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Kohle in Säcken auf den Rücken von Eseln oder Pferden

Hammer Gustav Motte 1902, genannt Gockelshammer. Foto bei Willi Maskus Güldenwerth und Fritz Motte Bornstal.

Als gegen Ende des 18. Jahrhunderts das "heilige Römische Reich deutscher Nation" unter den Revolutionskämpfen zusammenbrach und Napoleon mit gewaltiger Hand die politischen Verhältnisse Deutschlands umgestaltete, wurde auch das bergische Land von seinen Gewaltmaßregeln betroffen. (…) Nach der Demütigung Preußens betrachtete sich Napoleon ganz als Herrscher des (Bergischen) Landes und übernahm 1808 … die Regentschaft. (…) Eine neue Verwaltungsordnung, die Aufhebung der Leibeigenschaft und des Lehnwesens, die Einführung einer neuen Gerichtsverfassung und umfangreiche Straßenbauten sind vordergründig anzumerken. Er legte die Elberfelder Straße bis in die Gerstau an und baute die Solinger Straße bis Müngsten. Der Rest der Straßen war zu dieser Zeit in mehr oder weniger befestigten Wegen, teils mit Schotter oder Schlacken ausgebessert, zu sehen.

In amtliche Bekanntmachungen (1811 und 1812), in der Morsbach zu lesen, wurden miserable Zustände angeprangert: "Die Communikationswege und Außenpfäder zwischen dem Dorff und den Höfen sind in dergestalt verwahrlostem Zustand, durch überhängende Hecken derart verwachsen, dass ein Austrocknen selbst bei anhaltend gutem Wetter verhindert und ein passieren fast unmöglich gemacht ist. Es wird ungesäumte Abstellung dieses polizeiwidrigen Umstandes verlangt, Strafe und sonsten Ausführung durch Tagelöhner auf Kosten der Nachlässigen, angedroht. Die Hammerschmiede sollen die Singeln (Schlacken) statt sie zum Ausbessern der Wege zu benutzen, nicht in die Bäche werfen".

Und wenn man sich dann vorstellt, dass über solche Transportwege die Beförderung der schweren Schleifsteine oder gar Hammerachsen vonstatten ging, so war das schon als lebensgefährlich zu betrachten. Vergessen wir auch nicht, dass die Herbeischaffung des Rohmaterials aus dem Siegerland und der Kohlen aus dem Siegerland und dem Kohlenpott über derartige Wege führte (die heute noch vielfach erkennbaren Hohlwege). Noch heute kann der aufmerksame Beobachter bei Wanderungen rund um Remscheid die tief eingefahrenen Wege ausmachen, die teils vielfach abzweigen oder parallel verlaufen. Etwa bis Mitte des 18.Jahr-hunderts wurden die Kohlen in Säcken auf den Rücken von Eseln oder Pferden aus der benachbarten Mark "vom Kollpütte ut dem Prüß´schen", meist Sprockhövel, durch die sogenannten Kohlentreiber (Kollprüßen) an die Werke in den Tälern geliefert. Von der Solinger Straße abzweigend wurde dann 1848 die Straße in den Morsbacher Hof gebaut und als Weg deutlich verbessert.

Durch Napoleons Zwänge tat sich in einigen Bereichen reger Schmuggel und illegaler Handel mit Tabak und Salz auf, und es ließ sich nicht vermeiden, dass sich die Morsbacher intensiv daran beteiligten. Napoleons Monopolstellen, an denen diese Waren nur zu bekommen waren, sind nicht preiswert gewesen. Um diesem Schmuggeltreiben ein Ende zu setzen, wurde die Polizeistunde auf 10 Uhr abends festgesetzt mit dem Befehl, dass jeder, der nach 10 Uhr auf der Straße geht, eine brennende Laterne mit sich führt, widrigenfalls er in Arrest wandert. Interessante Dinge sind um 1850 nachzulesen: Der überhandnehmende Buschfrevel, Feldarbeiten an Sonntagen, Jagdfrevel, Kartenspiel und Lärmen während und nach dem Gottesdienste, das laute "ungebührliche guter Sitte zuwiderlaufende und störende Singen beim Besingen der Leichen durchs Dorf sowie das Tabaksrauchen und Mitführen dicker Knüppel bei dieser Gelegenheit und anderen, sind abzustellen.“ (Aus „Die Morsbach, Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid“ von Günther Schmidt, einem 1999 erschienenen Bildband zum 630-jährigen Bestehen einer der ältesten Remscheider Hofschaften. Mit freundlicher Genehmigung des Autors veröffentlicht der Waterbölles in unregelmäßigen Abständen Auszüge aus seinen Bildbänden über die Geschichte der Schmiedehämmer und Schleifkotten , Getreidemühlen, Knochenmühlen und Lohmühlen rund um Remscheid, die ihren Ursprung vor 1400 n. Chr. hatten und spätestens im 20. Jahrhundert abgerissen wurden.)

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