Skip to content

Van denn twei Sack Eäpeln on demm Boulerwagen

Von Harald Neumann

Die twei Fraulütt, et Gerda on et Lene mackden sech op öffi em Oktober 1946 em Waldeckschen te Hamstern. l'egentlech woar et ki'en Hamstern wie märr domols Su sait.Se kangden do en Buren demm märr förren paar Dag biem Eäpelsbou Hölpen wuol.Äs Luohn fö de Hölpe suolen se Ongerkuomes on te Eten hann. Uoch woar de Ries et wert öm sech rechteg satt te eten.Twei Sack Eäpel gow et Därrbie fö de müöhselege Arbet op demm Eäpelsfeil. De Frog stault sech wie märr de Eäpel no Remsched kriegen soul.woaren doch die Twei Fraulütt mem Fahrrad gekoumen on su de twei Eäpeissäcke nit op Hi'em an Te transpertieren woaren.De Bur Möller wossden Rot on mackden en Vüörschlag :

Ji'eden Dag kom en Melkhängler ut Olegs mem Auto on fuhren darr Nöden vörrbie. De Plaaze hedden „Vier Wengen, se süölen do op en waren.Op darr Röckfahrt wöar Dann secherde Müöglechki'et mettefahren on de Eäpel on de Fahrräder mettenehmen. Äwwer do woar noch en Frog : Wie gi'eht et dann widder no Remsched ? Uoch hie Ha märr en Idee:

Vier hant doch tehi'emen en da Kippdorfstroten en Boulerwagen ! En da domolegen Tied woar son Dengen voll weät öm allen müöglegen Krom te transpertieren . Tem Biespell Kohlen on Brikett.die wuoten am Ostbahnhoff gehellt,waröm nit uoch de Eäpel Dometten fahren. De twei Väder.ehre Keäls woaren noch nit ut demm Krieg wi'ehr Tehi'emen,wouten met demm Boulerwagen mem Telegramm no demm Soleger Bahnhoff Bestault.

Fö useri'enen hüdigendags nit vüörtestellen.domols woar dal ewen su.märr mackden et All te Fuote. Et geng wie se sech dat vüörgestault haren.De Schwi'egerväder stongen met Demm Boulerwagen en Soleg am Bahnhoff parat. De Eäpel wuoten ömgeladen.on dann Geng et los. Vam Soleger Bahnhoff geng et de Schöttenstrbte rop on de Remscheder Strote Raff no Möngsen.de Soleger Strote rop en Re'itengk Vierkesen.Et woar ieskault.et woar Onger noll Grad Temperatur. Owendrenn drohten uoch de Sperrstond.die woar jo öm elt Uhr. Plester op demm Hongk äwwer glöckleg tegliks wuoten de Eäpeissäcke en denn Keller Gebreit.Jo ,de Plog ha sech geluohnt märr ha vö denn Wengter en Vüörrot.

Wat vörren Enttöüschengk bie darr i'eschten suar verdennten Mohltied. Denn Eäpeln woar Da lang Wäg nit bekoumen. De Käulde hären su tuogesatt dat se nu süöte schmackden. Wat förren Enttöüschenk! Wecker äwwer glüöwt dat de Sake dometten gedoann wöar.dä Ha sech gewauleg verdonn.De Eäpel wuoten met Roump on Stoump veraltet on gegeten.

Anmerkengk: Denn Boulerwagen gött et noch.he wüöt hütt noch gebrücktem Spass van Enkeln on Urenkeln. De Blagen fahren dometten spazieren. (In Remscheider Platt umgeschrieben von  Heinz Koch)

Gerda und Lenchen machten sich Oktober 1946 auf um im Waldeckschen zu Hamstern. Eigentlich war es kein Hamstern im damaligen Sinne denn Sie kannten einen Bauern dem man für einige Tage bei der Kartoffelernte helfen konnte. Als Entlohnung bekamen sie Unterkunft und Verpflegung.

