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Pflege psychisch Kranker in ihrer häuslichen Umgebung

Ziel der psychiatrischen Krankenpflege ist die fachlich fundierte pflegerische Versorgung psychisch kranker Menschen in ihrem vertrauten häuslichen Umfeld, möglichst unter Einbeziehung der Angehörigen. Psychiatrische Erkrankungen gehen immer mit einer Beziehungsstörung einher. Dies bewirkt, dass viele psychisch erkrankte Menschen in großer Isolation leben und nicht mehr in der Lage sind, für sie lebensnotwendige Kontakte zu knüpfen. Deshalb kommt in der psychiatrischen Pflege dem Beziehungsprozess als notwendige Basis und als Methode der psychiatrischen Pflege eine besondere Bedeutung zu. Die ambulante psychiatrische Pflege kann wiederkehrende Klinikaufenthalte, die von den Betroffenen und dem sozialen Umfeld häufig als stigmatisierend empfunden werden, vermeiden. Die ambulante Pflege soll mit ihren flexiblen, aufsuchenden Angeboten Behandlungsabbrüchen vorbeugen. Auch der für die Patienten sehr belastende Wechsel von psychiatrischen Diensten je nach Behandlungsbedarf soll durch das integrierte Angebot der ambulanten psychiatrischen Pflege vermieden werden.

Im Mittelpunkt steht dabei der gelungene professionelle Kontakt. Die Planung der psychiatrischen Pflegemaßnahmen orientiert sich an den Ressourcen und Problemen des Patienten, d.h. es wird eine jeweils individuelle Pflege, die durchdacht, geplant und ausgewertet wird, durchgeführt. Die psychiatrische Pflege jetzt auf vier Monate befristet. Für bestimmte Personengruppen, insbesondere Borderline- Erkrankte, ist keine psychiatrische Krankenpflege mehr verordnungsfähig. Für die sich abzeichnenden Probleme haben sich praktikable Lösungsmöglichkeiten durch Ambulant Betreutes Wohnen ergeben.

Der sozialpsychiatrische Dienst (SpDi) des Gesundheitsamtes der Stadt Remscheid ist ein kostenfreies, aus Steuermitteln finanziertes Angebot für alle Bürger, das aufsuchend und multiprofessionell arbeitet. Ihm obliegt besonders die Betreuung der schwer chronisch psychisch Kranken, denen es schwer fällt, Hilfen für sich einzufordern. Der SpDi ist besetzt mit einem Arzt für Psychiatrie und zwei Diplom-Sozialarbeitern mit Zusatzausbildung Sozialtherapie bzw. Gemeindepsychiatrie. Bei der Arbeit stehen nicht allein medizinische Vorstellungen und Handlungsmuster im Vordergrund, auch wenn sich die Rahmenbedingungen der Arbeit am Krankheitsbegriff ausrichten. Sozialarbeiterische Sichtweisen rücken gleichwertig in Planung und Handlung mit ein. Der SpDi hat Grundsätze für seine Arbeit entwickelt, um die Klientel zu erreichen und angemessen versorgen zu können:

Das Angebot ist kostenfrei und damit niedrigschwellig. Eine begründete Vermutung über eine psychische Erkrankung reicht aus, um das Angebot wahrnehmen zu können. Es gibt keine Antragsstellung und kein kompliziertes Aufnahmeprocedere. Die aufsuchende Arbeit bildet einen Schwerpunkt, da die Eigenmotivation und - damit zusammenhängend - die Mobilität der KlientInnen vor allem zu Beginn stark eingeschränkt ist. Im Idealfall könnten dann bei wachsendem Interesse des Klienten am Kontakt spätere Gespräche in der Beratungsstelle geführt werden. Eine Psychiatrisierung der Klienten soll vermieden werden. Eigenhilfe und nichtpsychiatrische Hilfen haben Vorrang. Das Nutzen andere Angebote des psychiatrischen Systems soll im Vordergrund stehen und gefördert werden. Um innerhalb eines Versorgungssystems adäquate und eine abgestimmte Hilfe leisten zu können, ist Kooperation mit anderen Anbietern notwendig. Die Aufgaben des sozialpsychiatrischen Dienstes umfassen u. a.: Beratung seelisch Behinderter, psychisch Kranker, Abhängigkeitskranker, ihrer Angehörigen und ihres Umfeldes.

