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Arthur Schmidt, der Erbauer des Lüttringhauser Rathauses

Arthur und Trude Schmidt in Reichenhall 1096.

Von Wilhelm R. Schmidt

Am 19. und 20. September feiert die Stadt Remscheid den 100. Geburtstag des Lüttringhauser Rathauses, Grund genug, auch etwas über den Architekten zu erfahren, der in Remscheid und Umgebung eine Menge auch heute noch erhaltener Bauten schuf.

Reg.-Baumeister Arthur Schmidt, der Architekt und Generalunternehmer beim Bau des Lüttringhauser Rathauses, wurde am 4. Mai 1867 in Lennep geboren. Der Sohn des Talsperrenbauers und Industriearchitekten Albert Schmidt (1841-1932), der im Jahre 1870 das alte Rathaus an der Rathausstraße erstellt hatte,  ging in Lennep zur Röntgenschule, studierte in Berlin an der Technischen Hochschule Charlottenburg und übernahm nach der Diplom- und Reg.-Baumeisterprüfung das Lenneper Baugeschäft im Jahre 1903, zunächst mit seinem Onkel Ernst Schmidt und seinem Schwager Walter Eberhardi. Viele seiner Entwürfe aus der Studienzeit (u.a. Kirchen, Rathäuser, Schulen und Parlamentsgebäude) sind heute noch im Familienarchiv erhalten.

Das von Arthur Schmidt erbaute Lüttringhauser Rathaus auf einer Postkarte von 1908Arthur Schmidt setzte die Bautradition seiner Familie bereits in der vierten Generation fort, ursprünglich aus dem oberbergischen Freckhausen bei Eckenhagen (Reichshof) kommend lebte die Familie zuerst in Remlingrade und später in Lennep. Das Baugeschäft Schmidt ist seit ca. 1820 nachweisbar. Aufgrund seiner Examensleistungen erhielt Arthur Schmidt seinerzeit ein mehrmonatiges Architekturstipendium nach Italien. Dort hielt er sich vor allem in Rom und Ravenna auf, wo er u.a. die frühchristlichen Mosaiken der erzbischöflichen Kapelle aufnahm und kopierte. Nicht zuletzt auf die Italienreise ging auch die Idee zurück, im Lüttringhauer Rathaus Terrazzoböden zu installieren.

Mit Lüttringhausen war die Familie insbesondere durch Großvater Christian Schmidt (1805-1865) verbunden, der im 19. Jahrhundert am Neuenhof  umfassende Liegenschaften erworben und darauf eine Ringofenziegelei begründet hatte. Er betrieb dort auch eine Zeit lang auch eine Geflügelfarm. In der Familie wurde Großvater Christian als allzu gutmütig beschrieben, weil er seine Produkte leicht verschenkte. Seine Frau sagte oftmals: 100 Hühner und doch keine Eier!

Das von Arthur Schmidt erbaute Alumnat an der Hackenberger Straße.Im Jahre des Lüttringhauser Rathausbaus trennten sich die familiären Wege des großväterlichen Firmenimperiums, zu dem außer der Lüttringhauser Ziegelei das Lenneper Baugeschäft an der Schlachthofstraße und der holzverarbeitende Betrieb Wender & Dürholt gehörten. Für den Großvater waren Baugeschäft, Ziegelei und Zimmerei noch eine Einheit gewesen. Jetzt wurde diese Einheit für die Enkel aufgeteilt. Walter Eberhardi übernahm das spätere Klinkerwerk in eigener Regie, während Arthur Schmidt das Lenneper Baugeschäft weiterführte.

Beim Bau des Lüttringhauser Ratbausbaus von 1906 -1908 verzichtete er auf sein persönliches Architektenhonorar, das immerhin 7000 Mark betragen hätte. Weiterhin übertrug er auf Wunsch seiner Auftraggeber die bauliche Ausführung weitgehend an Lüttringhauser Unternehmen, z.B. an den Bauunternehmer Alfred Hölken, einen entfernten Verwandten.

Als der Baumeister bei der Eröffnungsveranstaltung durch die Rathaustür schritt, standen im Flur und auf der Treppe zum Obergeschoss bereits unzählige Festgäste, so dass er zu seiner Frau Trude sagte: Hoffentlich bricht die Empore jetzt nicht zusammen. Und als er von Bürgermeister Gertenbach gefragt wurde, ob er die Vergütung für die Bautätigkeit der Firma Schmidt in Papier oder Goldmark ausgezahlt haben wolle, entschied er sich für Gold. Einmal wollte er soviel Geld in seinen Händen halten. Den großen Betrag verstaute er dann in Hose, Gehrock und Weste und trat wohlgemut den Heimweg in Richtung der Lenneper Knusthöhe an. Das ist zwar bekanntlich nicht sehr weit, jedoch war die Last so schwer, dass er schon kurz hinterm Eisernstein und dann am Neuenhaus und an der Blume einige Zeit rasten musste.

Baumeister Arthur Schmidt war ausgesprochen musisch begabt, zeichnete, spielte sehr gut Klavier, trug  gekonnt Schubertlieder vor und übte sich einmal in der Woche in einem Lenneper Honoratiorenquartett. Da der katholische Pfarrer dabei um 12 Uhr nachts immer meinte, nach Hause gehen zu müssen, wurde kurz vorher im Hause Schmidt am Lenneper Mollplatz einfach die alte bergische Standuhr abgestellt. Diese gibt es heute noch, ebenso wie das Klavier und den Ständer für Noten, Weingläser und Zigarren.