Auch war die Reise es Wert, um sich einmal richtig satt essen zu können. 2 Sack Kartoffeln gab’s für die müheselige Arbeit auf dem Kartoffelacker. Die Frage stellte sich allerdings: wie bekommen wir diese nach Remscheid, schließlich waren die beiden Frauen mit dem Fahrrad gekommen und die schwere Fracht unmöglich auf diesem Wege nach Hause zu bekommen. Bauer Müller wusste Rat und machte einen Vorschlag. Täglich kam ein Milchhändler aus Solingen Ohligs mit dem Auto und fuhr in der Nähe vorbei. Diese Kreuzung hieß Vierwinden und sie sollten dort auf ihn warten. Auf der Rückfahrt wäre dann die Möglichkeit mitzufahren und die Kartoffeln mitsamt den Fahrrädern mitzunehmen .Die nächste Frage: wie geht's dann weiter nach Remscheid?

Auch hier hatten man eine Idee. Wir haben doch zu Hause in der Kippdorfstraße einen Bollerwagen! In der damaligen Zeit ein wertvolles Transportmittel für alle möglichen Frachten, z. B. für Kohlen und Brikett! Diese wurden vom Ostbahnhof geholt. Warum nicht auch für Kartoffeln? Gesagt, getan! Die zwei Schwiegerväter, die Ehemänner waren noch in Gefangenschaft, wurden mitsamt dem Bollerwagen per Telegramm , zum Hauptbahnhof nach Solingen bestellt. Für uns heute nicht vorstellbar, damals eine Selbstverständlichkeit, man machte alles per perdes. Es klappte wie geplant, Schwiegerväter und der Bollerwagen waren pünktlich am Hauptbahnhof eingetroffen. Die wertvolle Fracht wurde umgeladen und dann ging es los. Vom Solinger Hauptbahnhof die Telegrafen Str. hinauf, die Remscheider Str. herunter nach Müngsten , die Solinger Straße hinauf in Richtung Vieringhausen . Dabei war es bitterkalt und schon unter Nullgrad Temperatur. Außerdem drohte die Sperrstunde, welche ab 23 Uhr galt. Vom Amtsgricht ging’s dann leichter der Freiheitstraße entlang, um schließlich nach Stunden im Kremenholl anzukommen. Erschöpft und glücklich zugleich wurden die Kartoffelsäcke in die jeweiligen Keller gebracht. Ja, die Mühe hatte sich gelohnt, man hatte für jeweiligen Keller gebracht. Ja, die Mühe hatte sich gelohnt, man hatte für den Winter einen Vorrat. Doch welch eine Enttäuschung bei der ersten wohlverdienten Mahlzeit: Den Kartoffeln war der lange Transport nicht bekommen. Sie hatten Frost abbekommen und schmeckten süßlich! Doch wer glaubt, dass sich damit die Sache erledigt hatte, der täuscht sich gewaltig. Die Kartoffeln wurden samt und sonders verarbeitet und gegessen.

Übrigens: Den Bollerwagen gibt's noch! Er wird heute noch genutzt  - zum großen Vergnügen der Urenkel und Enkel. Die Kinder fahren wir damit spazieren.

Trackbacks

Keine Trackbacks

Kommentare

Ansicht der Kommentare: Linear | Verschachtelt

Noch keine Kommentare

Kommentar schreiben

Die angegebene E-Mail-Adresse wird nicht dargestellt, sondern nur für eventuelle Benachrichtigungen verwendet.

Um maschinelle und automatische Übertragung von Spamkommentaren zu verhindern, bitte die Zeichenfolge im dargestellten Bild in der Eingabemaske eintragen. Nur wenn die Zeichenfolge richtig eingegeben wurde, kann der Kommentar angenommen werden. Bitte beachten Sie, dass Ihr Browser Cookies unterstützen muss, um dieses Verfahren anzuwenden.
CAPTCHA

Standard-Text Smilies wie :-) und ;-) werden zu Bildern konvertiert.
Formular-Optionen

Die einzelnen Beiträge im "Waterbölles" geben allein die Meinung des Autors / der Autorin wieder. Enthalten eingeschickte Texte verleumderische, diskriminierende oder rassistische Äußerungen oder Werbung oder verstoßen sie gegen das Urheberrecht oder gegen andere rechtliche Bestimmungen oder sind sie nicht namentlich gekennzeichnet nebst E-Mail-Adresse, werden sie nicht veröffentlicht. Das gilt auch für substanzlose Bemerkungen ("Find ich gut/schlecht/blöd...etc."). Aus den oben genannten juristischen Gründen sowie bei längeren Texten sind auch Kürzungen nicht ausgeschlossen.

Kommentare werden erst nach redaktioneller Prüfung freigeschaltet!