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Die Bergischen Heimatspiele, lebendig seit 80 Jahren

Von Peter Harnischmacher

 Im Sommer 1928, im August – 20 Jahre nach dem Rathausbau, drei Jahre nach dem Abtreten von Bürgermeister Richard Gertenbach, ein Jahr vor dem Ende der kommunalen Selbstständigkeit unseres Ortes – fanden die ersten Heimatspiele auf der Lüttringhauser Freilichtbühne statt. Auf dem Gelände des Landund Gastwirtes Richard Kotthaus ging´s dann los, nachdem das Problem, wo die zugehörige Kuh weiden sollte, gelöst war. Vor sanft abfallender Wiese, die wie ein Amphitheater siebentausend Zuschauern bequem Platz bot (General- Anzeiger Elberfeld-Barmen) wurde eine Bühne mit Balken und Brettern errichtet, im Hintergrund Mauern und Stadttor. Die Berliner Illustrierte bezeichnete die Lüttringhauser Heimatspielbühne als eine der schönsten Freilichtbühnen Deutschlands.

Als erstes Stück wurde „Schützen, Ritter und Rosen“ unseres bergischen Heimatdichters Paul Figge aus Herbringhausen aufgeführt, geleitet von Georg Schirmer – bekannte Namen, die noch häufig im Zusammenhang mit den Heimatspielen auftauchen sollten. Das Stück dreht sich um die Gründung der Schützenbruderschaft „Zum Kreuz“, um die Geschichte der schönen Grafentochter Irmgard vom Berg, vor allem ein Bild mittelalterlichen Lebens.

Es wurde zu einem Erfolg mit einem Drumherum, mit einem Umfeld, das man sich heute noch vorstellen kann. Lüttringhausen war punktuell eines der beliebtesten Ausflugsziele im Bergischen Land geworden. Im RGA konnte man lesen: „Mit der Reichsbahn, mit Autobussen und zu Fuß kamen sie (i.e.: die Zuschauer) nach hier, sahen unsere Stadt im Festschmuck, erblickten den herzlichen Willkommensgruß, füllten dann das so reizvoll im Kernpunkt der Stadt gelegene Spielgelände und sahen vor sich zwischen altbergischen, spitzwinkeligen Häusern die von Künstlerhand geschaffene Bühne liegen.“

Die Spieler zeigten sich noch am Vortage als geharnischte Reiter und Landsknechte in mittelalterlicher Tracht werbend in den Nachbarstädten: bunte Wämser, Trossknechte in Lederkoller, das Barett mit der wippenden Feder keck aufs Ohr gedrückt. Das Dorp im Festschmuck glich einem mittelalterlichen Heerlager. Eingeleitet wurde das Spiel durch Fanfarengeschmetter vom Kirchturm, durch das Lied eines machtvollen Massenchores - über 200 Sänger der Lüttringhauser Gesangvereine standen auf der Bühne: „Ewig liebe Heimat - Deine Wälder hör ich rauschen.“ Nach der Aufführung konnte Autor Paul Figge ehrenden Lorbeer in Empfang nehmen. Dann kam es zu einer „Demo“ durchs Dorp: Paul Figge wurde mit einer Kapelle und vielen Fans zum Saal Ernst Tillmanns geführt zur weiteren Ehrung.

Auf der Bühne standen - das gilt bis heute, hier sei ein Vorgriff auf die Lüttringhauser Volksbühne gestattet – keine Berufsschauspieler, keine Profis, sondern Laien, Amateure – hier spielt Volk für das Volk. Aus Liebe zur Sache, aus Spaß an der Freud nehmen sie intensive Arbeit, das zeitliche Engagement mit Eifer auf sich. Dabei: mimisches Urgestein, kernige bergische Typen. Gagen gibt es nicht, da wird eher noch aus der eigenen Schatulle zugeschossen - praktischer Idealismus in wahrlich materiell eingestellter Zeit.

Der Erfolg regte an, die Heimatspiele jährlich zu wiederholen. Es folgten „Zeitenwende“ (ein Spiel um Adolf Clarenbach), „Meister Dietrichs Tag“, „Glocken läuten Sturm“, „Bergische Hammerschmiede“, „Helden der Heimat“, „Krach im Dorp“, „Biebighäuser“, „Pflug und Schwert“. Der Krieg unterbrach die Erfolgsserie, während des Krieges wurde unter dem Zuschauergelände ein Luftschutzbunker angelegt. 1956 ging´s dann weiter mit „Ein ganzer Kerl“, jetzt unter der Federführung des Heimatbundes.

Schon 1954 hatten sich Theaterbegeisterte zur Lüttringhauser Volksbühne zusammengeschlossen, an der Spitze Werner Schwandt und Alice Fach. Heimatspiele und Volksbühne bilden fortan eine Symbiose. Mit „Wenn der Hahn kräht“ schlafen 1969 die Heimatspiele ein. Der junge Verein Volksbühne ist noch zu schwach, die Aufgabe allein zu schultern. Doch nur zwölf Jahre später, seit 1981, geht´s weiter mit den „Bergischen Heimatspielen“ auf der Freilichtbühne, ab jetzt ist die Volksbühne federführend. Die Spiele feiern fröhliche Urständ und bleiben kontinuierlich. Zwar strömen nicht mehr tausende Zuschauer herbei, nur ein paar hundert - die sitzen aber jetzt bequem auf Bänken mit Rückenlehne. Lothar Birkenstock setzt sich für das bergische Platt auf der Bühne ein, bergische Mundart wird gepflegt und an die Jugend vermittelt (Aber keine Angst! Auch ein Nicht-Platt- Kaller kann den Stücken folgen!). Und alles wird selbst gemacht: Nähen, Schneidern, Malen, Bauen, Schminken, Masken, Kulissen, Transport. Seit 2001 führt Heinz Soltau Regie. Und die Volksbühne ist nicht nur bei den Heimatspielen aktiv, sondern sie bringt auch eine Fülle von Sketchen, Einaktern, Märchenspielen, Komödien, Volksstücken (Anzengruber, Shakespeare, Goldoni, Moliere, Kurt Goetz). Es wird also nicht nur im Sommer gespielt, sondern das ganze Jahr über. Und so ist die Lüttringhauser Volksbühne ein fester und unverzichtbarer Bestandteil der bergischen Kulturszene geworden.

Theater ist Leben, lebendig - sagen wir modisch: life - und als solches der toten Elektronik moderner Medien per se überlegen. Hier geschieht etwas - action -, und der Zuschauer nimmt teil, direkt, ohne irgend einen trennenden Filter. Der Zuschauer sucht und findet ernste und heitere Unterhaltung, Denkanstöße, Entspannung und Anregung - Freude. Und dafür ist das Lüttringhauser Publikum dankbar. Für dieses unmittelbare Erleben, für die Begegnung mit lebendigen Personen - da holt der Senior Theater gegen die mit ganz anderen Motorisierungen ausgestatteten Junioren - Fernsehen, Video, Computer - mächtig auf und ist und bleibt quicklebendig!

Übrigens: Zur Zeit laufen noch die Bergischen Heimatspiele 2008: „Bergische Dickköppe“ von Paul Schirmer; Spielleitung Heinz Soltau, unter Mitwirkung der Lüttringhauser Blechbläser unter Leitung von Hans Herbert Brüninghaus - auf der Freilichtbühne!

(Erschienen im September 2008 in der Sonderausgabe „100 Jahre Rathaus Lüttringhausen“ des  Lüttringhauser Anzeigers)

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