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Stadtarchiv hat Interesse an Schilderungen von Zeitzeugen

Heike Hildebrandt.  Foto: Lothar Kaiser

Im Remscheider Rathaus sollte am kommenden Montag die Ausstellung mit Interviews von Zeitzeugen der Zuwanderung zu Ende gehen, die Heike Hildebrandt, Mitarbeiterin des städtischen Migrationsbüros, zur 200-Jahr-Feier der Stadt zusammengestellt hatte. Doch in Anbetracht der Interkulturellen Woche wurde sie bis  28. Oktober verlängert.

Im Frühjahr, bei Vorbesprechungen zum Jubiläumsprogramm, war die Idee geboren worden, „Zugereiste“ zu interviewen. Doch das war leichter gesagt als getan. Denn das städtische Einwohnermeldeamt ist aus Gründen des Datenschutzes auch für städtische Bedienstete keine ergiebige Informationsquelle. So war Heike Hildebrandt denn auf der Suche nach Migrantinnen und Migranten „der ersten Stunde“ auf Firmen, Bekannte, Kommunalpolitiker und Arbeitskollegen angewiesen. Von diesen erhielt sie die Adressen potenzieller Gesprächspartner, schrieb sie an, stellte das Projekt vor und bat um Rückmeldung. Die blieb nur in den wenigsten Fällen aus.

Die eigentliche Arbeit begann aber erst nach der ersten Kontaktaufnahme. Heike Hildebrandt: „Mit jedem der 22 Interviewpartner habe ich mich mehrfach getroffen. Sie haben erzählt, ich habe mir Notizen gemacht und alles später ins Reine geschrieben.“ Vor allem galt es, eine Vertrauensbasis zu schaffen. Ohne die wären vielleicht Fakten zusammen gekommen, aber nicht die Schilderungen persönlicher Empfindungen.

Beim späteren Gegenlesen sei der/die eine oder andere dann schnell darauf gekommen, dass es die eine Sache ist, im Vier-Augen-Gespräch über die eigene Vergangenheit zu berichten, und die andere, dies später auf Plakat wiederzufinden, lesbar für eine breite Öffentlichkeit. Heike Hildebrandt: „Beim Gegenlesen wurde dann hin und wieder eine neue Formulierung gefunden!“

Klicken führt zum 'Zeitstrahl' der AusstellungDer Dokumentation hat das nicht geschadet. Zwischen Februar und Ende August entstand (in etlichen Überstunden) aus den 22 Interviews ein spannendes Kapitel der Remscheider Zuwanderungsgeschichte, das zugleich nachdenklich stimmt. Das erging auch Heike Hildebrandt so: „Mir ist dabei sehr bewusst geworden, dass diese Menschen mit Alltagsproblemen zu kämpfen hatten, die sich die ‚Alteingesessenen’ gar nicht vorstellen können!“

Zur Ausstellungseröffnung waren alle Interviewpartner eingeladen worden. „Und die meisten sind auch gekommen“, erinnert sich Heike Hildebrandt. „Manche kamen an einem Tag sogar mehrfach, immer mit anderen Freunden und Bekannten. Sie waren zu Recht stolz darauf, zu dieser Ausstellung beigetragen zu haben.“ Aufgefallen sei ihr in der Ausstellung auch eine junge Frau aus Wuppertal, die vor jedem Plakat lange Zeit gestanden habe. „Sie hat mir gesagt: Ich komme hier nicht weg; ich muss das einfach lesen!“

Ein interessierter Leser der Berichte war auch Lugi Costanzo (SPD) aus Italien, der Vorsitzende des städtischen Migrationsausschusses. Er gehörte kürzlich zu den „Gastarbeitern der ersten Stunde“, die von Bundeskanzlerin Angela Merkel zu einem Dankeschön nach Berlin eingeladen worden waren. Eine freundliche Geste, die auch der heimischen Wirtschaft gut anstünde, hat sie doch von den im Ausland angeworbenen Arbeitskräften jahrelang profitiert. Und was hindert eigentlich die Gewerkschaften, sich mit dem Thema ebenfalls einmal näher zu befassen …

Inzwischen hat sich bei Heike Hildebrandt das Stadtarchiv gemeldet. Dort überlegt man, die 22 Interviews im Frühjahr zusammen mit Gegenständen aus der damaligen Zeit in eine neue Ausstellung im Historischen Zentrum zu übernehmen. Dann wäre vielleicht auch noch mehr Platz für frühere Zeitungsberichte. Eine Überschrift war Heike Hildebrandt bei der Sicherung des Materials besonders ins Auge gesprungen: „Marokkaner verweigern die Bockwurst“. Eine Schlagzeile, die heute so nicht mehr denkbar sei, ist sich die Mitarbeiterin des Migrationsbüros (fast) sicher.

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Kommentare

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Silke Wessel am :

Eine gelungene Ausstellung, die mir sehr gut gefallen hat, weil es eine gute Mischung aus persönlichen Geschichten und politischen Ereignissen ist. Ich freue mich schon auf die Broschüre.

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