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Ungereimtheiten machen eine Beurteilung unmöglich

Von Ulrike Kern

Mittwochabend fand im Rahmen der frühzeitigen Öffentlichkeitsbeteiligung die Vorstellung des „Bebauungsplans 605 („Gebiet Albrecht-Thaer Straße / Luchsweg“) in der gut gefüllten Aula der Freiherr-vom-Stein-Schule statt. Das geplante Bauvorhaben auf einer östlich an den Evangelischen Friedhof grenzenden Grünfläche ist seit seinem Bekanntwerden in Lennep äußerst umstritten. Nicht nur die direkten Anwohner befürchten die Zerstörung eines der letzten stadtnahen Biotope im Ort. Die Evangelische Kirchengemeinde als Eigentümerin des rund 1,25 Hektar großen Grundstückes, das in der Vergangenheit als Erweiterungsfläche des Friedhofes geplant war, möchte dort unter anderem Neubauten für betreutes Wohnen errichten.

Nach der Präsentation der drei vom Stadtplanungsamt erarbeiteten Planungsvarianten stellte sich in der Diskussion schnell heraus, dass nur die Variante 1 von der Evangelischen Kirche und dem Bauamt favorisiert wird. Nur in dieser Variante sollen die Gebäude fast ausschließlich für betreutes Wohnen genutzt werden. Dieses Thema wurde sachlich, aber kontrovers diskutiert. Die meisten Anwesenden vermieden die Zuspitzung der Diskussion auf die Frage „alte Menschen oder Feldhasen“. Auch die Anwohner der Brehmstraße und des Luchsweges betonten in der Diskussion, dass sie den Bau von Wohnungen für betreutes Wohnen unterstützten – allerdings an einer weniger fragilen Stelle in Lennep. In vielen Fragen über die Planungsdetails äußerten Anwohner immer wieder massive Bedenken. Die Beantwortung der Fragen über die geplante Bebauung und die dazu gehörenden Straßenbau-Maßnahmen übernahmen Planungsamtsleiter Quadflieg und seine Mitarbeiterin Strüwe-Rosenbaum.

Zu Beginn der Diskussion gab Norbert Krienen als Sprecher der Initiative gegen die Friedhofsbebebauung bekannt, dass bis Mitte Januar bereits mehr als 800 Bürger mit ihrer Unterschrift gegen die Bebauung und damit die Zerstörung des stadtnahen Biotops protestiert hätten. Die zur Bebauung vorgesehene Fläche ist neben dem Hardtpark die letzte größere und von zahlreichen geschützten Tierarten genutzte Grünfläche in Lennep. Die von ihm vorgetragenen Argumente der Initiative: Eine Bebauung auch eines Teilbereichs des Friedhofes widerspreche u.a. den Zielsetzungen des neuen Flächennutzungsplans, wonach Friedhöfe trotz der rückläufigen Bevölkerungsentwicklung in ihrem Bestand zu sichern und zu erhalten seien. Auch wenn die Kirchengemeinde glaube, diesen als Friedhofsfläche ausgewiesenen Teil nicht zu benötigen, sei dies zu kurzfristig gedacht, denn ein Friedhof stelle eine Einrichtung für mehrere Generationen dar. Werde diese Fläche jetzt bebaut, werde den Lennepern endgültig die Möglichkeit genommen, bei Bedarf einen stadtnahen Friedhof zu erweitern.

Norbert Krienen erwähnte auch, ihm sei berichtet worden, dass vor nicht allzu langer Zeit die Evangelische Kirchengemeinde einen Verkauf von Grünland in Hackenberg mit dem Argument abgelehnt habe, das Gelände werde wohl einmal für Friedhofszwecke benötigt werden. Wesentliches Argument gegen eine Bebauung sei aber die Qualifizierung des Grundstückes als Stadtbiotop. Diese Fläche ist im Stadtökologischen Fachbeitrag 2006 als Stadtbiotop eingetragen.  Eine Bebauung würde die Biotopfläche des Friedhofs stark verkleinern und den Bestand von geschützten Tierarten gefährden. Im weiteren Verlauf der Diskussion betonte die Initiative mehrfach, dass es keinesfalls gegen das Projekt „Betreutes Wohnen“ gehe, sondern eine weitere Flächenversiegelung vermieden werden soll.

