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Partizipation von Kindern und Jugendlichen steht obenan

„Zwischen Bildung und Spaß“ war die Vortragsveranstaltung nebst anschließender Diskussion überschrieben, zu der die Arbeitsgemeinschaft Jugendverbandsarbeit heute zahlreiche Leiterinnen und Leiter von Remscheider Jugendgrupen im CVJM Haus in Lüttringhausen begrüßen konnte. Christiane Trachternach vom Landesjugendring NRW e.V. betonte dabei eingangs den hohen Stellenwert des Angebot von Jugendgruppen für Kinder und Jugendliche. Denn dort würden sie, vom Spaß mal abgesehen, auch Kompetenzen, Wissen und Werte erwerben. Der Waterbölles dokumentiert den Vortrag auszugsweise:

„Nach der Veröffentlichung der ersten Ergebnisse von PISA Ende 2001 mit einem desaströsen Ergebnis für Deutschland (PISA-Schock), hat eine intensive Debatte über Bildung eingesetzt. Umgangssprachlich gilt als Bildung häufig das, was jemand weiß und kann. Bildung i. d. S. wird als mehr oder weniger gut bezeichnet, je nachdem, was die „Besitzer“ mit ihrer Bildung anfangen können, ob sie sich lohnt im Blick auf berufliche Karrieren und Einkommen. Vermittelt wird diese Bildung i.d.R. in der Schule (bzw. in der Berufsausbildung oder an Fachhochschulen/ Universitäten). Was in diesen Bildungsinstitionen gelehrt wird, ist das Ergebnis politischer Diskussionen verschiedener Gruppen darüber, welche kulturellen Traditionen, welches Orientierungswissen und welche Muster der Weltdeutung Verbreitung finden sollen. Das, was dann als Bildung anerkannt wird, ist die berühmte „Allgemeinbildung“.

Diese Vorstellung von Bildung ist jedoch sehr einseitig und blendet vieles aus. Sie geht davon aus, Bildung könne in irgendeiner Form als Produkt behandelt werden.  Doch Bildung ist mehr als das. In der Kinder- und Jugendarbeit wird Bildung verstanden als ein aktiver Prozess, in dem sich das Individuum eigenständig in der Auseinandersetzung mit seiner (sozialen, kulturellen und natürlichen) Umwelt bildet. Das Individuum ist hier Subjekt und nicht Objekt des Geschehens. Bildung heißt immer Selbstbildung!

Durch die individuelle Bildung sollen die einzelnen Mitglieder der Gesellschaft sich in die Lage versetzen können, ihr Leben selbst bestimmt und autonom zu gestalten. Im Mittelpunkt stehen daher besonders die subjektiven Bildungsleistungen von Menschen in ihren konkreten Lebenslagen, ihre persönlichen Beschränkungen, aber auch ihre verborgenen Chancen und Ressourcen. Handlungsfähigkeit, Kritikfähigkeit, die Fähigkeit zur Selbstbestimmung und zur selbständigen Lebensführung erfordern weit aus mehr als die Vermittlung und den Erwerb von Wissen: Eigentätigkeit, Lernen und Handeln gemeinsam mit anderen, emotionale und soziale sowie kulturelle Bildung gehören unverzichtbar zu diesem weiten Verständnis von Bildung.

Bildung als Selbstbildung geschieht immer in der Auseinandersetzung mit der Welt mit dem Ziel, sich diese anzueignen. Deshalb brauchen Kinder und Jugendliche eine anregende Umwelt und Menschen, mit denen sie sich auseinandersetzen, von denen und mit denen sie lernen können. Sie sind auf Begegnungen mit Fremden und Fremdem angewiesen, um sich bilden zu können.

