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Politik verantwortet ein zu billig gehaltenes Bildungssystem

Von Gerda Spaan, Vorsitzende des Vereins „Die Verlässliche“ e.V.

„Deutschkurse ohne Nutzen“ titelte die Süddeutschen Zeitung. Berichtet wurde über eine Studie der Landesstiftung Baden-Württemberg. Die Professoren Jeanette Roos und Hermann Schöler hatten mehrere Jahre lang 500 Jungen und Mädchen beobachtet, von denen die einen in Kindergärten eine spezielle Sprachförderung erhalten hatten, andere – mit ähnlichen Sprachdefiziten – dagegen nicht. Ergebnis der Studie: Beide Gruppen konnten den Vorsprung der Kinder mit besserem Deutsch nicht aufholen – auch nach zwei Schuljahren noch nicht. Der Grund: Die Kinder seien in den Kursen kaum zum Sprechen gekommen. Roos: „Sie hätten besser in dieser Zeit gespielt!“

Sollte diese Untersuchung Allgemeingültigkeit haben, bräuchten gerade wir in Remscheid noch gestern mehr und hochqualifiziertes Personal in unseren schulischen und vorschulischen  Einrichtungen. Remscheid – als kleinste Großstadt mit dem zweithöchsten Anteil an Einwohnern mit Migrationshintergrund in NRW - droht in seiner desaströsen Finanzlage ansonsten auch hier seine Zukunft zu verspielen und ins Aus zu geraten. Dass unsere Grundschulen und KiTas hervorragende Arbeit leisten - im Rahmen ihrer Möglichkeiten - ist unbestritten. Hier wird mit sehr großem Einsatz der Beteiligten noch viel Schlimmeres seit Jahren verhindert. Doch zu verantworten hat diesen Zustand die Politik, die  seit Jahren ein viel zu billig gehaltenes Bildungssystem einfordert - auf dem Rücken von Erziehern, Lehrern und letztendlich dann auch von betroffenen Kindern und deren Familien. Wenn das erste Mittel ist, die Sprache im Alltag über Deutschsprechen zu lernen, verbietet sich aber vor allem auch jegliche Ghettoisierung der Kinder in KiTas, Schulen und Wohnbereichen. Dieses Riesenproblem zu lösen kann auch keinesfalls Sache der Kommune sein. Hier geht es um eine neue Bildungspolitik, die richtig Geld kosten darf, und eine Förderpolitik für ghettoisierte Stadtteile. Und da ist ganz eindeutig das Land gefragt. In jeglicher Beziehung.

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Kommentare

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Michael Dickel am :

Solche Pauschalangriffe gegen "die Politik" hätte ich von der Vorsitzenden des Vereins nicht erwartet. Was ist denn "die Politik"? Sind es nicht wir alle, die ja jederzeit aktiv politisch tätig werden könnten, zumindest aber alle paar Jahre "Politik" machen, indem wir wählen gehen und ein Kreuz machen? Ich nehme an - auch Sie, Frau Spaan. Und zumindest viele der Leser dieses Blocks sind auch Steuerzahler. Ist es nicht komisch, dass man niemanden hört, der sagt: "Ich möchte mehr Steuern zahlen". Selbstverständlich kann man sich über die Mittelverwendung der Steuern streiten - aber Verantwortung tragen wir alle. Und da Sie selbst den zweithöchsten Anteil an Migranten angesprochen haben: Wie wäre es, wenn die hauptsächlich türkischen Migrantenkinder mit Ihren Eltern nur noch Deutsch sprechen dürften und das Kinderprogramm der türkischen Fernsehsender ab sofort im Zweikanalton auch in Deutsch überträgt? Das wäre einmal ein technisches Problem und das andere eine Verordnung, die eigentlich eine Pflicht sein muss für Eltern, die Ihre Kinder nicht die Zukunft in Deutschland verbauen wollen. Beides würde wenig kosten - gehen Sie in die Politik und fordern beides. Von dem Moment an, wo Sie in einem, wenn auch nur kommunalen Amt als Mandatsträger sind, werden Sie schnell merken, wie ungerecht Ihr Vorwurf an "die Politik" ist.

