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Staudammprojekt aus Lennep für Deutsch-Südwestafrika

Baurat Albert Schmidt (1841-1932). Fotografie aus dem Jahre 1903.

Von Wilhelm R. Schmidt

Im Jahre 1907 veröffentliche der Lenneper Baurat Albert Schmidt (1841-1932), der bereits auf eine bedeutende Karriere im Bereich des bergischen Industrie- und Talsperrenbaus zurückblicken konnte (mit dem Aachener Prof. Intze und gilt er bis heute als ein Vater der deutschen Talsperrenbewegung) eine Denkschrift.  Sie trug den  Titel: „Eine Talsperre im Kwandotal, Deutsch-Südwestafrika“. In dieser Denkschrift skizzierte er ein Staudammprojekt im östlichen Teil des sog. Caprivizipfels (Caprivi strip) in der damaligen Kolonie „Deutsch-Südwest“. Das in Frage kommende Gebiet grenzt im heutigen Namibia an die Staaten Sambia, Simbabwe und Botswana. Was hat den Wasserbauer aus dem Bergischen Land veranlasst, sich einem solchen Thema zu widmen, und was ist daraus geworden?

Sicher ist, dass Albert Schmidt zunächst der technische, wasserbauliche Aspekt reizte. Augenscheinlich wollte er dem Deutschen Reich seine lange theoretische und praktische Erfahrung für die neuen überseeischen Besitzungen zur Verfügung stellen. Als er sich mit dem Thema zu Wort meldete, war er bereits 66 Jahre alt. Sicher ist auch, dass Albert Schmidt im Rahmen der damaligen Möglichkeiten aktuellen Entwicklungen nachging und sich Fachliteratur aus der Reichshauptstadt Berlin besorgte. Man muss davon ausgehen, dass er über die wasserbaulichen Entwicklungen in den Kolonien ausgesprochen gut informiert war. Schon früh wurden, wie beispielsweise aus Artikeln im Deutschen Kolonialblatt hervorgeht, in Deutsch-Südwestafrika Dämme und Regenrückhalteanlagen in Privatinitiative errichtet, so z.B. im Gebiet von Keetmanshoop oder in Mariental. Auch gab es Pläne der Bildung einer Gesellschaft zur Erschließung des Schutzgebietes durch die Anlage von Staudämmen. In den Jahren 1896 und 1897 reiste bereits ein Regierungsbaumeister Theodor Rehbock ins südliche Afrika, um ein Konzept für die landwirtschaftliche Erschließung des Schutzgebietes zu erarbeiten. 1901 begaben sich zwei Ingenieure der Firma Philipp Holzmann nach Deutsch-Südwestafrika, um eines der sechs von Rehbock vorgeschlagenen Staudammprojekte insbesondere auch hinsichtlich der Kosten zu evaluieren (vgl. dazu: Jäschke, S.125 ff.)

Der bergische Talsperrenbauer hatte Kenntnis der Frankfurter Firma Philipp Holzmann, mit der er im Zusammenhang anderer großer Bauprojekte auch konkurrierte. In den Jahren 1906 und 1907 widmete er sich neben seiner Alltagsarbeit dem Thema Deutsch-Südwestafrika, weil, wie er in seinen Lebenserinnerungen feststellt, in „der zweiten Hälfte des Jahres 1906 in kolonialpolitischer Beziehung eine neue Ära angebrochen“ war, „welche durch den neuen Kolonialdirektor eingeleitet wurde“. In der Tat wird auch heute noch mit dem Namen Bernhard Dernburg (1865-1937) ein grundlegender Reformkurs in der deutschen Kolonialpolitik verbunden. „Die Kolonien sollten mehr kaufmännisch, wissenschaftlich und technisch verwaltet werden“. „Wenn es dem neuen Kolonialdirektor gelingt, die Verwaltung unserer Kolonien in neue Bahnen zu leiten, in denen Wissenschaft und Technik sich zur rationellen Umgestaltung der Länder vereinigen, so kann man annehmen, dass die Morgenröte einer neuen Zeit angebrochen ist, in der für die immer mehr anwachsende Bevölkerung Gebiete geschaffen werden, die eine Überproduktion der Menschen in solche Bahnen leiten, dass sie für die Zukunft des Deutschen Reiches in nationaler Beziehung von großer Bedeutung sind“.

Der Autor dieser Zeilen überträgt augenscheinlich seine noch im 19. Jahrhundert entwickelte aufklärerisch positivistische Grundüberzeugung eines gelingenden Zivilisationsprozesses aus den erprobten Anwendungsgebieten der Heimat in die weltpolitische Zukunftsdimension. Obwohl zeitgemäß von deutsch-nationaler Gesinnung, steht bei seinen Überlegungen nicht die deutsche Weltherrschaft, sondern der Sieg des technischen Fortschritts mit seinem gesamtgesellschaftlichen Nutzen im Vordergrund. Im Lenneper Kreisblatt vom 2. Februar 1907 schreibt Albert Schmidt einen zweieinhalb Spalten langen Aufsatz über „Die Wasserverhältnisse von Südwestafrika“, in dem er neben den notwendigen allgemeinen Bemerkungen zur Geografie und Geologie des Gebiets ausführt: „Durch Talsperrenanlagen an passenden Stellen der Flusstäler würden demnach große Flächen der Talgründe kulturfähig gemacht werden können. Aber auch höher liegende Flächen könnten in der Nähe der großen Wasser führenden Ströme dadurch der Kultur gewonnen werden, dass man Berieselungswasser auf die Höhen pumpt. Man hat nur nötig, die Gefälle der Ströme zu Wasserkraftanlagen auszunutzen“. Mit diesen Ideen zur Kultivierung südwestafrikanischen Gebiets folgt der wassertechnisch erfahrene Baumeister aus dem rheinisch-westfälischen Wuppergebiet seinen für die heimische Landschaft entwickelten Theorien und konkreten Planungen, so wie sie beispielsweise in der Fachzeitschrift „Die Thalsperre“ zwischen 1902 und 1911 wiedergegeben sind. Wie dort berechnet er vom Lenneper Schreibtisch aus auch den finanziellen Nutzen der zweifellos sehr aufwändigen und schwierigen Maßnamen im südlichen Afrika.

