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15 Psychotherapeuten könnten eine Praxis eröffnen

Mit der Verabschiedung des Psychotherapeutengesetzes 1998 wurden die psychologischen Psychotherapeuten und die nicht-ärztlichen Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen in die kassenärztliche Versorgung integriert. In Remscheid sind derzeit 39 psychologische PsychotherapeutInnen für Erwachsene und außerdem sechs Kinder- und JugendlichenpsychotherapeutInnen niedergelassen. Von diesen bieten 32 Verhaltenstherapie und sieben tiefenpsychologische und psychoanalytische Therapie an. Aktuell sind in Remscheid noch 15 Praxissitze offen, die allerdings im Rahmen des Psychotherapeutengesetzes zunächst über zehn Jahre für ärztliche Psychotherapeuten reserviert wurden. Wünschenswert wäre eine möglichst baldige Klärung von Seiten der Kassenärztlichen Vereinigungen , was die noch offenen Praxissitze für ambulante Psychotherapie betrifft, um die noch möglichen Niederlassungen auch zu verwirklichen und dabei gezielt auf Angebotsengpässe zu achten, die aktuell besonders im Bereich der Kinder- und Jugendlichenpsychotherapie liegen.

Die Psychotherapeuten haben einen Versorgungsauftrag für die Remscheider Bevölkerung. In ihren Praxen behandeln sie das gesamte Spektrum der ambulant behandelbaren psychischen Störungsbilder. Eine generelle Spezialisierung von Therapeuten auf einzelne Störungsbilder gibt es nicht. Zudem ist es auch für die Bewältigung der therapeutischen Arbeit wichtig, eine gemischte Klientel zu haben, also unterschiedliche Störungen zu behandeln. Sollte ein Patient einmal zu einem Behandler kommen, der sich mit einem bestimmten Störungsbild nicht vertraut genug fühlt, wird dieser im Erstgespräch mit dem Patienten besprechen, wie er einen passenden Behandler finden kann.

Psychotherapeutische Behandlung ist mit 50 Minuten pro Therapiegespräch mit einem Patienten erheblich zeitaufwändiger und zudem längerfristig angelegt als die meisten ärztlichen Interventionen. Eine voll ausgelastete Einzelpraxis ist in der Lage, 35 Patientinnen und Patienten pro Woche zu behandeln. Dies ergibt rechnerisch eine Zahl von ca. 1.400 Patienten im Bereich Erwachsenentherapie, die von allen Therapeuten zusammen gleichzeitig behandelt werden können.

Die bestehenden Praxen sind durchgängig voll ausgelastet. Häufig kommt es zu Wartezeiten, die je nach terminlicher Flexibilität des Patienten und Therapeutenwunsch u. U. drei bis vier Monate betragen können. In Krisenfällen sind die Therapeuten bemüht, möglichst schnell eine psychologische Erstversorgung anzubieten. Grundsätzlich freigehaltene Therapieplätze für Krisenfälle sind nicht vorgesehen, die Therapeuten sind gehalten, alle Therapieplätze durchgängig zu vergeben.

Die Patienten melden sich per Telefon und geraten meist an einen Anrufbeantworter, da Therapiegespräche nicht unterbrochen werden und es keine Sprechstundenhilfen gibt. Wenn die Patienten ihre Rufnummer hinterlassen, nehmen die Therapeuten Rücksprache. Üblicherweise gibt es zudem telefonische Sprechzeiten. Versuchsweise angebotene offene Sprechstunden wurden bisher wenig angenommen.