Julian Spaan am :

Da schallte der Schrei der Empörung im Raum, kribbelte in den Fingern und drang über die Tastatur bis ins Forum. Sie, Herr Dickel, sagen, solch eine Kritik sei falsch angebracht, und man könne sich lediglich über die Mittelverwendung streiten - nichts anderes ist gefordert. Keine Zeile des Kommentars von Frau Spaan fordert eine Steuererhöhung, die eine neue Bildungspolitik finanzieren soll - ich bitte daher um mehr Reflektiertheit. Zeigen Sie mir bitte ein Wahlergebnis, das die Stärke einer Partei spiegelt, am besten in Sitzen bzw. Stimmrechten, die Mittel zu Gunsten der Bildung umschichten will. Unsere Demokratie ist repräsentativ und nicht direkt. Und dann dieser, Sie entschuldigen, infantile Vorschlag, das Türkischsprechen zu verbieten. Damit man bis zur Ausgangssperre keine verbale Unzucht treibt? Da trabte der Clown, die Ironie im Gesicht wohl auf die Bühne...dynamisch, bis er bemerkte, er spielte ein Drama!Zudem sollte Ihnen im Laufe Ihres Lebens bewusst geworden sein, dass sich unsere Kultur in Sprache manifestiert, in ihr fließt und sich entwickelt und ausdrückt. Ich wäre meiner Sorgen leichter, wenn Sie das Vermögen besäßen, kulturelle Bereicherung in Sprache zu finden. Die Wut verflogen, muss ich sagen, das es wirklich eher traurig ist, wie schnell Leute Dinge auf sich beziehen. Glauben, sich rechtfertigen zu müssen, und in die Defensive gehen. Sie als Politiker, Herr Dickel, sollten auf Reaktionen ihrer vermeintlichen Wählerschaft anders reagieren können.

Michael Dickel am :

Lieber Herr Spaan, Ihre literarische Ausdrucksweise ist absolut hochwertig, und man sieht, welche Kraft in der Sprache steckt. Doch kann in noch so schönen Worten auch viel Falsches verpackt sein. Ich bin seit 2004 weder Mitglied einer Partei oder einer anderen politischen Vereinigung, noch übe ich ein politisches Mandat aus. Ich war von 1999 bis 2004 Mitglied der W.i.R. und als Fraktionsvorsitzender im Rat der Stadt Remscheid. Kommunalpolitik ist mir daher nicht fremd, und ich kenne das Gefühl dieser Sippenhaftung seit meinem ersten Informationsstand auf der Alleestrasse. Sätze wie: "Ihr seid doch auch nicht anders" oder "Sch... Politiker" sind mir aus dieser Erfahrung vom ersten Tag nach meinem Leben als Bürger geläufig. Und daher ist mir jedes Pauschalurteil über Politiker zuwider. Natürlich habe ich ebenso Erfahrung mit unserem Bildungssystem - sowohl eigene, wie auch durch meine beiden Kinder. Und gerade wegen dieser bin ich auch politisch tätig geworden, weil auch ich diese Mißstände als unzumutbar erkannt habe. Ich habe aber die bittere Erfahrung machen müssen, dass die Politik zwar viel reden, aber nur wenig bewirken kann. Dieser allgemeine Ruf nach dem Staat, er möge sich kümmern, ist meiner Meinung nach nichts anderes als ein Wegschieben der Verantwortung. Getreu dem Motto: Mach Du - ich zahl. Leider sind die Zahl derer, die Leistungen empfangen wollen und damit die Höhe der zu zahlenden Beträge in allen Bereichen unseres Lebens nicht mehr mit den Einnahmen des Staates im Einklang. Auch wenn jedes Jahr ein neuer Rekord an Steuereinnahmen erzielt wird, so ist es in allen Bereichen zu wenig. Und daher ist es meine Meinung, dass man sich über die Mittelverwendung politisch auseinandersetzen kann, und ich bin auch sehr dafür, dass der Staat prozentual mehr für jeden Schüler ausgibt. Gerade heute lesen wir, dass pro Schüler 4900 Euro im Jahr gezahlt werden, aber der Prozentsatz der Belastung seit 1995 von 4,1 % auf 3,9 % gesunken ist. Das ist sicher der falsche Weg. Und gerade angesichts von Millarden, die in dubiose Banken gesteckt werden, ballt man die Faust in der Tasche. Aber ich behaupte, dass dies jedem Politiker auch so geht. Und daher wehre ich mich gegen das Pauschalurteil, die Politik trage alleine die Verantwortung. Ich behaupte auch nicht, Frau Spaan fordere eine Steuererhöhung. Doch ohne diese wird nicht mehr Geld in die Schulen fliessen. Es sei denn, wir alle kommen unserer Verantwortung selbst nach und übernehmen die Finanzierung. Die gilt im Übrigen nicht nur für die Bildungseinrichtungen - ich könnte dieses Beispiel auch für eine Straße nennen. Wir alle ärgern uns über den schlechten Zustand und fordern Besserung. Wir zahlen doch schließlich genug Steuern. Wenn der Staat für jeden Schüler 4900 Euro Steuergelder aufwendet haben Sie ja mal einen Anhaltspunkt und können dies mit Ihrer Steuerlast aufrechnen. Und dann können Sie ja dem Förderverein einer Schule beitreten, um die finanziellen Mittel der Schule aufzubessern. Diese Ausgaben werden dann jedoch höchstwahrscheinlich Ihre Einkommenssteuerlast schmälern, da Sie diese bei der Einkommensteuererklärung absetzen werden. Habe ich behauptet, dass ich das Türkischsprechen verbieten will? Nein - ich habe lediglich meine Vorschläge gemacht, die das Sprachdefizit der Migrantenkinder mindern könnten. Mir ist es so egal, welche Sprache jemand spricht - er kann dies selbstverständlich gerne pflegen. Aber man sollte die Sprache des Landes, in dem man lebt,möglichst gut beherrschen. Dies dem Staat zu überlassen ist verantwortungslos, aber leider gängige Einstellung. Und auch wenn es Ihre Sorgen jetzt noch vergrößert. Nein, ich möchte meinen kulturellen Horizont nicht erweitern, indem ich Türkisch lerne. Zur Zeit fange ich mit Französisch an - das reicht mir für's erste.