In seiner Denkschrift „Eine Talsperre im Kwandoral, Deutsch-Südwestafrika“ aus dem Jahre 1907 vereint der Baurat seine in der praktischen Arbeit erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten mit den Erkenntnissen, die er aus der Fachliteratur über die ferne Kolonie erworben hat. Im bereits erwähnten Zeitungsartikel im Februar 1907 beschreibt er anhand eines Beispiels, wie er die spezifischen Voraussetzungen für ein so großes Projekt am Kwando ermittelte. „Ich hatte damals ein sehr schönes wissenschaftliches Werk , die Reisen des Geologen Passarge durch Südafrika, studiert und mir die Kriegskarten von Südwestafrika kommen lassen, die für wenig Geld in Berlin zu haben waren. Außerdem hatte ich damals die Wüstenbewässerungen in Ägypten usw. studiert, da alle diese Anlagen mit meiner Lieblingsbeschäftigung, der Förderung der Wasserbautechnik, übereinstimmten. Es ist deshalb begreiflich, dass ich versuchte, meine wassertechnischen Erfahrungen zur Förderung unserer Kolonien zu verwerten, mindestens aber anzuregen, dass man bei dem neuerdings eingetretenen allgemeinen Interesse für unsere Kolonien die Bewässerungsfragen zu lösen versuchte.

Die von ihm selbst als nur vorläufig bezeichneten Überlegungen Albert Schmidts für eine „Talsperre im Kwandotal“ können hier nicht im Einzelnen wiedergegeben werden. (…) Natürlich blieb der Autor auch bei der dieser Projektierung seiner bergischen Lieblingsbeschäftigung treu, nämlich der Regulierung ungezügelter Wasserkraft und der Nutzung der Wasserkraft für die Gewinnung von Elektrizität. Man denke nur an sein Lebensthema der Wupperregulierung und den damit zusammen hängenden Talsperren. (…) Der bergisch-preußische Baurat Albert Schmidt versandte das in „Broschürenform mit Zeichnungsbeilagen, Karten und Tabellen ausgestattete Projekt“ seinerzeit selbstverständlich an die leitenden Persönlichkeiten der Kolonialbürokratie, wo es zu seiner Freude „allgemeinen Beifall“ fand. Die Unterlagen befinden sich noch heute im Nationalarchiv in Namibia sowie im deutschen Bundesarchiv.

Was ist nun aus dem Projekt geworden? Wenn der Lenneper Baurat und Talsperrenbauer sich mit nach Afrika begeben hätte, wäre wohl die weitere Projektierung für ein Stausystem am Kwando zunächst voranzutreiben gewesen. Mit den im Bergischen Land von ihm gebauten Talsperren hätte allerdings das südwestafrikanische Unternehmen größenmäßig kaum noch etwas zu tun gehabt, es hätte sich dort über ganze Landstriche erstreckt. Insgesamt hat aber der Erste Weltkrieg die Planungen beendet. Mit der Unterzeichnung der Übergabevereinbarung am 9. Juli 1915 fand die Kolonialherrschaft Deutschlands in Deutsch-Südwestafrika de facto ein Ende. Die Ergebnisse des Ersten Weltkriegs haben den Lenneper Baurat Albert Schmidt immer wieder veranlasst, sein Bedauern darüber auszudrücken, dass eine große Zahl bereits ausgearbeiteter Vorhaben Opfer der Kriegsentwicklung wurden, gerade auch in seiner Heimat, dem Bergischen Land, für dass er noch einige Talsperren bereits ausgearbeitet im seinem Schreibtisch an der Lenneper Knusthöhe hatte. Auf eine lang anhaltende Gründerzeit folgte eine ebenfalls lang andauernde weltweite Wirtschaftsflaute, die die Umsetzung dieser Projekte unmöglich machte.

Literatur:

Schmidt, Albert: Ein Talsperre im Kwandotal, Deutsch-Südwestafrika, Denkschrift, 8 S., Lennep (Reinland) 1907, vorh. im Deutschen Bundesarchiv Koblenz sowie in den National Archives Windhoek. Abgedruckt in: Schmidt, Wilhelm R.: Albert Schmidt, Baumeister, Ingenieur, Architekt (1841-1932) Ein Leben in der Bergischen Kreisstadt Lennep, Gießen und Frankfurt am Main, 2000, S. 130-134. Jetzt in: Albert Schmidt – Ein bergischer Baumeister, Sutton Verlag, Erfurt, Herbst 2008.

Schmidt Albert: Die Wasserverhältnissse von Südafrika, in: Lenneper Kreisblatt vom 02.02. 1907. Abgedruckt in: Schmidt, Wilhelm R. (s.o.) S:127-130.

Jäschke, Uwe Ulrich: Die Polyzentrische Infrastruktur Namibias. Entstehung und Entwicklung in der deutschen Periode 1884 bis 1914/15. Im Selbstverlag des Fachbereichs Kartographie der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (FH), 2002.

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