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"Fair Play" steckt in einem Teufelskreis

Sie waren wohl zu optimistisch gewesen, die Mitglieder von „Fair Play“, die in Remscheid Gutes tun wollten für Kinder. Im Juli 2003 kündigten sie für September 2004 die Eröffnung einer Indoor-„Spiel- und Bewegungsoase“ in einer ehemaligen Industriehalle (2800 Quadratmeter) des Alexanderwerks an der Kippdorfstraße  an. Im Mai 2004 hieß es bereit, bis Januar 2005 müssten die Kinder noch warten. Aber dann ... Der Umgang mit Behörden ist halt zeitaufwändig, und der „Papierkram“ nicht zu unterschätzen (baurechtliche Auflagen). Die Chronologie einer „Beerdigung auf Raten“.

Manfred Morgenstern, Staatssekretär im Städtebauministerium, verkündete im Juni 2004 auf dem Düsseldorfer Kongress „Bürger machen Stadt“, das Landesprogramm „Initiative ergreifen“ werde bis Ende 2005 neun Projekte mit 6,1 Millionen Euro fördern, darunter in Remscheid im Rahmen der Regionale 2006 den Verein „Fair Play“ e.V. mit 650.000 Euro für den Ausbau der „Spiel-Oase“ für bis zu 600 Kinder (mit pädagogisch-gemeinnützigem Konzept und diesbezüglichem Beirat) aus Remscheid, Hückeswagen, Radevormwald und Wermelskirchen. Kämen von den 83.900 Kinder aus diesem Bereich 34 000 nur einmal im Jahr, wäre das Projekt finanziell gesichert, hieß es von Seiten des Vereins. Ebenfalls geplant sei ein 400 Quadratmeter großer "Multifunktionsbereich" für Veranstaltungen mit bis zu 400 Besuchern.

Veranschlagt war das Projekt mit 830. 000 Euro. An Spenden waren bis Juni 2004 stolze 85.000 Euro zusammengekommen, davon 80.000 Euro von der Stadtsparkasse. Die 650.000 Euro an Landesmitteln eingerechnet blieben also 95.000 Euro übrig, die man noch an Spenden benötige. Im Januar 2005 war die Spendensumme auf 100.000 Euro angestiegen, und der Indoor-Spielplatz am Kremenholl hatte mit Torsten Moritz (34) einen Geschäftsführer. Der kündigte für Ende Mai, Anfang Juni die große Eröffnung an mit Rollhockey, Kletterwand, Hallenfußball und Kartfahren. Vereine, Initiativkreise, Kirchen, Jugendzentren und Schulen freuten sich darauf schon sehr, berichtete Fair-Play-Vorstandsmitglied Frank Dehnke.

Zu den „Stolpersteinen“, die noch aus dem Weg zu räumen seien, gehörte im Januar 2005 noch die Baugenehmigung der Stadt. Einen Monat später war sie erteilt, und „Fair Play“ versprach, „jetzt Gas“ zu geben. Doch am 23. März, als Städtebauminister Michael Vesper den Verein besuchte, war aus „Mai/Juni“ bereits ein vages „Spätestens im Winter“ geworden. Drei Monate später verriet der Verein dann der Öffentlichkeit, aus der notwendigen Erneuerung der alten Heizungsanlage in der Halle ergebe sich eine Finanzlücke, eine konkrete Summe wurde jedoch verschwiegen. Auf erste Gerüchte, das Projekt sei gescheitert, reagierte Vereinsvorsitzender Martin Lambotte zugleich energisch: „Alles Quatsch“.

Doch die heimische Prominenz, die sich für den Indoor-Spielplatz als Gründungsmitglieder von „Fair Play“ e.V. engagiert hatte (der evangelische Superintendenten Dr. Martin Dutzmann, Sozialdezernent Burkhard Mast-Weisz, Amtsgerichtsdirektor Rolf Söhnchen und RGA-Herausgeber Dr. Wolfgang Pütz) blieb beunruhigt. Zu Recht: Am 22. Juli 2005 warf „Fair Play“ das Handtuch. Das ehrgeizige Projekt schien gescheitert. Aus den Gerüchten waren Fakten geworden: Das Geld hatte nicht gereicht, genauer, der Investitionsbedarf wäre so hoch gewesen (höher, als vom Architekten zunächst eingeschätzt), dass sich das Projekt nicht mehr gerechnet hätte. Geschäftsführer Torsten Moritz ging auf Jobsuche.

Im September 2005 musste die „Fair Play“ GmbH, der kommerzielle Teil des Projektes, schließlich Insolvenz anmelden. Auch die Spendengelder waren bis auf eine kleine vierstellige Summe aufgebraucht. Denn das Land hatte seine Zuschüsse von einem Mietvertrag für die Halle abhängig gemacht, und der Geschäftsführer hatte auch nicht „für lau“ gearbeitet, sprich, es entstanden Ausgaben, aber keine Einnahmen. „Alles exakt belegt“, betont Vorstandsmitglied Frank Dehnke.

Im September 2005 noch einmal ein Hoffnungsschimmer: Der RGA berichtet, Bezirksregierung und Bauministerium suchten nach einem Alternativ-Standort in der Innenstadt. Gemeinsam mit dem „Fair Play“ e.V., dem gemeinnützige Part des Projektes; denn der existierte weiter. Und auf die Frage nach den Chancen für die Spielelandschaft sprach Henry Beierlorzer, der Geschäftsführer der Regionale 2006, von "fifty-fifty".

Seitdem nimmt die Ungewissheit eher noch zu. Er könne zum „Indoor-Spielplatz“ „nicht viel Verbindlicheres“, sagte Beierlorzer heute auf Anfrage. Beim Land liege ein Förderantrag vor, der zur Zeit geprüft werde und der auch noch durch Unterlagen der Initiative zu konkretisieren sei; „das Verfahren schwebt also noch".

Das aber kann dem Verein „Fair Play“ nicht zur Last gelegt werden. Er ist bereit, das Projekt in der ehemaligen Karthalle von Winfried Urbinger an der Stockder Straße zu verwirklichen, die derzeit als Firmenlager benutzt wird. Auch hat der Verein Hastener Bürger gefunden, die bereits sind, sich anstelle der Kremenholler in einem Beirat zu engagieren. Wieder Papierkram, wieder Anträge. Dann schließlich der „positive“ Bescheid der Stadt, fast noch druckfrisch: Nun sei soweit alles in Ordnung; es fehle jetzt nur noch der Eigenkapitalnachweis des Vereins.

"Wir stecken in einem Teufelskreis“, klagt Frank Dehnke. Ohne Landeszuschüsse keine Spender, und ohne Spender keine Landeszuschüsse. Derzeit jedenfalls ist „Ebbe in der Kasse“, könne das nötige Eigenkapital nicht nachgewiesen werden. Und mit einer Großspende ist diesmal so leicht nicht mehr zu rechnen. Die Stadt Remscheid hält das Projekt nach wie vor für gut und förderungswürdig, hat auf die Entscheidung des Landes aber keinen Einfluss. Alle Beteiligten in Remscheid ist klar: Springt in Düsseldorf niemand über seinen Schatten und gibt die Landeszuschüsse frei, ist die Indoor-„Spiel- und Bewegungsoase“ von „Fair Play“ endgültig gestorben.

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Chronist am :

Weder für einen Indoor-Spielplatz am Kremenholl noch an der Stockder Straße erhält der Verein "Fair Play" Landeszuschüsse. In dieser Woche wurde das endgültige Aus für das Projekt publik; Anzeichen dafür hatte es ja schon im Februar genug gegeben.

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