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Die Gebehochzeit kam vor der "Hieling" und brachte Geld

Bis etwa 1780 nahm der Arbeiter in Remscheid statt des Kaffees morgens einen Brei aus Hafermehl und aß Kuchen von demselben (...ist der berg. Schmierbrei nicht ähnlich?). Brot wurde halb aus Roggen und halb aus Hafer gebacken, da 1750 nur wenig Korn oder gar keins im bergischen Land angebaut wurde. Auf frohen Festen ging es dann hoch her: Bei Hochzeiten wurden "Bohnen mit Schinken und Riesbräi met Prumen" gereicht und der Hochzeiter (Hielingsbitter) amtierte als Küchenmeister auf dem großen Holzfeuer im Freien mit kupfernen Kesseln. In älteren Zeiten wurden Messer und Gabel mitgebracht. In der Einladungsformel heißt es weiter neben der Aufzählung des Gerichtes: "Dann en kaulen Dronk on en löstgen Spronk (Tanz). Früö kuomen on lang dobliewen! Et Metzken on et Gäffelken nit vergeten, et Büelschen met dem Geil gar nit!"

Die "Hieling" wurde nach der kirchlichen Verkündigung des Brautpaares gefeiert; die Gebehochzeit war ein willkürlich angesetzter Termin, an dem sich die jungen Leute oftmals noch nicht über einen Hochzeitstag einig waren. Zudem war die Gebehochzeit zweckgebunden. Einladungen erfolgten ausschließlich der Geschenke - und zwar bloßer Geldbeträge wegen. Deshalb wurden Listen erstellt, die einzusehen waren.

Es gibt eine interessante Begebenheit zur Hochzeit des Peter Hütz mit Maria Cornelia Engels zu Morsbach am 18.1.1820: (…) Der kirchliche Trautag und der Tauftag des Sohnes Nathanael sind identisch, was aus den Kirchenbüchern der alten ev. Gemeinde Remscheid hervorgeht. Bereits am 28.August 1819 hatte das Paar im Brautstande die "Gebehochzeit" veranstaltete. (…) Diese gab es zwar schon seit vielen Generationen (schon im 16. und 17. Jhdt. wandte sich die herzoglich bergische Regierung gegen solche Erscheinungen), doch nahmen solche Gepflogenheiten in jener Zeit zu, als altes Brauchtum durch Bevölkerungszuwanderung, sowie säkulare Tendenzen (nach 1770 bzw. nach der Französischen Revolution) verändert, gar aufgehoben wurde. (…)

Die Remscheider … hatten vor etwa 200 Jahren eine besondere Tracht. Man trug lange Röcke, Kniehosen, Wadenstrümpfe und Schnallenschuhe. Die besser gestellte Gesellschaft trug ein "Schleppenkamisol" mit blanken kupfernen Knöpfen. Ein schwerer Spazierstock aus braun poliertem spanischen Rohr mit Silberbeschlag, Elfenbein oder Silberknopf und eine wohlgepflegte Tabakspfeife mit einem silberbeschlagenen Ölkopf und silbernen Ketten und Ringen am Rohr … vervollständigte das Bild des in guten Verhältnissen lebenden Meisters oder Handelsherrn. (Aus „Die Morsbach, Hämmer- und Kottenforschung in Remscheid“ von Günther Schmidt, einem 1999 erschienenen Bildband zum 630-jährigen Bestehen einer der ältesten Remscheider Hofschaften.)

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Kommentare

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Hans Georg Müller am :

Von welcher Örtlichkeit blickt man auf dem Bild auf den Remscheider Berg?

Klaus R. Schmidt (Remscheider Stadtführer) am :

Der Standort des Fotografen dürfte in Höhe der Solinger Straße gewesen sein, denn im Vordergrund sind die Gebäude am Gockelshammer, in der Bildmitte die Bärenkuhle und auf halber Höhe die Morsbacher Schule zu erkennen. Wir blicken also ins Morsbachtal. Bei der Gelegenheit dem Waterboelles und seinem zahlreichen Anhang Gesundheit und Glück im Neuen Jahr!

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