Skip to content

Anzeige

Bau-Innung Remscheid Innung für elektrotechnische Handwerke Remscheid Fachinnung für Metall- und Graviertechnik Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Remscheid
Dachdecker-Innung Remscheid Friseur-Innung Remscheid Maler- und Lackierer-Innung Remscheid Kraftfahrzeughandwerk Remscheid

Gerd Ludwig Lemmer ist neuer Ehrenbürger der Stadt

Die Überreichung der Urkunde über die Ehrenbürgerschaft. Foto: Lothar KaiserIm Rahmen der Feierstunde zum Tag der Deutschen Einheit, die heute um 11 Uhr im Teo Otto Theater begann, hat Gerd Ludwig Lemmer die Ehrenbürgerschaft der Stadt Remscheid erhalten. Auf Vorschlag von Oberbürgermeisterin Beate Wilding und auf Empfehlung des Ältestenrates der Stadt hatte der Rat in seiner Sitzung am 13. Dezember 2007 beschlossen, dem Alt-Oberbürgermeister und Staatsminister a.D. das Ehrenbürgerrecht der Stadt Remscheid zu verleihen.

In ihrer Laudatio ging Oberbürgermeisterin Beate Wilding auf die wichtigsten Stationen im politischen Wirken des neuen Ehrenbürgers ein. Er denke gerne an die langen, ereignisreichen Jahre zurück, anwortete Gerd Lemmer. Er sei dankbar für die Ehrenbürgerschaft ("die höchste Auszeichnung, die ich erreichen konnte") und dankbar auch der der Oberbürgermeisterin, dass sie diese initiiert habe. In seiner politischen Arbeit sei er stets um das Wohl der Stadt Remscheid bemüht gewesen. Doch ohne die Unterstützung durch Ministerpräsident Franz Meyers hätte er das für Remscheid Geleistete nicht schaffen können. In diesem Zusammenhang erinnerte Gerd Lemmer an einen Besuch Meyers in Remscheid am 11. August 1961, zwei Tage vor dem Bau der Berliner Mauer. Die Geheimimformationen über den bevorstehenden Bau habe er als Berlinbeauftragter tags zuvor Willy Brand übermittelt.

Nach dem Festakt beim Empfang im Foyer: Im Bild von links nach rechts Dr. Bernhard Worms, von 1970 bis 1990 Landtagsabgeordneter in Düsseldorf und ein Mitstreiter von Gerd Lemmer, Oberbürgermeisterin Beate Wilding, Wilma Meyers, die Ehefrau des verstorbenen Ministerpräsidenten Franz Meyers, und Gerd Lemmer, der neue Ehrenbürger der Stadt Remscheid. Foto: Lothar KaiserDie ersten Ratssitzungen nach dem Kriege hätten Hotel "Berliner Hof" in Lennep stattgefunden, erinnerte sich Lemmer weiter. Denn der Rathausturm war beim Bombenangriff 1943 schwer beschädigt worden. "Immer, wenn ich heute in die Stadt fahre, freue ich mich, dass es mir gelungen ist, den Wiederaufbau in der alten Form durchzusetzen. Die Verwaltung hätte lieber einen modernen Turm gebaut, eine Art Fiberthermometer!"

Nachfolgend dokumentiert sind Begrüßung, Lautatio und Empfangsworte für die Ehrengäste durch Oberbürgermeisterin Beate Wilding:

Begrüßung der Gäste

Meine sehr geehrten Damen und Herren, liebe Remscheiderinnen und Remscheider, ich heiße Sie am diesjährigen Tag der Deutschen Einheit herzlich im Teo Otto Theater willkommen. Diese Feierstunde ist ein historischer Meilenstein für unsere Stadt. Sie bildet den Rahmen für die Verleihung des Ehrenbürgerrechtes an den ehemaligen Oberbürgermeister, Staatsminister und Europaabgeordneten Gerd Ludwig Lemmer – den ich von dieser Stelle gemeinsam mit seiner Ehegattin und seiner Familie in unser aller Namen herzlich willkommen heißen darf.

