Verhalten von Menschen berücksichtigt und aktiv und sinnvoll nutzt. Daraus ergeben sich die erwünschten positiven Ergebnisse, wie in dem Artikel beschrieben. Das ist eine praktische Anwendung der Chaostheorie. Anhand eines festen Regelrahmens regelt sich die konkrete Situation selbständig.

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