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Qualitätsstandards für das ambulante Betreute Wohnen

Seit der Psychiatriereform in den 70er Jahren hat sich ein ausdifferenziertes und flexibles System an Wohnhilfen etabliert. Einen besonderen Schub erhielt die Entwicklung 2003 mit der Übernahme der (Kosten)verantwortung für das Ambulant Betreute Wohnen durch den Landschaftsverband Rheinland. Es lassen sich langfristige stationäre Behandlung, die inzwischen selten geworden ist, therapeutische Wohnheime, Übergangswohnheime, Außenwohngruppen, Wohngemeinschaften und Ambulant Betreutes Wohnen unterscheiden28. So lässt sich quasi eine Kette von Versorgungsformen verschiedener Betreuungsintensität darstellen. In der Praxis werden bei psychischen Behinderungen nicht alle, aber meistens doch zwei oder drei dieser Unterstützungsformen genutzt. Ein weiteres Unterscheidungsmerkmal, das insbesondere in den letzten Jahren Bedeutung erlangt hat, ist die Unterscheidung nach fachlichem Hintergrund der Anbieter. Alle Anbieter sind den fachlichen Standards moderner psychiatrischer Versorgung verpflichtet, haben aber oft ein spezielles Profil, das sich ergibt durch die Anbindung an die Klinik, den fachlichen Hintergrund eines psychiatrischen Pflegedienstes, die Erfahrung auf dem Gebiet geistig Behinderter, Erfahrungen auf dem Gebiet der Selbsthilfe oder einer anthroposophischen Tradition. Die Vielfalt und die Wahlmöglichkeiten kommen den Betroffenen, über den fachlichen Austausch der Anbieter aber auch dem gesamten System der Wohnhilfen in Remscheid zugute.

Seit 2003 hat das Ambulant Betreute Wohnen besondere Bedeutung erlangt, weshalb hier gesondert darauf eingegangen werden soll. Ambulant Betreutes Wohnen soll dem psychisch behinderten volljährigen Menschen ermöglichen, ein weitestgehend eigenständiges und normales Leben außerhalb klinischer und stationärer Einrichtungen zu führen. Es erfolgt als aufsuchende Hilfe in der eigenen Wohnung des Betroffenen. Während vor 2003 die Finanzierung durch den LVR und die Kommune erfolgte, was in Remscheid zu einer Beschränkung auf 40 unterstützte Personen führte, liegt seitdem die alleinige Verantwortung beim LVR. Verfolgt wird damit ein doppeltes Ziel: Die gemeinsame Verantwortung für stationäre und ambulante Hilfen soll den ambulanten Bereich stärken, Übergänge in die ambulante Versorgung erleichtern oder eine stationäre Versorgung gar nicht erst notwendig machen.

Damit einher gehen soll eine Stärkung der Rechte des Betroffenen durch formalisierte Orientierung an seinen Wünschen und Bedürfnissen (personenbezogene Hilfen). Die gesetzliche Grundlage der Leistungen des Ambulant Betreuten Wohnens ist der § 53 SGB XII. Voraussetzung zur Leistungsgewährung ist das Vorliegen einer Behinderung im Sinne des § 2 SGB IX. Seit Mitte 2008 wird das Vorliegen der Behinderung auf der Grundlage von vorliegenden Unterlagen und Stellungnahmen der behandelnden Ärzte durch den LVR, ggf. durch Einschaltung externer Gutachter, überprüft. Die notwendigen Hilfen werden mit dem Betroffenen im Rahmen einer Hilfeplanung besprochen und festgelegt. Über die Bewilligung entscheidet dann die Hilfeplankonferenz. In Remscheid nehmen an der Hilfeplankonferenz neben dem LVR das Gesundheitsamt, das Sozialpsychiatrische Zentrum sowie Vertreter stationärer und ambulanter Leistungsanbieter statt. Die Eingliederungshilfen werden nach dem Subsidiaritätsprinzip vergeben, d. h. es ist zunächst der Leistungsnehmer kostenpflichtig, der überörtliche Sozialhilfeträger wird erst herangezogen, wenn die Betroffenen nicht zahlen können. In den Fällen, in denen Betroffene über Einkommen oder Vermögen verfügen, kommt es häufig zur Ablehnung der unbedingt notwendigen Hilfen. In Remscheid haben sich 2003 wesentliche Anbieter von Wohnhilfen zum Gemeindepsychiatrischen Wohnverbund zusammengeschlossen. Ziel ist es unter Berücksichtigung der gemeindepsychiatrischer Prinzipien angemessene und ausreichende Wohnhilfen anzubieten. Die Entwicklung der Hilfen soll in fachlicher und organisatorischer Hinsicht beobachtet und begleitet werden.

Seit 2003 verzeichnet Remscheid, wie im übrigen auch alle anderen Kommunen in NRW, einen deutlichen Anstieg an BeWo-Plätzen. Im Jahr 2003 gab es 40 Plätze mit festem Stundenkontingent, die von einem einzigen Leistungserbringer, dem Sozialpsychiatrischen Zentrum (SPZ), angeboten wurden. Im Jahr 2007 waren es bereits 112 Betroffene, die dann mit flexiblen, dem persönlichen Bedarf angepassten Zeitkontingenten von insgesamt sieben Anbietern betreut wurden. Der Anstieg korrespondiert nur zu einem kleineren Teil mit einem Abbau stationärer Betreuungsplätze, die ab 2004 weitgehend konstant blieben. Vielmehr profitieren zunehmend Menschen, die zuvor diese Hilfe nicht erhalten hatten, von der Ausweitung des Angebotes. Dieser Umstand wie auch die gestiegene Zahl der Anbieter legen es nahe, sich mit Standards für bestimmte Störungsbilder und Qualitätskriterien der geleisteten Hilfen auseinander zu setzen. Die AG Allgemeinpsychiatrie empfiehlt: Der Gemeindepsychiatrische Wohnverbund entwickelt unter Beteiligung der Selbsthilfe Qualitätsstandards für das Ambulant Betreute Wohnen. Und er analysiert unter Einbeziehung des Landschaftsverbandes und der Anbieter die Selbstzahlerproblematik im Betreuten Wohnen.

(Aus „Psychiatrische Versorgungsstrukturen, Teil V: Allgemeinpsychiatrie“, herausgegeben von der Stadt Remscheid im September 2008, Redaktion: Frauke Turk, in der Reihe „Remscheider Gesundheitsberichte“ des Gesundheitsamtes der Stadt Remscheid.)

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