Sehr geehrter Herr Lemmer, es ist für die Stadt Remscheid heute eine besondere Ehre, sie unter uns zu wissen. In gleicher Weise ehrt es diese Stadt und uns – – ihre Bürgerschaft – – heute Frau Wilma Meyers – die Ehegattin des verstorbenen Ministerpräsidenten Franz Meyers – und Herrn Dr. Bernhard Worms – als politischen Weggefährten unseres Ehrenbürgers – begrüßen zu dürfen. Sehr geehrte Frau Meyers, sehr geehrter Herr Dr. Worms, herzlich willkommen in Remscheid. In gleicher Form gilt mein Willkommensgruß unseren Ehrengästen, den Vertretern der Kirchen und Religionsgemeinschaften, den Mitgliedern des Deutschen Bundestages und des Landtags Nordrhein-Westfalen.

Ich begrüße meine beiden Stellvertreter, Frau Monika Hein und Herrn Lothar Krebs, sowie die Damen und Herren Ratsmitglieder, und die Vertretern der Landesbehörden – stellvertretend darf ich Herrn Polizeipräsidenten Werries nennen. Ich freue mich – als Zeichen und im Geiste der bergischer Verbundenheit – heute meinen Amtskollegen aus Radevormwald, Herrn Bürgermeister Dr. Korsten, lieber Josef, in der sprichwörtlich guten Stube Remscheids begrüßen zu können. Und ich begrüße Sie — die Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt. Seien Sie herzlich willkommen.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, der 3. Oktober ist für uns Deutsche ein besonderes Datum. Sicherlich, es gibt Daten in der deutschen Geschichte, die uns auch im Inneren unseres Herzen stärker bewegen. Ich denke dabei nur an den den 9. November 1989 – den Tag des Mauerfalls als die Menschen in der DDR friedlich obsiegten und für sich Menschenrechte, Reisefreiheit und demokratische Teilhabe einforderten. Jeder von uns wird sich daran erinnern können, zu welcher Zeit an welchem Ort er an jenem Donnerstag davon erfuhr. Ich denke aber auch an den 9. November 1938 – den Tag der Reichspogromnacht als in Deutschland die Synagogen brannten und der Terror der nationalsozialistischen Machthaber sein wahres Gesicht offenbarte – auch gegenüber denjenigen, die bisher weggeschaut hatten.

Ich denke aber auch an den 9. November 1918 – den Tag der Ausrufung der Republik als die Revolution gegen das Kaiserreich und gegen den Krieg obsiegte und die erste deutsche Republik ausgerufen wurde; Der 9. November ist also ein bewegender aber auch aufwühlender Tag in unserer Geschichte. In diesem Jahre – 70 Jahre danach – gedenken wir den jüdischen Mitbürgern, die in der Reichspogromnacht endgültig sozial geächtet wurden, an Körper und Seele tief verletzt wurden und ihr Leben ließen. In diesem Jahr – 90 Jahre später – gedenken wir zugleich der Geburtsstunde der Weimarer Republik, die das Wahlrecht für Frauen hervorbrachte, die die Grundrechte in ihrer Verfassung verankerte und die das Signal zum Aufbruch in einen modernen und sozialen Rechtsstaat sein sollte.

Meine Damen und Herren, das zeigt die Zerrissenheit und Gegensätzlichkeit der jüngeren deutschen Geschichte. Womöglich war es dieser Grund, der den Deutschen Bundestag und die Volkskammer dazu bewog, nicht den 9. November als Tag der Vereinigung beider deutscher Staaten im Einigungsvertrag zu bestimmen. Man entschied sich wohl mit Bedacht und gutem Grund für einen Tag, der für sich allein steht – und historisch „unvergleichlich“ ist.

