Skip to content

Anzeige

Bau-Innung Remscheid Innung für elektrotechnische Handwerke Remscheid Fachinnung für Metall- und Graviertechnik Innung für Sanitär- und Heizungstechnik Remscheid
Dachdecker-Innung Remscheid Friseur-Innung Remscheid Maler- und Lackierer-Innung Remscheid Kraftfahrzeughandwerk Remscheid

Ohne den „Tagestreff“ hätten manche keinerlei Kontakte

Caritas-Geschäftsführer Werner Fußwinkel. Foto: Lothar Kaiser

Vor der Presse hat in dieser Woche der Caritas Remscheid e.V. mit seinem Geschäftsführer Werner Fußwinkel den Jahresbericht 2008 seines Fachdienstes „Wohnungsnotfallhilfen“ vorgestellt. Der Fachdienst  mit seinen ineinander greifenden Hilfeangeboten entstand aus der vom Land  NRW geförderten „trägerübergreifenden Fachkonzeption zur Vermeidung und Behebung von Wohnungslosigkeit“, die von der Stadt Remscheid, dem Caritasverband und anderen Diensten/Ämtern erarbeitet worden war. Ab 2001 wurde an der Kronprinzenstrasse (jetzt Schüttendelle/Grunerstraße) nach dieser Konzeption mit viel Erfolg gearbeitet. Fußwinkel: „Das  Hilfesystem hat sich in Remscheid – sowohl bei anderen Diensten, als  auch bei den Hilfesuchenden – etabliert und ist bis heute das einzige  niederschwellige Angebot seiner Art in Remscheid. Die enge Verzahnung und ‚die Hilfen aus einer Hand’ haben zu der erreichten Qualität  beigetragen.“ Im September 2007 zog der Fachdienst in die neu gestalteten Räumlichkeiten in der Schüttendelle 40 / Grunerstraße 7 um. Dort befinden sich außerdem die  Notübernachtung der BAF e.V. und die Räume der Stadt Remscheid zur Unterbringung Wohnungsloser.  

Der „Tagestreff“ stützt sich als sog. „Nachfolger der Wärmestube“  auf eine lange Tradition in Remscheid (seit den 80er Jahren).  Seit 1995/96 ist der Tagestreff an der Kronprinzenstraße angesiedelt. Bis Sommer 2001 unter dem Namen „Wärmestube“ in  Trägerschaft des Diakonischen Werkes Remscheid, danach angegliedert an die Beratungsstelle unter der Trägerschaft des Caritasverbandes. Seit Herbst 2006 erfolgt die „Personalbewirtschaftung“ durch den Verein BAF e.V. Im September 2007 bezog der Tagestreff die neuen Räumlichkeiten in der Schüttendelle 40. Viele BesucherInnen besuchen ihn schon seit Jahren. Einige von ihnen kommen fast täglich. Durch den Umzug in die Schüttendelle 40 ist es für die  BesucherInnen schwieriger geworden, „beide Hilfeangebote“  (Tagestreff & Tafel) zu nutzen. Für viele Menschen stellt der Tagestreff die einzige verbindliche Tagesstruktur in ihrem Lebensalltag dar. Oftmals verfügen sie außerhalb dieses Treffs über keinerlei stabilen sozialen Kontakte. Zitat aus dem Jahresbericht:

„Immer mehr Menschen in unserer Gesellschaft – und damit auch in  Remscheid – leben in Armut. Folgen dieser Entwicklung sind auch immer wieder Wohnungslosigkeit, Suchterkrankungen, psychische Erkrankungen. Parallel dazu erleben immer mehr Menschen die Zugänge zum Hilfesystem als große Hürde (man denke hier nur an die Antragstellung bei der BA/ARGE oder die Wartezeiten bei Hilfeanbietern). Hier war und ist der Fachdienst Wohnungsnotfallhilfen mit seiner niederschwelligen Arbeit einzigartig in Remscheid.“

Die Auswirkungen der „neuen“ Gesetzgebungen (Hartz IV und  Gesundheitsmodernisierungsgesetz) zeigten weiterhin ihre Auswirkungen für die KlientInnen des Fachdienstes, heißt es weiter.  Nach wie vor führe der Wegfall der einmaligen Beihilfen (wie z. B. der Bekleidungsbeihilfe) bei o.g. Personengruppe zur  Verarmung. Steigende Energiekosten und die allgemeine Preisentwicklung  beschleunigten diese Entwicklung. Besonders im  Gesundheitsbereich seien Unterschiede in der Versorgung benachteiligter Menschen zunehmend sichtbar. Vorsorgeuntersuchungen würden mangels materieller Ressourcen nicht wahrgenommen. Die 2004 eingeführte Praxisgebühr bewirkt weiterhin, dass  dem genannten Personenkreis der Zugang zum Gesundheitssystem erschwert bzw. unmöglich gemacht wird. Bestehende Erkrankungen werden häufig nicht oder verspätet behandelt und es  kommt dadurch auch zu dauerhaften Schädigungen. Interessant  wäre in diesem Zusammenhang eine Kosten-Nutzen-Analyse, hier  mit dem Fokus auf eine evtl. Zunahme von med. Notfallversorgungen und Todesfällen.

