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Wie die "Seestadt auf dem Berge" zu ihrem Namen kam

„Lernbereit und offen für Neues, in der Kombination mit Tüchtigkeit, Können und Risikobereitschaft, das war und ist der Weg zum Erfolg. Dieser wurde im Bergischen Städtedreieck der Kommunen Remscheid, Solingen und Wuppertal in der Vergangenheit immer wieder beschritten – in der Erkenntnis, dass im Wettbewerb nur Fortschritt durch Wandel zum Erfolg führt.“ Das schreibt Prof. Dr. Horst A. Wessel, 1943 in Bonn geboren, auf einer Internetseite, die der Industriegeschichte im Bergischen Land gewidmet ist. Wessel übernahm 1983 die Leitung des Mannesmann-Archivs und lehrt seit 1988 an der Heinrich-Heine-Universität in Düsseldorf Wirtschaftsgeschichte. Nachfolgend Textauszüge zu Remscheider Firmen mit freundlicher Genehmigung des “Europäischen Wirtschafts Verlages, Medien Gruppe Kirk AG“.

„Lange, bevor sich an Rhein und Ruhr die Industrie ansiedelte, war die Region im Viereck der drei heutigen Großstädte Wuppertal, Solingen und Remscheid bereits ein bedeutendes Gewerbegebiet mit wirtschaftlichen Beziehungen, die nicht nur europaweit reichten, sondern sogar Gegenden in Afrika, Nord- und Südamerika umfassten. Remscheid trägt sogar den schmückenden Beinamen „Seestadt auf dem Berge“, was – weitab vom Meer und inmitten grüner Wälder – nur Sinn macht, wenn man die Welthandelsbeziehungen dieses bedeutenden Zentrums der Werkzeugindustrie berücksichtigt. Ein Gelehrter, der vor mehr als 200 Jahren Brasilien durchforscht hatte, soll nach seiner Rückkehr geäußert haben, dass ihm die Empfehlung der Remscheider Firma Hasenclever seine oft schwierigen Wege besser geebnet habe als alle amtlichen Empfehlungsschreiben.

Remscheid und seine Umgebung hatten sich früh zum Mittelpunkt eines Gebietes der Fabrikation von Sensen, Sicheln und Stabeisen entwickelt. Die vom Kleineisengewerbe gefertigten Produkte unterlagen keinerlei Zunftbeschränkungen, auch der Handel mit ihnen war frei. Im 18. Jahrhundert trat die Herstellung vieler feiner und gröberer Handwerkzeuge, insbesondere Feilen, Sägen, Meißel, Hobeleisen, Bohrer, Zangen, jedoch auch Schlittschuhe und Schlösser, in den Vordergrund. Die Sensenherstellung erlebte in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts eine neue Blüte, weil es nach langjährigen Versuchen gelungen war, das Geheimnis der steierischen blauen Sensen zu entschlüsseln.

Die Werkzeuge aus Remscheid waren so vorzüglich, dass die Remscheider sie bereits Ende des 18. Jahrhunderts mit eigenen Seeschiffen bis nach Südamerika verkauften. Der Kaufmann Peter Hasenclever gründete schon Mitte des 18. Jahrhunderts Niederlassungen in der Nähe von New York.

An der Bereitschaft, etwas zu wagen, neue Wege zu beschreiten, daran fehlte es weder den Remscheider Gewerbebetreibenden noch den Kaufleuten der Seestadt auf dem Berge. Kleineren und mittleren sowie großen Unternehmen gelang es bemerkenswert oft, Handwerkzeuge und Werkzeugmaschinen zu verbessern, neu zu erfinden oder auch wirtschaftlicher herzustellen. Kaufleute wie Hasenclever und Böker dachten und handelten wirtschaftlich in Erdteilen; sie bearbeiteten planmäßig ein Land in Übersee nach dem anderen. Remscheids Gewerbe und Handel waren ein wesentlicher Teil der damaligen Weltwirtschaft.

Einige Werkzeughersteller setzten beim Vormaterial an und erzeugten ihren eigenen Stahl, meist Tiegelgussstahl. Richard Lindenberg ging darüber noch hinaus. Er nahm als erster überhaupt ein Elektrostahlwerk nach dem System Héroult-Lindenberg in Betrieb, mit dem 1906 die erste Charge erschmolzen wurde. Die modernen Elektrostahlwerke gehen fast ausnahmslos auf dieses System zurück. Auch die Feilenfabrik A. Mannesmann in Bliedinghausen entwickelte ein Tiegelgussstahlwerk.; das Ergebnis, der Diamantstahl, war ein Material höchster Qualität. So wichtig dieser auch war, er allein reichte nicht, Produkte von gleichbleibender herausragender Güte herzustellen. Reinhard Mannesmann, der die Produktion leitete, hatte erstmals die einzelnen Schritte der Feilenfertigung in einem Fabrikgebäude zusammengezogen und seiner direkten Aufsicht unterstellt. Seine Feilen waren die einzigen aus Deutschland, die auf der ersten Weltausstellung 1851 in London ausgezeichnet wurden. Er nutzte den Aufenthalt in England, um in Sheffield die moderne Feilenhauerei zu studieren. Er erkannte die Vorteile, die der Einsatz von Maschinen brachte, erwarb diese und engagierte auch gleich einen englischen Meister.

Die Feilenfabrik A. Mannesmann war nicht die erste in Remscheid, die eine Dampfmaschine in Betrieb setzte, aber sie war mit Abstand die erste, die Feilen fabrikmäßig herstellte. Reinhard Mannesmann war es, der sich nachdrücklich für die Wiederaufforstung der für die Herstellung von Holzkohle abgeholzten Flächen eingesetzt hatte, der maßgeblich daran beteiligt war, dass Remscheid trotz der überaus schwierigen Geländeverhältnisse als erste Stadt im Rheinland und als vierte in Deutschland eine elektrische Straßenbahn in Betrieb nahm.

Entgegen der bergischen Tradition erhielten seine sechs Söhne keine kaufmännische Ausbildung, sondern besuchten technische Hochschulen bzw. Universitäten. Dies geschah in der Erkenntnis, dass die anstehenden Probleme mehr Kenntnisse und Wissen erforderten, als die handwerkliche Ausbildung vermitteln konnte. Ein Problem, für das weltweit fieberhaft nach einer wirtschaftlichen Lösung gesucht wurde, war ein Verfahren zur Herstellung von zuverlässigen, druckbeständigen, beliebig verformbaren, dünnwandigen Stahlrohren. Maschinen-, Fahrzeug- und Leitungsbauer, auch die Waffenhersteller warteten darauf seit langem mit großer Ungeduld. Dieses Verfahren, Rohre durch Walzen herzustellen, wurde in der Mannesmann-Feilenfabrik von den Brüdern Reinhard und Max Mannesmann erfunden und wird bis heute weltweit angewandt.“ Prof. Dr. Horst A. Wessel

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