Julian Spaan am :

Ich bin auch noch nicht soweit gegangen, Türkisch zu lernen. Allerdings versuche ich die positiven Dingeim jetzigen Zustand zu sehen. Was mich etwas stutzig macht: Es passt nicht, zu sagen, "die Politik kann zwar viel sagen, aber wenig bewirken" und sich zeitgleich gegen eine Pauschalkritik zu wehren. Sollte Politik wirklich mit Handlungsunfähigkeit oder Eingeschränktheit einhergehen, wäre eine Pauschalkritik gerade angebracht. Ich glaube jedoch nicht, dass unsere Politik so festgefahren ist. Zudem muss man sagen, dass meine Mutter bereits sehr viel Verantwortung in eigene Hände nimmt - die Ausarbeitung dieser können wir außen vor lassen - und gerade somit in der Position ist, auch von "der Politik" fordern zu können. Mit Politik ist ja auch nicht immer die Politik als solche gemeint, diese ist leer und frei gestaltbar. Sondern politische Manöver bestimmter Parteien und Parteianghöriger. Die bloße Summe, die pro Schüler ausgegeben wird, sagt an sich ja auch noch nichts darüber, ob dies viel oder wenig ist. Mann muss dies erst in internationale Verhältnisse setzen. Und sieht es leider nicht so gut aus: "Hilfreich dazu sind internationale Vergleiche, etwa die zu Bildungsausgaben in den Ländern der OECD", "(...) Deutschland mit 5,3% des Bruttoinlandproduktes knapp unter dem OECD-Mittel (5,6%). (...) Andere Länder geben vergleichsweise sehr viel mehr aus, insbesondere die Schweiz, USA, Norwegen, Dänemark, Österreich und Schweden." So die Fakten. Man sollte hinzufügen, dass das Bildungssystem in den USA an Stellen auch ziemlich marode ist. Dies spricht allerdings dafür, die getätigten Ausgaben nicht einfach zu erhöhen, sondern über eine effektivere Verwendung der MIttel nachzudenken. Dies scheint nicht immer der Fall zu sein. Zwei Beispiele hier: Nur wenige Universitäten wissen momentan ihre Mittel, die durch die Studienbeiträge geringfügig gewachsen sind, effektiv unterzubringen. Wie kann es beispielsweise sein, dass an der Fachhochschule für Soziales und Pädagogik in Bochum neine Flachbildfernseher hängen, die anzeigen, wann welcher Kurs wo stattfindet (als ob das gute alte schwarze Brett nicht gereicht hätte) und zeitgleich Lehrbücher in den Regalen stehen, die teilweise sogar die Vereinigung noch miterlebt haben. Desweiteren würde eine Beteiligung in einem Förderverein einer Schule meine Einkommenslast nicht wirklich schmälern. Durch die Beteiligung entstehen Kosten, von diesen ich einen Teil absetzen kann. Bitte, verstehen Sie doch meine Antwort nicht als persönlichen Angriff. Es geht mir nur darum, dass eine effektivere Gestaltung von Bildungsplänen wirklich an der Zeit wäre. Jede noch so harsch ausformulierte Kritik fügt sich um einen Kern herum. Nur um diesen geht es. Ob ich nun kritisch und ein wenig bildlich formuliere, ob versuche Wut auszudrücken oder ob ich versuche auf kalten Fakten aufzubauen - der Kern ist der gleiche und diesen habe ich ja bereits oben schon benannt. Warum habe ich die "freche" Formulierung gewählt? Weil Sprache schön ist und bestimmte Satz- und Wortspiele meiner Meinung nach zum Lesen animieren können.