Der Fachdienst Wohnungsnotfallhilfen bietet  unmittelbare Hilfestellungen zur Teilnahme am Leben wie Konto,  Post, materielle Absicherung durch Inanspruchnahme sozialer  Leistungen an. Weitergehende Hilfen, die ein selbständiges  menschenwürdiges Leben in unserer Gesellschaft ermöglichen,  stehen in Zeiten von massiver Arbeitslosigkeit und nach wie vor  mangelndem Zugang zum Wohnungsmarkt für o.g. Klientel kaum mehr zur Verfügung.  So fallen diese Menschen zunehmend und dauerhaft aus dem  Regelsystem heraus.  Aufgefangen wird diese „Ausgrenzung“  teilweise durch „Subsysteme“ wie:  die „Remscheider Tafel“ mit einer täglichen Essenausgabe  incl. anschließender Lebensmittelausgabe sowie dem Tagestreff der Beratungsstelle, ferner  durch Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen nach § 16 Abs. 1  SGB II oder die sog. 1-Euro-Jobs (Arbeitsgelegenheiten  nach § 16 Abs. 3 SGB II) als Ersatz für fehlende  Arbeitsplätze auf dem „ersten Arbeitsmarkt“. Die Beratungsstelle unterhält des weiteren ein Treuhandkonto für die Menschen,  die bei Geldinstituten als Kunden keinen Zugang mehr  finden, um auf diese Weise den Bezug von Leistungen des Sozialamtes,  Arbeitsamtes, der ARGE sicherzustellen. Das Treuhandkonto wurde von 69 (Vorjahr 56) Personen genutzt.

Besonderes Augenmerk gilt den „jungen  Erwachsenen“, die im Wohnungslosensystem  auftauchen und „Fuß fassen“. Hier können Hilfen eine  „Chronifizierung“ verhindern.  Darüber hinaus nimmt die Zahl derer stetig zu, die keinerlei  Perspektive auf ein „eigenständiges“ Leben mehr haben und  dauerhafter Hilfe bedürfen. Dies sind chronisch mehrfach  geschädigte Menschen, die nie mehr in der Lage sein werden,  selbständig in einer eigenen Wohnung zu leben und auf Grund  ihrer Lebensbiographie in den vorhandenen Einrichtungen im  Stadtgebiet nicht adäquat versorgt werden können. Hier nennt der Jahrssbericht als  mögliche Hilfe ein „Dauerwohnheim“, das diesen  Menschen ihre oftmals jahrzehntelang erworbenen „Gewohnheiten“ in einer menschenwürdigen Umgebung erlaubt.

Der sozialarbeiterische Bereich der Beratungsstelle umfasst Sprechstunden viermal wöchentlich als offenes Beratungsangebot  ohne Zugangsvoraussetzungen, Besuche der vom Klientel im  Stadtgebiet bevorzugten öffentlichen Plätze sowie in der „Pension Dressen“ und im Appartmenthaus an der Rosenhügelerstrasse. Im Fachdienst arbeiten zwei Dipl.-Sozialarbeiterinnen (1,5 Stellen Vollzeit), eine Dipl.-Sozialwissenschaftlerin (Vollzeit) und eine Bankkauffrau für den Bereich Verwaltung (0,5 Stelle Vollzeit). Ute Schlichting, Leiterin des Fachbereichs "Wohnungsnotfallhilfen": "Derzeit betreuen wir pro Jahr etwa 255 Männer und 45 Frauen."

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Chronist am :

Der Fachdienst Wohnungsnotfallhilfen wird vom 5. bis 22. Mai im Ämterhaus am Ebertplatz eine Wanderausstellung mit dem Thema "Wohnungslose im Nationalsozialismus" zeigen. Dazu gehört 11. Mai um 19 Uhr in der VHS ein gleichlautender Vortrag - mit regionalen Bezügen - von Hans-Jürgen Roth. Die Caritas: „Wie viele Bettler und Landstreicher, ab 1938 auch als "Nichtsesshafte" bezeichnet, in Konzentrationslager eingeliefert wurden, lässt sich nicht genau feststellen. Experten schätzen die Zahl auf über 10.000. Häftlinge aus der Kategorie der sog. Asozialen blieben in Ost- und Westdeutschland von Entschädigungszahlungen ausgeschlossen. Erst in den letzten Jahren sind Entschädigungszahlungen in einigen Bundesländern über Härterfallregelungen möglich. Für die Überlebenden dürfte dies in der Regel zu spät gewesen sein: Das durchschnittliche Geburtsjahr der 1938 bei der ‚Aktion Arbeitsscheu Reich’ Verhafteten war 1900.“

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!