Viel Beifall erhielt die junge Pianistin Susanne Hardick, rechts Generalmusikdirektorin Romely Pfund.. Foto: Lothar KaiserDer 3. Oktober ist unser Nationalfeiertag. Ein Tag, der uns erinnern soll. Der uns aber auch vor allem ein Tag der Freude sein sollte – ein besonderer Tag für uns Deutsche und ein besonderer Tag für uns alle. In den zurückliegenden 18 Jahren hat diese Tag eine eigene Tradition entwickelt. Das trifft auch auf Remscheid zu. Der Festakt wird deshalb wie in den Vorjahren musikalisch umrahmt durch die Bergischen Symphoniker unter der Leitung von Frau Generalmusikdirektorin Romely Pfund — und Frau Susanne Hardick als Solistin am Klavier. Seit dem vergangenen Jahr wirken Chöre und Musikgruppen aus Remscheid an der musikalischen Gestaltung dieser Festveranstaltung mitwirken. In diesem Jahr ist es die EMA-JAZZ-AG unter der Leitung von Dirk Grezius – deren Musik uns bereits im Foyer erfreuen konnte. Allen Beteiligten möchte ich bereits an dieser Stelle in unser allen Namen danken. Durch Ihre Mitwirkung wird dies für uns alle ein unvergesslicher Tag. — Danke!

Meine sehr geehrten Damen und Herren, mit der Europahymne ist dieser Festakt eröffnet worden. — Weil ohne die europäische Einigung die deutsche Einheit nicht vorstellbar gewesen wäre. Lassen Sie uns nun gemeinsam die Nationalhymne singen — im Bewusstsein der Verbundenheit Deutschlands mit seinen Freunden und Nachbarn in Europa. Ich bitte Sie, sich von Ihren Plätzen zu erheben.

Laudatio auf den Ehrenbürger

Sehr geehrter Herr Lemmer, verehrte Ehrengäste, meine Damen und Herren! „Es ist leichter, ein Held zu sein, als ein Ehrenmann. Ein Held muss man nur einmal sein, ein Ehrenmann immer.“ Mit diesen weisen Worten eines italienischen Dichters möchte ich meine Würdigung des Lebenswerkes eines Sohnes und Bürgers unserer Heimatstadt beginnen. Das Ehrenbürgerrecht ist die höchste Auszeichnung der Stadt Remscheid. Sie wird verliehen, wenn ein Bürger dieser Stadt oder eine Persönlichkeit des öffentlichen Lebens sich in besonderer herausragender Weise um die Gesellschaft und die Stadt verdient gemacht hat. So haben in den zurückliegenden sechs Jahrzehnten die Alt-Oberbürgermeister Dr. Walter Hartmann, Willi Hartkopf und Peter Wolf diese Ehrenbezeugung ihrer Stadt entgegennehmen dürfen, weil ihr Wirken die Stadt Remscheid – um es mit einem modernen Wort zu sagen – nachhaltig geprägt haben. In diese Reihe der Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens Remscheid, sehr geehrter Herr Lemmer, treten Sie heute ein.

Meine Damen und Herren! Eine Laudatio zu halten, wie ich es jetzt vor mir habe, ist immer eine willkommene Aufgabe. Darf man doch einen Menschen aus dem eigenen Umkreis würdigen und herausragendes Handeln nochmals ins Licht der Öffentlichkeit rücken. Heute habe ich gleich ein ganzes Lebenswerk zu honorieren, ein beispielhaftes Engagement für Remscheid, für Nordrhein-Westfalen, für die Bundesrepublik und für Europa. Und da stellt sich für mich als Rednerin als Erstes die Frage nach der Auswahl. Welche Stationen Ihres reichen Lebens rufe ich in Erinnerung? Welche Verdienste beleuchte ich näher? Sehr geehrter Herr Lemmer, Auf alles einzugehen, was Sie in Ihren Funktionen als Fraktionsvorsitzender, Mitglied der Landschaftsversammlung, Oberbürgermeister, Landtagsabgeordneter, Staatsminister, Staatssekretär und Europaabgeordneter für Remscheid getan haben, dazu reicht meine Redezeit bei Weitem nicht. Deshalb vertraue ich dem Sprichwort, dass weniger mehr ist, und hebe an dieser Stelle ein paar Wegmarken hervor, die Ihr Wirken in besonderer Weise beleuchten. Eng mit Ihrem Namen verbunden ist der Wiederaufbau unserer Stadt. Ein sehr konkretes – weil gelungenes – Beispiel haben wir unmittelbar vor Augen. Die Entscheidung an dieser Stelle den ersten Neubau eines Theaters in Nordrhein-Westfalen zu errichten, war nicht unumstritten.