Im Sozialpsychiatrischen Dienst kann sich o. g. Personenkreis unabhängig von einer Betreuung durch den SpDi oder andere Stellen über psychische Erkrankungen, andere Störungen und Hilfsmöglichkeiten informieren. Ziel dieser Beratung ist zum einen die Problemdefinition (einschließlich Diagnostik), zum anderen das Aufzeigen von Hilfsmöglichkeiten. Dabei kann es sich um einmalige oder aber auch um mehrere Kontakte handeln. Grundsätzlich ist die Beratung jedoch individuell zeitlich begrenzt. Auf Wunsch ist die Beratung anonym. In der Regel liegen weitere Schritte nach der Beratung in der Verantwortung des Klienten; nur bei Vorliegen einer akuten oder mittelfristig gefährdenden Situation wird der SpDi von sich aus tätig.

Unter Begleitung / Betreuung werden die Hilfen verstanden, die über die beschriebene Beratung hinausgehen. Das heißt, dass die Betroffenen in der Regel nicht in der Lage sind, weiteren niederschwelligen Angeboten nachzukommen, mit einem Kontakt zum SpDi jedoch einverstanden sind. Die Begleitung / Betreuung dient der Sicherung notwendiger sozialer Rahmenbedingungen (z. B. Sicherung des Wohnraumes, materielle Absicherung, Gesundheitsfürsorge, Organisation des Alltags, etc.) Zum anderen soll während der Begleitung / Betreuung auch immer darauf hingearbeitet werden, dass die Klienten in die Lage versetzt werden andere höherschwellige Hilfsangebote anzunehmen. Die Begleitung / Betreuung ist im Gegensatz zu der Beratung grundsätzlich zeitlich unbegrenzt, wird auf ihre Notwendigkeit im Rahmen von Fallbesprechungen aber regelmäßig überprüft. 

Krisenintervention: Krise bedeutet die Gefährdung des seelischen und psycho-sozialen Gleichgewichtes eines Individuums durch innere und/oder äußere Belastung. Als Risikofaktoren für die Entwicklung von Krisen gelten vor allem lebensgeschichtliche Belastungen, seelische Erkrankungen und soziale Belastungen. Krisen äußern sich in erster Linie durch den Zusammenbruch der üblichen Bewältigungsstrategien und durch Störungen im Denken, Erleben und Verhalten. Im ungünstigen Fall entwickelt sich dadurch bedingt eine Fremd- bzw. Eigengefährdung. Für viele Menschen in Krisen besteht die Gefahr der Chronifizierung, der Entwicklung einer psychischen Störung oder der Suchtentstehung, bis hin zur Selbsttötung. Im Rahmen der Krisenintervention klärt der SpDi auch u. U. in mehreren Kontakten ob und inwieweit eine eigen- bzw. fremdgefährdende Situation vorliegt, und er leitet geeignete Maßnahmen ein, die den Betroffenen bzw. sein Umfeld schützen. Dabei kann es sich auch um Maßnahmen handeln, die gegen den Willen des Betroffenen eingeleitet werden (Zwangsunterbringung nach dem PsychKG; Anregung einer Betreuung nach dem BGB). Krisen haben in der Behandlung Vorrang vor den anderen Aufgaben des SpDi.

(Aus „Psychiatrische Versorgungsstrukturen, Teil V: Allgemeinpsychiatrie“, herausgegeben von der Stadt Remscheid im September 2008, Redaktion: Frauke Turk, in der Reihe „Remscheider Gesundheitsberichte“ des Gesundheitsamtes der Stadt Remscheid.“

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