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Vielfältige Hilfen für psychisch Kranke in Remscheid

„Psychische Erkrankungen sind in der Bevölkerung weit verbreitet. Im Laufe eines Jahres wird fast jeder dritte Deutsche von einer psychischen Erkrankung betroffen. Psychische Erkrankungen unterscheiden sich allerdings in Ausgestaltung, Schweregrad und Verlauf ganz erheblich. Doch allein die schweren, mit Realitätsverlust einhergehenden psychotischen Störungen betreffen in Remscheid jedes Jahr etwa 2.000 Menschen. Trotz der hohen Zahlen unterliegen Erkrankungen der Psyche einem Tabu. Psychisch kranken Menschen haftet das Stigma des „Verrückten“ an, das Berührungsängste auslöst. Auch wenn wir alle betroffen sein können, wird doch ungern über die Problematik gesprochen und die notwendige Auseinandersetzung unterbleibt. Der vorliegende Bericht … wurde von einer multiprofessionellen Arbeitsgruppe im Auftrag der Gesundheitskonferenz für Remscheid erarbeitet. Er berücksichtigt sowohl statistisches Datenmaterial als auch das Fachwissen der beteiligten Experten vor Ort.“  Zitat aus dem Vorwort von Burkhard Mast-Weisz,  Beigeordneter für Bildung, Jugend, Soziales, Gesundheit und Sport und Vorsitzender der Gesundheitskonferenz für Remscheid, zum fünften Teil der „Remscheider Gesundheitsberichte, die das Gesundheitsamt der Stadt Remscheid herausgegeben hat. Er befasst sich mit den psychiatrische Versorgungsstrukturen in Remscheid. Der Waterbölles dokumentiert den Bericht auszugsweise in mehren Teilen:

Die Versorgung chronisch psychisch Kranker muss gemeindenah und bedarfsgerecht erfolgen. Zunächst muss geprüft werden, ob ein Versorgungsangebot in der Kommune überhaupt vorhanden ist. Darüber hinaus ist wichtig, ob es für die Betroffenen auch erreichbar und damit nutzbar ist. Dabei kommt zum Tragen, ob Angebote bekannt sind, wann und zu welchen Bedingungen sie genutzt werden können, etc. Ein weiterer Aspekt ist die Priorität der Behandlung von Schwerstgestörten, die in der Praxis gerade wegen der Schwere ihrer Erkrankung schlechter versorgt sind, denn Dienste und Einrichtungen tendieren dazu, sich eher der weniger Gestörten anzunehmen. Ein dritter Gesichtspunkt ist die Einbeziehung der Kranken in die Behandlung im Sinne einer Förderung ihrer Fähigkeiten. So betrachtet ist der Vorrang ambulanter Hilfen vor stationären Behandlungen vor allem eine Stärkung der Betroffenen und nicht so sehr eine kostensparende Hilfeform, wenngleich der effiziente Mitteleinsatz ein Gebot nicht nur in krisengeschüttelten Zeiten ist.

Die Versorgung muss sich an gemeinsamen Qualitätsstandards orientieren. Gerade in einer Kommune mit verschiedenen Anbietern für die unterschiedlichen Hilfebereiche kommt diesem Gesichtspunkt eine große Bedeutung zu . Ein differenziertes Angebot bietet zwar viele Chancen für die Betroffenen, birgt aber auch die Gefahren der Unübersichtlichkeit und der fehlenden Abstimmung. Im Sinne eines effizienten Arbeitens ist eine Koordination der Angebote nötig. Es ist anzustreben, dass die Behandlung/ Betreuung möglichst kontinuierlich durch dieselbe Person erfolgt. Als Trialog wird die (selbstverständliche) Einbeziehung von Nutzern und Angehörigen in den Hilfeprozess bezeichnet. Das beginnt bei Aufklärung und Prävention und bezieht sich ebenso auf Information, Mitspracherecht und Entscheidungsmöglichkeiten im konkreten Fall.