Es gehört zu den Anekdoten der Stadtgeschichte, dass der Neubau mit den Stimmen von CDU, FDP und der Kommunistischen Partei beschlossen wurde. So pragmatisch kann Kommunalpolitik sein – wobei sich Remscheid hier in guter rheinischer Tradition befand. Waren es doch kommunistische Stimmen in der Kölner Stadtverordnetenversammlung, die dem damaligen Oberbürgermeister und späteren Bundeskanzler Konrad Adenauer den Bau der Mülheimer Hängebrücke ermöglichte. Beide Ereignisse haben noch eines gemeinsam — in der Rückbetrachtung erwiesen sich die Entscheidungen als richtig.

Sehr geehrter Herr Lemmer, ein Ihnen auch persönlich freundschaftlich verbundener Journalist hat einmal geschrieben: „Er ist ein Sproß des Bergischen Landes, das zum Rheinland gehört. Der Solinger Werner Henkels richtet in seinem Buch den Blick zurück in die Geschichte der Familie Lemmer: „Als vor dem ersten Weltkrieg in Remscheid sein Urgroßvater beerdigt wurde, standen am offenen Grab die Vertreter der Stadt. Oberbürgermeister Jarres rief dem Toten zu, es werde in die Geschichte der Stadt eingehen: „32 Jahre war der treue Verblichene Stadtverordneter in dieser Stadt, und nicht einmal hat er mit Ja gestimmt.“ Die Menschen im Bergischen – sind das lässt sich mit Sicherheit sagen – keine Ja-Sager. Der gesunde Widerspruch und die Debatte haben in unserer Region eine lange Tradition. Dazu gehört jedoch auch, das Bewusstsein für den fairen persönlichen Umgang. Dieser Geist begleitet die Familie Lemmer.

Ihr Vater – Ludwig Lemmer – diente der Stadt Remscheid als Stadtbaurat – übrigens in jenem Dienstzimmer, in dem sie als Kind samstäglich spielten als sie ihren Vater zur Arbeit begleiteten, und das sie 1961 als Oberbürgermeister wieder betraten. Ihr Vater war Visionär – schuf moderne Bauten, erweckte die Siedlungskultur der 20er Jahre in Remscheid zum Leben und entwarf ein Bild von der modernen Großstadt Remscheid. Der Name ihres Onkels – Ernst Lemmer – ist eng mit der Gründungsgeschichte und den Aufbaujahren der Bundesrepublik verbunden. Er diente als Minister in den Kabinetten der Bundeskanzler Adenauer und Erhard. Beiden verdanken Sie, die Möglichkeit die Schulzeit während des Krieges in einem schweizerischen Lyzeum verbringen zu können. Dort legten Sie mit dem Erwerb von Fremdsprachen zugleich die Basis für ihr späteres politisches und berufliches Wirken über die Grenzen Deutschlands hinaus. Nach ihrem Abitur kehrten sie nach Remscheid zurück und fanden eine Stadt vor, die vom Krieg gezeichnet war. Die Remscheider Innenstadt glich einem Ruinenmeer. In diesem Moment beschlossen Sie, politisch tätig zu werden. Etwas Neues musste es sein, denn die bestehenden politischen Parteien schienen ihnen zu sehr mit der Vergangenheit verbunden zu sein.

Ihr Weg führte in die Christliche Demokratische Union – deren Idee im Herzen des Rheinlandes geboren wurde, um den parteipolitischen Widerstreit von evangelischen und katholischen Christen zu überwinden. Dabei zeigte sich ihr Willen, zu gestalten, zu verändern und zu bewegen. Dieser Wille begleitete sie auch während des Jurastudiums. Als jüngstes Mitglied zogen sie in den Stadtrat ein. Das Adjektiv „jüngster“ wird sie weiter begleiten:

  • 1954 – jüngster Fraktionsvorsitzender;
  • 1961 – jüngster Oberbürgermeister;
  • 1962 – jüngster Landesminister.