Die Psychotherapeuten tauschen sich bei ihren Treffen regelmäßig darüber aus, wer einen freien Therapieplatz hat. So können die PatientInnen an KollegInnen mit freien Kapazitäten weiter verwiesen werden. Außerdem können sich PatientInnen auch an die Geschäftsstelle der Kassenärztlichen Vereinigung wenden, die ebenfalls über freie Plätze informiert wird. Der Zugang zu einer Psychotherapie steht jedem Krankenversicherten offen. Im Rahmen von bis zu sechs Vorgesprächen erfolgt zwischen Therapeut und Patient eine Klärung, ob eine Weiterbehandlung sinnvoll und notwendig ist. Die konkrete Indikation und Prognose zur Psychotherapie wird also immer zwischen Therapeut und Patient erarbeitet und kann nicht von außen über die beiden Beteiligten hinweg erfolgen. Der ärztliche Konsiliarbericht informiert den Psychotherapeuten über den somatischen Befund des Patienten.

Aktuell werden von einzelnen KollegInnen über das normale Therapieangebot hinaus spezielle Angebote, wie z. B. eine Gruppe für adipöse Frauen, erarbeitet. Solche Angebote werden dann über einen Verteiler auch den interessierten Institutionen bekannt gegeben.

Ein von Patientenseite häufig beklagtes Manko sind die langen Wartezeiten bei der Neuaufnahme bzw. Terminvergabe bei einem Psychiater oder Psychotherapeuten. Beide Gruppierungen haben keinen Notdienst, der akute Fälle sofort versorgen könnte. Die Betroffenen nehmen die hohen Hürden subjektiv als unzumutbar wahr, denn mehrere Versuche der Kontaktaufnahme sind für psychisch Kranke oft eine große Belastung, dass die Gefahr besteht, dass sie ganz ohne Behandlung bleiben.

Für den Bereich der Psychotherapie ist hier allerdings zu bedenken, dass bei manchen Patienten mit akuten oder chronifizierten psychiatrischen Störungen und seelischen Behinderungen keine positive Prognose für ambulante psychotherapeutische Behandlung besteht und andere Hilfsangebote – speziell niederschwelligere - angemessener sind. Gleichzeitig knüpfen besonders manche psychisch schwer kranke Patienten an eine ’richtige’ Psychotherapie manchmal leider unrealistische Hoffnungen auf eine grundsätzliche Heilung ihrer Erkrankung und reagieren bei einer Ablehnung der Psychotherapie wegen fehlender ausreichender Prognose stark enttäuscht. Hier wäre es sicherlich hilfreich, besonders die niederschwelligeren Angebote als unter Umständen tatsächlich ’bessere und hilfreichere Alternative’ deutlich zu machen.

Auch in der Überleitung von der Klinik in die ambulante Weiterbehandlung werden Schwierigkeiten konstatiert. Sowohl psychologische Psychotherapeuten als auch Fachärzte sind sehr stark ausgelastet, so dass eine unmittelbare Anschlussbehandlung nach dem Klinikaufenthalt nur schwer zu gewährleisten ist. Dies verschärft sich durch den Budget-Druck, unter dem die stationäre Behandlung zunehmend steht. Der Patient wird tendenziell weniger stabil entlassen, braucht umso schneller eine ambulante Anbindung, die durch bereits voll ausgelastete Praxen nur schwer zu realisieren ist. Die bestehende Vernetzung zwischen Klinik und ambulanter Praxis sollte deutlich weiterentwickelt werden.

Ein immer wieder geäußerter Wunsch an die Psychotherapeuten ist es, mehr über Behandlungsschwerpunkte zu erfahren. Hier wäre wünschenswert, das in weiten Bereichen der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein bereits installierte Zentrale Informationssystem für Psychotherapie ´ZIP´ auch auf Remscheid und das gesamte Bergische Land auszuweiten. Dort wird über freie Behandlungsplätze und eventuelle Spezialisierungen Informiert. Die Ursachen sind vielschichtig und zum Teil nicht vor Ort zu lösen.

(Aus „Psychiatrische Versorgungsstrukturen, Teil V: Allgemeinpsychiatrie“, herausgegeben von der Stadt Remscheid im September 2008, Redaktion: Frauke Turk, in der Reihe „Remscheider Gesundheitsberichte“ des Gesundheitsamtes der Stadt Remscheid.)

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