Peter Kolfertz, Anwohner der Brehmstraße, verwies auf das integrierte Stadtentwicklungskonzept von 2008, das im Februar vom Rat verabschiedet werden soll. Der Bedarf an Wohnungen für „Betreutes Wohnen“ könnte demnach auch durch Umbau und Umnutzung bestehender Objekte oder aber durch Neubau auf bereits versiegelten oder baulich veränderten Flächen gedeckt werden. Aus dem Publikum wurde dazu angemerkt, dass doch der Kirmesplatz in Lennep dafür hervorragend geeignet sei. Zu den von der Stadtverwaltung vorgestellten drei Planungsvarianten bemerkte Uwe Wiegand, dass es sinnvoll wäre, erst die Ergebnisse der in Auftrag gegeben Gutachten abzuwarten, bevor man sich ernsthaft Gedanken über die Planung mache. Denn es sei schließlich noch nicht klar, ob auf der Biotopfläche überhaupt gebaut werden dürfe.

Die Anwohner kritisierten in der Diskussion, dass in den städtischen Plänen ein wesentlicher Höhenschnitt fehle und auch das mittlerweile eingeholte Beschattungsgutachten nicht die geplante reine Wohnbebauung parallel zum Luchsweg berücksichtige. Ferner sei ein schon vor Jahren gebautes Haus am Luchsweg in keiner Planung erfasst und berücksichtigt worden. Es gibt noch viele unbefriedigende Ungereimtheiten, die nach Ansicht der Initiative eine Beurteilung unmöglich machen. Beispiel: In den Plänen zu Variante 1 ist eine zweigeschossige Bebauung mit einem maximalen Dachwinkel von 38 Grad festgelegt. In den Plänen und den Querschnittzeichnungen des Hanggeländes wird aber ein Zeltdach mit eine geringeren Dachneigung dargestellt.

Peter Kolfertz stellte dar, wie vielerorts in Remscheid zweigeschossige Bebauung aussieht: Tiefgarage, Souterrain, dann die beiden „offiziellen“ Geschosse, dann ein ausgebautes Dachgeschoss und so weiter. Er befürchtet, dass – selbst wenn nur eine zweigeschossige Bauweise im Bebauungsplan auswiesen wird – eine ähnliche, städtebaulich unvertretbare Bauweise später baurechtlich möglich sein könnte, auch wenn die Kirchengemeinde dies derzeit nicht wünsche. Auf die Anmerkung von Ulrike Kern, Anwohnerin der Brehmstraße, dass statt der 38-Grad-Dachwinkel ein Zeltdach dargestellt ist, meinte Frau Strüwe-Rosenbaum, dass dort trotzdem nur ein Zeltdach und eine ganz normale zweigeschossige Bebauung mit acht Metern Firsthöhe vorgesehen sei. Auch die von der Initiative kritisierte noch fehlende Vermaßung im Querschnitt (in der vom Planungsamt zu der Veranstaltung gereichten Broschüre angegeben mit „o. M.“ = ohne Maße) soll noch nachgereicht werden. Das sagten die Stadtplaner zu.

Ein weiterer Kritikpunkt der Initiative bezieht sich auf fehlerhafte Angaben in der städtischen Broschüre: Für die Variante 1 werde fälschlich von „70 bis 75 Wohneinheiten“ ausgegangen. In der Veranstaltung stellte das planende Architekturbüro Edelhoff und Reska klar, dass es korrekt „70 bis 75 Personen“ heißen müsse Die Initiative bedauerte in einer abschließenden Bewertung der Diskussion, dass die anwesenden Politiker keine Stellung bezogen hätten. Ob dort gebaut werde, sei eine Entscheidung, die von den politischen Gremien getroffen werde.

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Waterbölles am : 833 Unterschriften für den Erhalt der Friedhofsfläche

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