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Eine Neuauflage des Traums vom "bergischen Rothenburg"?

Gestern im Röntgenmuseum: Runder Tisch Lennep, Teil II. Foto: Lothar Kaiser

Von „Geld in die Hand nehmen“ war gestern Abend beim „Runden Tisch Lennep“ (Teil II) im Röntgenmuseum mehrfach die Rede. Oberbürgermeisterin Beate Wilding und Stadtplaner Hans Gerd Sonnenschein begrüßten dazu rund 20 Einzelhändler, Gastwirte, Hausbesitzer und Kommunalpolitiker, die eines gemeinsam haben: Ihnen liegt Lennep am Herzen. Und das teilweise schon Jahrzehnte lang. Doch zweierlei fehlt ihnen: Eine Patentlösung und Geld. Letzteres sogar mehr denn je. Denn weitere Fördermittel sind vom Land nicht zu erwarten, wie OB Wilding schon in ihren ersten Sätzen klar machte. Klaus Kreutzer, der Vorsitzende des Verkehrs- und Förderverein Lennep e.V., zeigte dafür Verständnis. Schließlich seien seit 1978 inzwischen rund 48 Millionen Euro in die Lenneper Altstadt geflossen, ohne dass deren Sanierung bis heute abgeschlossen sei. „Nichts hat gefruchtet“, sagte Kreutzer resigniert. Seine Befürchtung: „Lennep wird zur Schlafstadt Wuppertals.“

Weitere Landesmittel – auch für den dritten Bauabschnitt des Röntgenmuseums – werde es erst geben, wenn die Altstadt attraktiver, sprich: belebter geworden sei, sagte Wilding. Der Förderantrag und die Pläne für den weiteren Museumsausbau lägen zwar inzwischen dem Ministerium in Düsseldorf vor, ergänzte Sonnenschein – und dort stünden auch noch einige Gespräche aus -, doch ohne finanzielles Engagement der Bürger bliebe die Landeskasse auf absehbare Zeit geschlossen. Die Landesregierung erwarte, dass die Fördermittel, die bisher geflossen seien, endlich Wirkung zeigten.

Die „Leerstandserhebung“, die Sonnenschein den interessierten Lenneper Bürgerinnen und Bürgern vorstellte, zeigte auf, was zu tun ist. Hier zunächst die nackten Zahlen: Die Stadt hatte die Eigentümer von 314 „Objekten“ (Sonnenschein) angeschrieben und wertet eine Rücklaufquote von 22,6 Prozent als großen Erfolg und Zeichen von Interesse und Bereitschaft zur Mitarbeit. Das aber muss sich erst noch zeigen. Herausgekommen ist jedenfalls durch die Rückmeldungen, dass gegenwärtig in der Altstadt Lennep mindestens (!) 14 gewerbliche Objekte /Ladenlokale des Einzelhandels leer stehen, ferner zwölf Wohnungen. Sonnenschein: „Das hatten wir bei den Wohnungen vor 25 Jahren schon einmal gesehen. Umkehren lässt sich dieser Trend nur mit den Eigentümern!“

Es kann viele Gründe haben, dass Einzelhändlern Kunden verloren gehen oder sie ohnehin ihre Läden schließen. Es kann am Verlust von 15.000 gewerblichen Arbeitsplätzen in Gesamt-Remscheid liegen, wie Klaus Kreutzer vermutete – diese Zahl hatte OB Wilding tags zuvor in der Denkerschmette genannt. Es kann aber auch daran liegen, dass (umliegende) Häuser und Grundstücke ungepflegt sind, der Zugang zum Laden wenig einladend wirkt („Zahn der Zeit“) oder eine schlechte Gebäude-Isolierung die Heizkosten und damit die Nebenkosten des Ladens in die Höhe treibt. Das Kernproblem, so Sonnenschein: „Leerstand zieht Leerstand nach sich!“ Um das zu verhindern, um Kunden in den Laden zu locken – hier kam es wieder -, müsse „Geld in die Hand genommen werden“ – für einen kundenfreundlichen Zugang vielleicht oder für eine bedarfsgerechte, moderne Ladeneinrichtung. Und gegebenenfalls müssten auch die Vermieter über einen niedrigeren, angemesseneren Mietzins nachdenken. Vor allem aber: „Reden Sie miteinander“. Sollte wohl auch heißen: „Nicht übereinander“. Darauf hatte zwei Tage zuvor an gleicher Stelle bereits die grüne Fraktionsvorsitzende Juttas Velte angespielt (“ „Wenn die Lenneper endlich zusammenhalten würden, könnte man einiges bewegen, ohne viel Geld ausgeben zu müssen!“)