Aufmerksame Zuhörerinnen und Zuhörer im Theatersaal. Foto: Lothar KaiserBeruflich führt sie der Weg nach 1956 nach Bonn – und im übertragenen Sinne nach Berlin. Als mehrsprachiger Jurist treten sie in den Dienst des Landes Berlin ein. In den Folgejahren lernen Sie den Regierenden Bürgermeister, Willy Brandt, kennen und schätzen. Die Frage der Zukunft Berlins – lässt sie am Puls der Zeit fühlen. Ihre Wege führen als Begleiter Brandts zur Außenministerkonferenz nach Genf, in das Weiße Haus und zur UNVollversammlung in New York – immer unterwegs um für die Sache Berlins zu werben. Einer Stadt, die Freunde braucht, um überleben zu können. Dabei vollbrachten Sie den Spagat von Kommunal- und Deutschlandpolitik. Manchmal ergänzten sich beide Rollen in idealer Weise. Sie berichten gerne von Gesprächen der Bundesregierung mit einer sowjetischen Delegation über den Abschluss eines Kulturabkommens in Bonn. Die Sowjetunion lehnte kategorisch die Teilnahme eines Vertreters Berlins ab. Was lag also näher, als die Entscheidung Willy Brandts Sie als Remscheider Oberbürgermeister und nordrhein-westfälischen Landtagsabgeordneten zum Vertreter der deutschen Länder zu machen und so – durch die Hintertür die Interessen Berlins zu wahren. Sicherlich die sowjetische Delegation wunderte sich schon darüber, weshalb ein Politiker aus dem tiefsten Westen Deutschlands sich mit Vehemenz und Sachkenntnis für Berlin einsetzte. Am zweiten Tage der Verhandlung sahen die Verhandlungspartner klarer. Vom Mittagessen in der sowjetischen Botschaft wurden sie wieder ausgeladen. Davon ließen Sie sich nicht beeindrucken und kehrten wieder an den Verhandlungstisch zurück. Ich möchte sagen: Bedurfte es eines Beweises für ihre Bergische Herkunft – dann wäre dieser damit erbracht.

Sehr geehrter Herr Lemmer, das was modern „Wissenstransfer“ genannt wird – vollzog Gerd Ludwig Lemmer zu einem Zeitpunkt, als dieser Begriff noch nicht erdacht war. Die Erfahrungen aus Beruf und Abgeordnetentätigkeit in Düsseldorf flossen beständig in den kommunalpolitischen Alltag ein. In einem Interview mit dem Remscheider General-Anzeiger sagten sie 1962 zur Verbindung von Landes- und Kommunalpolitik – ich darf zitieren – : „Es ist für unsere Stadt von entscheidender Bedeutung, dass die Hilfsmittel, die Landesregierung und Landtag für die Städte bereitstellen, in dem für uns erforderlichen Maße auch nach Remscheid fließen. Erst die Verbindung zwischen kommunalpolitischen Amt und dem Mandat im Landtag schafft den für die Stadt so wichtigen direkten Draht nach Düsseldorf.“ Sie nannten konkrete Beispiele:

  • die Lösung des Verkehrsproblems in der Remscheider Innenstadt
  • den Ausbau der Bundesstraße 229 an der Trecknase
  • die Modernisierung der städtischen Kliniken
  • die Erschließung moderner Wohnbauflächen am Hasenberg
  • den Ausbau des Deutschen Röntgen-Museums
  • die Bereitstellung von Gewerbeflächen durch die Düsseldorfer Planungsbehörde

bei denen sie als Oberbürgermeister vieles angestoßen und bewegt haben. Dabei sehen wir heute aber auch, die Probleme der Gegenwart sind nicht ohne Beispiel in der Vergangenheit.

