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Blume: Von Friedensreich Hundertwasser zum roten Bindfaden

von Peter Maar

Man erinnert sich: Im Juli 2004, wenige Wochen vor der Kommunalwahl, lehnte die Wählergemeinschaft in Remscheid (W.i.R.) im Rat der Stadt Remscheid den Bebauungsplane Blume ab. Nicht etwa, weil man das Gewerbegebiet grundsätzlich ablehnte, sondern weil man ein Gewerbegebiet der Extraklasse haben wollte. Und das gab nun einmal der von CDU und FDP beschlossene Bebauungsplan nicht her. Die gestalterischen Forderungen der W.i.R und damit auch die Versprechungen gegenüber den Wählern waren eindeutig: „Ökologische hochwertige bebaute Gewerbeflächen á la Friedensreich Hundertwasser, dem weltbekannten Künstler und Architekten, mit Gebäuden, welche teilweise in den Boden gebaut sind und mit begrünten Dachflächen eine begehbare Landschaft formen.“

Dies und noch mehr sollte nach dem Willen der W.i.R. in einer rechtsverbindlichen Gestaltungssatzung, die der Rat beschließen sollte, festgeschrieben werden. Nach den von der W.i.R. vor zwei Jahren verbreiteten Vorstellungen sollte ein Gewerbegebiet Blume „richtungsgebend und Vorreiter für zukünftige Gewerbegebiete in Deutschland und Europa sein“. Soweit der Anspruch und die Versprechungen.

Die von W.i.R.-Fraktionschef Wieland Gühne und seinen politischen Mitstreitern mittlerweile praktizierte Wirklichkeit in Sachen Blume sieht knapp zwei Jahre nach der Wahl ganz anders aus: Zusammengefasst ausgedrückt könnte man sagen: Friedensreich Hundertwasser wurde durch einen roten Bindfaden ersetzt. Denn für 15.000 Euro aus Steuermitteln wurde ein Holzmodell gebastelt, welches durch das Anlegen eines roten Bindfadens zwischen zwei Punkten im Ortskern und im Gewerbegebiet die künftigen Blickbeziehungen im Rahmen der Bebauung des Gewerbegebietes darstellen soll. Der rote Bindfaden und das Holzmodell ersetzen dabei nicht nur Friedensreich Hundertwasser, sondern auch die Gestaltungssatzung, die vor der Wahl von der W.i.R. lauthals zur Bedingung für Zustimmung zum Gewerbegebiet erhoben wurde und von der die W.i.R. sich jetzt verabschiedet hat. Was ist das für eine Stadtplanung und Stadtgestaltung, bei der demnächst Wieland Gühne und die Mitglieder des Bauausschusses – um den optimalen Blickwinkel zu erzielen möglicherweise auf dem Bauch liegend – mittels rotem Faden feststellen, ob ein Neubau an der Blume vom Lüttringhauser Ortskern aus zu sehen ist oder nicht. Die Märklin-Eisenbahn lässt grüßen!

Die Blume-Gegner haben von Anfang an die realitätsfernen Vorstellungen der W.i.R. zu Recht, wie sich jetzt beweist, angezweifelt. Die Zwänge des Marktes und der gnadenlose Wettbewerb der Kommunen bei Gewerbeansiedlungen wird dazu führen, dass an der Blume, wenn überhaupt, ein „stinknormales“ Gewerbegebiet entsteht, wie es an fast jeder Autobahnabfahrt zu besichtigen ist. Da kann Wieland Gühne noch so viele rote Strippen ziehen, er wird es nicht verhindern können.

CDU-Ratsherr Fritz Heuser hat vor Jahren einmal dem früheren CDU-Oberbürgermeister Fred Schulz vorgehalten, dass dieser „wie ein Tiger gestartet und letztlich als Bettvorleger gelandet sei“. Ob der Vergleich damals berechtigt war oder nicht, sei dahingestellt. Was die ursprünglichen Ansprüche der W.i.R. hinsichtlich der gestalterischen Forderungen in Sachen Blume und der daraus gewordenen aktuellen Wirklichkeit anbelangt, ist dieser schöne Vergleich mehr als angebracht.

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waterboelles.de am : Visionen schaden nicht, auch nicht der "Blume"

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Waterbölles-KommentarMan darf ja mal träumen dürfen. Und die W.I.R. hat es jetzt getan. Das Diskussionspapier, das sie heute der Presse vorstellte und auf ihrer Internetseite veröffentlichte, soll andere zum Nachdenken anregen in der Hoffnung auf inhaltli

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