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Von frühpubertären "Zaunkönigen" und Zerstörungstrieb

Von Hans Gerd Göbert

Der einst stattliche, ca. 50 Meter lange und ein Meter hohe Jägerzaun führte von der Ecke Lenneper Straße/Zur Bökerhöhe bis zur kleinen Brücke über die Bundesbahn. Er sollte verhindern, dass Passanten, an der Bushaltestelle Wartende, Schüler wie  Rentner, aus Versehen rückwärts den Wiesenhang runterpurzeln konnten - oder mit Absicht, sich gegenseitig schubsend, mitten in das noch  brach liegende Gewerbegebiet Mixsiepen hinein.

Neben dem Zahn der Zeit, der sich gerne über Holz hermacht, waren es die gemeinen Zaunkönige, die dem Bauwerk stets zu Leibe rückten. Sie stemmten sich davor, traten die Elemente um und warfen sie entweder in die Wiese oder auf den Bürgersteig. Der malträtierte Zaun wehrte sich irgendwann nicht mehr und er zerfiel. Das fiel dann auch dem zuständigen Liegenschaftsamt; es ließ den Zaun komplett erneuern. Nun hatten die Zaunkönige ein neues Betätigungsfeld gefunden und sie zerfledderten das neue Schmuckstück wieder in Windeseile. Die Latten lagen wieder auf dem Bürgersteig und die langen Nägel luden dazu ein, sich ein paar nette Wunden in die Füße zu treten, besonders natürlich im Dunkeln.

Die Zaunkönige machten sich aber gar nicht mehr die Mühe, ihr Werk im Dunkeln zu verrichten. Nein, sie lehnten sich am helllichten Tage wippend vor die Zaun- Fragmente. Daraufhin von Passanten angesprochen, nun wisse man ja, wer den Zaun immer zerstören würde, meinten die Zaunkönige, die ihr Nest in der Hauptschule Bökerhöhe haben: „Das machen wir nicht, das sind immer die Rentner von der Bökerhöhe.“

Irgendwann wurde es Anwohnern dann zu bunt, und es gab eine Eingabe an die  Bezirksvertretung Süd, den Gefahrenzaun ersatzlos zu entfernen. Wer sich unbedingt den Hang hinunter schubsen wollte, der müsse das tun. Sowohl Verwaltung als auch Politik fanden diesen Vorschlag gut, und Mitte September wurde er in die Tat umgesetzt. Völlig entsetzt und irritiert, dass man ihnen quasi über Nacht eines ihrer Spielzeuge entrissen hatte, flatterten die frühpubertären Zaunkönige zwischen Haltestelle und Schulgebäude hin und her. Der Verfasser nimmt an, dass sie sich bald bei der Direktion darüber beschweren werden, dass sie nun nicht mehr auf so einfache und dauerhafte Weise Gemeingut zerstören können. Immer nach dem Motto: Ein Königreich für jeden Vandalen. Völlig vergessend,  dass sie damit nicht das nur das Gemeingut oder gar das Eigentum der Anwohner oder Rentner vernichten, sondern in erster Linie das Wichtigste – nämlich die Grundlagen ihrer eigenen Zukunft.

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Kommentare

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Dieter Janke am :

Lieber Hans Gerd, ich liebe Zaunkönige, und der Lieblingsvogel meiner Frau ist der Zaunkönig. Besonders lieben wir seinen Gesang, aber diese Zaunkönige mögen wir überhaupt nicht. Hoffentlich lesen einige dieser Bökerhöhe-Zaunkönige Deinen Artikel und lernen etwas daraus für ihr späteres Leben.

Harald Fetsch am :

Herr Göbert, Ihr Ärger ist verständlich. Der Sachverhalt ist ein Ausdruck der Ansichten, Einstellungen und Werten in der Gesellschaft. Ebenso wie zum Beispiel die weggeworfenen Butterbrottüten auf dem Schulhof, wie hier im Forum früher beschrieben. Die von ihnen kritisierten Jugendlichen spiegeln das ihnen Vorgemachte wieder. Kurz gesagt, Kinder sind das Produkt ihrer Erziehung (und ihrer Umwelt). Jetzt stellt sich die Frage, ob und welche Konsequenzen daraus gezogen werden.

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