Peter Matzner am :

Wir bieten vieles an, um den Migranten die Migration zu erleichtern. Warum entwickeln wir aber nicht das Verständnis für eine ganz einfache und normale Forderung? Wenn Du in Deutschland leben willst, dann muß Du deutsch sprechen, lesen und schreiben können. Deutsch ist ist die Landessprache. Wie wird denn die Integration in anderen Einwanderungsländern in diesem Fall gelöst? Ich nenne da die Schweiz oder die U.S.A. Kann mir und anderen dies einer der erlauchten Leser erklären?

Gökhan Aydin am :

Ich finde, man sollte sich nicht mit anderen Ländern wie (z. B. Amerika oder der Schweiz) vergleichen. Aber wenn man dies tut, dann wird sich die Lage nicht ,,verbessern" sondern konstant bleiben oder ,,verschlechtern". Ausserdem spielt das soziale Umfeld auch eine große Rolle. Mann kann nicht einfach sagen ,,hier ist Deutschland, ihr müsst Deutsch lernen",schon alleine das führt es zu Abgrenzung der Ausländer von Deutschen. Die Kultur ist auch verantwortlich für die Integration. Die türkischen Jugendlichen haben es schwerer mit zwei unterschiedlichen Kulturen umzugehen, alleine das ist schon eine Herausforderung. Dabei müssen se in der Schule erfolgreich sein und die Sprache gut beherrschen. Wir sollten die Probleme in unseren eingegrenzten Umfeld lösen und nicht mit denen in anderen Ländern vergleichen.

Michael Dickel am :

Völlig einverstanden - ich ziehe sowieso meinen Hut vor jedem, der den Entschluss fast, seine Heimat zu verlassen und sein Glück in einem anderen Land zu suchen. Es ist sicher einfacher, wenn man aus einem sogenannten westlichen Land in ein anderes westliches auswandert. Wir sehen ja zur Zeit in vielen Sendungen Beispiele deutscher Familien, die ihr Glück im Ausland suchen. Auch da schlage ich oft die Hände über dem Kopf zusammen, was sich manche Menschen denken. Aber um eine Kultur zu verstehen, muss man zuerst ihre Sprache sprechen. Hat es nicht bei "unseren" Problemen eher etwas mit dem Glauben als mit der Kultur zu tun? Die Kinder, von denen wir sprechen, werden in Deutschland geboren, der Koran verbietet aber eigentlich jede Übersetzung und kann daher nicht in Deutsch gelehrt werden. Also müssen die Kinder zuerst die Sprache des Korans lernen - meinen viele Eltern. Und diesen Satz habe ich selbst wörtlich auf einer frühen Klassenkonferenz von einer türkischen Mutter, bzw. in Übersetzung durch ihre ältere Tochter gehört: Für das Deutschlernen ist doch die Schule da. Und auf einen Einwand der Lehrerin, dass es aber Probleme gibt, wenn das Kind außerhalb der Schule nur Türkisch spricht, kam dann die Entgegnung, diesmal von der Mutter:"Nazi".