Mehr Verständnis für einander, wünscht sich Hans Gerd Sonnenschein. Vieles scheitere an den Lenneper Bürgern selbst. Damit waren auch die Mieter von Altstadtwohnungen gemeint. Die müssten es halt wenige Tage im Jahr ertragen, so Gunther Brockmann, dass auf dem Alten Markt gefeiert werde. Die Initiative dazu müsse von Vereinen und Verbänden vor Ort ausgehen, meinte Beate Wilding. Aus Steuergeldern könne die Stadt schon lange mehr keine Feste finanzieren, bestenfalls die Veranstalter bei der Organisation durch das Stadtmarketing unterstützen. Auch einen „Abbau bürokratischer Hemmnisse“ schloss Stadtplaner Sonnenschein nicht aus. Das galt dem Denkmalschutz und dem Wunsch vieler Mieter und Hauseigentümer nach Balkonen für ihre Wohnungen, Merke: Denkmalschutz ist das eine. Aber ohne Menschen stirbt die Altstadt.

In diesem Zusammenhang erwähnte Sonnenschein auch die Sondernutzungserlaubnisse für öffentlichen Raum“ und stellte eine „flexiblere Handhabung“ in Aussicht. Konkret: In den einzelnen Stadtteilen von Remscheid seien unterschiedlich hohe Gebührensätze rechtlich durchaus zulässig, wobei der Gebührenschlüssel beispielsweise die Fußgängerfrequenz sein könne.

Wenn ein Lenneper Bürger weiß, was nicht schon alles versucht worden ist, um den Stadtteil attraktiver zu machen, dann ist es Klaus Kreutzer. Vierzig Jahre sei es mittlerweile her, erinnerte er sich gestern, da habe der damalige Oberbürgermeister Walter Frey (SPD) versprochen: „Wir machen aus Lennep ein bergisches Rothenburg“. Auf die vielen Tausend Besucher, die Jahr für Jahr nach Rothenburg kommen, wartet man in Lennep bis heute vergeblich. Liegt es am mangelnden Stadtmarketing? Kreutzer: „Das Konzept ‚Lennep 2002’ aus dem Jahre 1997 war 400 Seiten stark. Jahre später kannte es Herr Meike vom Stadtmarketing nicht und holte es bei mir zum Kopieren ab.“ - Einwand von Stadtplaner Hans Gerd Sonnenschein: „Das Papier war teilweise recht anspruchsvoll, sah viel Hochwertiges für den Einzelhandel vor. Aber für einen Kugelschreiber, der 400 Mark kosten soll, ist kein Markt in Lennep!“

Kreutzer entgegnete mit dem Hinweis auf das morgige Ende der Hertie-Filiale und die genannten Leerstände: „Der Einzelhandel liegt völlig danieder!“ Da sei es ratsam, nicht länger von Alt- und Neustadt zu sprechen, sie womöglich gegeneinander aufzuhetzen, sondern für ein „besseres Image von Gesamt-Lennep“ zu sorgen. Die Bürger müssten sich mit „Lennep insgesamt“ identifizieren. In der Diskussion klang es mehrfach an: Probleme seien intern zu lösen, nicht „auf dem offenen Markt“. Nach außen hin müssten alle öffentlichen Akteure, denen Lennep am Herzen läge („auch die Politiker der Bezirksvertretung Lennep“) mit einer Stimme auftreten. Ohne diese Form von positiver Werbung sei an ein „bergisches Rothenburg“ erst gar  nicht zu denken…

Im Rahmen der Leerstanderhebung hatte die Stadt auch nach Kommentaren gefragt. Hier eine Kostprobe: „Nicht nur darüber meckern, was alles nicht geht, sondern das tun, was möglich ist!“

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Waterbölles am : Konzept Lennep 2002: Elf Jahre alt, klingt aber sehr aktuell

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An das 400 Seiten starke „Konzept Lennep 2002“ aus dem Jahre 1997 erinnerte vergangenen Donnerstag beim „Runden Tisch Lennep“ (Teil II) im Röntgenmuseum Klaus Kreutzer, der Vorsitzende des Verkehrs- und Förderverein Lennep e.V.. Inzwischen stellte er dem

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Chronist am :

In Sachen „Stadtplanung“ sei ein weiterer „Runder Tisch“ in Lennep überfällig, stellte Ursula Czylwik (SPD) gestern in der BV Lennep fest und erinnerte an eine entsprechende Zusage von Stadtplaner Hans Gerd Sonnenschein. Der Termin werde noch in diesem Jahr sein, antwortete dieser.

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