Wie sein direkter Vetter Paul Dürholt war Arthur Schmidt in erster Linie Künstler. Beiden war die geschäftliche Seite ihrer Unternehmen eher lästig, beide spezialisierten sich auf schlüsselfertige Häuser nach eigenem Entwurf, bis zur Türklinke hin. Dafür war das 1908 eingeweihte Lüttringhauser Rathaus eines der ersten ausgeführten Beispiele des selbständigen Unternehmers Arthur Schmidt, dem weitere Projekte, z.B. in der Lenneper Schillerstraße die Wohnhäuser Nr. 25 und 27, folgten. Letztere baute der Architekt zu Renditezwecken, musste sie  aber später inflationsbedingt wieder aufgegeben. Die Phase der Villenarchitektur endete für Arthur Schmidt und Paul Dürholt mit dem ersten Weltkrieg, da dann allenfalls noch billigere Zweckbauten in Auftrag gegeben wurden.

Arthur Schmidts künstlerischer Anspruch wurde seinerzeit auch bei der Eröffnung des Lüttringhauser Rathauses mehrfach hervorgehoben und seine Realisierung dort gelobt. Eine ästhetische Beurteilung der historisierend bewussten Stilmischung, die damals en vogue war, bleibt heute Jedem selbst überlassen, Zeiten und Kunstauffassung haben sich seitdem mehrfach verändert.

Haus von Hermann Hardt jun. an der Rotdornallee.Arthur Schmidt war schon bevor er die Firma im Jahre 1903 übernahm, für seinen Vater Albert als Architekt tätig. Zeitgemäß übte er sich u.a. im „altbergischen Styl“. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden viele Hochbauten errichtet, Wohn- und Geschäftshäuser in Lüttringhausen, Dahlhausen, Wilhelmstal und Dahlerau, in Lennep z.B. die Häuser des Gemeinnützigen Bauvereins, 1897 bereits das Wohnhaus Hermann Hardt jun. in der Mittelstraße (heute Rotdornallee), das Kontorgebäude von Joh. Wülfing  & Sohn in der Kölner Straße, die Volksbank in der Poststraße, das Pastoratheim in der Bermesgasse, das Alumnat zwischen Hackenberger und Teichstraße, in dem 1913 der Schüler Heinz Rühmann untergebracht war, und das Landhaus Mühlinghaus am Nagelsberg. Vieles davon hat bis heute mannigfaltige Umnutzungen erfahren oder besteht gar nicht mehr, z.B. das Evangelische Gemeindehaus in der Lenneper Hardtstraße, in dem noch nach dem Zweiten Weltkrieg die Konfirmanden unterrichtet wurden und der CVJM sich traf.

An der Errichtung der sog. Rentengüterbauten der Stosberg-Siedlung 1906/07 bis 1913 am Lenneper Hasenberg und den Bauten des „Lehmbaupastors“ Gustav von Bodelschwingh in Remscheid Anfang der 1930er Jahre wirkte Arthur Schmidt maßgeblich mit. Bodelschwingh und seine älteste Tochter Adelheid hatten beim Konzept des Selbstbaus mit Lehmziegeln durch die sozialschwachen späteren Hausbewohner so gut wie keine bezahlten Architekten und Bauführer vorgesehen. Beide gingen seinerzeit bei Arthur Schmidt, der hier ehrenamtlich plante und prüfte, am Mollplatz ein und aus. Leider fiel Arthur Schmidts großes, um 1820 erbautes Schieferhaus gegenüber dem Berliner Hof Anfang der 1970er Jahre der Straßenverbreiterung zum Opfer.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde die Firma Arthur Schmidt durch ein Stuckgeschäft erweitert. Über letzteres wurden mit dem Spezialgipsputz Awallit in großem Umfang auch überregionale Arbeiten, z.B. in Bayreuth und Berlin ausgeführt. Nach der Rezession 1929 / 30 hat Arthur Schmidt weiter Bauten errichtet, so die Städtische Sparkasse in der Remscheider Saarlandstraße und die neue Lenneper Kläranlage  im Jahre 1934.

Obwohl Baumeister Arthur Schmidt ein erfolgreicher Architekt und zeitweilig Mitglied des Lenneper Stadtrats war, Angehöriger der „Loge zur Bergischen Bruderkette – Orient Lennep“ in der Bahnhofstraße, künstlerisch hochbegabt und sozial engagiert, trug er doch schwer an der Last seines direkten familiären Vorgängers Albert Schmidt, von dem es bis heute heißt, er habe neben den Talsperren und Industrieanlagen an der Wupper auch „halb Lennep“ gebaut. „Ich habe mein ganzes Leben im Schatten meines Vaters gestanden“ formulierte er einmal.

1945, im Todesjahr ihres Mannes, kochte Trude Schmidt Suppe aus Brennnesseln und zum Sonntag Runkeln oder Rübstiel. An Fleisch war nicht zu denken. Als einzigen „Luxus“ reklamierte Arthur Schmidt für sich hartnäckig ein Schälchen Apfelmus. Er Arthur Schmidt starb am 13. März 1945 in seinem Wohnhaus am Lenneper Mollplatz.

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