Meine Damen und Herren, auch manche kritische Stimme von damals – klingt in heutigen Ohren wohl vertraut. Mit Blick auf das 1961 junge Durchschnittsalter der Stadtspitze – Oberbürgermeister und Bürgermeister sind im Schnitt gerade einmal 37 Jahre alt – heißt es in den Zeitungsberichten, dass hier und da in Kreisen der Bürgerschaft die Befürchtung laut geworden ist, dass eine junge Mannschaft eine zu stürmische Entwicklung forcieren würde. Der jugendliche Gerd Ludwig Lemmer kontert mit einem prägnanten Satz: „Jugendlicher Elan schließt aber verantwortungsvolles Handeln nicht aus.“ Was steckt hinter diesem jugendlichen Elan und dem Ziel verantwortungsvoll zu handeln? Auch hier gibt Lemmer eine Antwort, die heute nicht aktueller sein könnte: „Es ist eine alte Erfahrung, dass sich die jungen Kräfte in allen Parteien über die Schranken irgendwelcher Parteidogmen hinweg verstehen.“ Ich spreche sicherlich nicht nur für mich, wenn ich den aufrichtigen Wunsch äußere, die Erkenntnis möge stärker im Bewusstsein der Politik verankert sein. Gestern, heute und morgen geht es im Kern nicht um eine Partei – sondern ausschließlich und über die Grenzen von Parteien und Parteiprogrammen hinweg – um das Wohl unserer Heimatstadt. Hart in der Sache. Fair im Umgang. — Beides zum Wohle unserer Bürgerinnen und Bürger!

Sehr geehrter Herr Lemmer, ihr politischer Lebensweg ist ein Beleg dafür. Sie haben über alle Parteigrenzen hinweg Anerkennung erworben. Dies alles zeigt anschaulich, welch großen Einsatz, welche Zielstrebigkeit und Kompetenz Sie stets bewiesen haben und welch nachhaltigen Einfluss Ihr politisches, Ihr ehrenamtliches Wirken auf die Entwicklung Remscheids hatte. Deshalb hat der Rat der Stadt Remscheid sich auf meinen Vorschlag hin auch einmütig für die Verleihung des Ehrenbürgerrechtes ausgesprochen. Dieser Konsens macht mehr als deutlich, dass die Wahl auf einen Würdigen gefallen ist.

Meine Damen und Herren, mit der Verleihung der Ehrenbürgerschaft setzen wir ein Zeichen. Wir machen deutlich, wen und was unsere Gemeinde schätzt, wer und was ihr wichtig ist. Ehre mag heutzutage ein altmodischer Begriff sein – aber das, was dahinter steht, wenn jemand zum Ehrenbürger ernannt wird, das ist topaktuell. Denn wo kämen wir hin ohne Bürgerinnen und Bürger, die sich ehrenamtlich engagieren und es zu ihrer Aufgabe machen, etwas zum Wohlergehen ihrer Gemeinde zu tun. Wir brauchen Menschen, die sich in ihrem Alltag für ihr Gemeinwesen einsetzen und Verantwortung für ihr Umfeld übernehmen. Sie sind es, die unsere Gemeinschaft, die unsere Gesellschaft funktionstüchtig machen und ihr Wärme verleihen. Diese Lebensleistung findet heute in der Verleihung der Ehrenbürgerschaft eine angemessene Würdigung. Es ist mir eine Ehre stellvertretend für den Rat der Stadt Remscheid und die Bürgerschaft feststellen zu dürfen: Gerd Ludwig Lemmer hat sich um seine Vaterstadt Remscheid verdient gemacht. Dafür zeichnen wir Sie heute aus und dafür möchte ich Ihnen, bevor ich Ihnen nun die Ehrenbürgerurkunde überreiche, meinen herzlichsten Glückwunsch aussprechen.

Grußworte zum Empfang der Oberbürgermeisterin für die Ehrengäste im oberen Theaterfoyer

Sehr geehrter Herr Lemmer, sehr geehrte Frau Lemmer, liebe Familie Lemmer, sehr geehrte Frau Meyers, sehr geehrter Herr Worms, meine Damen und Herren!