Für das Verständnis der Prinzipien der psychiatrischen Versorgung ist die Kenntnis der Entwicklung der Psychiatrie seit 1975 hilfreich. Denn die seitdem in Deutschland zu konstatierende Entwicklung spiegelt sich auch im Aufbau und in Veränderung der Dienste und Institutionen in Remscheid wider. Noch in den 60er und frühen 70er Jahren war die psychiatrische Versorgung geprägt von schlecht ausgestatteten und abseits gelegenen Kliniken (Anstalten) einerseits und wenigen niedergelassenen Fachärzten andererseits. Ein kommunales ambulantes und komplementäres Hilfsangebot, wie aufsuchende Dienste, Wohn-, Freizeit- und Arbeitsangebote, fehlte praktisch vollständig. In der Psychiatrie-Enquête wurden 1975 deshalb erstmals Prinzipien für eine adäquate psychiatrische Versorgung aufgestellt:

  • bedarfsgerechte und umfassende Versorgung aller, auch der schwer und chronisch psychisch Kranken und Behinderten
  • gemeindenahe Versorgung im Lebensumfeld
  • Koordination und Kooperation aller Versorgungsdienste
  • (sozialrechtliche) Gleichstellung psychisch Kranker mit körperlich Kranken.

In Remscheid spiegeln sich die eingeleiteten Reformbestrebungen z.B. in der Übernahme der Versorgungsverpflichtung für alle Remscheider Bürger durch die Evangelische Stiftung Tannenhof im Jahr 1978 oder die Eröffnung der Tagesklinik für psychisch Kranke im Jahr 1979 wieder. Die konzeptionelle Weiterentwicklung psychiatrischer Versorgungsstrukturen erfolgte 1988 mit dem Bericht der Expertenkommission. Die wesentliche Neuerung dieses Berichtes war es, den Blick weg von den Institutionen und Anbietern auf die psychisch Erkrankten und ihre Bedürfnisse selbst zu richten. Dazu wurden folgende Bereiche formuliert:

  • Behandlung / Pflege
  • Wohnen
  • Kontaktstiftung / Tagesstruktur / Teilhabe am gesellschaftlichen Leben
  • Arbeit

Wesentliche Entwicklungen in Remscheid in diesem Zeitrahmen waren die Tannenhofinterne Aufgliederung in Sektoren (d.h. die Zuordnung von Stationen zu Versorgungsbereichen: Remscheid, Wuppertal-West, Wuppertal-Ost) ab 1990 und die Etablierung des Sozialpsychiatrischen Zentrums (SPZ) Remscheid 1992 mit Betreutem Wohnen, Psychosozialem Dienst und Tagesstätte. Neuere Entwicklungen (z.B. Bestandsaufnahme zu den Entwicklungen der Psychiatrie in den letzten 25 Jahren, 2003) berücksichtigen zudem:

  • die gleichberechtigte Einbeziehung von Betroffenen (Patienten) und Angehörigen (Trialog)
  • geschlechtsspezifische Differenzierungen (Gender)
  • die Hinterfragung von diagnostischen und therapeutischem Handeln in Hinblick auf Standards und Kosten (Qualitätssicherung)

Beispielhaft für aktuelle Entwicklungen in Remscheid sollen genannt werden die zunehmende Niederlassung von psychologischen Psychotherapeuten (ab 1998), die Etablierung der Selbsthilfegruppe „Seele in Not e.V.“ 2001 und die Gründung des gemeindepsychiatrischen Wohnverbundes (GPWV) im Jahr 2003.

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„Seele in Not“ e.V. am :

Die Versprechungen der Politik und der Verbände, dass die Versorgung der Menschen mit einer psychischen Erkrankung durch einen Arzt seines Vertrauens und seiner Wahl gewährleistet ist, werden durch die realen Verhältnisse vor Ort nicht erfüllt. Wir fordern, dass den gesetzlichen Vorgaben Genüge getan wird und eine fachärztliche Versorgung für psychisch Erkrankte in Remscheid sichergestellt wird. Außerdem fordern wir einen Kriseninterventionsdienst, insbesondere an Wochenenden und an Feiertagen. Hier wäre der Krisendienst der Stadt Wuppertal als beispielhaft zu nennen. Auch die jüngst aufkommende Frage nach dem überproportional hohen Anteil von Zwangseinweisungen (PsychKG) im Raum Remscheid steht unserer Meinung nach unmittelbar im Zusammenhang mit dieser fachärztlichen Unterversorgung. (Monika Erdmeier, Vorsitzende)

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