Bildungsprozesse sollen sich auch darauf beziehen, problematische Lebensverhältnisse positiver zu gestalten und nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen. Bildung hat daher eine zweifache Funktion: Sie zielt einerseits auf die Persönlichkeitsentwicklung des Individuums, andererseits auf die Sicherung und den Fortbestand der Gesellschaft ab, auf soziale Integration und die Tradierung und Weiterentwicklung des kulturellen Erbes. Moderne Gesellschaften sind implizit darauf angewiesen, dass ihre Mitglieder kritisch, selbst bestimmt und solidarisch zu ihrer Weiterentwicklung beitragen. Ziele von Bildung sind somit Autonomie und Solidarität.

Die Europäische Kommission hat Lernen in drei Kategorien eingeteilt in formales (Schule), non-formales (außerschulische Bildungseinrichtungen) und informelles Lernen (im Alltag von Familie, Nachbarschaft, Arbeit und Freizeit). Letztere Bildungsprozesse sind unverzichtbare Voraussetzungen, auf denen formelle und nicht-formelle Bildungsprozesse aufbauen.

Kinder- und Jugendarbeit hat nach § 11 KJHG den klaren gesetzlichen Auftrag, neben anderen Dingen wie Freizeitgestaltung, Sport, Spiel, Erholung, internationale Begegnungen, etc. auch Bildungsarbeit allgemeiner, politischer, sozialer, gesundheitlicher, kultureller, naturkundlicher und technischer Art zu leisten. Der Bildungsauftrag der Kinder- und Jugendarbeit wird bisher jedoch nicht ausreichend konkretisiert.

In einer Studie wurden Jugendliche nach den  wichtigen Voraussetzungen dafür genannt, dass sie sich ehrenamtlich engagieren wollten? Antwort:  Freiwilligkeit, Freiräume und Gestaltungsspielräume, Verantwortungsübernahme und Bedeutsamkeit ,Bedeutsamkeit des eigenen eigenen Handelns. Die Lebensweltorientierung von Jugendarbeit wird - im Kontrast zur Schule - als Schatz betrachtet, der offene, selbstorganisierte Prozesse persönlichen und sozialen Lernens ermöglicht. Eine besondere Stärke liegt in der Alltagstauglichkeit des Lernens (im Gegensatz zum schulischen Lernbegriff, der als lebensfern empfunden wird). Die Zusammenarbeit im Team wird als bereichernd erlebt; Man lernt Kompetenzen, die auf andere Lebensbereiche (Familie, Partnerschaft, Beruf) übertragen werden – persönliche, soziale, organisatorische Kompetenzen. Das typische Prinzip des Peer-Lernens („Partner und Vorbilder auf Augenhöhe“) ermöglicht es, Einstellungen zu reflektieren und sich neu zu orientieren. Die Entscheidung, in der Jugendverbandsarbeit eine leitende Rolle zu übernehmen und Verantwortung auszuüben, wird als gewinnbringend gewertet. Handlungsanforderungen werden als Anreiz und mitentscheidend dafür gewertet, dass Kompetenzen entwickelt und ausgebaut werden können. Die Gestaltung von Partizipation und das Prinzip Selbstorganisation werden als nicht immer einfach, aber förderlich für die eigene Entwicklung beschrieben.

Wesentlich für die Teilnahme am Verband ist, dass die Jugendlichen das Gefühl haben, dass die Leute, die in der Gruppe sind, zu ihnen passen. Das Miteinander Quatschen macht wesentlich den Alltag des Jugendverbandes aus. Das Gespräch in der Gruppe ist ausschlaggebend und wird nicht durch Handy, Internet oder Flyer ersetzt. Gleichzeitig macht die herausragende Rolle der Freunde bei der Nutzung der Angebote auch die Grenzen des Einflusses von PädagogInnen und LeiterInnen deutlich. Sie sind nämlich auf die Sympathien der Gruppenmitglieder untereinander angewiesen. Wenn diese nicht vorhanden sind, kann kein noch so toll konzipiertes Angebot die Jugendlichen zum Bleiben veranlassen.