Julian Spaan am :

Ich muss einigem wirklich zustimmen. In Remscheid ist leider auch städtplanerisch etwas ein wenig schief gelaufen. Es gibt Stadtteile, in denen fast ausschließlich Deutsche mit Migrationshintergrund leben. Somit wird doch eine Parallelgesellschaft geboten, in der die Möglichkeit besteht, bis zu einem bestimmten Punkt nicht Deutsch sprechen zu müssen und trotzdem klar zu kommen. Sobald es aber an Dinge wie Schule, Beruf oder Politik geht, ist dieser Punkt meist überschritten. Man kann sich in Sachen Integration nur sehr beschränkt mit anderen Ländern vergleichen. Das liegt daran, dass die Umstände hier ganz anders sind. Hier gibt es viel mehr Menschen, die aus einem anderen Land stammen, als beispielsweise in der Schweiz - diese ist, da sie ja nicht zur EU gehört, nochmals ein Sonderfall. Die Situaiton in Deutschland ist so, da man vor ca. 60 Jahren einen riesigen Bedarf an Arbeitskräften zum Wiederaufbau nach dem Weltkrieg brauchte. Man kann sich evtl. mit Frankreich vergleichen. Und da sieht man ja in Paris recht anschaulich, was passiert, wenn Integration, Arbeitsmarktpolitik und Bildungspolitik nicht Hand in Hand gehen. Ach so, und wenn deutsch Sprechen, Lesen und Schreiben als Voraussetzung gilt, hier leben zu dürfen, müsste man tausende Deutsche abschieben. Nicht einmal deutsche Kinder, deren Eltern auch Deutsche sind, und die bereits volljährig sind, beherrschen die deutsche Sprache. Gleichzeitig ist es mehr als mutig, in ein Land zu ziehen, dessen Sprache man nicht einmal ansatzweise beherrscht. Das halte ich für nicht besonders sinnvoll. Mangelnde Motivation kann man Jugendlichen mit Migrationshintergrund vorwerfen, die bereits in der zweiten Generation hier leben. Wenn die Eltern bereits in Deutschland geboren wurden und deren Kinder nicht einmal die Sprache beherrschen, ist das für die Zukunft der Kinder eindeutig von Nachteil. Doch es ist nie ein Entweder-Oder. Schwarz-Weiß-Malerei hilft nicht. Das ist schließlich ein Prozess, der nicht von einer Seite allein erfolgreich beendet werden kann.

Christoph Humpert am :

Erstens: Aufbau von verbindlichen Sprachförderung-Standards für die Erzieher. Zweitens: Die Erzieherausbildung sollte eine Fachhochschulausbildung werden. Jedenfalls verstehe ich nicht, weshalb inzwischen jeder Steifenpolizist Akademiker ist, und bei der Förderung unseres Humankapital ist das nicht notwendig. Fazit: Der Kindergarten muss von einer reinen Spielstätte zu einer Einrichtung werden, wo noch überwiegend gespielt wird, aber gezielt Sprach- und Mathematikförderung nach verbindlichen Standards betrieben wird. Der Förderungsleistung können die "klassischen" Erzieher nicht nachkommen, weshalb die Ausbildung von Erziehern reformiert werden muss.

Klaus Konkel am :

Sehr geehrter Herr Humpert, gibt es eigentlich ein Themengebiet, auf dem Sie sich nicht berufen fühlen, Ihren Senf auf Würste zu geben, die Sie gar nicht essen können? Was bitte wissen Sie über den Beruf des Erziehers, oder genauer gefragt, haben Sie je Erfahrungen sammeln können - in Bezug auf Kinder und Jugendarbeit? Im weiteren gefragt: Hatten Sie schon einmal Kontakt zu Kindern mit Migrationshintergrund und haben Sie mit diesen gespielt, gearbeitet und eigene Erkenntnisse gwonnen? Entschuldigen Sie bitte meine Offenheit, bei Ihren Zeilen habe ich den Eindruck, dass Sie gern schreiben, aber keine Ahnung von dem haben, um was es dabei geht. Es ist mit Sicherheit wichtiger und sinnvoller, "Einen Draht" mit den Kids aufbauen zu können, als aus bequemer Haltung Standards und Hochschulausbildungen zu fordern. Der Leserbrief von Frau Spaan bezieht sich, wenn ich das richtig gelesen habe, auf "wissenschaftlich" basierte Versuche von sogenannten Spezialisten und zeigt, daß auf diesem Wege offensichtlich keine Besserung für die Kids möglich ist. Arbeit mit Kindern, ob mit Migrationshintergrund oder ohne, erfordert einzig und allein Herz, Verstand und einfache Regeln. Wenn Sie sich darüber hinaus noch mit dem Humor einer anderen Kultur anfreunden können, sind sie einen Schritt weiter.

