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Zeitzeugen-Projekt des Migrationsbüros wird fortgesetzt

Zu Kaffee und Kuchen trafen sich heute Nachmittag die Teilnehmer des Zeitzeugen- Projektes des städtischen Migrationsbüros im Werkzeugmuseum. Foto: Lothar Kaiser

In gewisser Weise sind auch jene Remscheider Bürger/innen Migranten, die nach dem Krieg meist unfreiwillig aus den früheren deutschen Ostgebieten ins Bergische kamen. Johanna Schleicher (72) aus Wilkanów (einst Wölfelsdorf) im heutigen Polen, die als Zehnjährige mit ihren Eltern aus Schlesien flüchten musste, versteht sich in erster Linie jedoch als Vertriebene. Davon erzählte sie heute Nachmittag im Deutschen Werkzeugmuseum, wohin sie von Oberbürgermeisterin Beate Wilding gemeinsam mit den übrigen Teilnehmern am „Zeitzeugen-Projekt“ des städtischen Migrationsausschusses eingeladen worden war. Als Dankeschön dafür, dass sie für die von Heike Hildebrandt geführten Interviews zu ihrer Lebensgeschichte so viel Zeit geopfert hatten. Die Ausstellung mit den Schilderungen dieser „Zeitzeugen der Zuwanderung“, die die Mitarbeiterin des städtischen Migrationsbüros zur 200-Jahr-Feier der Stadt in einer Ausstellung zusammengestellt hatte, habe sie sehr beeindruckt, betonte Wilding. Vor allem der Kernsatz „Wir sind Remscheider." Selten habe sie im Rathaus so viel Zulauf erlebt wie zu Zeiten dieser Ausstellung. „Ihre Lebensgeschichte ist Teil der Geschichte dieser Stadt“, attestierte die Oberbürgermeisterin ihren Gästen, von denen einige das Werkzeugmuseum zum ersten Mal von innen sahen.

Remscheid sei mit seinem Bürgern aus 101 Nationen eine weltoffene Stadt, betonte Beate Wilding. Menschen aus anderen Kulturen empfinde sie als Bereicherung, zum Beispiel ihre Spontaneität und Herzenswärme: „Da können wir uns von manchen noch etwas abgucken!“. Wichtiger als Herkunft und Nationalität sei jedoch die Persönlichkeit jedes Einzelnen. „Und dass er sich in die Gemeinschaft der Bürger einfügt!“ In ihrer Schulzeit sei es „das Ereignis“ gewesen, als ein kleiner Italiener als erster Ausländer in ihre Klasse gekommen sei. Den habe sie bis heute nicht aus den Augen verloren.

Museumsleiter Urs Diederichs bekannte, anfangs vor dem Ausstellungsprojekt gewarnt zu haben: Das werde niemals gelingen. „Nun bin ich von dem grandiosen Ergebnis überrascht!“ Er nutzte heute die Gelegenheit, auf fremdsprachliche Führungen aufmerksam zu machen, mit denen er in diesem Jahr beginnen will – „einmal im Monat, angefangen wird mit Polnisch“. Da freue er sich über jeden, der sich für diese Führungen ehrenamtlich als Dolmetscher zur Verfügung stelle (Tel. 162519). In anderer Form möchte Diedrichs gerne die „Zeitzeugen“-Ausstellung übernehmen: „Wir würden gerne Gegenstände von früher zeigen, mit denen die Migranten ein Stück Heimat verbinden und die eine Geschichte erzählen können."

Derweil sammelt Heike Hildebrandt (Tel. 163602) weitere Lebensgeschichten. Etwa die eines früheren BARMAG-Mitarbeiters, der mit seiner taiwanesischen Frau zunächst in Lennep lebte und heute in Taipeh. Hildebrandt: „Sie war Migrantin in Deutschland; er ist es heute in Taiwan!“ Auch einige Griechen seien inzwischen gefunden, die zu Interviews bereit seien, leider noch kein Marokkaner, dafür aber eine Remscheiderin, die 28 Jahre lang in Marokko lebte. Es freue sie, dass die Ausstellung so gut angekommen sei, sagte Hildebrandt. „Es war viel Arbeit, aber sie hat Spaß gemacht, und ich mache gerne weiter!“ Junge Leute hätten ihr verraten, die Berichte über die früheren Sorgen, Nöte und freudigen Ereignisse seien für sie teilweise eine Art Ahnenforschung. Beate Wilding: „Es würde mich freuen, wenn es gelänge, das Projekt fortzusetzen.“ Und das wünschte sich auch Luigi Costanzo, der Vorsitzende des städtischen Migrationsausschuss. Der gebürtige Italiener kam 1963 nach Remscheid: „Damals hausten die Gastarbeiter meist noch in Baracken; ihre Frauen und Kinder holten sie erst später nach.“ (Sämtliche bisher veröffentlichten Zeitzeugen-Berichte wurden vom Waterbölles dokumentiert)

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Chronist am :

In der Reihe "Abends im Archiv" wird das Historische Zentrum zukünftig in lockerer Folge interessante Forschungsergebnisse mit lokalem Bezug vorstellen. Den Anfang macht am Dienstag, 27. Januar, um 19 Uhr der Historiker Dr. Severin Gawlitta mit einem Vortrag zum Thema "Integration von Flüchtlingen und Heimatvertriebenen in Remscheid in den Jahren 1945 bis 1963". Er hat eine Vielzahl von Fakten zutage gefördert, die bisher wenig oder gar nicht bekannt waren. Denn die zerbombte Stadt stand damals vor heute kaum vorstellbaren Herausforderungen: Es galt nicht nur, Remscheid in seiner bisherigen Größe wieder aufzubauen, sondern auch, Wohnraum und Arbeitsplätze für die vielen Heimatvertriebenen und Flüchtlinge zu schaffen, denen man hier eine neue Heimat geben mußte. Interessant nicht nur für die Betroffenen von damals, sondern vor allem auch für diejenigen, die die erste Nachkriegszeit nur aus dem Geschichtsbuch kennen.

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