Dass die inhaltlichen Angebote und die Betreuung durch Funktionäre, Hauptamtliche bzw. Gruppenleiter/innen gegenüber den Motiven „Austausch mit Freunden“ und „Geselligkeit in einer Gruppe erleben“ nachrangig bewertet werden, heißt nicht, dass diese nicht wichtig für das Verbandsleben sind. Vielmehr ist es wichtig, dass die Unterschiede zwischen dem Blick der jugendlichen Nutzer/innen und dem Blick der „Anbieter“ erhalten bleiben. Das daraus entstehende Spannungsverhältnis ist ein wesentliches Strukturmerkmal, das dem Verbandsleben erst seine Produktivität verleiht.

Die Form von Jugendgruppen sollte sich nicht mehr ausschließlich am traditionellen Muster des wöchentlichen Treffens orientieren, sondern Angebote wie monatliche Kletterexkursionen, schulungsartige Blockveranstaltungen, projektbezogene Intensivphasen (bspw. für Musikprojekte) beinhalten. Konzepte, die den/die Leiter(in) als den zentralen Kristallisationsfaktor des Zustandeskommens und Funktionierens einer Gruppe sehen, sind einem Bild von Gruppe gewichen, in dem die Jugendlichen selbst bestimmen (wollen), was wie gemacht werden soll.

Partizipation von Kindern und Jugendlichen (und damit die Ermöglichung von informellen Bildungsprozessen) ist die wichtigste Methode und das wichtigste Bildungsziel eines Jugendverbandes. Auch zum Austausch über (Alltags-)Probleme wird nicht in erster Linie der/die Leiter(in) angefragt, sondern die Gleichaltrigen sind hier die wichtigsten Ansprechpartner.

Oftmals hängen Pädagog(inn)en in der Kinder- und Jugendarbeit – unbewusst/versteckt oder ganz offensichtlich – einem Selbstbild als „Macher bzw. Macherin“ an – ohne sie läuft nichts, sie sind der Dreh- und Angelpunkt allen Geschehens. Wenn dieses Selbstbild von den Jugendlichen aber gar nicht geteilt wird, welche Aufgabe haben Pädagog(inn)en dann?

  • Sie sind (nur) Co-Produzenten und fördern Kinder und Jugendliche darin, selbst die Inhalte und Ziele (von Gruppenstunden, Seminaren, Freizeiten, etc.) zu bestimmen und Verantwortung zu übernehmen (Selbstwirksamkeit fördern);
  • sie müssen die Fähigkeit entwickeln, sich selbst  und die eigenen Angebote aus Sicht der Jugendlichen zu betrachten.
  • sie müssen Orte schaffen, wo Kinder und Jugendliche sich sicher, wohl und geschätzt fühlen; gleichzeitig Herausforderungen formulieren, Neugierde wecken, zum Selbermachen und zum Grenzen überwinden anregen und trotzdem sensibel dafür sein, wenn Kinder und Jugendliche sich selbst überfordern.

Es ist nötig, Formen zu finden, wie formale Partizipationsmöglichkeiten (Gremien wie Vollversammlung) und nicht-formale Partizipationsmöglichkeiten besser mit einander verknüpft werden können, damit sich die „Organisationsebene“ nicht von den Interessen der Kinder und Jugendlichen abkoppelt. Wichtig ist darüber hinaus, die Partizipationsmöglichkeiten und den konkreten Einfluss für Kinder und Jugendliche sichtbar und bewusst zu machen, damit die eigene Selbstwirksamkeit erfahren werden kann.

Der AG Jugendverbandsarbeit in Remscheid gehören u.a. an: BDKJ Bund der deutschen katholischen Jugend, CVJM Christlicher Verein Junger Menschen, DPSG Deutsche Pfadfinderschaft Sankt Georg, Evangelischer Kirchenkreis Lennep, Freie evangelische Kirchengemeinde Lennep, Jugendfeuerwehr, KJG Katholische junge Gemeinde, Die Schlawiner gGmbH, Stadt Remscheid, Kinder- und Jugendförderung undVGO Verband für gemeindliche und offene Jugendarbeit.

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