Skip to content

Schattenspendender Buche droht bald die Motorsäge

Objekt von Gutachtern: Die alte Buche neben dem Lüttringhauser Rathaus. Foto: Lothar KaiserViele Jahre stand sie vor dem Lüttringhauser Rathaus, spendete im Sommer Schatten und produzierte fleißig Sauerstoff. Nun, in die Jahre gekommen, sieht die Buche zwar noch immer stattlich aus mit ihrer hohen und breiten Krone. Doch für Reinhard Bauer, den Leiter des Fachbereichs Grünflächen der Stadtverwaltung Remscheid, ist nicht die Optik entscheidend, sondern die Verkehrssicherheit. Und um diese sei es leider schlecht bestellt, berichtete er den Mitgliedern der Bezirksvertretung Lüttringhausen. Sein Urteil: „Der Baum muss gefällt werden!“

Das Grundstück, auf dem die Buche steht, gehört der Stadt. Noch, muss einschränkend hinzugefügt werden. Denn die Bäckerei Beckmann, die an der Kreuzbergstraße gleich neben dem Rathaus zurzeit ein neues Café errichten lässt, würde das Grundstück gerne kaufen. Aber ohne eine Buche, von der zu befürchten sei, dass ein Teil der schweren Äste beim nächsten Sturm auf den Neubau stürzt. Dieses Szenario sei durchaus realistisch, sagte Bauer in der Sitzung der BV Lüttringhausen. Denn der Baum gabele sich im unteren Bereich – eine potenzielle Bruchstelle. „Stimmt“, bestätigte in der Sitzung Bernhard Ruthenberg von den Grünen. „In diese Gabelung läuft Regenwasser ein und tritt fünfzig Zentimeter weiter aus der Rinde wieder aus!“ Kein Zeichen für eine sichere Statik! Und das in einem Bereich mit viel Fußgänger- und Fahrzeugverkehr! „Guten Gewissens könnten wir das Grundstück nicht verkaufen, so lange die Buche dort steht“, so Bauer.

Das ließ sich die Verwaltung inzwischen von zwei Baumsachverständigen bestätigen. Doch auf Anregung von  Andreas Stuhlmüller (CDU) hätte es die Bezirksvertretung gerne ausführlicher und schriftlich. Immerhin sei die Buche ja nicht krank, sondern habe nur eine Schwachstelle. Vielleicht ließe sich die Instabilität ja auch anders beseitige als durch die Motorsäge. 

Auch auf diese Frage war die Verwaltung in ihrer Beschlussvorlage bereit eingegangen: Die auseinanderdriftenden Stämme durch Gurte zusammenzubinden, sei recht teuer und bestenfalls für fünf Jahre machbar, keinesfalls aber eine Dauerlösung. Und bei Buchen ließen sich die Kronen grundsätzlich nicht sehr stark zurückschneiden. Dann würden die Bäume „verdursten“.

Sobald die Verwaltung die von der BV geforderten Expertisen („zweite Meinung“) eingeholt hat, soll die Entscheidung fallen – aus Zeitgründen ggf. auch im Eilverfahren vor der nächsten BV-Sitzung. Wird die Buche gefällt, kann Bäcker Beckmann die rückwärtige Terrasse seines neuen Cafés durchgängig plattieren lassen. Dann wird dort kein Baumstamm mehr aus der Erde ragen.

Trackbacks

Waterbölles am : Ratzfatz wird aus der alten Buche Kleinholz

Vorschau anzeigen
Von Jürgen Breidenbach Rekordverdächtig ist die Geschwindigkeit der Verwaltung, mit der der Beschluss der Bezirksvertretung Lüttringhausen (vom vergangenen Mittwoch) umgesetzt wird, die Buche neben dem Rathaus zu fällen. Die Tinte des Protokolls war no

Waterbölles am : Park oder Metzgerei, das ist hier die Schicksalfrage

Vorschau anzeigen
Die Waterbölles-Glosse „Schattenspendender Buche droht bald die Motorsäge“, titelte der Waterbölles am 9. November 2009. Und tatsächlich: Kurz darauf wurde die Säge angeworfen und der Baum gefällt. Weil sonst ein Teil seiner schweren Äste beim nächst

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Chronist am :

Den Mitgliedern der BV Lüttringhausen liegt inzwischen das (anhand von Fotos erstellte) Gutachten des Baumsachverständigen Thomas Sinn aus Bad Vilbel vor. Darin werden verschiedene Maßnahmen bekannt, durch die die Verkehrssicherheit der Buche ausprobiert werden könnte. Zitat: „Durch eine Kroneneinkürzung / Kappung um mind. 20 Prozent der Baumhöhe könnte die Windlast der Rotbuche erheblich reduziert und bei gleichzeitigem Einbau einer Kronensicherung die Verkehrssicherheit zunächst wieder hergestellt werden.“ Aber: „Durch diese Rückschnitte, die einen massiven Eingriff in die Baumsubstanz bedeuten würden, würde der Altbaum … erheblich in seiner Gesundheit beeinträchtigt.“ Der zweite Sachverständige, Martin Turkl aus Halver, wird am Enbde von sechs Seiten deutlicher und hält es für "sinnvoll und vertretbar, den Baum zu entfernen".

Chronist am :

Die BV Lüttringhausen stimmte gestern der Fällung der kranken Buche zu. In der Nähe soll demnächst eine neue Buche gepflanzt werden.

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!