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Psychiater sind in Remscheid knapp, die Wartezeiten lang

Unstrittig ist die Forderung, psychisch kranke Menschen in ihrem gewachsenen Umfeld zu versorgen, vorrangig also nicht in abgelegenen Fachkliniken, sondern so, dass ihre gesellschaftliche Teilhabe weiter gewährleistet ist. Es geht bei der ambulanten Versorgung nicht nur um Therapie und Medikation, sondern genauso um weitere begleitende Maßnahmen. Die ambulante ärztliche Behandlung psychisch Kranker erfolgt derzeit in Remscheid durch zwölf niedergelassene Fachärzte, von denen ein Kollege allerdings nur neurologische Fälle behandelt, einer überwiegend auf diesem Feld tätig ist und eine Ärztin nur psychotherapeutisch arbeitet. Über Fallzahlen können von Seiten der Kassenärztlichen Vereinigung keine Angaben gemacht werden, und auch die Krankenkassen können keine Daten über die ambulanten Behandlungen in psychiatrischen Facharztpraxen bzw. bei psychiatrischen Diagnosen zur Verfügung stellen.

Selbstverständlich suchen Erkrankte zunächst oft ihren Hausarzt auf. Ist aber eine psychiatrische Diagnose festgestellt, sollte die Behandlung bei Fachärzten den Vorzug haben. Darüber hinaus verschreiben Hausärzte die teuren Psychopharmaka wegen der Budgetierung nur ungern, was zu einer zusätzlichen Frequentierung der Fachärzte führt. Diese Situation hat Wartezeiten bei den Psychiatern zur Folge, die für Betroffene und Angehörige nur schwer nachvollziehbar sind, besonders in akuten Situationen. Gelegentlich bündelt sich die Problemlage in diesen Fällen dramatisch. Psychisch kranke Menschen nehmen ihre Symptome oftmals nicht als Krankheit wahr und lehnen ärztliche Behandlung zunächst ab. Sind sie dann bereit, die für sie angstbesetzte Schwelle zu überwinden, sind Wartezeiten ein wenig hilfreiches Signal.

So schildert die Selbsthilfe-Initiative „Seele in Not e.V.“ Fälle, in denen akut Betroffene nicht zeitnah Termine bekommen, und auch das Sozialpsychiatrische Zentrum (SPZ) berichtet von für seine Klienten schwierigen Wartezeiten auf den Beginn einer Behandlung. Der stationäre Versorger, die Evangelische Stiftung Tannenhof, konstatiert aus seiner Sicht einen Engpass, der sich auf die Versorgung mit budgetbelastenden Medikamenten und die Notfallversorgung erstreckt, für die die Institutsambulanz nicht ausreichend einspringen kann. Außerdem wird ein Mangel bei der ambulanten Weiterbehandlung von Patientinnen und Patienten nach ihrer Entlassung festgestellt. Das ist besonders gravierend für Menschen, die stationär aufgenommen wurden und vorher nie in psychiatrischer Behandlung waren. Aber auch chronisch psychisch Kranke geraten ohne eine sichergestellte ambulante Weiterbehandlung schneller in den Mechanismus einer Drehtür-Psychiatrie.

Es steht also die Frage im Raum, ob in Remscheid genug psychiatrische Fachärzte niedergelassen sind. Es wird von den Fachleuten der Arbeitsgruppe nicht ausgeschlossen, dass die zumindest knappe Versorgung mit Fachärzten zur Verschlimmerung von Erkrankungen führt.

(Aus „Psychiatrische Versorgungsstrukturen, Teil V: Allgemeinpsychiatrie“, herausgegeben von der Stadt Remscheid im September 2008, Redaktion: Frauke Turk, in der Reihe „Remscheider Gesundheitsberichte“ des Gesundheitsamtes der Stadt Remscheid.)

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