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Beim Film mit Ulrich Mühe wurden Erinnerungen wach

Von Klaus Kowakowski

1986 kamen wir auf die Idee, nach Jahrzehnte langem Abgrasen von West- und Mitteleuropa mit dem Wohnwagen zum Plattensee nach Ungarn zu fahren. Wir landeten in der Nähe von Balatonfüred auf einem Campingplatz, der fest in der Hand von DDR-Bürgern war. Arglos suchten wir uns einen Stellplatz aus und hatten schnell den Eindruck, argwöhnisch und distanziert beäugt zu werden. Natürlich nahmen wir uns mit Wohnwagen und Mittelklassewagen unter den DDR-Zeltbewohnern wie Exoten aus. Erst nach Tagen, nachdem uns keine Großkotzigkeit, sondern Normalität abgenommen wurde, kamen erste Gespräche in Gang. Den Wunsch nach Westdeutschen Zeitungen konnten wir mangels Vorrat nicht erfüllen. Wir befreundeten uns mit einem Ehepaar aus Schwerin an. Der Mann war Busfahrer im ÖPNV und seine Frau in einem nicht näher bekannten Kombinat tätig. Bei abendlichen Gesprächen kam von beiden Schwerinern immer wieder der Hinweis auf das doch so gute Leben im Westen, auf Komfort, auf Reisefreiheit, Presse- und Meinungsfreiheit.

Wir hatten Erfahrungen in vierzig Jahre Wohlstandsentwicklung und dem damit verbundenen Verlust an Werten. Daher wiesen wir vorsichtig darauf hin, dass die Situation der Menschen in der DDR beileibe nicht als gut anzusehen sei, dass jedoch Einfachheit zusammenschmiedet und zwischenmenschliche Werte erhält, die im "goldenen" Westen längst von der Oberfläche verschwunden seien. Wir hatten nicht den Eindruck, damit glaubhaft zu wirken. Wir haben uns danach noch gelegentlich geschrieben. Der Kontakt endete mit der Wiedervereinigung.

Gestern lief der Film "Das Leben der Anderen" im Fernsehen. Dieser Film sollte für jeden Menschen in den neuen Bundesländern Pflichtaufgabe sein. Mit 76 Lebensjahren ist mir ein Vergleich zwischen der Nazidiktatur und dem DDR-Sozialismus möglich. Viele Dinge sind erschreckend identisch. Zwischen dem teilweise plump-brutalen Vorgehen der Nazis und dem heimtückisch-subtilen Vorgehen der Stasi besteht – bei gleichem Ergebnis - ein Unterschied: Hier wurden  Menschen geköpft, erhängt oder auf andere Art ermordet, dort wurden sie systematisch psychisch zerstört und so in den gesellschaftlichen und physischen Tod getrieben.

Für die Wiedervereinigung sind viele Opfer gebracht worden. Menschen, die sich in den neuen Bundesländern bis heute gegen unser gemeinsames Vaterland aussprechen, sollten sich zutiefst schämen.

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Kommentare

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Hans Gerd Göbert am :

Lieber Herr Kowakowki, ein sehr bemerkenswerter Leserbrief mit ebenso bemerkenswerten Schlussfolgerungen. Sie meinen aber sicher auch, dass die Menschen in den alten Bundesländern, die bis heute die Wiedereinigung verfluchen, sich offen die Mauer zurück wünschen und jeden Cent bedauern, der von West nach Ost transferiert worden ist, sich ebenfalls zutiefst schämen sollten? Oder? Es sind vielfach die gleichen Personen, die sich vierzig Jahre lang am 17. Juni für eine Wiedervereinigung die Lunge aus dem Hals gebrüllt, Krokodilstränen geweint haben und am Ende stets mit Inbrunst das Deutschlandlied sangen. Und nachts noch schnell beteten: "Lieber Gott, lass es bitte nie zu einer Wiedervereinigung kommen, damit wir nichts von unserem Wochlstand abgeben müssen." Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.

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