Dieser Tag ist ein herausragendes Ereignis in der Geschichte unserer Stadt. Anlässlich des 200jährigen Bestehens der Stadt Remscheid wurde vor wenigen Wochen ein von Bürgern in ehrenamtlicher Tätigkeit erstelltes Geschichts-Lese-Buch vorgestellt. Es steht wie die Feierlichkeiten in diesem Jahr unter dem Leitmotiv: „Menschen machen Geschichte.“ Die Ehrenbürgerschaft für Gerd Ludwig Lemmer ist ein lebendiges Beispiel für die Richtigkeit dieser Aussage. Wir haben heute das Lebenswerk eines Remscheiders gewürdigt, der diese Stadt in den zurückliegenden sechs Jahrzehnten als Bürger und Politiker geprägt hat. Es ist nur natürlich, wenn ich stellvertretend für uns alle sagen möchte: Ich wünsche mir, dass Sie uns noch lange mit Rat und Tat auf dem Weg unserer Stadt begleiten mögen. Wie ich in meiner Laudatio schon sagte, die wesentlichen Probleme – besser gesagt – die zentralen Herausforderungen haben sich im Kern nicht verändert. Um so wichtiger ist es die Erfahrungen und Erkenntnisse jener Bürgerinnen und Bürger zu nutzen, die dank ihres Lebensalters auf einen ungemein großen Wissensschatz blicken dürfen. In Abwandlung des ihres Wortes von der Jugend, die aber auch verantwortungsvoll handeln kann, möchte ich sagen: Das Miteinander von Jung und Alt bietet die Chance eine Brücke von der Vergangenheit, über die Gegenwart in die Zukunft zu bauen, auf der Generationen sicher und behütet schreiten können.

Remscheid Ehrenbürger Gerd Lemmer. Foto: Lothar KaiserSehr geehrter Herr Lemmer, mich hat die Justizministerin des Landes Nordrhein-Westfalen, unsere Mitbürgerin Roswitha Müller- Piepenkötter, gebeten, Ihnen ihre herzlichen Grüße und Glückwunsche zum heutigen Ehrentag zu überbringen. Sie bedauert es sehr, heute nicht teilnehmen zu können, bittet aber um Verständnis, da sie zeitgleich einen Termin in Paris wahrnehmen muss. Meine Damen und Herren, Bevor ich die Ehrengästen bitte, sich in das Goldene Buch der Stadt Remscheid einzutragen, möchte richte ich das Wort noch einmal an unseren Ehrenbürger richten und bitte Sie alle mit mir das Glas zu erheben: Herr Lemmer – ich wünsche Ihnen an diesem Tage in unser aller Namen von Herzen Glück, Gesundheit und Wohlergehen auf ihrem weiteren Lebensweg. Auf Ihr Wohl!

Trackbacks

Waterboelles-erzaehlt.de am : Schon der Urgroßvater interessierte sich für die Politik

Vorschau anzeigen
Die von Sven Wiertz, dem Referenten der Oberbürgermeisterin, erarbeitete Festschrift zur Ehrenbürgerschaft von Gerd Ludwig Lemmer, der die nachfolgenden Texte entnommen sind, enthält auch Fotos vom Remscheider Rathaus, wie es nach dem verheerenden Bombena

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Jens-Peter Nettekoven (CDU MdL) am :

Gerd Ludwig Lemmer, ehemaliger NRW-Landesminister, und Bernhard Worms, ehemaliger Vorsitzender der CDU-Landtagsfraktion, waren gestern zu Gast beim Remscheider Landtagsabgeordneten Jens-Peter Nettekoven in Düsseldorf. „Für mich war es eine Ehre, dass Herr Lemmer und Herr Worms mich besucht haben.“, sagt Jens-Peter Nettekoven. „Wir müssen unsere ehemaligen Funktionsträger besser in die politische Arbeit integrieren, weil man von deren Erfahrungsschatz nur profitieren kann.“ Nettekoven: „Die Einladung war auch ein kleines Dankeschön für die politische Lebensleistung meiner Gäste. Mir hat dieser Tag sehr gefallen. (Pressemitteilung)

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!