Christoph Humpert am :

Ich hab mich für keine pädogogische Ausbildung entschieden, weshalb ich natürlich kein Fachmann bin. Trotzdem darf ich doch meine Meinung schreiben, oder? Vielleicht hilft es auch manchmal, die Meinung von Personen zu lesen, die die einschlägige Einrichtung noch vor ein paar Jahren besucht haben. Leider erlernen den Beruf des Erziehers sehr viele Mädchen, die nach der 10. Klasse nicht wissen, was sie machen sollen. Vielleicht wollen Sie das nicht hören, aber das ist die Realität auf den berufsbildenden Schulen. Sprechen Sie einfach mal mit den Lehrern auf der HöHa oder den anderen Schulen! Alleine diese Entwicklung ist schon nicht gut! Sie meinen, dass die Arbeit mit Kindern Herz erfordert. Wie soll eine Erzieherin den Beruf mit Leidenschaft füllen, wenn der Beruf aus Mangel an Alternativen und anderen Gründen überhaupt erst erlernt wurde? Natürlich gibt es auch viele, die sich sehr bewusst für den Beruf des Erziehers entscheiden oder die im Lauf der Ausbildung Leidenschaft für diesen Beruf entwickeln, aber ob das immer der Fall ist? Die Siebwirkung einer Hochschulausbildung würde dieses Problem stark verringern und nebenbei noch die fachliche Kompetenz und Entlohnung steigern. Ich bin sicher nicht der einzige, der über eine Aufwertung des Erzieher-Beruf nachdenkt. Frau Spaan fordert übrigens mehr und hochqualifiertes Personal. Ich glaube mein Kommentar hat die gleiche Intention, oder? Was ist eigentlich mit den Skandinavischen Ländern, wo die besten Pisa-Ergebnisse erreicht werden? Dort gibt es genau solche Standards, und die Arbeit in der Vorschule setzt dort eine Hochschulausbildung voraus. Nach Deutschlands miesen Ergebnissen in der Pisa-Studie wurden ebenfalls neue Standards für die Lehrer entwickelt. Inzwischen haben sich doch die Pisa-Ergebnisse verbessert, oder? Was ist dagegen einzuwenden, von anderen Ländern zu lernen?

Klaus Konkel am :

In dem Artikel der Süddeutschen geht es vordergründig um eine Äußerung der Bundeskanzlerin auf dem "Bildungsgipfel" im Oktober 2008. Die Sprachförderung soll vorangebracht werden. Die mehrjährige, psychologische Studie des Landes Baden-Würtemberg vergleicht u.a. deutschsprachlich normal entwickelte Kinder ohne weitere Förderung (Gruppe 1), deutschsprachlich nicht gut entwickelte Kinder mit spezieller Förderung und deutschsprachlich nicht gut entwickelte Kinder ohne spezielle Förderung. Auf Gruppe 2 und 3 bezieht sich der Leserbrief von Frau Spaan. Herr Humpert, falls sich Ihre Meinung ausschließlich auf Gruppe 1 beziehen würde, ergäbe eine Hochschulausbildung von Erziehern Sinn. Die Problematik der Gruppen 2 und 3 ist jedoch mit Sicherheit nicht akademisch zu lösen und das angesprochene "billige" Bildungssystem tatsächlich ungeeignet; denn es wird versucht, mit minimalen Kosten größtmöglichen Ertrag zu erreichen. Im Weiteren wird in dem Leserbrief von Frau Spaan Bezug auf das kleine Remscheid und den sehr hohen Einwandereranteil genommen, wobei das Problem des Abschottens der einzelnen Kulturgruppen in deren Heimatsprache als Ghettoisierung benannt wird. Glaubt denn wirklich jemand, dass Akademiker die richtigen sind, um den Kindern dieser Gruppen die deutsche Sprache näher zu bringen? Ich glaube, die meisten Akademiker fühlen sich zu Höherem berufen… Für die Kinder der Gruppen 2 und 3 sind zwar Akademiker grundsätzlich nicht auszuschliessen, m. E. aber Menschen gefragt, die auch andere Fähigkeiten mitbringen müssen, nämlich Herz, Verstand, das Wissen, wie Kinder und Jugendliche ticken, und die Bereitschaft, diese außerordentlich schwere Arbeit täglich aufs Neue anzugehen - und das bei schlechter Bezahlung, weil es das derzeitige (Bildungs-)System so vorgibt. (Text vom Waterbölles gekürzt)

