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Aufruf "Natur und Landschaft schützen" ist in Arbeit

In der jüngsten Mitgliederversammlung des Heimatbundes Lüttringhausen e.V. wurden Vorstand und Beirat beauftragt, einen Aufruf mit dem Titel "Natur und Landschaft in Remscheid schützen" zu erarbeiten und vor der Kommunalwahl an den Rat der Stadt Remscheid und die Bezirksvertretung Lüttringhausen zu richten. Peter Maar, Vorsitzender des Heimatbundes: "Die Federführung liegt bei Dipl.-Ing. Haimo Bullmann, der Mitglied des Heimatbundes und Vorsitzender des Rheinischen Vereins für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, OV Wuppertal, ist. Er war bis zu seinem Eintritt in den Ruhestand als Raumplaner und Umweltplaner in verantwortlichen Positionen bei der Bezirksregierung Düsseldorf und der Stadt Solingen tätig und unterstützt den Heimatbund seit vielen Jahren fachkundig in Sachen 'Blume'." Bullmann begründete in der Sittung die Notwendigkeit eines solchen Aufrufs wie folgt:

"Die erste Wurzel ist die europarechtliche Vorgabe der Europäischen Union. Nach dieser Vorgabe sollen die Bauleitpläne zu einer nachhaltigen Entwicklung und zu einem hohen Umweltschutzniveau beitragen. Hinzu kommt die Erkenntnis in der Landes- und Bundespolitik, dass Städte schrumpfen und gleichzeitig ins grüne Umland wuchern. Dies bewirkt eine Zerstörung der natürlichen Lebensgrundlagen, die Zunahme des Verkehrs und eine Verödung der Stadtmitte und älterer Stadtquartiere. Beispiele für diese Entwicklung sind die Städte Detroit, Liverpool und nicht wenige Städte in den neuen Bundesländern. Ansätze für diese Entwicklung sind auch in Nordrhein-Westfalen erkennbar. Beides wurde in Form von gesetzlichen Vorschriften in das Baugesetzbuch eingefügt.

Zunächst einige Fakten zur Klarstellung: Remscheid ist eine stark schrumpfende Stadt. Dies ergibt sich aus der demographischen Entwicklung der letzten Jahre (Quelle: Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik). Im Jahr 2000 hatte Remscheid fast 120.000 Einwohner, 2007 waren es nur mehr 114.500. Das heißt die Stadt hat in den letzten sieben Jahren im Schnitt jährlich 750 Einwohner verloren. Auch die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten ist im gleichen Zeitraum drastisch gesunken. Mitte 2000 gab es 46.700 Beschäftigte, 7 Jahre später nur mehr 41.500. Das ergibt einen durchschnittlichen Verlust von 750 Beschäftigten pro Jahr.

Was kann die Stadt tun, um dieser Entwicklung entgegenzuwirken? Zu den wenigen Möglichkeiten der Kommunalpolitik gehört die Planung und Erschließung neuer Baugebiete für gewerbliche Nutzungen. Wie das Beispiel des Gewerbegebietes Blume zeigt, können jedoch neue Baugebiete den Verlust an Beschäftigten nicht ausgleichen. Unter der optimistischen Annahme, dass auf der Blume 750 neue Arbeitsplätze entstehen, würde das neue Gewerbegebiet den Verlust an Beschäftigten von nur einem einzigen Jahr kompensieren.

Remscheid ist nicht die einzige Stadt in der Region, die neue Gewerbegebiete anstrebt. In den benachbarten Städten Wuppertal, Solingen, Haan, Mettmann, Wülfrath und Velbert sind gewerbliche Ansiedlungsflächen mit einer Größe von 360 ha geplant. Hinzu kommen noch die benachbarten Städte und Gemeinden des Oberbergischen und Rheinisch-Bergischen Kreises. Insgesamt dürften in der Region der Bergischen Großstädte neue Gewerbegebiete mit einer Fläche von etwa 500 ha geplant sein. Das ist eine Fläche 25-mal so groß wie die Blume! Selbst wenn von die-sen Plänen nur Teile realisiert werden: Die Konkurrenz der Städte in der Region ist groß, das geplante Angebot an gewerblich nutzbaren Flächen übersteigt die Nachfrage bei weitem.

Wie gering die Nachfrage nach neuen Gewerbegebieten in der Region ist, zeigt das Beispiel des Gewerbegebiets Piepersberg in Solingen. Das Gebiet befindet sich in bester Verkehrslage, ist von seiner Größe – 22 ha – vergleichbar mit der Blume, gehört der Stadt Solingen und ist voll erschlossen. Seit etwa fünf Jahren bemüht sich die Wirtschaftsförderung Solingen, baureife Grundstücke mit einer Größe von 1.000 bis 5.000 m³ zu moderaten Preisen zu vermarkten – bislang nur mit geringen Erfolg.

Es ergibt sich die Frage, wie die vielen neuen Gewerbegebiete, die mit wenigen Ausnahmen auf der grünen Wiese entstehen sollen, volkswirtschaftlich zu beurteilen sind. Dazu – aktuell – der ehemalige Bundeskanzler Helmut Schmidt (Helmut SCHMIDT: „Außer Dienst“, Siedler Verlag München, 2008, S. 224/ 225): „Es erscheint wenig aussichtsreich, unsere vier Millionen Arbeitslosen zusätzlich in der güterproduzierenden Industrie beschäftigen zu wollen, wenn es doch der Dienstleistungssektor ist, der weiter expandieren wird. Gleichwohl träumen manche Politiker noch immer von Industrieansiedlung.“ Meine Ausführungen sollen zeigen, dass die schwierige Situation, in der sich Remscheid befindet, nicht mit ein paar Hektar neuer Gewerbegebiete auf der grünen Wiese gelöst werden kann. Im Sinne einer nachhaltigen Stadtentwicklung müßte vielmehr die Stadt bestrebt sein,

  • die Verödung bestehender Stadtquartiere zu verhindern,
  • Brachen im Stadtgebiet baulich zu nutzen und
  • ihre Stärken zu pflegen.

Zu den Stärken Remscheids gehört das schöne Umland, die historischen Orte wie Lennep und Lüttringhausen, einschließlich ihrer benachbarten Kulturlandschaft und weitere Stadtquartiere mit guter Wohnqualität. Eine nachhaltige und erfolgreiche Stadtentwicklung ist in Remscheid ohne den Schutz von Natur und Landschaft nicht möglich. Um dieses Ziel zu erreichen, wird der Heimatbund Lüttringhausen mit meiner fachlichen Unterstützung einen entsprechenden Aufruf an den Rat der Stadt Remscheid und die Bezirksvertretung Lüttringhausen erarbeiten.“

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Waterbölles am : Ehrennadel und -brief für Umweltschützer Haimo Bullmann

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„Aufruf "Natur und Landschaft schützen" ist in Arbeit“, titelte der Waterbölles am 23. März 2009 über die damalige Mitgliederversammlung des Heimatbundes Lüttringhausen.  Vorsitzender Peter Maar (rechts im Bild) hatte für diese Aufga

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