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Gezielte Hilfen gegen Verwahrlosung im Alltag

Unter tagesstrukturierenden Hilfen werden professionelle Angebote verstanden, die die Betroffenen unterstützen, ihren Alltag bzw. ihre Freizeit zu gestalten. Die Abgrenzung erfolgt dabei einerseits zu Arbeitsangeboten, da sich gezeigt hat, dass berufliche Rehabilitationsmaßnahmen für einen Teil der Betroffenen (oder zu einem bestimmten Zeitpunkt) eine Überforderung darstellen. Andererseits erfolgt die Abgrenzung zu Angeboten der Selbst- oder Laienhilfe, die oft zu wenig strukturiert bzw. nicht auf Förderung der Kompetenzen ausgerichtet sind.

Die Konzeptionalisierung der tagesstrukturierenden Angebote ist dabei noch nicht so weit fortgeschritten wie in anderen Bereichen der komplementären Hilfen. Allgemeine Zielsetzungen sind Stabilisierung, kommunikative Stützung und Hilfen zur Bewältigung von Vereinsamung und von Verwahrlosung bedrohten Alltags. Ein gesetzlicher Anspruch und damit auch die Grundlage einer Finanzierung besteht für Menschen mit einer (psychischen) Behinderung durch den § 53 SGB XII. Ausgehend von den Feststellungen der Expertenkommission von 1988 werden drei Forderungen an Tagesstrukturierung gestellt:

  • Tagesstrukturierung soll nicht isoliert, sondern als Teil eines Gesamtkonzepts angeboten werden.
  • Angebote sollen an einem festen Ort (als Anlaufstelle) stattfinden 
  • Professionelle und ehrenamtlich-bürgerschaftliche Angebote sollen miteinander verzahnt werden.

Auf der Grundlage dieser Empfehlung bietet das Sozialpsychiatrische Zentrum SPZ in Remscheid für die beschriebene Klientel im Rahmen einer Tagesstätte für Menschen mit psychischen Erkrankungen 15 Plätze an, die vom Landschaftsverband finanziert werden. Da die Teilnahme der Menschen am dortigen Programm oft über mehrere Jahre andauert, entstehen immer wieder lange Wartelisten, so dass längst nicht alle Frauen und Männer teilnehmen können, für die es sinnvoll wäre. Eine zusätzliche Schwierigkeit bei der Teilnahme am Tagesstättenprogramm besteht bei einer Einschränkung der Mobilität und starken Antriebsstörungen, da keine Möglichkeit eines Fahrdienstes (Mobilitätsassistenz) besteht. Im Rahmen des Ausbaus ambulanter Unterstützung und im Hinblick auf das Ziel, auch Menschen, die bislang auf stationäre Hilfen angewiesen waren, selbstständiges Wohnen zu ermöglichen, fördert der LVR gegenwärtig den Ausbau tagesstrukturierender Angebote.  

Ab Oktober 2008 werden dazu zusätzliche Mittel zur Verfügung gestellt, über deren Verfügung im Rahmen der Hilfeplankonferenz entschieden wird. Die zusätzlichen Möglichkeiten sind sehr zu begrüßen, die genaue fachliche Ausgestaltung und insbesondere das Problem, inwiefern die schwerer Beeinträchtigten tatsächlich profitieren, wird zu beobachten sein. Der LVR hat dieses Programm zunächst für ein Jahr befristet. In der Praxis stellt sich zusätzlich oft auch das Problem, dass Menschen mit psychischen Störungen unterhalb der Schwelle einer Behinderung Möglichkeiten der Begegnung, Freizeitgestaltung und sinnvoller Tätigkeit bedürfen. Die Fachleute der Arbeitsgruppe Allgemeinpsychiatrie weisen darauf hin, dass sich die gesellschaftlichen Bedingungen seit den 80-er Jahren verändert haben. So haben sich Familienstrukturen und Anforderungen des Berufslebens verändert. Konzeptionelle Fragen und Möglichkeiten der Finanzierung sind hier noch weitgehend ungeklärt.

(Aus „Psychiatrische Versorgungsstrukturen, Teil V: Allgemeinpsychiatrie“, herausgegeben von der Stadt Remscheid im September 2008, Redaktion: Frauke Turk, in der Reihe „Remscheider Gesundheitsberichte“ des Gesundheitsamtes der Stadt Remscheid.)

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Kommentare

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Hanna Bretzke am :

Hier haben wir eine Gesetzeslücke - was ist mit psychisch Kranken und Doppeldiagnose? Wenn in Rheinland Pfalz ein psychisch kranker Mensch mit Doppeldiagnose alleine monatelang in seiner Wohnung dahinvegetiert ohne Medikation, dann fühlt sich kein Amt zuständig, geschweige denn der Berufsbetreuer. Hilfe sollte man schon leisten, bevor ein Unglück passiert. Solche Menschen kommen alleine zu Hause nicht mehr zurecht. Das sind Tatsachen, die Angehörige Jahre lang miterleben.

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