Benjamin Becker; KreisvorsitzenderJunge Liberale am :

Herr Konkel, unbestritten benötigt man für eine Tätigkeit im Erziehungswesen Herz, Verstand und Bereitschaft. Aber ich wehre mich dagegen, dass hier behauptet wird, Akademikern fehle es offenkundig hieran. Oder unterstellen Sie den LehrernInnen an den Schulen einen Mangel an Herz, Engagement und Feinfühligkeit? Selbst die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft fordert grundständige Ausbildungsgänge an Hochschulen. Was ist demnach also der Hintergrund: Es gibt eine breite Unterstützung für die Pädagogik der frühen Kindheit, sowohl in der Politik als auch in der Wirtschaft. Hier wurde schnell auf die Ergebnisse von PISA, IGLU u.a. reagiert, und doch bleibt festzuhalten, dass die veränderten Anforderungen an das System der Kindertageseinrichtungen nicht ohne eine Veränderung in der Ausbilung des Personals bleiben kann. Gerade im Bereich der Sprachförderung muss das pädagogische Personal neuen Erwartungen gerecht werden, und es besteht ein großer Bedarf an Qualifizierung und Weiterbildung. M.E. muss aber besonders Wert darauf gelegt werden, dass es bei der frühkindlichen Bildung eben nicht um den reinen Wissenserwerb geht, sondern hier die Kitas einen besonderen persönlichkeitsbildenden Ansatz verfolgen. Eine Hochschulausbildung reduziert nicht die Herzlichkeit oder die Bereitschaft mit Kindern zu arbeiten, sondern soll im Zusammenspiel mit Wissenschaft und Forschung die praktischen Anforderungen frühkindlicher Bildung ausbauen und entwickeln.

Christoph Humpert am :

Ich würde gerne anmerken, dass FH-Absolventen der Sozialpädagogik eigentlich automatisch in den gehobenen Dienst eingruppiert werden. Bei den Absolventen der Polizei- und Verwaltungsfachhochschulen ist es identisch. Ich glaube nicht, dass es einen Mangel an FH-Absolventen geben würde, wenn die Eingruppierung in den gehobenen Dienst winkt. Die Entlohnung als akademischer Berufsanfänger im gehobenen Dienst, ist netto sicherlich nicht so schlecht (ca. 1600 netto), dass sie einem Vergleich mit der freien Wirtschaft nicht standhält. Mir sind genug Freunde bekannt mit sechs Jahre Uni-Studium Kommunikationsdesign, die erstmal nicht über 1100 netto kommen. Vielleicht war es in den 70er Jahren so, dass jeder Hochschulabsolvent direkt ein fürstliches Gehalt bekam. Nun gut: Ich schließe mich zu 100% der Meinung von Herrn Becker an!

Klaus Konkel am :

Herr Becker, Sie wehren sich zurecht dagegen, daß hier behauptet wird, es würde Akademikern an Herz, Verstand und Bereitschaft fehlen, denn so wie Sie hier meinen Kommentar in #5.1.1.1. lesen, habe ich diesen nicht geschrieben. Mein Text wurde gekürzt und sinnverändert. In der Sache liegen Sie in #6 mit Ihren Ausführungen m.E. genau richtig.

Lothar Kaiser am :

Starker Tobak: der Waterbölles kürzt Kommentare "sinnverändernd"! So Ihr Vorwurf, Herr Konkel! Wie gut, dass Ihr Originaltext noch im System war. Hier die original Passage: "Ich glaube diesbezüglich einmal ganz keck behaupten zu dürfen, daß die meisten Akademiker sich zu höherem berufen fühlen, für Leitungspositionen in der Wirtschaft oder für den gehobenen Dienst in Verwaltungen und Trägerschaften. Für die Kinder der Gruppen 2 und 3 sind m.E. in der Praxis Menschen gefragt, die auch andere Fähigkeiten mitbringen müssen, (wobei Akademiker grundsätzlich hierfür nicht auszuschliessen sind) nämlich Herz, Verstand und einfache Regeln durchsetzen zu können. " Eine Entschuldigung würde ich akzeptieren, Herr Konkel. Ansonsten: Sie müssen (!) nicht im Waterbölles schreiben. Haben Sie eigentlich vergessen, dass ich Ihnen den gekürzten Text vorab gemailt hatte?

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