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Großer Andrang heute beim "Markt der Möglichkeiten"

Gedränge auf den Fluren des Rathauses beim 'Markt der Möglichkeiten' des Behindertenbeirats. Fotos: Lothar Kaiser

Dass es auf den Fluren des Remscheider Rathauses Gedränge gibt, ist die absolute Ausnahme. Herbert Güthe, der Vorsitzende des städtischen Behindertenbeirats, war das heute Nachmittag sehr angenehm. Denn genau das hatte er sich gewünscht für den "Markt der Möglichkeiten" und den Festakt aus Anlass des 30-jährigen Bestehens des Beirats. Mehr als 20 Sozial- und Selbsthilfegruppen waren der Einladung des Behindertenbeirats gefolgt und präsentierten sich vor und im Kleinen Sitzungssaal den interessierten Besucherinnen und Besuchern vor Schautafeln und an Tischen voller Informationsmaterial. Und der Geräuschpegel verriet: An Gesprächsstoff mangelte es nicht. Vor dem Großen Sitzungssaal, in dem gegen 15 Uhr die „offiziellen Reden“ gehalten wurde, spielte gekonnt eine Blockflötengruppe, und drei Rollstuhlfahrerinnnen zeigten, wie viel Spaß auch Behinderte an Bewegung zur Musik haben können.

Vor zahlreiche Vertretern der Remscheider Ratsfraktionen, der Verwaltung sowie Sozial- und Behindertenorganisationen betonte während des Festakts Oberbürgermeisterin Beate Wilding, es sei zu einem guten Teil auch das Verdienst des Behindertenbeirats unter dem Vorsitz von Herbert Güthe, „wenn heute in Remscheid vielfältige Aktivitäten stattfinden, um die Öffentlichkeit für die Belange von Behinderten zu sensibilisieren und dazu beizutragen, Diskriminierungen abzubauen“. Es zeige sich leider immer wieder, dass Nicht-Behinderte zu wenig wüssten über Menschen mit Behinderungen. Deshalb seien sie im Umgang mit Behinderten oft unsicher oder befangen. „Manche sehen einfach weg, andere sind überfürsorglich; und nur den wenigsten gelingt auf Anhieb ein ungezwungenes Verhalten.“ Behinderte würden meist über ihre Defizite definiert, während ihre Fähigkeiten und Fertigkeiten kaum Beachtung fänden.

Herbert Güthe, der Vorsitzende des Remscheider Behindertenbeirats. Foto: Lothar KaiserWilding erinnerte daran, dass in Deutschland rund zehn Millionen Menschen mehr oder minder schwer behindert seien, etwa ein Achtel der Bevölkerung, einige von Geburt, die Mehrheit als Folge einer Erkrankung oder eines Unfalls. „Das heißt, es kann jeden von uns treffen!“ In Dänemark und Großbritannien würden Menschen mit Behinderung als „als Personen mit besonderen Bedürfnissen“ oder „einem besonderen Bedarf“ bezeichnet. Darin klängen bereits Lösungsansätze an, fuhr die OB fort. „Denken wir nur an die Bemühungen um behindertengerechte Wohnungen und öffentliche Gebäude, um behindertengerechte Verkehrsmittel und Straßenanlagen sowie um veränderte Sichtweisen.“ Barrieren im Kopf ließen sich aber nur überwinden, wenn sie als solche erkannt würden und die Menschen bereit seien, sich auf neue Erfahrungen einzulassen.

Geesken Wörmann aus Soest, Vorsitzende des Landesbehindertenrates, bescheinigte den Mitgliedern des Behindertenbeirats, sie könnten stolz sein auf drei Jahrzehnte erfolgreiche ehrenamtliche Arbeit in der Behinderten-Selbsthilfe: „1979 gehörte Remscheid mit zu den ersten Kommunen, die einen Beirat einrichteten. Damals gab es ihnen gegenüber noch viel Skepsis. Das Denken war zwar von einer gut gemeinten, aber doch  bevormundenden Fürsorge geprägt.“ Und auch heute noch müssten manche Kommunalpolitikerinnen und -politiker und auch Vertreter der Verwaltung von der Sinnhaftigkeit eines Behindertenbeirates überzeugt werden. Aber die Erkenntnis wachse, dass Kommunen, von Behinderten, den „Experten in eigener Sache“, hilfreiche und wichtige Hinweise bekommen und so kostspielige Fehlplanungen vermeiden könnten, etwa im Hinblick auf die Barrierefreiheit in ihrer Gemeinde. Inzwischen gebe es in NRW rund 70 Behindertenbeiräte oder kommunale Arbeitsgemeinschaften von Behinderten. „Eine positive Entwicklung!“

Die Landesbehindertenbeauftragte Angelika Gemkow forderte in ihrer Rede den verstärkten Abbau von Barrieren: „Weg mit Stolperfallen in 2009, weg mit Stufen, Treffen und anderen baulichen Hindernissen. Da wo Steuermittel aus Konjunkturprogrammen fließen, müssen auch bauliche Hürden für Menschen verringert werden. Radikaler Barriereabbau und radikaler Klimaschutz gehören zusammen!“ Und da gebe es angesichts der Tatsache, dass 78 Prozent aller Wohnungen nicht barrierefrei seien, noch viel zu tun. Schließlich garantiere das Behindertengleichstellungsgesetz den Menschen mehr Lebensqualität und Teilhabe; es müsse in 2009 entschlossen umgesetzt werden. Gemkow: „Wenn Fehler bekannt werden, werde ich mein Recht auf Akteneinsicht nutzen!“ In diesem Zusammenhang regte die Landesbehindertenbeauftragte Qualifizierungsmaßnahmen an „für die Akteure im Planungs- und Baubereich“.

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